Generation Z wie Zukunft

Foto: Fotolia/chombosan
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Neue Leute aus der Generation Z, neue Techniken wie Big Data und Künstliche Intelligenz: Das Consulting stellt sich neu auf. Gefragt sind einerseits operative IT-Lösungen für mehr Effizienz und Transparenz. Doch danach kommt es mehr denn je auf die persönliche Beraterleistung an. Übrigens gerade bei den Führungskräften der Zukunft, die auf Gespräche großen Wert legen. Von André Boße

Die Generation Z kommt! Dazu zählen Absolventen und Einsteiger, die ab Ende der Mitte der 1990er-Jahre geboren wurden. Nun sind die ersten Mitglieder dieser Generation Mitte 20, haben ihre akademischen Abschlüsse in der Tasche oder sind kurz davor und starten ihre Berufskarrieren. Wie jede andere Generation zuvor bringt die Generation Z Eigenarten und Merkmale mit. Diese werden die Unternehmen verändern, in denen sie tätig sein werden – was wiederum auch den Anspruch an die Beratung der nahen Zukunft beeinflusst: Consultants müssen schon jetzt die Besonderheiten der Generation Z mitdenken.

X bis Z: So unterscheiden sich die Generationen

Aber was genau steht hinter der Z – und wie unterscheidet sie sich von ihren Vorgänger-Generationen X und Y? Der Ökonom Prof. Dr. Christian Scholz hat die verschiedenen Generationen analysiert, angefangen bei den Baby-Boomern, also den Menschen aus den besonders geburtenstarken Jahrgängen zwischen 1955 und 1969. Diese Generation sitzt heute vielfach in den Chefetagen. Doch ihr Ruhestand rückt näher.

„Die Baby-Boomer waren in mancher Hinsicht idealistisch und wollten eine bessere Welt, sie agierten aber zunehmend opportunistisch und nutzten ihre Karrierechancen“, formuliert Scholz. Auf sie folgte die pragmatische Generation X: „Anders als ihre Vorgängergeneration machte sie sich keine Illusionen über die Gesellschaft oder die eigene Zukunft. Visionen und Utopien spielten keine Rolle, es gab auch kaum eigene Aufstiegserwartungen.“ Die Generation Y – geboren in den 1980er- und bis Mitte der 1990er- Jahre – bestimmte zuletzt den Wandel in vielen Unternehmen. Scholz: „Sie besinnt sich auf Begriffe wie Sinn und Werte, strebt auch in der Arbeitswelt die persönliche Weiterentwicklung und Selbstentfaltung an, wird geprägt von Chancen und Gefahren, von Globalisierung und Digitalisierung.“

Nun rückt die Generation Z nach – „eine Generation, die erkennt, dass der Plan der Generation Y nach Sinnhaftigkeit und persönlicher Entfaltung nicht immer aufgegangen ist“, so Scholz. Daher trenne die Generation Z wieder klar zwischen Arbeits- und Privatleben, lege Wert auf Harmonie. Wandel hingegen wolle sie nur begrenzt, weshalb er eher mit einer „Optimierung von Strukturen und Sicherheit“ begründet werden sollte, um die Generation Z zu motivieren, wie Christian Scholz sagt.

Lust auf Menschen und große Unternehmen

Doch was heißt das konkret für die Karriereplanung der Generation Z? Welche Typen von Einsteigern gehen nun in die Unternehmen – und wie muss die Consultingbranche darauf reagieren? Die Unternehmensberatung Accenture hat mit der Studie „Gen Z Rising“ ein umfassendes Profil der neuen Kräfte vorgelegt. Für Unternehmensberater sind die Erkenntnisse besonders wertvoll, denn sie zeigen auf, worauf es dem Nachwuchs im Unternehmen ankommt – und wie es gelingen kann, sein beträchtliches Potenzial in den Unternehmen zur Entfaltung zu bringen. Eine Kernaussage der Studie lautet: „Obwohl die diesjährigen Hochschulabsolventen in Deutschland mit digitaler Kommunikation groß geworden sind, halten sie die zwischenmenschliche Interaktion im Beruf für besonders wichtig.“

