Die Wirtschaft denkt um. In allen Bereichen, in denen Wirtschaftswissenschaftler nach dem Studium gute Jobchancen vorfinden, hält grünes Denken Einzug – von der Produktion über Controlling, Vertrieb und Marketing bis hin zum Personalmanagement. Grün ist für die Unternehmen nicht länger nur die Farbe der Hoffnung. Erfolg haben Einsteiger, die hier Chancen für echte Innovationen erkennen, weiß unser Autor André Boße im neu erschienenen karriereführer wirtschaftswissenschaften.
Neue Fernstudiengänge an der FH Schmalkalden
Rechtliche Aspekte gewinnen für die Unternehmensführung mehr und mehr an Bedeutung. Ab dem Wintersemester 2013/14 können die Studiengänge „Recht der Unternehmenspraxis (LL.M.)“ und „Vertragsmanager (FH)“ an der thüringischen Hochschule belegt werden.
Beide Studiengänge richten sich an Nichtjuristen mit erster Berufserfahrung und lassen sich durch die Kombination von Selbstlern- und Präsenzphasen sehr gut berufsbegleitend studieren. Die fachliche Kompetenz ist selbstverständlich auch gewährleistet: Die Fakultät für Wirtschaftsrecht gehört dem aktuellen CHE-Hochschulranking zufolge im Bereich »Reputation und Lehre« zur absoluten Spitzengruppe.
Nähere Informationen über die neuen Studiengänge gibt es hier:
www.fh-schmalkalden.de/Recht_der_Unternehmenspraxis.html
www.fh-schmalkalden.de/Vertragsmanager.html
Zum Hochschulprofil der Fachhochschule Schmalkalden, Zentrum für Weiterbildung.
Ein für alle Berufe geeignetes Musteranschreiben gibt es nicht. Designer müssen unkonventionellere Anschreiben verfassen als Buchhalter. Außerdem haben Personalverantwortliche natürlich in Punkto Anschreiben nicht alle die selbe Meinung. Dieser Leitfaden bietet zwar Formulierungen an, die Erfolg versprechen, er soll aber in erster Linie als Denkanstoß verstanden werden, der dabei hilft eigene Formulierungen zu entwickeln.
Äußerlich
Seriöser Geschäftsbrief. Das Anschreiben muss schlicht aussehen und sollte in der Regel keine PC-Spielereien mit Bildern, Farben, ausgefallenen Schriftarten, Grafikelementen oder fettgedruckten Wörtern innerhalb des Textes enthalten.
Inhaltlich
Das Ziel, sich von der Masse der Mitbewerber abzuheben, ist legitim, aber der Weg führt über die bereits erbrachten herausragenden Leistungen (in den Bereichen Studium, Examen, Zeugnisse, Arbeitserfolge, Fachqualifikation, Arbeitserfolge, Aufstiegskurve), nicht über herausragende “Leistungen” im Moment der Formulierung. Wenn man sich nicht gerade als Werbetexter bewirbt, formuliert man am besten schlicht und sachlich (keine Witzchen oder gekünstelte Darstellungen, keine Fremdwörter, die nicht absolut sicher beherrscht werden). Denn der Personalverantwortliche ist gewiss ein Profi und liest ständig Bewerbungen. Er weiß, dass der größte Teil davon (bis zu 90 Prozent) ungeeignet ist. Er will die für ihn relevanten Informationen schnell und einfach aufnehmen. Dafür hat er pro Anschreiben nur ein paar Sekunden Zeit.
2. Äußerer Aufbau des Musteranschreibens
Grundregel: möglichst mit nur einer Seite auskommen – aber dieses Prinzip nicht “zu Tode reiten”. Wenn mehr gesagt werden muss, sind 2 Seiten besser als eine, auf der durch “Textquetschung” ein häßliches Bild entsteht.
Interessenten, die sich auf einen Job bewerben, auf den sich möglicherweise einige hundert Menschen melden (z. B. bei großen Konzernen oder in Branchen, die nur eine geringe Anzahl an Fachkräften sucht) sollten eher mit einer Seite auskommen als beispielsweise Führungskräfte, die mehr Erklärungsbedarf haben, und sich sehr gezielt um eine explizit ausgeschriebene Position bewerben:
Weißes Papier
Oben Absender mit Anschrift, Telefon, E-Mail etc. entweder auf dem PC erstellt oder als Briefpapier gedruckt (letzteres bei Führungspositionen generell besser, aber nicht entscheidend)
Name und Anschrift des Empfängers so auf das Papier bringen, dass bei einer Faltung des Bogens in drei Drittel diese Anschrift durch das Fenster eines Fensterumschlags DIN A lang problemlos lesbar wäre (diesen Textblock nicht höher setzen, um mehr Text auf die Seite zu bekommen)
Achtung: nie einen Fehler bei Namen und Adressen machen!
3. Inhalt eines Musteranschreibens
Betreff
Steht über der Anrede, hier ist ausnahmsweise ein fetterer Schriftgrad empfehlenswert. Aber: Zeile einfach hinschreiben, man setzt nichts davor (weder “Betreff” noch “Betr.:”)
Beispiel: “Bewerbung um die Position Konstrukteur Massenprodukte, Ihre Anzeige am 12.01.2018 in der Süddeutschen Zeitung”
Diese Angabe erleichtert der Poststelle das Sortieren und die Personalabteilung kann die Bewerbung dem richtigen Fall zuordnen.
Anrede
Sofern in der Stellenanzeige ein Name genannt wird, schreiben Sie diese Person auch direkt an. Verwenden sie ansonsten die Anrede: “Sehr geehrte Damen und Herren” oder “Guten Tag, sehr geehrte …”. “Hallo, Frau …” ist eher Umgangssprache und daher nicht zu empfehlen. Nach der Anrede steht zwingend ein Komma!
Achtung: Sofern das erste Wort des nächsten Satzes dies zulässt, wird nach dem Komma hinter der Anrede mit kleinem Anfangsbuchstaben gestartet.
4. Text-Einleitung
Ungeübten fällt besonders der Anfang schwer, deshalb hier eine Empfehlung für einen kurzen, harmlosen Satz ,dem der Leser ebenso wenig Aufmerksamkeit schenken wird wie den “freundlichen Grüßen” am Schluss:
Beispiel: “die ausgeschriebene Position interessiert mich sehr” , alternativ: “Ihre Anzeige hat mein besonderes Interesse gefunden” oder “gern sende ich Ihnen meine Bewerbung um diese Position” o. ä.
Der Aussagewert solcher Floskeln geht gegen null – aber Sie sind jetzt “drin” im Text und haben nichts wirklich falsch gemacht. Ein Briefanfang mit “ich” gilt in der Regel als nicht geglückt – fangen Sie auch keinesfalls mehrere weitere Absätze damit an (“Ichbezogenheit”).
