Das letzte Wort hat: Dr. Elisa E. Meyer, professionelle Kuschlerin

Dr. Elisa E. Meyer, Foto: Alumatel Filmproduktion
Dr. Elisa E. Meyer, Foto: Alumatel Filmproduktion

Dr. Elisa E. Meyer hat ihre Überzeugung zum Beruf gemacht. Sie vertritt die Ansicht, dass Menschen Berührungen brauchen so wie Nahrung oder Luft zum Atmen. Wer kuschelt, bleibt gesund – deshalb hat die Germanistin nach dem Studium die „KuschelKiste“ gegründet. Eine Internetplattform, auf der man professionelle Kuschler buchen kann. Recht geben ihr zahlreiche aktuelle Studien und Veröffentlichungen zum Thema wie etwa das Buch von Manfred Spitzer „Einsamkeit“, in dem er beschreibt, welche Gefahren einer Gesellschaft drohen, wenn digitale Begegnungen ohne Körperkontakt überhandnehmen.

Frau Dr. Meyer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kuscheln als Dienstleistung anzubieten?
Hier muss ich Travis Sigley und Samantha Hess danken. Das sind die beiden amerikanischen „Erfinder“ der Kuscheltherapie wie ich sie anwende und weitervermittle. Ich las einen Artikel über außergewöhnliche Berufe und wusste sofort, dass das mein Traumberuf ist.

Und wie genau funktioniert das?
Wenn man Kuschelbedarf hat, sucht man sich auf unserer Website einen Profikuschler oder eine Profikuschlerin aus, mit der man dann eine Kuschelsession vereinbart. Darin sind zehn Minuten Vorgespräch und fünfzig Minuten Kuscheln enthalten. Dabei kann geredet werden oder man streichelt und umarmt sich im Stillen.

Welche Effekte stellen sich bei Ihren Kunden ein?
Je nach Vorgeschichte des Kunden hat das Kuscheln unterschiedliche Effekte. Es wirkt auf jeden Fall ausgleichend: Bei zu viel Stress wirkt Berührung beruhigend, zentrierend. Bei Soziophobie, Depression und so weiter wirkt das Kuscheln vitalisierend, ermutigend, die Menschen öffnen sich mehr.

Cover BerührungshungerBerührungshunger. Kuscheltherapie als Antwort auf unseren modernen Lebensstil. BoD 2019. ISBN 978-3-7481-8992-3. 22 Euro (Werbelink)

www.cuddlers.net

Und was kann das Ihrer Erfahrung nach für gesundheitliche Auswirkungen haben?
Oxytocin, das beim Kuscheln ausgeschüttet wird, senkt den Cortisolspiegel und wirkt damit gegen alle Stresssymptome, die Mensch so haben kann. Der Blutdruck wird gesenkt, der Herzschlag wird langsamer. Außerdem wird das Immunsystem gestärkt und Schmerzen werden weniger. Die Menschen fühlen sich zudem ausgeglichener, zufriedener, einfach entspannt. Außerdem hat Oxytocin große Auswirkungen auf die Bindung und die Empathie zu Mitmenschen. Man fühlt sich als Teil einer Gruppe, was natürlich gut gegen Einsamkeit wirkt. Oxytocin ist nicht nur die körpereigene Hausapotheke, sondern auch der soziale Klebstoff, der uns zusammenhält.

Gibt es wissenschaftliche Beweise dafür, dass Körperkontakt dieser Art gesundheitsfördernd ist?
Studien über Massagen und Berührungstherapien haben schon oft gezeigt, dass die Effekte nachweisbar, messbar und wiederholbar sind, zum Beispiel von Tiffany Field, Müller-Oerlinghausen, Martin Grunwald oder Pavel Goldstein. Nur: Unsere „zivilisierte“ Gesellschaft will noch nicht akzeptieren, dass Berührung Heilung bedeutet. Dafür ist unser Gesundheitssystem noch zu sehr auf Heilung durch Pillen fixiert.