Aufgestiegen zum Associate

Foto: Philipp Römer
Foto: Philipp Römer

Abflug Montagmorgen um 6:50 Uhr. Ankunft beim Klienten um 9:00 Uhr, erstes Arbeitstreffen mit allen wichtigen Projektteilnehmern um 9:30 Uhr. Langschläfer haben es schwer in der Unternehmensberatung, das hatte ich schon während meines Praktikums bei Booz & Company im Mai 2011 festgestellt. Schnell habe ich gelernt, was es bedeutet, bei einer Strategieberatung zu arbeiten: früh aufstehen, lange Nächte, ein sehr übersichtliches Maß an Freizeit unter der Woche – aber eben auch spannende Projekte und Klienten, eine steile Lernkurve sowie eine sehr gute Bezahlung. Ein Erfahrungsbericht von Philipp Römer

Philipp Römer
Bachelor Betriebswirtschaftslehre Universität Mannheim,
Master Strategic Management University of Rotterdam
Eingestiegen 2011
als Senior Consultant bei Booz & Company
Aufgestiegen 2013
zum Associate

Ob dieser Arbeits- und Lebensstil das Richtige ist, muss jeder Berufseinsteiger für sich selbst entscheiden. Mir bot das Praktikum eine gute Möglichkeit, das Berufsfeld kennenzulernen. Ich war danach überzeugt, mit diesem Einstieg in die Arbeitswelt das Richtige für mich gefunden zu haben, und bin es auch heute noch.

Probleme verstehen, Lösungen finden
Als Unternehmensberater arbeite ich für verschiedene Klienten im Rahmen von projektbasierten Aufträgen, in denen es oft gilt, komplexe Probleme zu verstehen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Dabei betreue ich heute in meiner Rolle als Associate eigenständig Klienten in allen Projektphasen und entwickle die analytische Herangehensweise inklusive der Modelle, die wir benötigen, um Lösungsvorschläge machen zu können. Ein Beispiel: Ein Klient aus der Chemiebranche überlegte, einen Wettbewerber für eines seiner Kernprodukte zu kaufen. Wir führten intensive Marktrecherchen durch und entwickelten ein Modell, in dem sowohl der Klient als auch der Wettbewerber und andere Marktspieler abgebildet waren. In einer Marktsimulation stellten wir dann fest, dass eine Übernahme des Wettbewerbers aus Sicht unseres Klienten lohnend war. Nach Beendigung unseres Beratungsauftrags entschied sich der Klient letztlich dazu, mit der Akquisition zu beginnen.

Viel sehen, viel lernen
Ich hatte mich vor allem aufgrund der steilen Lernkurve und der Möglichkeit, verschiedene Unternehmen kennenzulernen, für die Unternehmensberatung entschieden. In den ersten zwei Jahren als Senior Consultant haben sich meine Erwartungen erfüllt. Ich wurde auf über zehn Projekten bei sechs verschiedenen Klienten eingesetzt, davon auch zwei im Ausland: in Amsterdam und Athen. Vor allem konnte ich in dieser Zeit meine schriftlichen und analytischen Fähigkeiten entwickeln. Ich erarbeite heute schneller bessere Dokumente als früher, besonders in dem beratungstypischen PowerPoint-Format. Außerdem habe ich mir durch die Mitarbeit an verschiedenen analytischen Markt-, Wettbewerbs- und Bewertungsmodellen das nötige Wissen erarbeitet, um derartige Modelle selbst entwerfen zu können. Im Rahmen eines jährlichen Bewertungsprozesses wurde dann Anfang des Jahres meine Entwicklung diskutiert. Dabei mussten alle Kollegen mit denen ich gearbeitet habe, vom Projektleiter bis zum Partner, ein sogenanntes 360-Grad-Feedback geben, auf dessen Basis ich dann zum Associate befördert wurde.

Abwechslungsreicher Alltag
Eine große Herausforderung als Berater ist, dass ich in verschiedensten Branchen und Projektumgebungen eingesetzt werden kann. Im April und Mai kann ich in einem Dreier-Team zur Strategieentwicklung in der Chemiebranche sein, und von Juni bis September schon wieder in einem 15-köpfigen Team zur Reorganisation der Geschäftseinheit eines Automobilherstellers. Mein BWL-Studium ist dabei sehr hilfreich, um mich schnell in neue Probleme einzuarbeiten und auch komplexe Fragestellungen zu verstehen. Da man teilweise mehr Zeit mit Kollegen als mit anderen Menschen verbringt, bin ich froh, dass ich bisher immer viel Spaß bei der Arbeit hatte und eine gute Atmosphäre herrscht. Gemeinsame Firmenevents, wie zum Beispiel ein europaweites Fußballturnier der verschiedenen Booz & Company Büros, tragen viel zu diesem guten Miteinander bei.

Gute Aussichten
Die Karrierepfade in der Unternehmensberatung sind klar vorgegeben: In zwei bis drei Jahren könnte ich Projektleiter werden, sofern ich die firmeninternen Anforderungen an diese Position bis dahin erfülle. Eigene Teams managen und gemeinsam mit Partnern und Principals selbst Projekte verkaufen – auf diese Herausforderungen freue ich mich. Nur die Flüge montagmorgens um 06:50 Uhr wird es wohl immer geben, daran können auch Beförderungen nichts ändern.

Karriereschritte in der Unternehmensberatung

Die Positionsbezeichnungen in Unternehmensberatungen sind nicht einheitlich, bei Booz & Company werden sie folgendermaßen verwendet:
• Consultant (typischerweise Eintritt mit Bachelor)
• Senior Consultant (typischerweise Eintritt mit Diplom/Master)
• Associate (typischerweise Eintritt mit Promotion/MBA)
• Senior Associate, Principal, Partner

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