5. Der zweite Absatz
Ziel des Anschreibens ist es, sich durch Präsentation ausgewählter Informationen für den Personalverantwortlichen so interessant zu machen, dass er sich aufmerksam und mit großen Erwartungen den “Rest” der Bewerbungsmappe anschaut. Hauptträger der entsprechenden Fakten soll dieser Absatz sein.
Achtung: 90 Prozent der Bewerbungen auf eine Position erweisen sich als ungeeignet. Wenn Sie sich also für die Stelle eignen, sollten Sie es deutlich sagen – das ist absolut nicht selbstverständlich! Der Personalverantwortliche rechnet immer damit, dass auch Ihre Bewerbung eine von den 90 Prozent ungeeigneten Zuschriften ist. Zeigen Sie ihm, dass dies nicht zutrifft. Falsch sind pauschale Aussagen, Sie passten exakt zum Job, erfüllten “alle Anforderungen” o. ä. Das glaubt niemand und das stimmt natürlich auch nie.
Positives Beispiel: Ausgeschrieben wird in der Stellenanzeige ein Gruppenleiter Produktionsplanung (große Serien), gesucht wird ein FH-Ingenieur, Alter: Ende 20 bis Mitte 30, er soll Erfahrungen mit PPS-Systemen haben, Serienfertigungen kennen und sehr gut Englisch sprechen. Der zweite Absatz des Anschreibens könnte hier lauten:
“Ich bin Dipl.-Ing. (FH), 31 Jahre alt und seit fünf Jahren in der Arbeitsvorbereitung eines Großserienherstellers tätig. Dort arbeite ich ständig mit einem PPS-System, zusätzlich betreue ich die … Die englische Sprache wende ich nahezu täglich in Wort und Schrift an, sie ist Arbeitssprache im Konzern.”Fazit: Der Bewerber ist auf den ersten Blick interessant – er passt voll ins Bild. Eine Abweichung vom Anforderungsprofil ist meist erlaubt, bei zweien oder mehr ist die Bewerbung meist aussichtslos.
Das Prinzip lautet also: Scheinbar rein zufällig passt das, was der Bewerber ebenso scheinbar “einfach so” über sich erzählt, sehr gut zum Aufgabenbereich und auch zum Anforderungsprofil. In Wirklichkeit hat der Kandidat seine Schilderung genau auf den Anzeigentext ausgerichtet und zugesehen, dass die zentralen “Reizwörter” daraus in seiner scheinbar so einfach nur die Tatsachen berichtenden Schilderung unübersehbar vorkommen.
6. Ein bis zwei weitere Absätze
Jetzt haben Sie Gelegenheit, weitere positive Aussagen über sich zu machen, wobei Sie sich – getreu dem Motto “seriöser Geschäftsbrief” – vor allzu plumpem Eigenlob hüten sollten. Aber hier ist Raum für erzielte Sacherfolge (“Die Arbeit in dem von mir geleiteten Projekt führte zu einer Halbierung der Ausschussquote”), für Hinweise auf spezielle, halbwegs zur angestrebten Stelle passende Fachqualifikationen und auf erfolgreich durchgeführte Weiterbildungsmaßnahmen, wenn Sie im Sinne der Anzeige interessant sind.
“Weiche” Anforderungskriterien der Stellenanzeige (solche, die man weder messen, noch beweisen kann, wie beispielsweise “dynamisch”, “engagiert” etc.) ignoriert man am besten. Wird einer dieser Punkte im Inserat als besonders wichtig herausgestellt, geht man trotzdem vorsichtig damit um.
Beispiel: Die Anzeige sagt: “Da hier zwei Abteilungen zusammengelegt werden und die Personalstärke anschließend um ein Drittel zu reduzieren ist, sind Führungsstärke, Stehvermögen und Durchsetzungskraft erforderlich.” Man erkennt: Das ist nicht nur so dahingesagt, diese Eigenschaften sind hier tatsächlich erfolgsentscheidend.
Man schreibt nicht: “Ich bin führungs- und durchsetzungsstark”, auch nicht: “Ich zeichne mich durch … aus.” Das ist plumpes und unbeweisbares Eigenlob.
Besser klingt: “Ich war maßgeblich an der Restrukturierung unseres Bereiches beteiligt. Diese Aufgabe erforderte ausgeprägte Führungsstärke und konnte erfolgreich gelöst werden.” Aber auch dies wäre ein schlichtes, gutes Argument: “Ich führe seit mehreren Jahren erfolgreich etwa 150 Mitarbeiter unterschiedlicher Ausbildungs- und Alterskategorien sowie Staatsangehörigkeiten.”Das Wechselmotiv
Jeder potenzielle Arbeitgeber will wissen, warum der Bewerber vom jetzigen Unternehmen (so vorhanden) weg will. Die Frage, warum er unbedingt diesen Job anstrebt, ist schon weniger wichtig: Die Antwort darauf verleitet zu schwülstigen Lobhudeleien über die Zielfirma – bei Aufstiegspositionen erklärt sich das fast schon von selbst. Wenn dieser Absatz ganz fehlt, könnten Fragen offen bleiben (“Was will der hier? Hat der eigentlich im Inserat gelesen, dass …? Da ist doch für ihn gar kein Fortschritt erkennbar!”).
Positives Beispiel 1: “Unser Unternehmen wurde verkauft, jetzt stehen umfassende Restrukturierungen an. Mein Geschäftsbereich wird dann nicht mehr zur Kernkompetenz gehören, seine Zukunft ist ungewiss. An der ausgeschriebenen Position reizen mich ganz besonders die komplexen Projektaufgaben, in denen ich eine interessante Herausforderung sehe. Meine bisherigen Tätigkeiten haben mich darauf gut vorbereitet.”
Positives Beispiel 2: “Die geschilderten Aufgaben reizen mich fachlich sehr. Ich könnte viele meiner Erfahrungen einbringen und mich gleichzeitig in neue, besonders anspruchsvolle Gebiete einarbeiten.”
Positives Beispiel 3: “Die ausgeschriebene Position wäre für mich der folgerichtige nächste Schritt in meiner Laufbahnplanung. Entsprechende Aufstiegsmöglichkeiten gibt es bei meinem Arbeitgeber derzeit nicht.”
Sonderfall Berufseinsteiger: Dass jetzt ein Job gesucht werden muss, muss nicht extra begründet werden, der Hinweis auf den bevorstehenden Studienabschluss (im zweiten Absatz) reicht da völlig aus. Es sollte jedoch erkennbar werden, dass diese Bewerbung gezielt auf diese Position gerichtet ist (sofern sie in einer Anzeige umschrieben wurde).
Beispiel: “Die dargestellte Tätigkeit im Versuchsbereich reizt mich besonders. Ich könnte dort nicht nur Teile meines erworbenen theoretischen Wissens anwenden, sondern auch meine ausgeprägten praktischen Fähigkeiten einsetzen.” – dann sieht man, dass Sie die Anzeige zumindest vollständig gelesen haben, was gerade bei Anfängern nicht selbstverständlich ist.
