Zahnmediziner lernen lebenslang

Foto:AdobeStock/georgejmclittle
Foto:AdobeStock/georgejmclittle

Wer das Zahnmedizinstudium geschafft und die Approbation in der Tasche hat, hat viele attraktive Optionen: Klassisch führt der Weg in eine Praxis, oft nach einigen Jahren auch in die eigene. In Pflegeheimen und Kliniken finden Dentalmediziner interessante Tätigkeitsfelder, und die Pharmabranche sowie medizintechnische Unternehmen suchen ebenfalls Zahnmediziner. Für alle Tätigkeitsfelder gilt: Digitale Technologien krempeln den Beruf um, Weiterbildung ist das A und O. Von Kerstin Neurohr

Was sollten Berufseinsteiger mitbringen? Zunächst: Der Doktortitel muss nicht sein. Dr. med. dent. ist zwar immer noch ein begehrter Titel, doch für die zahnärztliche Tätigkeit ist er nicht notwendig. Die Quote der Studierenden, die nach dem Masterabschluss promovieren, liegt bei 47,7 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Humanmedizinern sind es 63,3 Prozent und bei den Tiermedizinern 49,9 Prozent*. Handwerkliches Geschick und eine gut ausgebildete Feinmotorik sind wichtig, und wer sich für die Arbeit am Patienten interessiert, sollte kommunikativ sein und Einfühlungsvermögen mitbringen.

Weiterbildungen vorgeschrieben

Zahnärzte lernen lebenslang. Ohne Weiterbildungen geht gar nichts – sie sind berufsrechtlich vorgeschrieben und überaus sinnvoll, auch weil das Fachgebiet sich rasant entwickelt. Die Digitalisierung hat weitreichenden Einfluss: Bildgebung und Diagnostik wurden durch sie enorm verbessert. Ärzte wie Patienten profitieren von intraoralen Scans und virtuellen Abdrücken, die nicht nur besonders präzise sind, sondern auch schnell erstellt, verwendet und weitergegeben werden können. Anhand der Scans werden exakte 3D-Vorlagen für Brücken oder Kronen erstellt. Und die Mediziner zeigen ihren Patienten das Behandlungsziel auf dem Tablet: Mit videogesteuerter Software lassen sich Ergebnisse realistisch simulieren, die Patienten sehen also, wie ihr Lächeln nach der Behandlung aussehen wird. Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Praxen und wird in Zukunft wahrscheinlich nicht nur im Praxismanage ment unterstützen, sondern beispielsweise auch Röntgen-Daten auswerten und Diagnosen stellen.

Veranstaltungstipp:

Beim Studententag im Rahmen des Kongresses zum Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt werden verschiedene Karrierewege vorgestellt. Vorträge informieren zu Themen wie „10 Dinge, die Sie vor der Assistenzzeit wissen sollten“, „Endlich Examen – und was jetzt?“, „Hypnose in der Zahnarztpraxis“ oder „Hilfsprojekte und Famulatur“. Frankfurt/Main, 9.11.2019. Infos unter

www.dtzt.de

Der 3D-Druck gilt als Revolution für die Zahnmedizin, als wahrer „Game Changer“. In keiner Branche wächst der 3D-Druck so stark wie in der Medizin und Zahnmedizin. Schon heute werden am 3D-Modell Operationen geübt, es werden Implantate, Aligner oder Bohrschablonen gedruckt – eine Entwicklung, die längst nicht abgeschlossen ist. Experten erwarten, dass zukünftig verstärkt innovative Materialien auf den Markt kommen und Druckverfahren optimiert werden. Ganz klar: All diese Technologien fordern das zahnmedizinische Personal und machen Weiterbildungen notwendig.

Ausbildung zum Fachzahnarzt

Wer sich als Zahnarzt spezialisieren möchten, kann eine Weiterbildung zum Fachzahnarzt absolvieren, die mindestens vier Jahre dauert und hauptberuflich gemacht wird. Danach trägt man die Gebietsbezeichnung Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Fachzahnarzt für Parodontologie oder Fachzahnarzt für öffentliches Gesundheitswesen. Die Weiterbildung zum Facharzt für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie dauert sogar fünf Jahre und erfordert neben dem Zahnmedizinstudium auch noch ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin.

Angebote von Weiterbildungsmastern

Mittlerweile können an zahlreichen Hochschulen Weiterbildungsmaster erworben werden – eine attraktive Alternative zur Fachzahnarztausbildung, weil der Zeitaufwand geringer ist und die Studiengänge meist berufsbegleitend konzipiert sind. An der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg können zugelassene Zahnmediziner mit Praxiserfahrung den Studiengang „Parodontologie und Implantattherapie“ belegen – er ist berufsbegleitend und dauert sechs Semester. In Düsseldorf können approbierte Zahnärzte mit mindestens zwei Jahren Erfahrung einen Master of Science in Endodontologie erwerben, und zwar in vier Semestern. Die Dresden International University (DIU) bietet bereits seit 2007 den Studiengang „Parodontologie und Implantattherapie, M.Sc“ an, außerdem seit 2017 „Orale Medizin und Alterszahnheilkunde, M.Sc.“.

Netzwerk yd young dentists

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und der Freie Verband Deutscher Zahnärzte haben sich zusammengetan, um den zahnärztlichen Nachwuchs zu unterstützen: Mit yd² young dentists bieten sie Orientierungshilfe und Beistand in den ersten Jahren des jungen Berufswegs. Unter anderem gibt es Seminare, ein Praxis-Handbuch sowie eine Stellenbörse.

www.young-dentists.de

Anzeige