Generation Z

Bloss nicht unterfordern Häufig stellt sich in den Unternehmen die Frage, wie sehr man die Einsteiger in die Arbeit einbeziehen darf, wie viel Verantwortung man ihnen gibt. Auch für Consultants ist das ein Thema. Die Accenture-Studie „Gen Z Rising“ zeigt nun, dass für die Einsteiger selbst nicht die Über-, sondern die Unterforderung das größte Problem darstellt: Mehr als zwei Drittel aller Berufseinsteiger fühlen sich im Job nicht genügend ausgelastet. Hier gibt es also noch Potenzial, das es zu nutzen gilt.

Die Digital Natives der Generation Z stehen also keineswegs aufs Dauer-Display, persönliche Kontakte bleiben bedeutsam: „30 Prozent der befragten Berufseinsteiger präferieren persönliche Meetings, während Tools zur Online-Kommunikation mit 20 Prozent deutlich dahinter an zweiter Stelle rangieren“, heißt es in der Studie. Besonderen Wert legten Absolventen auf eine gute Beziehung zu ihren Führungskräften: „Ein potenziell schlechtes Verhältnis zum Chef ergab sich bei unserer Umfrage als eine ihrer größten Sorgen.“

Interessant in dieser Hinsicht ist der Hang der neuen Absolventen und Einsteiger zu größeren Arbeitgebern: „Der Wunsch, für ein Großunternehmen zu arbeiten, nimmt immer mehr zu“, heißt es in der Accenture-Studie. „25 Prozent der Absolventen, die dieses Jahr den Abschluss machten, möchten demnach für ein großes Unternehmen arbeiten. 23 Prozent bevorzugen dagegen eine mittelständische Firma, und 15 Prozent könnten sich vorstellen, bei einem Start-up anzufangen.“ Haben die Einsteiger erste Berufserfahrungen gesammelt, steige der Wunsch, bei einem großen Unternehmen tätig zu sein, sogar noch, so die Studie. „Berufseinsteiger kehren damit zu den traditionellen Werten des Berufslebens zurück: ein klarer Karriereweg, Stabilität, Weiterbildungen und Mentoring sowie ein angemessenes Gehalt.“

Also genauso, wie es Christian Scholz in seinem 2014 veröffetlichten Buch „Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ prognostizierte.

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Digital Natives an der Seite der Top-Berater

Die Frage ist nur, ob es diese Klarheit und Stabilität heute überhaupt noch geben kann. Beinahe alle großen Unternehmen stehen weiterhin vor der immensen Aufgabe, sich der digitalen Transformation zu stellen und die Digitalisierung umzusetzen – Veränderungen in der Art der Arbeit und der Unternehmenskultur inklusive. Entwicklungen wie künstliche Intelligenz und Deep Learning, 3-D-Druck und Big Data stehen für grundlegende Veränderungen der gesamten Arbeitsprozesse, und zwar über alle Abteilungen hinweg. Gerade bei diesen Transformationen ist die gegenwärtige Absolventen-Generation besonders gefragt: Schließlich ist sie es gewohnt, digitale Tools sowie vor allem digitale Denkmuster in ihre Lebenswelt zu integrieren.

„Für digitale Exzellenz benötigen Unternehmen Menschen mit digitaler, fachlicher und persönlicher Kompetenz“, bringt es Hanna Kranz, Human Resources Recruit ing & Development bei Sopra Steria Consulting, auf den Punkt. Die Sichtweise und Denke der Digital Natives sei daher für das Top-Management eine wertvolle Quelle. Um beides zu nutzen, hat das Beratungsunternehmen ein „Consultant Advisory Council eingerichtet“: „Zehn Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen, alle jünger als 30 Jahre, diskutieren hier mit der Unternehmensführung über Zukunftsthemen und Bedürfnisse der jungen Generation.“

