Heimatgefühle der Generationen Y und Z

Bild: tagul.com
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Es ist Freitagabend und Emily, 24, will ins Wochenende. Doch der Chef bittet sie länger zu bleiben: in der Produktion sei etwas schief gelaufen, nun drohe ein Auftrag zu platzen. Emily denkt kurz nach, dann erinnert sie ihren Chef an die vereinbarte Arbeitszeit und fährt nach Hause.

Emily gehört der Generation Z der ab Ende der 1990er-Jahre Geborenen an. Sie ist eine Kunstfigur, die der Saarbrücker BWL-Professor und Fachmann für Personalmanagement Christian Scholz ausgedacht hat, um zu illustrieren, wie die neue Generation tickt, die in den nächsten Jahren den Arbeitsmarkt betreten wird. „Generation Z ist anders als ihre Vorgänger: Sie ist hochgradig auf ihre eigenen Ziele konzentriert und definitiv kein Teamspieler“, erklärt Scholz, zu ihrem Arbeitgeber habe sie „noch weniger Loyalität als zu ihrer Turnschuhmarke“.

Buchtipp

Philipp Riederle, Wer wir sind, und was wir wollenPhilipp Riederle. Wer wir sind, und was wir wollen. Ein Digital Native erklärt seine Generation. Droemer Knaur. ISBN 978-3-426-78611-6. € 12,99

Heimatgefühle am Arbeitsplatz? Fehlanzeige. Es zählen Freunde und Familie. Die Generation Z „will klar zwischen Arbeitswelt und Privatleben in der eigenen kleinen Welt trennen“, stellt Scholz in einem Gastbeitrag für das Fachmagazin Human Resources Manager fest.

Sinnvoll beschäftigt sein

Damit geht sie noch einen Schritt weiter als die vorherige Generation Y der Milleniums. Auch den um 1980 bis Mitte der 1990er-Jahre Geborenen sind Freunde und Familie überdurchschnittlich wichtig. Allerdings versuchen sie ihr Privatleben in Einklang mit den Anforderungen ihres Jobs zu bringen, in die vielbeschworene Work-Life-Balance. Desk-Sharing, Home-Office, Teilzeit – alle Möglichkeiten eines modernen Personalmanagements werden hierzu aufgefahren. Auf eine Karriere verzichten Milleniums dann auch schon mal zugunsten ihrer persönlichen Freiheit. Den Job einfach Job sein lassen, nur um pünktlich nach Hause gehen zu können? Auf keinen Fall, wo bliebe da der Sinn?

Sinn steht hoch im Kurs bei der Generation Y. Heimat, Nachhaltigkeit, eine intakte Umwelt und Arbeitgeber, die diese Werte teilen – zumindest aber nicht dagegen arbeiten. Mit diesen Ansprüchen verändern sie das Personalmanagement wie Thomas Sigi, Personalvorstand von Audi, in einem Spiegel-Interview zugibt. Dort berichtet er von einer Studie, die Er in Auftrag gegeben hatte, um deren Wünsche und Ansprüche besser kennenzulernen.

Lieber in der Heimat als im Ausland

Hierbei war unter anderem herausgekommen, dass die Mobilität der Milleniums nachlässt. Im Ausland waren die meisten während des Studiums. Nun, mit einem festen Job, wollen sie nur ungern im Interesse des Unternehmens umziehen oder im Ausland arbeiten. Freunde und Familie lassen sich mit einem modernen Nomadentum nur schwer vereinbaren.

Vor allem in Branchen mit einem hohen Anteil an weltweitem Projekteinsatz wie der Baubranche ist das ein Problem. Personalchef Stefan Reindl des Tiefbauspezialisten Bauer stellt in der FAZ fest, dass es „tendenziell schwieriger wird, Personal zu finden, das dauerhaft bereit ist, weltweit auf Projekten zu arbeiten und sozusagen weltweite Mobilität mitzubringen“.

Mit der Generation Z werden diese Herausforderungen nicht geringer.

Personaldienstleister Randstad hat ein Video zu verbreiteten Irrtümern über die Generation Z gemacht: