Blickpunkt: Pionierinnen

Foto: Fotolia/Masson
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Wussten Sie, dass es eine Frau war, die in den sechziger Jahren die Software für die erste Mondlandung programmiert hat? Im August wird sie 80 Jahre alt. Ihr Name: Margaret Hamilton. Im vierten Teil unserer Pionierinnen- Reihe stellen wir sie und drei weitere Frauen vor, die mit ihrem Mut und ihrem Durchsetzungsvermögen den Weg ebneten und Vorbilder wurden. Von Leonie Pohlmann

Bertha von Suttner (1843-1914) die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin
Die Pazifistin und Publizistin Bertha von Suttner stellte sich an die Spitze der Friedensbewegung und wurde dafür 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Österreicherin arbeitete für einige Wochen in Paris als Sekretärin von Alfred Nobel, mit dem sie auch später freundschaftlichen Kontakt beibehielt – eine Zeit, die prägend für ihr weiteres Schaffen wurde. Durch die Gespräche mit Nobel wurden der Pazifismus und die Frage, wie Frieden zu erreichen sei, ihr zentrales Thema.

Bertha von Suttner publizierte zunächst unter einem Pseudonym Essays und literarische Texte. 1889 veröffentlichte sie „Die Waffen nieder!“, indem sie die Schrecken des Krieges aus der Sicht einer Ehefrau und Pazifistin beschrieb. Der Roman machte die Friedensbewegung bekannt und Bertha von Suttner zu deren prominentester Vertreterin. In den folgenden Jahren wurde sie auch politisch aktiv, wurde auf dem Weltfriedenskongress 1891 zur Vizepräsidentin des Internationalen Friedensbüros gewählt und unternahm Vortragsreisen in die USA. Wenige Wochen vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges, vor dem sie wiederholt gewarnt hatte, verstarb sie an einem Krebsleiden.

Margaret Hamilton (*1936) Software-Entwicklerin
In den 60ern hüteten Frauen in den USA die Kinder und standen hinter dem Herd? Nicht Margaret Hamilton. Die Software-Entwicklungs-Pionierin arbeitete als Programmiererin für die NASA und ermöglichte mit ihrer Arbeit die erste Mondlandung. In einer Branche, die auch heute noch als Männerdomäne wahrgenommen wird, setzte sie sich als berufstätige Mutter an die Spitze der Innovation. Als sie als Mathematikerin mit dem Programmieren begann, gab es noch kein Informatik-Studium an den Universitäten. Sie eignete sich ihr Wissen in der Praxis an und übernahm 1965 im Raumfahrtprogramm der NASA die Leitung der Softwareentwicklung, wo sie die Flugsoftware der Apollo-Computer entwickelte.

Vorausschauend programmierte sie diese so, dass die Computer sich in Problemfällen auf die wichtigen Aufgaben konzentrierten und die weniger wichtigen zurückstellten. So verhinderte sie den Abbruch der Apollo-11-Mission: Kurz vor der Mondlandung löste der Computer mehrere Warnungen aus, weil er von den eingehenden Daten überlastet war. Aufgrund der cleveren Programmierung von Margaret Hamilton konnte die Landung dennoch stattfinden und in die Geschichte eingehen.

Gabriele Münter (1877-1962) „Sturmfrau“ des Expressionismus

Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg) STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932. Wienand:
Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg) STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932. Wienand:

Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg.): STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932. Wienand 2015. 45 Euro www.schirn.de/ausstellungen/2015/sturm_frauen

Klee, Chagall, Kandinsky – die Namen der großen Künstler der Moderne kennt jeder. Weniger bekannt sind hingegen die Namen der vielen Künstlerinnen, die einen ebenso wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kunst leisteten. Eine dieser Künstlerinnen war Gabriele Münter, die heute zu den bedeutendsten expressionistischen Malerinnen gezählt wird. Weil die Kunstakademien Ende des 19. Jahrhunderts keine Frauen aufnahmen, trat sie in die private Kunstschule Phalanx in München ein. Dort lehrte Wassily Kandinsky, der ihr Lebensgefährte wurde. Gemeinsam mit ihm verkehrte Gabriele Münter in den Münchener Künstlerkreisen und entwickelte ihren eigenen expressionistischen Stil stetig weiter.

Ihre erste Ausstellung 1911 wurde ein großer Erfolg. Nach der Machtergreifung der Nazis erhielt sie 1937 Ausstellungsverbot. Erst 1949 wurden ihre Arbeiten in der Ausstellung „Der Blaue Reiter in München“ wieder öffentlich gezeigt, und erst dann konnte sie sich in der Kunstrezeption aus dem Schatten Kandinskys lösen. Gabriele Münter stand wie viele Künstlerinnen ihrer Zeit in enger Verbindung mit Herwarth Waldens Zeitschrift „Der Sturm“ sowie seiner Galerie. Die Rezeption der Avantgarde hat den weiblichen Beitrag lange Zeit außer Acht gelassen. Dieser wurde kürzlich erstmals in der Ausstellung „STURM-FRAUEN“ der Schirn Kunsthalle Frankfurt und dem dazugehörigen Katalog umfassend aufbereitet:

Emmeline Pankhurst (1858-1928) Kämpferin für das Frauenwahlrecht
Sie mobilisierte in Großbritannien die Frauenbewegung und schreckte auch Foto: Fotolia/Masson trotz mehrfacher Verhaftungen nicht davor zurück, ihre Meinung öffentlich zu vertreten. Emmeline Pankhurst war eine der Anführerinnen der Suffragetten- Bewegung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht einsetzte. Bereits mit 14 Jahren nahm sie an ihrer ersten politischen Versammlung teil. Enttäuscht von der Erfolglosigkeit der bisherigen Frauenbewegung gründete sie 1903 die Women’s Social and Political Union (WSPU), der nur Frauen beitreten konnten und die sich auf den Kampf für das Frauenwahlrecht konzentrierte. Die Organisation wurde unter anderem dadurch bekannt, dass sie auch vor der Anwendung radikaler Praktiken wie Sachbeschädigung und Brandstiftung nicht zurückschreckte. Das führte dazu, dass die Mitglieder der WSPU wiederholt festgenommen wurden, so auch Emmeline Pankhurst. Sie beendete ihren militanten Einsatz mit Ausbruch des ersten Weltkrieges, um die britische Regierung zu unterstützen. Sie verstarb 1928, kurz bevor in Großbritannien das allgemeine Frauenwahlrecht in Kraft trat. Ihre Methoden werden heute von Historikern unterschiedlich bewertet, aber ohne Zweifel lenkte sie damit große Aufmerksamkeit auf die Frauenbewegung und bereitete mit ihrem Kampf für das Frauenwahlrecht den Weg für den Feminismus.

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