Sonderfall Arbeitslosigkeit: Eine Begründung in der Bewerbung ist ebenso überflüssig, aber was an der Zielposition reizt, sollte deutlich werden.
7. Gehalt
Jeder Bewerbungsempfänger möchte wissen, was der Bewerber “kostet”, er könnte ja auch die Möglichkeiten der Position überfordern. Problemlos, da es meistens im Vorstellungsgespräch ohnehin abgefragt wird, ist – unabhängig vom Anzeigentext – die kommentarlose Angabe des letzten Brutto-Jahreseinkommens. Eine Aufteilung in fixe und variable Bezüge muss dabei nicht vorgenommen werden. Ersatzweise (auch in Kombination denkbar; bei Berufseinsteigern die einzig mögliche Aussage) ist die Angabe des gewünschten Einkommens natürlich erlaubt.
Beispiel: “Mein Einkommen beträgt ca. 90.000,- EUR/Jahr zuzüglich Dienstwagen.” Dabei kann man hinzufügen: “…, entscheidend für mich ist jedoch die Aufgabenstellung.” Damit deuten Sie eine diffuse, Sie nicht konkret verpflichtende Toleranzbereitschaft an.
Auch diese Information hätte der Empfänger gern. Wenn die Kündigungsfrist zu lange ist, kann die Bewerbung an dieser Frage scheitern (zu später Einstiegstermin).
Beispiel: “Meine Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum Monatsende.”
Oder: “Ich könnte sofort eintreten.”
Bei längeren Kündigungsfristen wäre ein Zusatz schön (falls zu verantworten): “… sechs Wochen zum Quartalsende, ich gehe jedoch von der Möglichkeit einer deutlichen Verkürzung in Absprache mit meinem aktuellen Arbeitgeber aus.”
Hinweis: Gehalt und Kündigungsfrist sollten in einem Absatz zusammengefasst werden.
9. Sonstiges
Empfehlenswert ist ein Absatz mit dem Hinweis: “Ich bin unbegrenzt mobil” oder “Ein Umzug nach Bad Reichenhall ist problemlos möglich”. Das beruhigt den Leser (Anmerkung: Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass ein Akademiker, der sich in Bad Reichenhall bewirbt, auch dorthin zieht).
Dann kann dort als zweiter Satz stehen: “Zu einem Vorstellungsgespräch stehe ich gern zur Verfügung.” Das ist zwar sowieso selbstverständlich, beruhigt aber den Absender, das gesagt zu haben.
Abzuraten ist von komplizierten Hinweise zum ohnehin selbstverständlichen Verfahren wie: “In einem Gespräch möchte auch ich herausfinden, ob wir zusammenpassen.”Sonderfall Berater-Anzeige
Tun Sie einfach so, als wäre die ausgeschriebene Position in seinem Hause angesiedelt oder als wäre er das suchende Unternehmen. Das vereinfacht die Sache ungemein. Sonst müssten Sie ständig von “Ihrem Klienten” reden, was die Formulierungen unnötig kompliziert macht. Der Berater steckt das locker weg.
10. Schlussfloskel
“Mit freundlichen Grüßen” , dann darunter unbedingt unterschreiben (nicht vergessen!).
11. Bewerbungsphilosophie
Verfassen Sie das Anschreiben als wollten Sie die Position um jeden Preis haben, obwohl Sie ja eigentlich noch viel zu wenig darüber wissen. Das ist systemimmanent, nehmen Sie es hin und schreiben Sie auf keinen Fall: “… bin ich ja erst in der Vorinformationsphase. Später werde ich dann entscheiden, ob ich mich tatsächlich bewerbe.”
12. Zusammenfassung
Nun besteht unser Anschreiben aus dem harmlosen Einleitungssatz, dem entscheidenden zweiten Absatz zu Ihrer “passenden” Qualifikation, einigen Ausführungen zu sonstigen Fähigkeiten, Angaben zur Wechselmotivation, Informationen zum Einkommen und Eintrittstermin sowie einem Standard-Schlusssatz.
Kein Hexenwerk, nicht wahr? Wenn jetzt noch eine Frage auftaucht, beantworten Sie sich die mit Logik und Ihrem gesundem Menschenverstand. Und am besten schreiben Sie wie man spricht. Es sei denn, …
Anmerkung: Dieser Beitrag erschien leicht abgewandelt als Beitrag von Heiko Mell im Rahmen seiner Serie “Karriereberatung” in den VDI nachrichten. Heiko Mell, Jahrgang 1942, ist Wirtschaftsingenieur sowie Gesellschafter und Geschäftsführer der MMC (MMC Sexauer & Mell Unternehmens- und Personalberatung). Vielen Managern und Bewerbern ist er aus diversen Publikationen, Zeitungsserien, Vorträgen und Vorlesungen bekannt.
Mehr Informationen zum Thema Anschreiben.
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Wo Frauen jetzt am Zug sind – Einsteigerinnen profitieren vom Wandel
Aufbruch. 2013 ist für viele Unternehmen das Jahr des personellen Umbruchs. Das selbstgesteckte Ziel: mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Wird ja auch Zeit. Wir zeigen auf, wie die Unternehmen das erreichen wollen, und wie ambitionierte Frauen jetzt ihre Karriere angehen sollten. Außerdem haben wir nachgefragt, wer die „gläserne Decke“ entsorgt, die viele Frauen im mittleren Management stoppt und daran hindert, nach ganz oben zu kommen.
Ziele vor Augen
Frauen, die am Anfang der Karriereleiter stehen und hoch hinaus wollen, sollten darauf achten, welche Unternehmen weiblichen Nachwuchs besonders fördern.
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Anke Domscheit-Berg erklärt im Interview, wie sie Einsteigerinnen coacht und auf die Hürden der Arbeitswelt vorbereitet.
Grünes Business, gutes Business – Unternehmen setzen auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit
Sinnvoll. Die drei großen Vorteile nachhaltiger Geschäfte: Es entstehen Produkte, die erstens der Umwelt guttun, zweitens von Kunden mit gutem Gewissen konsumiert werden und drittens dafür sorgen, dass die Mitarbeiter im Unternehmen gerne zur Arbeit kommen, weil sie in ihrer Tätigkeit einen Sinn erkennen. Kein Wunder also, dass dem Green Business die Zukunft gehört – mit besten Aussichten für Einsteiger, die erkennen, worauf es beim Thema Nachhaltigkeit wirklich ankommt.
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Nachhaltiges und ökologisches Denken in Unternehmen.
Jetzt anders wirtschaften
Interview mit Dr. Andreas Weber.
„Wir haben nicht viel Zeit“
Interview mit Professor Michael Braungart.
Ein Studium zügig abschließen und dabei noch ausreichend Praxiserfahrung sammeln? Gar nicht so leicht, gerade in Zeiten stark strukturierter Bachelor- und Masterstudiengänge. Dieses Dilemma schildern auch Bewerber immer wieder. Mit dem GapYear haben McKinsey, Allianz, Bertelsmann und Henkel dafür gemeinsam eine Lösung gefunden. Von Dr. Thomas Fritz
2012 fiel der Startschuss für das Gap Year, ein neuartiges Angebot: Studenten nehmen sich nach dem Bachelor eine Auszeit vom akademischen Curriculum. In bis zu drei Praktika sammeln sie ausführlich Praxiserfahrung, bevor es in den zweiten Studienteil geht. Dabei ist uns eines besonders wichtig: Den Teilnehmern bleibt bis zum Start des Masterstudiums noch genügend Zeit, um persönliche Interessen zu verfolgen. Egal ob Weltreise, Sprachkurs oder ein gemeinnütziges Projekt: Wir unterstützen die Bewerber schon im Vorfeld bei der Planung, damit sie ihr GapYear optimal nutzen können. Anders als die wörtliche Übersetzung suggeriert, ist das nämlich keinesfalls eine Lücke im Studienverlauf, sondern eine absolute Bereicherung.
Alle Praktika bieten tiefe strategische Einblicke in die Unternehmen und verantwortungsvolle Rollen. Bei der Allianz forschen die GapYear-Praktikanten zum Beispiel nach neuen Wachstumsfeldern und entwickeln daraus innovative Versicherungsleistungen. Bei Bertelsmann erarbeiten sie Handlungsempfehlungen für den Vorstand. Bei Henkel kann der Einsatzbereich im Brand Management in Shanghai liegen, und bei McKinsey sind die Praktikanten immer direkt vor Ort beim Klienten und vollwertiges Mitglied des Teams.
Das Feedback der ersten Programmteilnehmer, die im Sommer 2012 ihr GapYear angetreten haben, ist durchweg positiv. „Die angebotenen Praktika sind vielseitig und hochwertig. Mit dem gewonnenen Erfahrungsschatz bin ich nach dem Master mit Sicherheit sehr gut für eine Festeinstellung in einem der Unternehmen qualifiziert“, sagte mir neulich ein GapYear-Praktikant. Und ganz wichtig: Jeder Teilnehmer hat in jedem Unternehmen einen persönlichen Mentor, der ihn während des gesamten Programms – auch nach dem Praktikum – unterstützt und den Kontakt hält. „Die enge Beziehung, die man mit den persönlichen Mentoren über den Programmzeitraum hinweg aufbaut, ist unbezahlbar“, so eine weitere Teilnehmerin.
Ob zwei oder drei Praktika, ob drei oder sechs Monate am Stück – das Programm lässt sich individuell an die Pläne und Wünsche der Teilnehmer anpassen. Mindestens drei Monate sollte jedes einzelne Praktikum jedoch dauern, denn nur so lassen sich wirklich nachhaltige Eindrücke sammeln. Darin besteht das Dilemma vieler Studenten: Sie haben während des Bachelorstudiums wenig Gelegenheit für längere Praktika. Viele wollen nach dem Bachelor auf jeden Fall einen Master machen, aber vorher auch schon etwas Praxiserfahrung sammeln. Auf eine Festeinstellung wollen sie sich noch nicht festlegen, und auf eigene Faust ein Jahr Auszeit zu nehmen, trauen sich viele einfach nicht.
Die Bewerberzahlen zeigen, dass wir mit dem GapYear den Nerv der Zeit getroffen haben. Obwohl beim Start des Programms im Januar 2012 viele Studenten schon feste Pläne für einen Master hatten, bekamen wir 800 Bewerbungen. Für die zweite Runde 2013 haben sich über 1000 Interessierte beworben. Diese riesige Nachfrage hat uns positiv überrascht. Bei der Auswahl der Teilnehmer achten wir sowohl auf herausragende Leistungen im Studium als auch auf Engagement abseits des Curriculums. Der Studiengang spielt keine Rolle. Eine feste Zahl an Plätzen für das Programm gibt es nicht. Es zählt einzig und allein die Qualifikation des Bewerbers.
Die beteiligten Unternehmen nutzen natürlich die Gelegenheit, um interessante Kandidaten auch für die Zeit nach dem Studium für sich zu begeistern. Gerade wir als Unternehmensberatung suchen Mitarbeiter mit vielfältigen fachlichen, aber auch persönlichen Erfahrungen. Das ist uns viel wichtiger als ein im Höchsttempo abgeschlossenes Studium. Wenn wir dazu beitragen können, dass die Studenten in Zukunft nach ihrem Master einen breiteren Erfahrungsschatz mitbringen und auf spannende Erlebnisse zurückblicken können, ist das Programm ein voller Erfolg – eine ganz klassische Win-Win- Situation eben.
GapYear
Für das GapYear 2014 läuft die Bewerbung voraussichtlich ab Herbst 2013. Bewerben können sich alle alle, die ihr Bachelorstudium im Sommer 2014 beenden und im Anschluss die Aufnahme eines Masterstudiums planen. Das Studienfach ist für die Bewerbung nicht entscheidend, wichtig sind hervorragende akademische Leistungen sowie Interesse, Begeisterungsfähigkeit und die Bereitschaft, sich auch mit neuen Themen und Fragestellungen zu beschäftigen. Alle Praktika werden vergütet. Weitere Informationen unter www.gapyear2013.dewww.gapyear2013.de und www.facebook.com/GapYearProgramm
Die „Bücher Börse Köln“ verkauft gespendete Bücher zu kleinen Preisen und in großen Mengen, mit den Einnahmen werden in bildungsschwachen Regionen dieser Welt Schulen gebaut. Ein umfangreiches literarisches, musikalisches und gastronomisches Rahmenprogramm verleiht der Börse Eventcharakter. Die Veranstaltung findet einmal jährlich in der Fachhochschule Köln statt und wird ehrenamtlich von Studierenden und Absolventen der FH organisiert. Aufgezeichnet von Stefan Trees
Wie alles begann
In meinem BWL-Studium am Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften der FH Köln wurde immer wieder vermittelt, dass gesellschaftliche Verantwortung und soziales Engagement integraler Bestandteil des Studiums sind. „Lernt BWL“, sagte unser Dekan, Prof. Dr. Gogoll, „aber verliert nicht den sozialen Blick.“ Das motivierte mich, denn gemeinsam mit meiner Freundin Bianca Kabongo wollte ich mich schon länger sozial engagieren. So suchten wir nach einem „Best Practice“-Projekt, welches auch in Köln gut funktionieren würde, und besuchten das Bücherbörse-Projekt meines Onkels in Venlo, das er dort vor über zwanzig Jahren begonnen hat. Mit unserem Fachwissen aus dem Studium – Marketing, Logistik, Projektmanagement – übertrugen wir das Projekt auf die Kölner Gegebenheiten.