Sopra Steria hat sich auf Consultant- Projekte zum Thema Digitale Transformation spezialisiert, zu tun haben es die Consultants dabei zum Beispiel mit Kunden, die auf oberster Ebene an der richtigen Strategie feilen. „Die Unternehmen wollen Entscheidungshilfen, wie sie den Umbau in Richtung eines digitalen Unternehmens stemmen sollen, beispielsweise wer im Management die Digitalisierung vorantreibt, welche kulturellen und organisatorischen Veränderungen nötig sind und wie ein funktionierender Fahrplan für die Transformation aussieht.“ Demgegenüber gebe es Unternehmen, die sich mit konkreten Projekten beschäftigen. „Diese Kunden wollen Antworten, wie sie mit der Blockchain-Technologie ihr Geschäft sicherer und komfortabler für ihre Kunden abwickeln. Oder sie arbeiten an praktischen Anwendungsfällen für Automatisierungen und künstlicher Intelligenz, damit ihre Mitarbeiter mehr wertschöpfende Aufgaben übernehmen können.“

An der Vielfalt der Themen zeigt sich, worauf es in der Beratung heute ankommt: Einerseits muss der digitale Wandel gestaltet und mit Inhalt gefüllt werden, andererseits gilt es, die Mitarbeiter mitzunehmen, sie zu motivieren. Und das gelingt mit Blick auf die Generation Z eben am besten, wenn der Wandel nicht als Abenteuer bezeichnet wird, sondern als notwenige Veränderung, die Strukturen stärkt und Sicherheit gibt.

KI, erweiterte Realität, Vertrauen

Im Research-Report „Eng verbunden mit dem Kunden“ hat die Beratung Accenture große Technikthemen identifiziert, die auf alle Branchen große Auswirkungen haben werden. Zum einen ist das die künstliche Intelligenz mit ihrer Auswirkung auf alle Teile von Wirtschaft und Gesellschaft. Die erweiterte Realität, versetzt die Menschen an andere Orte und minimiert Distanz nicht nur, sondern schafft sie ganz ab. Große Bedeutung besitzen auch die Datenkorrektheit, also das Vertrauen in die Sicherheit, sowie die Grenzenlosigkeit des Geschäfts, denn die Digitalisierung befähige die Unternehmen, „schneller und in mehr Ökosysteme zu expandieren als je zuvor“, heißt es in der Studie. Da die alten Geschäftssysteme für diese Grenzenlosigkeit nicht gemacht seien, komme es darauf an, neue Partnerschaften zu schließen.

KI ersetzt Beratung nicht

Dies gelingt zum Beispiel durch eine höhere Transparenz. Und genau hier setzen Projekte von Beratungsunternehmen an, die ihren Kunden dabei helfen, mit Hilfe von Big Data-Analysen ihr eigenes Unternehmen ganz neu kennenzulernen. „Das Entscheidende ist, in der Unmenge an Daten jene zu finden, auf die es tatsächlich ankommt“, sagt Bastian Nominacher, Co-CEO und Mitgründer des Beratungsunternehmens Celonis, das eine eigene Methode für diese Arbeit anbietet: Das Tool „Process Mining“ legt den Fokus der Analyse auf transaktionale Prozessdaten, die sowieso schon in den IT-Systemen vorhanden sind. „Für einen frei auswählbaren Unternehmensbereich zeigt die Software in Echtzeit auf, welche Prozesse wie ablaufen und eröffnet damit einen Röntgenblick auf alle Unternehmensaktivitäten – beispielsweise auf einen Einkaufsprozess von der Vorarbeit über die Bestellung bis hin zur Zahlung“, so Nominacher.

