Nic Züchner hat seine Masterarbeit an der TU Dresden zum BIM Champion 2026 gemacht. Im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Cornelius Preidel, Vorstandsvorsitzender buildingSMART Deutschland, erklärt er, warum Überflutungsschutz und digitale Planung zusammengehören und was Landschaftsarchitektur mit der Zukunft des Bauens zu tun hat. Aufgezeichnet von Christoph Berger.
Zur Person
Nic Züchner ist Freiberufler mit Fokus auf BIM in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung. Seine Masterarbeit sowie das zugehörige Modell sind auf seiner Website öffentlich zugänglich.
Wer beim Stichwort BIM automatisch an Hochbau, Betondecken und Tragwerksplanung denkt, hat Nic Züchner noch nicht kennengelernt. Der frischgebackene Absolvent der Technischen Universität Dresden hat seine Masterarbeit im Studiengang Landschaftsarchitektur geschrieben und dabei gezeigt, dass die BIM-Methodik weit über das Gebäude hinausgeht. Beim BIM Champions Award 2026, den buildingSMART Deutschland jährlich vergibt, wurde er in der Kategorie „Arbeiten von Studenten und Auszubildenden“ ausgezeichnet. Die Jury überzeugte vor allem der mutige Blick über Disziplingrenzen hinweg: Nic Züchner verknüpft BIM mit GIS, Wettersimulationen, KI und Überflutungsnachweisen zu einem integrativen Planungswerkzeug. Ein Ansatz, der aktueller kaum sein könnte.
Nic, herzlichen Glückwunsch zum BIM Champion 2026. Wie kam ein Landschaftsarchitekturstudent überhaupt zur BIM-Methodik?
Das war tatsächlich ein sehr persönlicher Antrieb. BIM war in meinem Studiengang kein Pflichtthema, es gab kaum Module dazu. Aber ich wollte mich wirklich gut damit auskennen und der direkteste Weg war, die Masterarbeit dazu zu schreiben. Mein Zweitgutachter, M. Eng. Sven-Marvin Sommer, hatte dann die entscheidende Idee: den Überflutungsnachweis. Denn genau dort liegen in der Freiraumplanung die Daten, die wir mit BIM sinnvoll strukturieren, verwalten und nutzbar machen können.
Viele würden sagen: Landschaftsarchitektur und BIM – passt das überhaupt zusammen?
Das höre ich oft. Und ja, BIM wird häufig als Hochbau-Thema wahrgenommen. Aber ich sehe das anders: Bei Umweltdaten, Starkregenereignissen, Regenwasserabfluss – genau da haben wir riesige Datenmengen, die bisher kaum strukturiert genutzt werden. BIM ist im Kern eine Datenherausforderung, keine Herausforderung für Gebäude. Und wenn wir das verstehen, eröffnen sich ganz neue Anwendungsfelder.
Was konkret hat sich durch deinen Ansatz in der Überflutungsplanung verändert?
Bislang ist das oft so gelaufen: Viele Büros geben den Überflutungsnachweis an spezialisierte Ingenieurbüros ab und die bekommen dann Pläne und Datengrundlagen, deren Qualität teilweise fraglich ist. Ich habe mit der ifs Ingenieurgesellschaft für Stadthydrologie aus Hannover gesprochen, die mir bestätigt hat: Unklare Anschlusspunkte, unvollständige Grundlagen – all das sind riesige Fehlerquellen. Mein Ansatz ermöglicht es, den Nachweis direkt im Entwurfsprozess zu führen, live mit dem Modell. Man sieht sofort, wo ein Konzept klimaresilienter werden muss, und kann direkt reagieren. Und das ohne Medienbruch und ohne Informationsverlust.
BIM Champions Award
Der BIM Champions Award wird jährlich von buildingSMART Deutschland verliehen und zeichnet herausragende Leistungen in der digitalen Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aus.
www.buildingsmart.de/bim-champions
Das klingt nach einem Werkzeug, das gerade jetzt gebraucht wird.
Absolut. Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, wie ernst das Thema ist. Digitale Planungsmethoden, die wirklich helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen, das ist kein akademischer Luxus, das ist dringende Praxis.
Was passiert jetzt mit der Arbeit, landet sie in der Schublade?
Das hoffe ich nicht. Und ich tue aktiv etwas dagegen. Die Arbeit inklusive Modell ist auf meiner Website frei zugänglich. Jeder kann sie herunterladen, sich anschauen, weiterdenken. Außerdem stehe ich in engem Austausch mit Vectorworks Germany, um zu prüfen, ob sich der Überflutungsnachweis direkt in die Software integrieren lässt. Das wäre natürlich ein enormer Schritt: Wenn das Werkzeug aus dem Planungsprogramm heraus funktioniert, wird es für die Praxis wirklich nutzbar.
Du hast dich direkt nach dem Studium selbstständig gemacht. War die Masterarbeit der Auslöser?
Sie hat definitiv geholfen. Die Arbeit hat mir gezeigt, dass ich in einem Nischenbereich wirklich tief drin bin. Auch, dass es dafür Bedarf gibt. Mit der Auszeichnung durch buildingSMART kommt jetzt auch die Sichtbarkeit dazu. Wer Interesse hat, an meinen Ansätzen weiterzuarbeiten oder mich für Projekte zu kontaktieren, ist herzlich eingeladen.


