Gründen in Zeiten der Krise

Foto: AdobeStock/beysim
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Es hätte 2020 so gut für Start-ups laufen können. Eigentlich. Wäre da nicht die CoronaKrise. Wegen der wird nun ein massiver Einbruch bei StartupFinanzierungen erwartet. Von Christoph Berger

2019 war der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro – wobei die Zahl der Finanzierungsrunden allerdings nur um ein Prozent auf 4246 zulegte. Dies sind Zahlen aus dem Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst und Young (EY). Und 2020? „2019 dürfte vorerst das letzte Rekordjahr für das europäische Start-up-Ökosystem gewesen sein“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. „Die Coronavirus-Pandemie wird nicht nur zu deutlich sinkenden Investitionen führen. Es sind zudem bei vielen Unternehmen massive Umsatzausfälle zu erwarten. Damit ist diese Krise eine existenzielle Herausforderung für das europäische Start-up-Ökosystem.“ Es wird also wegen der Corona-Krise für das Jahr 2020 ein massiver Einbruch bei Start-up-Finanzierungen erwartet. Wobei zu erwähnen ist, dass bereits im zweiten Halbjahr 2019 ein Rückgang der Finanzierungsaktivitäten in Europa zu beobachten war. Doch nun, in Zeiten der Krise: „Fest steht, dass das europäische Start-up-Ökosystem vor der größten Bewährungsprobe seiner Geschichte steht“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY.

Nun ruht die Hoffnung vieler Gründer auf dem Zwei-Milliarden-Euro-Schutzschirm für Start-ups der Bundesregierung. Dabei handelt es sich um eine erste Tranche des ohnehin geplanten zehn Milliarden Euro schweren Zukunftsfonds. Die Bundesregierung hat zudem einen Wirtschaftsstabilisierungsfonds auf den Weg gebracht, über den 600 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, die Unternehmen und Start-ups helfen sollen, die Krise erfolgreich zu bewältigen. Doch laut EY haben nicht nur die Gründer zu leiden, auch die Kapitalgeber stehen laut Peter Lennartz vor besonderen Herausforderungen: „Ein Exit ist jetzt sehr viel schwieriger als vor der Krise – die Bewertungen werden nach unten angepasst. Für die Investoren geht es daher nun vorrangig darum, ihre Portfoliounternehmen durch die Krise zu bekommen. Und sie haben im Zweifelsfall zu entscheiden, welche Geschäftsmodelle tatsächlich noch eine Zukunft haben. Für vielversprechende Unternehmen wird es durchaus noch Zwischenfinanzierungen geben – große Neuinvestitionen werden wir aber deutlich seltener sehen als 2019.“

Und die Berater erkennen auch Unternehmen und Segmente, die gestärkt aus der Krise gehen dürften – wobei überhaupt entscheidend sei, dass die gerade gewonnene Breite und Stärke etwa des deutschen Start-up-Ökosystems zumindest grundsätzlich erhalten bleibe, damit der Technologiestandort Deutschland nicht zurückgeworfen werde. Doch derzeitige Gewinner dürften vor allem die Bereiche Digital Health, BioTech und MedTech sein. Mittelfristig sehen die Berater das Logistik- und Food-Segment, den Online Handel, Online Learning, Online Kommunikation und Saas-Modelle auf einer aufsteigenden Kurve. Schwierig sei es für die Startups aus den Bereichen Travel, Mobility und Events.