Jeder, dem ich an der FH davon erzählte, sagte: Was für eine tolle Idee, wieso ist da nicht schon früher jemand drauf gekommen? Und: Wie kann ich helfen? Es entstanden ein festes Kernteam von vier Leuten und viele kleine eigenverantwortliche Projektteams. An den Tagen der Bücher Börse waren wir dann fast fünfzig Helfer. Der Hauptteil der Bücher kam aus privaten Spenden Kölner Bürger und einiger Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zu Spenden aufgerufen hatten: Unglaubliche 15.000 Bücher bekamen wir so zusammen.
Warum wir das machen
Uns geht es sehr gut hier, wir wollten einfach etwas zurückgeben. Lieber aber noch als zu spenden, wollte ich etwas erschaffen und dabei Spaß haben. Meine Freundin und ich hatten den Traum, dort eine Schule zu bauen, wo Bildung elementar wichtig, aber nur schwer zu erhalten ist – immerhin hatten wir das Privileg zu studieren, und so wollten wir diesen roten Faden der Bildung weiterspinnen.
Was es bislang gebracht hat
Am kniffligsten war es, den geeigneten Partner zu finden – bis wir auf die abc- Gesellschaft gestoßen sind, einen Verein, der über jahrzehntelange Erfahrung mit Bildungs- und Schulbauprojekten verfügt. Für ein Projekt in Malawi fehlte noch rund ein Fünftel der Baukosten einer Sekundarschule, etwa 10.000 Euro. Da der Ertrag der ersten Bücher Börse Köln ja nicht eine komplett eigene Schule finanzieren konnte, unterstützen wir die Schule in Malawi.
Mit unseren Einnahmen von 12.000 Euro haben wir unser Ziel dann sogar noch übertroffen. Das Geld, das wir hier gesammelt haben, steckt nun in den Ziegeln dieser Schule. Alle haben von der Bücher Börse profitiert: Die Kinder in Malawi sind begeistert und dankbar, dass es jemanden gibt, der sie und ihre Schule unterstützt. Die Gäste der Bücher Börse Köln, unsere Sponsoren, die Helfer, alle hatten Spaß. Und die Studierenden haben echtes Projektmanagement gelernt statt nur müde Theorie, und das Ganze auch noch für eine gute Sache. Inzwischen stecken wir schon wieder in den Vorbereitungen für die nächste Bücher Börse Köln, denn wir wollen noch viele Schulen bauen.
Selber gründen? Muss man dafür nicht ein Alleskönner sein? Tagsüber ein kreativer Entrepreneur – und abends ein fleißiger Buchhalter? Nein, sagt Günter Faltin. Der Professor für Entrepreneurship empfiehlt Gründern, möglichst viel von dem, was ihnen schwerfällt, anderen zu überlassen – nur so kann man sich auf die Geschäftsidee und ein wasserdichtes Konzept fokussieren. Denn wenn das Konzept stimmt, findet man auch Investoren. Das Interview führte André Boße.
Zur Person
Günter Faltin, geboren am 25. November 1944 in Bamberg, ist Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin. Er initiierte 1985 die Teekampagne (s. S. 34) als Modell für Unternehmensgründungen. Der 68-Jährige ist Business Angel zahlreicher Start-ups, darunter Ebuero, Direkt zur Kanzlerin, Ratiodrink, ePortrait und Waschkampagne. 2001 errichtete er die Stiftung Entrepreneurship. 2009 erhielt er für die Teekampagne den Deutschen Gründerpreis. Als „Pionier des Entrepreneurship-Gedankens in Deutschland“ zeichnete ihn der Bundespräsident 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz aus.
Herr Professor Faltin, wer in Deutschland von Karriere spricht, denkt dabei häufig an eine klassische Unternehmens- oder Konzernkarriere. Ändert sich das?
Ja. Noch vor einigen Jahren tendierte unter meinen Studenten die Zahl derjenigen, die sich vorstellen konnten, selber zu gründen, gegen Null. Heute hat das ungefähr ein Drittel auf dem Radar. Will heißen: Selber zu gründen wird zur Karriereoption.
Warum dieser Wandel?
Gerade BWL-Studenten haben das Karriereziel, eines Tages Top-Manager zu werden. Der Weg dorthin führte früher beinahe zwangsläufig über große Unternehmen. Heute merken die jungen Leute jedoch, dass Konzernkarrieren nicht mehr die Sicherheit bieten, für die man sie lange Zeit gerühmt hat. Auch in großen Unternehmen gibt es heute Schleudersitze. Die Herausforderungen wachsen. Hinzu kommt, dass es in den hierarchischen Strukturen vorkommen kann, dass man mit fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert wird, die man selber nicht fällen würde oder die man nicht mittragen will. Daher gewinnt die Möglichkeit des selbstbestimmten Arbeitens einen immer größeren Charme.
Ist es ein Idealbild, sein eigener Chef zu sein?
Das ist nicht der Punkt, weil man schnell die Erfahrung machen wird, dass man als Chef eine notwendigerweise ungeliebte Position einnimmt. Die Chance besteht vielmehr darin, als Gründer das Tätigkeitsfeld so festzulegen, dass es auf die eigenen Stärken zugeschnitten ist. Ich kann fast alles abgeben, was ich nicht gerne mache, was mir schwerfällt. Ich habe das letzte Wort in Sachen Arbeitsteilung. Der Gründer ist der einzige, der die Chance hat, sich sein Team und seinen Arbeitsbereich weitgehend nach seinen eigenen Bedürfnissen aufzubauen.
Muss man als Chef nicht alles können?
Nein. Wer so denkt, macht einen großen Fehler. Das Gegenteil ist richtig: Als Gründer muss ich abgeben. Muss mir in den Bereichen, in denen ich nicht fachkundig bin, professionelle Komponenten holen. Nichts ist heute gefährlicher als Dilettantismus. Ein Gründer muss sich auf den innovativen Aspekt seines Unternehmens fokussieren. Masters of Business Administration verlassen zu Zehntausenden unsere Hochschulen. Was fehlt, sind die Masters of New Concepts. Natürlich ist gute Business Administration unverzichtbar. Aber eine Neugründung braucht mehr als das, wenn sie unter Konkurrenzbedingungen wirklich erfolgreich sein will. Heute braucht es den Entrepreneur als kreatives Subjekt, der es versteht, künstlerisch zu denken.
Wie definieren Sie in diesem Zusammenhang Kunst?
Kunst will zerstören – nicht Prozesse optimieren. Sie will neue Sichtachsen aufzeigen – und genau diese benötigen wir, weil wir sonst diesen Planeten ruinieren. Joseph Schumpeter schreibt von „schöpferischer Zerstörung“. Das trifft den Punkt.
Was sind weitere wichtige Eigenschaften für Entrepreneure?
Wer in der Lage sein will, neue Ideen in erfolgreiche Ideen umzusetzen, benötigt einen Blick für Zusammenhänge und für Menschen. Dazu Intuition, Bauchgefühl, damit der Entrepreneur auch ohne groß angelegte Marktforschung herausbekommt, ob seine Innovation bei den Kunden ankommen wird.
