Kommunikation ist, wenn man trotzdem spricht

Bild: toastmasters.org
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Von Thomas Rose, Business Coach und Europameister im Redewettbewerb von Toastmasters International

Die Welt dreht sich definitiv schneller als noch vor ein paar Jahren, und an einem einzigen Tag geschieht heute mehr als im ganzen Leben unserer Großeltern. Wir rennen von einer Aufgabe zur nächsten, haben hier ein Meeting, dort einen Jour Fixe, und zwischendurch führen wir die wichtigsten Telefonate im Laufen: „Hast Du kurz Zeit?“ – „Ja, ja. Aber nur zwei Minuten. Ich habe einen harten Anschlusstermin und muss dann in eine TelKo …“

Willkommen auf der Erde.

Zur Person:

Rede-Europameister Thomas Rose, Foto: Thomas Rose
Rede-Europameister Thomas Rose, Foto: Thomas Rose

Thomas Rose ist freiberuflicher Unternehmensberater und Business Coach, der seinen Kunden in Konflikt- und Krisensituationen hilft. Außerdem spricht er als Hauptredner bei Veranstaltungen großer Unternehmen über Themen wie Mitarbeitermotivation oder persönliche Entwicklung. Seit 2008 ist Thomas Rose Mitglied bei Toastmasters International, einer internationalen Non-Profit-Organisation mit aktuell 313.000 Mitgliedern in 14.650 Clubs in 126 Ländern. Die Clubmitglieder treffen sich regelmäßig, um ihre Redefähigkeiten zu verbessern und Führungsfähigkeiten zu entwickeln.
Weitere Infos zu Toastmasters International: www.toastmasters.org
Weitere Infos zu Thomas Rose: http://tachles.cc

Sind die langen und ausführlichen Gespräche passé? Gehören spannende Präsentationen der Vergangenheit an? Werden wir nie wieder am Lagerfeuer sitzen und uns Geschichten erzählen? Ich glaube, die Welt braucht bessere Redner und Erzähler. Menschen, die fesseln können. Moderatoren, die ihre Gesprächspartner als wertvolle Quellen des Wissens wahrnehmen. Teamleiter, die motivieren. Visionäre, die inspirieren. Oder schlicht: Menschen, die mit Worten begeistern.

Und wenn wir uns schon darüber einig sind, was dieses Universum braucht – warum nicht selbst einen Beitrag zu einer besseren Welt der Rhetorik leisten? Warum nicht selbst die Änderung sein, die wir in dieser Welt sehen wollen? Warum nicht selbst motivieren, inspirieren und begeistern?

Gelegenheiten gibt es genug. Wie wäre es mit dem nächsten Bewerbungsgespräch, der nächsten Powerpoint-Präsentation oder der nächsten Afterwork-Party?

Das Bewerbungsgespräch

Viele Unternehmen haben Probleme: zu wenig Umsatz, zu wenig Gewinn, zu geringe Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen, zu hoher Krankenstand, zu viele Rückläufer oder zu hohe Kündigungsquoten. Zur Lösung dieser Probleme benötigen Unternehmen Problemlöser.

Ihr Lebenslauf und Ihre Zeugnisse dienen dem Unternehmen nur als Mittel zum Zweck, um eine einzige Frage zu beantworten: Sind Sie ein Problemlöser – oder würde sich das Unternehmen mit Ihrer Einstellung nur ein weiteres Problem einhandeln? Ihre einzige Aufgabe im Bewerbungsgespräch besteht also darin, Ihren Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass Sie ein Problemlöser sind. Nur aus diesem einen Grund fragt Sie der Personaler nach Ihrem größten Erfolg und nach Ihrem größten Misserfolg. Wie sind Sie damit umgegangen, und was haben Sie daraus gelernt?

Im Gespräch mit Ihrem künftigen Arbeitgeber zeigen Sie sich also interessiert und stellen Sie viele kluge Fragen. Verpacken Sie Ihre Erfahrungen in Geschichten und halten Sie diese kurz und knackig. Kommen Sie auf den Punkt und enden Sie Ihre Ausführungen immer mal wieder mit einer anschließenden Frage, zum Beispiel: „Wäre eine solche Erfahrung für Ihr Unternehmen interessant?“ Wenn Sie Ihrem Gesprächpartner zuhören, nicken Sie hin und wieder. Lehnen Sie sich eher nach vorne als nach hinten und halten Sie Augenkontakt, ohne Ihr Gegenüber anzustarren. Sie wollen ja nicht als Psycho rüberkommen …

Die Powerpoint-Präsentation

Geschafft! Sie haben den Job und wollen Ihre Kollegen zu einem Meeting einzuladen. Hier präsentieren Sie Ihre neuesten Ideen, Analysen und Schlussfolgerungen. Und natürlich zeigen Sie sich State-of-the-Art und kommunizieren nicht einfach Ihre Einsichten. Nein, Sie geben eine Powerpoint-Präsentation.

Welche Schriftgröße Sie verwenden, können Sie an vielen anderen Stellen nachlesen. Mir geht es hier vor allem um eines: Benutzen Sie Ihre Präsentation nicht als Krücke, um sich an Ihren Text zu erinnern. Schreiben Sie so wenige Wörter wie möglich auf die Folien. Wer liest, hört nicht zu, und Sie sind als Redner das Transportmedium für das gesprochene Wort. Wenn Sie Zahlen, Daten, Fakten präsentieren müssen, dann zeigen Sie auf der Folie allenfalls ein Diagramm. Die genauen Daten bieten Sie als Handout oder zum Download an. Oft ist es auch klug, solche Details im Vorfeld zu verschicken, und in der kurzen Zeit, die Ihnen zur Verfügung steht, nur das große Bild zu zeichnen.

Reden Sie zum Publikum, nicht zur Leinwand. In einer Präsentation spielen Sie als Redner immer die Hauptrolle. Transportieren Sie Ihr Wissen in Form von Geschichten. Ihre Zuhöher vergessen sehr schnell, was Sie sagen. Aber sie vergessen nie, wie sie sich während Ihrer Präsentation gefühlt haben. Spielen Sie mit Emotionen, auch – und gerade wenn – Sie Zahlen, Daten und Fakten präsentieren.

Die Afterwork-Party

Feierabend – ab in den Club. Jetzt machen Sie sich zunutze, was Geschichtenerzähler schon immer wussten: Erzählen Sie nur die Hälfte. Natürlich sollten Sie hauptsächlich Fragen stellen, aber wenn Sie selbst mit Reden dran sind, bleiben Sie für andere interessant, indem Sie immer ein bisschen mysteriös bleiben. Freizeit ist wie Business: Wer fragt, der führt. Und wollen wir nicht alle in der ersten Reihe stehen? Das schafft man aber nicht mit einem großen Mundwerk. Jedenfalls nicht dauerhaft.