Völlig schwerelos – die erste deutsche Frau im Weltall

Foto: Klampäckel
Foto: Klampäckel

Den Traum leben – genau das ist es, was knapp 400 Frauen dazu bewegte, sich um den Job als erste Astronautin Deutschlands zu bewerben. Denn auch wenn die Bundesrepublik bereits elf Personen in den Orbit entsandt hat, war bisher keine einzige Frau dabei. Doch das soll sich jetzt ändern. Das erklärte Ziel: Noch vor 2020 soll es einer Kandidatin ermöglicht werden, die abenteuerliche Reise zur ISS anzutreten. Von Inka Helmke

Update

Der karriereführer gratuliert
den Finalistinnen
Nicola Baumann und
Insa Thiele-Eich.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt „Die Astronautin“ von Claudia Kessler, Geschäftsführerin von HE Space Operations. Die diplomierte Ingenieurin für Luft- und Raumfahrt erfüllte sich damit einen Herzenswunsch. Schließlich weiß sie als eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der Branche am allerbesten, vor welchen Herausforderungen weibliche Mitstreiter in der Männerdomäne stehen. Die Astronautin soll daher vor allem als Vorbild dienen, indem sie Frauen und Mädchen für die Luft- und Raumfahrt begeistert und ihr Ansehen stärkt. Darüber hinaus werden während der Mission medizinische Tests durchgeführt, mit denen Besonderheiten des weiblichen Körpers in der Schwerelosigkeit untersucht werden.

Kessler ist zuversichtlich, dass die ISS-Mission ein voller Erfolg wird:„Deutschland hat jetzt die Chance, Geschichte zu schreiben“. Der Startschuss für das Projekt war der Aufruf zur Bewerbung im März 2016. Gesucht wurden starke Frauen, die ein abgeschlossenes Studium in Ingenieur- oder Naturwissenschaften oder eine vergleichbare Ausbildung im militärischen Bereich vorweisen konnten. Zudem wurden gute physische und psychische Kondition sowie die deutsche Staatsbürgerschaft gefordert. Innerhalb weniger Wochen gingen über 400 Bewerbungen ein, die von Fachleuten nach einem ausgeklügelten Punktesystem sortiert wurden. Ausgewählt wurden die 86 Besten, die sich in der nächsten Runde dem offiziellen Auswahlverfahren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterziehen mussten, welches an die Standards der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA zur Astronautenauswahl angelehnt ist. Nun – ein Jahr nach dem Aufruf – stehen die glücklichen Finalistinnen fest.

Crowdfunding für die Astronautin

„Die Astronautin“ ist eine Privatinitiative. Der Flug ins Weltall wird unter anderem auch durch Crowdfunding-Aktionen finanziert. Noch bis Ende April kann der erste Trainingsabschnitt 2017 für die beiden Finalistinnen finanziell unterstützt werden. Bestandteile sind: Fitness- und Tauchtraining, technische Grundlagen, Sozial- und Medienkompetenz, Parabelflüge und Raumstation-Basisfertigkeiten.
www.startnext.com/dieastronautin

Sechs Finalistinnen

Sechs Frauen haben es geschafft: Sie sind Deutschlands Hoffnung auf die erste Frau im All. Sie haben alle psychologischen und medizinischen Tests des DLR bestanden. Damit haben sie bewiesen, dass sie den Belastungen des Alls gewachsen sind und ins Siegerteam gehören. Spannend sind vor allem die unterschiedlichen Ausbildungen und Tätigkeitsbereiche der Finalistinnen: Nicola Baumann, geboren 1985, ist Eurofighter-Pilotin bei der Bundeswehr in Nörvenich bei Köln. Sie trägt den Dienstgrad „Major“ und ist unter anderem für die Luftraumüberwachung in Deutschland und befreundeten NATO-Nationen zuständig. Nach einer Offiziersausbildung machte die Münchnerin eine Ausbildung zur Kampfflugzeugpilotin und absolvierte ein Fernstudium in Maschinenbau.

Eine ganz andere Laufbahn schlug die 33-jährige Lisa Marie Haas ein. Nach ihrer Promotion am Institut für Theoretische Physik in Heidelberg ist sie heute Entwicklungsingenieurin und Teilprojektleiterin bei Bosch in Reutlingen. Dort spezialisierte sie sich auf Sensoren, die im Bereich Consumer Electronics zum Einsatz kommen, wie beispielsweise in Handys, Spielekonsolen oder in Drohnen. Die dritte Kandidatin, Susanne Peters, ist mit der Thematik „Weltall“ bereits sehr vertraut. Sie beschäftigt sich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Raumfahrttechnik der Universität der Bundeswehr München mit der Entfernung von Weltraummüll aus dem Orbit.

Magdalene Pree, 28 Jahre alt, hat ebenfalls eine steile Karriere hingelegt. Sie studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der TU München und arbeitet jetzt im Galileo Kontrollzentrum der DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen in Oberpfaffenhofen bei München. Die Nummer fünf, Suzanna Randall, befasst sich als promovierte Astrophysikern an der Europäischen Südsternwarte (European Southern Observatory) mit der Evolution von Sternen. Zudem arbeitet sie für ALMA in Chile, das größte bodengebundene Astronomieprojekt der Welt.

Last but not least, Insa Thiele-Eich. Die Meteorologin ist wissenschaftliche Koordinatorin am Meteorologischen Institut der Universität Bonn. Hier betreibt sie Grundlagenforschung für eine verbesserte Wetterund Klimavorhersage.

Redaktionstipp:

Die ISS ist gar nicht so weit von der Erde entfernt, wie mancher vielleicht denkt: Es sind nur knapp 400 Kilometer! Mit etwas Glück ist die internationale Raumstation sogar mit bloßem Auge am Himmel zu sehen. Die präzise Position, Bilder und Eindrücke liefert zudem auch die kostenlose App DLR_next.
www.dlr.de/next

Wie geht es weiter?

Nachdem Anfang März 2017 die Finalisten ernannt wurden, geht das Projekt in die heiße Phase und nimmt Schubkraft auf: Mitte April hat die Auswahlkommission entschieden, welche Zwei ins Training gehen dürfen. Für die beiden Frauen startet dann das Astronautentraining, das eineinhalb bis zwei Jahre dauern wird. Erst dann entscheidet sich, wer die Glückliche sein wird, die den Traum als erste deutsche Astronautin tatsächlich leben und noch vor 2020 zur ISS fliegen darf – es bleibt also spannend! Eines hat das Projekt bereits jetzt bewiesen: Deutschland hat hochausgebildete Frauen, die das Zeug zur Astronautin haben.

Das Projekt „Die Astronautin“ zeigt es: Es lohnt sich, für seinen Traum zu kämpfen und etwas Neues zu wagen. Denn auch wenn das Ziel manchmal unerreichbar scheint, werden sich Biss und Durchhaltevermögen früher oder später auszahlen. Deswegen – machen Sie das, wofür Sie brennen, lassen Sie sich von niemandem abhalten und schreiben Sie Geschichte.

Mehr Informationen unter:
www.dieastronautin.de