Nun reicht ein gutes Bauchgefühl alleine nicht aus. Welche Methoden gibt es, um herauszufinden, ob meine Idee für ein Geschäftsmodell taugt oder nicht?
Es gibt eine Studie, die besagt, 70 Prozent aller Annahmen in Businessplänen seien falsch. Da hilft nur eines: Meine Annahmen nicht als plausibel betrachten, sondern als eine Wette. Und diese Wetten überprüfen. Also auf Leute zugehen und fragen: Würdest du mein Produkt kaufen oder meine Dienstleistung in Anspruch nehmen?
Das bleibt aber hypothetisch.
Nicht unbedingt. Ich empfehle Gründern, eine Bestell-Liste dabei zu haben. Und wenn jemand antwortet: Ja, würde ich machen, dann soll er verbindlich auf der Liste unterschreiben. Wenn die Liste leer bleibt, weiß man, woran man ist. Das ist wichtig, denn Gründer sind immer sehr in ihre Ideen verliebt. Das muss auch so sein, ist aber gefährlich. Daher rate ich jungen Gründern auch, nicht nur an einer einzigen Idee zu arbeiten, sondern an mehreren gleichzeitig. Wer nur eine Idee hat, verfällt ihr irgendwann so sehr, dass er sie für plausibler hält, als sie eigentlich ist.
Buchtipp
Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital.
DTV 2012. ISBN 978-3423347570. 9,90 Euro.
Website zum Buch: www.kopfschlaegtkapital.com
Angenommen, ich habe das Gefühl, dass meine Wette aufgeht. Was dann? Investoren suchen?
Nein, dafür ist es noch viel zu früh. Von einer Anfangsidee bis zu einem ausgereiften Konzept ist es ein langer und steiniger Weg, der häufig unterschätzt wird. Viele junge Unternehmen scheitern, weil die Gründung zu optimistisch erfolgte. Viele Probleme ergeben sich erst, wenn man genauer analysiert. In dieser Konzeptphase ist es besonders wichtig, hartnäckig zu sein. Es wird immer vorkommen, dass sich ein Problem auftut und keine Lösung absehbar ist. Dann kommt es auf die Geduld an: Wer tausendmal ein Problem umkreist, findet vielleicht beim tausendersten Mal das Muster für die Lösung – und diese Lösung kann nur bemerkenswert sein, denn sonst wären andere ja auch schon darauf gekommen.
Am Ende müssen aber dann doch Investoren her. Gibt es genug Geld für Gründer?
Ja. Schon alleine, weil viele erfolgreiche Gründer als Business Angel für junge Gründer tätig werden. Kapital ist nicht länger ein Engpass. Spätestens seit dem Start des Crowdfunding-Konzepts ist das gut belegt. Der Engpass sind gut durchdachte Konzepte. Das führt dazu, dass heute Kapitalgeber nach guten Ideengebern suchen – und nicht umgekehrt.
Zur Teekampagne
„Wenn man doch den besten Tee der Welt kaufen kann – warum dann noch andere anbieten?“ Dies ist die Wette, die Günter Faltin bei der Gründung seiner Projektwerkstatt GbR einging, die 1985 die Teekampagne startete: Im Angebot ist nur eine einzige Teesorte, Darjeeling, angebaut an den Steilhängen des Himalajas und für viele der „Champagner unter den Teesorten“. Durch den Fokus auf eine Sorte, den Einkauf großer Mengen direkt aus Indien und dem Verkauf nur in Großverpackungen kann das Unternehmen den Preis klein halten. Mit Erfolg: Seit 1995 ist die Teekampagne Marktführer beim Versandhandel von Tee.
Weitere Infos: www.teekampagne.dewww.facebook.com/teekampagne
Die Arbeit in einem Start-up birgt schnelle Aufstiegschancen und Flexibilität. So führte der Weg der jungen Mutter und Betriebswirtschaftlerin Wencke Harder von der Teilzeitkraft zur Geschäftsleitung vom Start-up Kochzauber. Aufgezeichnet von Nicole Scheplitz
Für viele Frauen stellt sich die Frage, ob Beruf und Kinder vereinbar sind. Mit dem richtigen Job ist dies eine Herausforderung, aber nicht unmöglich. Nach meinem BWL-Studium an der Otto- Beisheim School of Management in Vallendar (WHU) arbeitete ich unter anderem als Business-Analystin in London. Doch nach der Geburt meiner zweiten Tochter suchte ich nach einer beruflichen Alternative und bekam das Angebot, beim Aufbau eines Start-ups mitzuwirken: Kochzauber. Als passionierte Hobbyköchin konnte ich mich sofort für die Idee begeistern: leckere Rezepte mit den dazu passenden frischen Zutaten direkt an die Haustür des Kunden zu liefern. Natürlich bin ich selbst Kundin. So spare ich Zeit, die ich ansonsten bräuchte, um zu überlegen, was ich koche, und dafür einzukaufen.
Zunächst war ich bei Kochzauber auf Stundenbasis für die Rezeptentwicklung und den Einkauf verantwortlich. Meine jüngste Tochter Rena, damals fünf Monate alt, nahm ich einfach mit ins Büro. Auch heute sind meine Kleinen immer noch Teil des Kochzauberteams: Als unbestechliche Testesser helfen sie uns bei der Rezeptentwicklung der „Kleine Helden“-Box. Jede Woche bewerten sie beim Probekochen mit unserem Koch Max und unserer Ernährungswissenschaftlerin Beke die Gerichte ganz unverblümt. Wenn ihnen ein Essen nicht schmeckt, kommt es auch nicht in unsere Kochzauber-Box.
Nur wenige Monate nach meinem Start übernahm ich langsam mehr Verantwortung: Hinzu kamen Administration, Finanzen und Marketing sowie Aufgaben der Geschäftsführung. Heute habe ich als Geschäftsführerin meine Finger fast überall im Spiel. Kochzauber ist sehr schnell gewachsen – unser Team zählt inzwischen 22 Mitarbeiter. Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern ist uns besonders wichtig, dass die Personen menschlich wie fachlich ins Team passen und mit Spaß an der Sache sowie mit Liebe zum Produkt dabei sind.
Herzblut und Ideenreichtum unseres Teams sind ein großer Treiber der Geschäftsentwicklung: Seit dem Start haben wir unser Produktangebot stark erweitert und unser größtes Projekt für 2013, die deutschlandweite Lieferung, gerade in Angriff genommen. Allgemein zeichnen sich Start-ups durch ein dynamisches Umfeld aus. Man muss damit leben können, dass sich Aufgabenbereiche und Rollen ändern können. Auch sind die verfügbaren Budgets zunächst nicht mit denen im Großunternehmen zu vergleichen. Dafür haben Berufseinsteiger die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Unternehmen zu wachsen und Teil einer spannenden Erfolgsstory zu werden.
Start-ups sind keine Randerscheinung mehr, die Szene wird auch in Deutschland immer größer und attraktiver. Der Berufseinstieg in einem Unternehmen in der Startphase kann für qualifizierte Hochschulabsolventen ein alternativer Berufsweg sein. Von Leonie Pohlmann
Start-ups – das sind junge Unternehmen, die innovative Geschäftsideen verwirklichen. Wenn es gut läuft, geht es für sie von Null auf Hundert, von der Gründung zur Marktführerschaft in kurzer Zeit. Immer mehr Großunternehmen sehen die Chancen, die der Unternehmensnachwuchs bietet, und unterstützen Gründer mit Risikokapital. Für Berufseinsteiger eröffnen sich attraktive Aufstiegschancen – und diejenigen, die später selber gründen möchten, können hier wertvolle Erfahrungen sammeln.
Das Besondere an Start-ups ist die Unternehmenskultur. Das Durchschnittsalter ist niedrig und die Arbeitsatmosphäre locker, es gibt flache Hierarchien und eine „Hands-on“- Mentalität, also Praxisorientierung. Gesucht werden deshalb engagierte Mitarbeiter, die menschlich ins Team passen, Noten sind oftmals zweitrangig. Für die Generation Y, der spannende Aufgaben und eine kollegiale Atmosphäre wichtiger sind als ein gutes Gehalt, gelten junge Unternehmen als attraktive Arbeitgeber. „Start-ups haben durch ihre schlanken Strukturen, ihre Flexibilität und Schnelligkeit viele Vorteile auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft, der sich immer schneller wandeln wird“, bestätigt Anna Ott, Geschäftsführerin der Personalagentur i-Potentials. „Gleichermaßen können sie aber in Sachen Stringenz und Struktur von den Großen lernen.“
Der Vorteil von Start-ups als Arbeitgeber liegt für Anna Ott auf der Hand: „Einsteiger bekommen von Anfang an viel Verantwortung, da die Teams klein sind und einfach jeder mit anpacken und entscheiden muss. Die Rollen sind oft generalistischer als in größeren Unternehmen. Dadurch hat man als Berufseinsteiger die Chance, in verschiedene Bereiche reinzuschnuppern.“ Wer nach dem Studium in einem Startup einsteigt, ist also nicht nur ein kleines Rädchen im Getriebe, sondern kann die Entwicklung des Unternehmens von Anfang an beeinflussen. Ist diese positiv, stehen die Aufstiegschancen gut: „Als Praktikant einsteigen und nach ein paar Monaten Manager sein – das kann durchaus passieren“, bestätigt die Personalberaterin.
Die eigene Geschäftsidee verwirklichen
Die Gründung eines Unternehmens ist harte Arbeit – wer noch keine Berufserfahrung hat, kann sich schnell in Anfängerfehler verstricken. Für Hochschulabsolventen, die gründen wollen, gibt es daher viele Hilfestellungen. Ein Beispiel ist das Startupbootcamp: Das Programm unterstützt die Teilnehmer drei Monate lang mit Expertenwissen dabei, aus ihrer Idee ein marktfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Als Programmabschluss erhalten die Jungunternehmer die Möglichkeit, ihr Konzept vor möglichen Investoren vorzustellen, um diese für ihre Idee zu gewinnen.
Auch an den Hochschulen selbst sind Start-ups mittlerweile ein wichtiges Thema. Die HHL Leipzig Graduate School of Management führte 2012 eine Messe durch, auf der sich Unternehmen, die von Absolventen der HHL gegründet worden waren, als Arbeitgeber vorstellten. Dass so viele Absolventen der HHL selber gründen, liegt am Vertiefungsfach Entrepreneurship, das den Studenten Handwerkszeug für die Unternehmensgründung vermittelt. Die Universität Kassel führt jährlich den Ideenwettbewerb Unikat durch. Drei Studenten haben in diesem Umfeld ihre Idee in die Tat umgesetzt und einen Onlineshop gegründet: Naschlabor. Sie übertragen das Kiosk- Prinzip auf das Internet, der Kunde kann aus ausgefallenen Süßigkeiten eine individuelle Mischung zusammenstellen. Das Unternehmen steckt noch in den Kinderschuhen – aber die können sich schnell als Siebenmeilenstiefel entpuppen.
Wer nicht weiß, was ein „Biltroller“ ist oder was er macht, befindet sich in guter Gesellschaft. Vielen geht es ähnlich. Als Biltrolling bezeichnet man die immer stärker zunehmende Verzahnung von Buchhaltung und Controlling. In der Person des Biltrollers werden zwei Berufe zumindest weitgehend vereint: der des (Bilanz-)Buchhalters und der des Controllers. Mit anderen Worten: Ein Biltroller ist sowohl im klassischen externen Rechnungswesen, der Buchhaltung, als auch im internen Rechnungswesen, dem Controlling, zu Hause und besitzt in beiden Bereichen sehr gute fachliche Kenntnisse. Aufgezeichnet von Thomas Koch
Foto: Jörgen ErichsenJörgen Erichsen, Inhaber einer Unternehmensberatung und Mitglied im Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e. V. (BVBC)
Buchhalter arbeiten in erster Linie vergangenheitsbezogen. Sie kümmern sich um die Erstellung von Jahresabschlüssen und berücksichtigen dabei vor allem rechtliche Anforderungen. Controller fungieren eher als interne Unternehmensberater und unterstützen Geschäftsleitung und Führungskräfte eines Unternehmens dabei, richtungsweisende Entscheidungen zu treffen. Sie blicken in die Zukunft, erstellen Planungen, führen Wirtschaftlichkeitsrechnungen durch und unterstützen die Geschäftsleitung bei der Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen. Um gesetzliche Regelungen müssen sie sich selten explizit kümmern.
Und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Beispielsweise ist ein Controller in vielen Dingen auf die Buchhaltungsdaten angewiesen, wenn er seine Aufgaben richtig erledigen möchte: Große Teile der Planung bauen auf den Zahlen des externen Rechnungswesens auf, Abweichungsanalysen können ohne Zahlen der Buchhaltung nicht durchgeführt werden, und auch Kennzahlen lassen sich schneller erstellen, wenn man die Daten der Buchhaltung sofort versteht und interpretieren kann. Umgekehrt kennen die Mitarbeiter der Buchhaltung die Abläufe und Zusammenhänge bei ihren Mandanten genau und sind in der Lage, passgenaue Controlling-Leistungen anzubieten.
Ich bin seit rund zehn Jahren als Unternehmensberater selbstständig und arbeite in erster Linie für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Begonnen habe ich meine Tätigkeit mit klassischen Controllingaufgaben, zum Beispiel habe ich meine Kunden bei der Einführung einer Kostenrechnung, der Durchführung von Planungsaufgaben, der Erstellung von Businessplänen oder der Finanzierung unterstützt. Schnell musste ich aber feststellen: Ohne Buchhalter oder Steuerberater ist eine umfassende betriebswirtschaftliche Unterstützung der Kunden kaum möglich beziehungsweise unvollständig. Daher habe ich mich mehr und mehr auch in typische Fragen der Buchhaltung eingearbeitet, um bei betriebswirtschaftlichen Entscheidungen, etwa bei Investitionen oder Gestaltungen zum Jahresende, auch buchhalterische und steuerliche Aspekte besser berücksichtigen und spezifische Fragen von Banken oder anderen Kapitalgebern fundierter beantworten zu können. Insofern betrifft der Trend zum Biltrolling auch mich, und ich stelle fest, dass es eine zunehmende Verzahnung der Bereiche gibt.