Dabei begreifen die Machine-Learning-Algorithmen hinter der künstlichen Intelligenz auch, wie dieser Prozess idealerweise ablaufen sollte – und warum Abweichungen von diesem Idealzustand auftreten. „Die Software kann so direkte Handlungsempfehlungen geben: Welche Maßnahmen hätten bei ähnlichen Problemen welchen Effekt? Und was verspricht heute Erfolg?“ Hier gibt die Software also Impulse für den Berater. Da stellt sich natürlich die Frage: Übernimmt hier die künstliche Intelligenz irgendwann ganz die Arbeit des Consultants, weil sie Ist-Zustände analysiert, Soll-Zustände entwickelt und dabei genau die notwendigen Arbeitsschritte vorgibt? Nein, sagt Nominacher, zwar werde der Beratungsprozess mit Hilfe solcher Digital-Tools beschleunigt, doch verbessere sich damit vor allem die Entscheidungsgrundlage für die spätere persönliche Beratung. „Die Software ersetzt keine Berater, sie hilft Consultants, ihren Job schneller und effizienter zu machen. Sie gibt ihnen somit den Freiraum, ihre Kompetenz einzusetzen, und befreit sie von der aufwändigen Spuren- und Ursachensuche. Damit hat der Berater die Zeit, das zu tun, was seine Kernkompetenz ist: beraten.“

Und genau hier treffen neue Consulting-Methoden den Nerv der Generation Z, die eben besonders großen Wert auf persönliche Kontakte legt. Digitale Berateransätze sind mit Blick auf den Nachwuchs in den Unternehmen also vor allem dann Erfolg versprechend, wenn die Software technische Leistungen automatisiert und Raum gibt für Beratergespräche. Klar ist aber auch, dass in auf Software-Lösungen spezialisierten Unternehmensberatungen wie Celonis die Kompetenzen von IT-Kräften und Consultants miteinander verschmelzen: Die Berater benötigen Einblicke in die digitalen IT-Operationen und Security-Architekturen, müssen aber auch strategische Anwendungsszenarien aufstellen und Erfolge beziffern. „Dann sind sie in der Lage, die Vorteile der Technologie in Pilotprojekten aufzuzeigen und Empfehlungen für weitere Optimierungen zu geben“, sagt der CEO Bastian Nominacher. Und genau diese Optimierungen sind es eben, die der Generation Z ein besonders gutes Gefühl geben.

Buchtipps

Leben 3.0
Es ist ein Charakteristikum der Zukunft, dass sie ungewiss ist. So wundert es auch nicht, dass Physikprofessor Max Tegmark in seinem Buch „Leben 3.0“ unterschiedlichste Szenarien über das aufzeigt, was die Menschheit erwartet – obwohl er mit den weltweit führenden Entwicklern künstlicher Intelligenz zusammenarbeitet, die ihm exklusive Einblicke in ihre Labors gewähren. Max Tegmark: Leben 3.0. Ullstein 2017, E-Book 19,99 Euro.

Emotionale Intelligenz

Seit Daniel Golemans Bestseller „Emotionale Intelligenz“ vor 20 Jahren sind Emotionen in aller Munde. Trotzdem scheint es, dass wir keinesfalls emotional intelligenter geworden sind – obwohl es gerade jetzt, in Zeiten der Transformation, so dringend notwendig wäre, wie Dr. Willms Buhse (Seite 16) und Nicole Brandes (Seite 32) erklären. Buchtipps zum Thema Emotionale Intelligenz Daniel Goleman: EQ. Emotionale Intelligenz. dtv 27. Auflage 2017, 9,90 Euro. Markus Hornung: Der Abschied von der Sachlichkeit. Business Village 2018, 24,80 Euro.

Das Buch zur Generation Z

Früh erforschte Prof. Dr. Christian Scholz die Gen Z. Christian Scholz: Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt. Wiley 2014, 19,99 Euro.

d.quarksX

Digitalisierung ist für Unternehmen und Manager eine zentrale Herausforderung. Aber wie können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) digital werden? Mit den d.quarks, die die Digitalexperten Carsten Hentrich und Michael Pachmajer von PwC entwickelt haben; sie sind Bausteine für den digitalen Wandel. Ein d.quark beschreibt eine Fähigkeit, die ein Unternehmen bei der Realisierung digitaler Geschäftsmodelle organisieren, beschaffen und entwickeln muss. Es sind Teilchen, die jedes für sich dazu beitragen, die digitale Transformation in Unternehmen zu beschleunigen. Michael Pachmajer, Carsten Hentrich: d.quarksX – Auf den Punkt zum digitalen Unternehmen. Murmann 2017, 10 Euro.