Was macht eigentlich ein Pharmareferent, Herr Braig?

Emanuel Braig, Foto: Daiichi Sankyo
Emanuel Braig, Foto: Daiichi Sankyo

Was mich als überzeugten Naturwissenschaftler dazu gebracht hat, meine Karriere im Pharmaaußendienst zu starten und wie der Arbeitsalltag bei meinem jetzigen Arbeitgeber, Daiichi Sankyo Deutschland, aussieht, möchte ich hier erzählen. Von Emanuel Braig

Zur Person

Emanuel Braig,
30 Jahre,
Fachreferent für Hypertonie bei
Daiichi Sankyo Deutschland

Gleich nach meinem Abitur im Jahr 2002 konnte ich an der Technischen Universität München in meinem Traumstudiengang Biologie starten. Ich war ein typischer Biologe – mit großem Interesse für alles Lebende, aber ohne genaue Idee, was damit beruflich anzufangen sei. Obwohl ich zum Beispiel meine Facharbeit über die Renaturierung eines Kleingewässers geschrieben hatte, befasste ich mich während des Grundstudiums an der TU München mit etwas ganz anderem, nämlich vor allem mit der Genetik und Zoologie.

Während des Hauptstudium weckte dann eine Vorlesung im Nebenfach Humanbiologie mein Interesse derart, dass ich mich sofort auf die Physiologie und Pharmakologie stürzte. Durch meine Praktika kam ich auch erstmals mit der Pharmaindustrie in Kontakt, für die am Lehrstuhl Forschungsprojekte durchgeführt wurden.

Die reine Laborforschung erschien mir als Zukunftsperspektive allerdings wenig attraktiv. Ich habe daher nicht gezögert, als mir als Diplomarbeitsthema die Mitarbeit an einem innovativen Projekt in der Limnologie (Gewässerkunde) angeboten wurde. Der Limnologie bin ich auch nach meinem Studium treu geblieben: Als ich mit der Promotion begann, rekonstruierte ich die Belastungsgeschichte eines oberbayerischen Seensystems.

Zu dieser Zeit machte ich mir zunehmend Gedanken über meine berufliche Laufbahn. Obwohl ich gerne geforscht und auch publiziert habe, hatte ich Bedenken, eine Karriere in der Forschung zu wagen: zu wenig planbar, zu sehr berufliche Einbahnstraße. Zudem hatte ich festgestellt, dass mir die Kommunikation mit Menschen wesentlich mehr Spaß macht als die Laborarbeit. Ich habe mich daher vor Abschluss der Promotion zu einem Berufsstart im Außendienst der Pharmaindustrie entschlossen. Als Akademiker hatte ich wie viele andere zunächst Vorbehalte gegen diesen Weg. Ich beschloss aber, meine eigenen Erfahrungen zu machen.

Nun bin ich über ein Jahr im Außendienst und habe meine Entscheidung keine Sekunde bereut. Im Gegenteil, ich fühle mich bei Daiichi Sankyo durch meine Vorgesetzten sowohl gefördert als auch gefordert: Zwischenzeitlich habe ich die Herausforderung angenommen und mich zum Fachreferenten für Hypertonie (Bluthochdruck) weiterentwickelt, was in dieser kurzen Zeit wohl eher ungewöhnlich ist.

In dieser Funktion bin ich vor allem für die Betreuung von 220 Fachärzten in meinem Gebiet zuständig. Mit ihnen bespreche ich vor allem aktuelle Studien zu unseren Produkten, vermehrt geht es aber auch um gesundheitspolitische Themen. Die Feldaktivität, wie wir die Besuche bei unseren Kunden nennen, macht aber nur einen Teil meiner täglichen Arbeit aus. Weil die meisten Fachärzte nur mit Termin empfangen und oft nur wenig Zeit haben, ist eine solide Planung entscheidend, weswegen täglich zu Hause Büroarbeit ansteht. Eine Regel ist: Je mehr Arbeit man in die Vor- und Nachbereitung der Touren investiert, umso entspannter und erfolgreicher ist man draußen unterwegs. Für einen erfolgreichen Start in den Außendienst sollte man daher neben Freude an der Kommunikation eine ausgeprägte Organisationsfähigkeit und hohe Eigenmotivation mitbringen.

Als Pharmareferent hat man es selbst in der Hand, ob man von den Ärzten als kompetenter Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen wird oder als ein Vertreter unter vielen. Viel entscheidender sind fachliche Kompetenz und eine verlässliche Kommunikation, weswegen ich viel Zeit in die inhaltliche Vorbereitung investiere. Auch von der Erfahrung der Kollegen profitiere ich enorm. Obwohl man im Außendienst meist auf sich allein gestellt ist, ist die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen eng: Einmal im Monat treffen wir uns, um uns auszutauschen. Den Rest der Zeit stehen wir telefonisch und per Mail intensiv im Austausch.

Als Naturwissenschaftler fühle ich mich bei Daiichi Sankyo mit seinen Entwicklungszielen gut aufgehoben. Zukünftige Indikationsfelder des Unternehmens, wie die Onkologie oder neuartige Gerinnungshemmung, setzen ein fundiertes Wissen voraus. Ich empfinde es auch von Vorteil, eigene Erfahrungen mit Forschung und Publikation zu haben.

Besonders stolz bin ich darauf, dass wir vor Kurzem als Team erfolgreich ein Pilotprojekt gestartet haben, bei dem ich als Moderator auf der Bühne stehen durfte. Es handelte sich um ein Diskussionsforum für Ärzte, das nun auch bundesweit stattfindet. Spannend und lehrreich ist für mich auch die Teilnahme an internationalen Kongressen: Dieses Jahr konnte ich zum Beispiel zum Kongress der European Society of Hypertension nach London mitfahren. Das war auch eine gute Gelegenheit, um bei wissenschaftlichen Vorträgen den Draht zur Forschung aufrechtzuerhalten.

Job-Steckbrief Pharmareferent

Voraussetzungen:
Abgeschlossenes Hochschulstudium in den Fächern Biologie, Chemie, Biochemie, Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie oder Ernährungswissenschaft oder eine abgeschlossene Ausbildung als Pharmazeutisch-Technischer Assistent (PTA) oder Medizinisch-Technischer Assistent (MTA) beziehungsweise eine Ausbildung zum Geprüften Pharmareferenten, hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, Verkaufstalent und Erfolgswillen

Einstiegsmöglichkeiten:
Direkteinstieg bei einem Pharmaunternehmen oder bei einem Dienstleister

Informationen:
Beim Verband der forschenden Pharmaunternehmen (www.vfa.de), bei den Pharmaunternehmen selber oder bei den örtlichen Industrieund Handelskammern; Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Pharmareferent unter: www.gesetze-im-internet.de