Wohin wird die Reise gehen? Ich denke, das ist heute in der letzten Konsequenz noch nicht abzusehen. Es gibt starke Argumente für eine weitergehende Harmonisierung des Rechnungswesens und eine Zusammenführung der Berufe des Buchalters und Controllers. Meine Erfahrungen zeigen, dass ein Biltroller, der Kompetenzen aus beiden Teilen des Rechnungswesens in einer Person vereint, besonders gut geeignet ist, in KMU eingesetzt zu werden, um hier effizient Unterstützung zu leisten. Für die Geschäftsführung liegen die Vorteile auf der Hand: Sie müssen nur eine Fachkraft bezahlen und haben eine Person, mit der sie alle betriebswirtschaftlichen Dinge besprechen und gegenüber Dritten, etwa Banken, vertreten können. Entscheidend bei einem weiteren Zusammenwachsen der Berufe ist, dass typische Controllingaufgaben, etwa Planung und Unterstützung bei der Unternehmensentwicklung, nicht vernachlässigt werden und am Ende des Tages nicht „nur“ buchhalterische Arbeiten erledigt werden. Dann ist langfristig unter Umständen sogar die Existenz eines Betriebes gefährdet.
Sicher ist, dass sich für Rechnungswesen- Fachkräfte gute Karrierechancen ergeben, wenn sie sich in beiden Welten auskennen. Daher sollten sich (Bilanz-) Buchhalter um eine Zusatzqualifikation zum Controller bemühen. Controller sollten prüfen, ob es sinnvoll ist, eine Zusatzqualifikation zum Bilanzbuchhalter zu erwerben. In jedem Fall müssen sie ihr buchhalterisches Wissen kontinuierlich ausbauen und erweitern.
Job-Steckbrief Biltroller
Voraussetzungen:
BWL-Studium mit Schwerpunkt Rechnungswesen/Controlling und eine Zusatzaus- oder -weiterbildung zum Buchhalter oder Bilanzbuchhalter bzw. langjährige buchhalterische Praxis. Soft Skills wie Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, Offenheit für neue Entwicklungen, Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Konfliktlösungsfähigkeit, Überzeugungskraft, Verkäuferqualitäten sowie Moderationskenntnisse.
Gehalt:
Eine gute Orientierung bieten die Einstiegsgehälter für Bilanzbuchhalter und Controller: Einstiegsgehälter in KMU circa 35-38.000 Euro/Jahr, nach 3 bis 5 Jahren ab circa 46.000 Euro/Jahr. Je nach Unternehmensgröße und Branche sind Abweichungen nach oben möglich. Experten glauben, dass die Gehälter in den nächsten Jahren deutlich steigen werden.
Aufstiegsmöglichkeiten:
Gut bis sehr gut, beispielsweise zum kaufmännischen Leiter, zum Finanzchef oder – in Großunternehmen – zum Leiter Konzern-Rechnungswesen. Das Sahnehäubchen: Der Fachkräftemangel im Bereich Buchhaltung und Controlling wirkt quasi wie eine Jobgarantie für qualifizierte Personen.
Informationen:
Jörgen Erichsen, Jochen Treuz: Biltroller – Vom Bilanzbuchhalter zum Controller.
NWB 2011. ISBN 978-3482632815. 34,80 Euro.
www.bvbc.dewww.htw-aalen.dehttps://rsw.beck.de
Ich wollte unbedingt im Consulting arbeiten – und das habe ich jetzt geschafft: Im Dezember 2012 bin ich als Consultant bei Business Consulting, der internen Unternehmensberatung von Bayer, eingestiegen. Vorher habe ich International Business studiert: Meinen Bachelor habe ich in Mailand gemacht und in Rotterdam und Prag meinen Master. Von Alexander Ebner
Profildaten
Name: Alexander Ebner
Geburtsjahr: 1987
Hochschulabschluss als: Msc. International Management/CEMS
Warum Bayer? Toller Arbeitgeber; als Arztsohn Bezug zur Pharmaindustrie
Bewerbung als: Inhouse Consultant
Tag des Vorstellungsgespräches: 19. September 2012
Tag des Antritts der Stelle: 1. Dezember 2012
Über die Initiative „dichter dran“, die von Inhouse-Consulting-Einheiten führender Unternehmen ins Leben gerufen wurde, bin ich auf die Inhouse-Beratung von Bayer aufmerksam geworden und habe mich spontan dort beworben. Zwei Wochen später hatte ich schon die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Ein Assessment Center gab es nicht, stattdessen hatte ich vier Einzelgespräche: zwei mit Projektmanagern und zwei weitere mit Principles, also Abteilungsleitern.
Ein bisschen aufgeregt war ich am Tag der Vorstellungsgespräche schon, aber meine Interviewpartner waren alle sehr freundlich und herzlich, die Atmosphäre war sehr positiv. Im ersten Gespräch ging es hauptsächlich um mich und meinen Lebenslauf sowie um meine Motivation. Ich habe erklärt, warum ich im Inhouse Consulting und bei Bayer arbeiten möchte. In diesem Gespräch war es besonders wichtig, mit authentischen und interessanten Geschichten über sich selbst zu zeigen, dass man motiviert ist, sowie ehrlich, offen und sympathisch zu wirken. Im zweiten Gespräch wurden dann analytische Fähigkeiten und Kreativität geprüft, und zwar anhand von Cases. Mein Interviewer schilderte einen Fall, wie er in der Beratung vorkommen kann, gab mir aber nur wenige Informationen. Ich musste Fragen stellen, Infos sammeln, den Fall analysieren und schließlich einen Lösungsansatz präsentieren. So wird geprüft, ob man strukturiert vorgeht und die richtigen Fragen stellt. Diese Cases hatte ich vor dem Gespräch intensiv geübt – also nicht nur ein Buch gelesen, sondern immer wieder mit Freunden die Case-Interviews simuliert. Das kann ich jedem empfehlen, der sich in der Beratung bewirbt.
Nach diesen beiden Gesprächen war die erste Hürde geschafft: Ich war in der nächsten Runde und durfte zwei weitere Interviewer treffen. Zuerst wurde ich gefragt, in welcher Abteilung ich gerne arbeiten würde und wieso, danach wurde etwas konkreteres Fachwissen aus diesem Bereich abgefragt. Anschließend war noch einmal ein Case an der Reihe. Nach dem vierten Gespräch haben meine Interviewer mir direkt zugesagt, worüber ich mich riesig gefreut habe.