Der Technologie-Analyst

René Büst, Foto: René Büst
René Büst, Foto: René Büst
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Cloud Computing hat viele Facetten. Daher sind insbesondere die ersten Schritte eines Unternehmens von wichtiger Bedeutung, bevor sein Weg in die Cloud beginnt und die endgültige Implementation dort stattfindet. Wie bei jeder Entscheidung muss auch in der IT und hier im Kontext Cloud Computing die richtige Strategie für das Unternehmen gefunden werden. Gleichzeitig müssen alle Anforderungen spezifiziert werden, um das passende Angebot später zu evaluieren. Bei diesem ersten Teilabschnitt kommt der Technologie-Analyst ins Spiel. Von René Büst

René Büst ist unabhängiger Cloud Computing und Technology Analyst und Advisor. Er ist ein Top Cloud Computing Blogger in Deutschland und gehört weltweit zu den Top 50 der Blogger in diesem Bereich. Seit über 16 Jahren konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen und setzt sich zudem mit dem IT-Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie mit disruptiven Technologien auseinander. Er bloggt auf CloudUser.de und ist auf Twitter mit @ReneBuest unterwegs.

Grundsätzlich bewegt sich der Technologie- Analyst in beiden Welten: in der Welt der (Cloud-)Anbieter und in der Welt der Anwender. Als Marktforscher und Berater setzt er sich mit der Positionierung und Strategie von IT-Anbietern und deren Lösungen am Markt auseinander. Somit beeinflusst er auf der einen Seite die Anbieter in Bezug auf ihr Portfolio sowie die Anwender hinsichtlich der eingesetzten IT-Lösungen, aber gleichzeitig auch die Medien, die sich gerne Einschätzungen und Kommentare zu aktuellen Themen von ihm einholen. Im Normalfall sollte ein Analyst unabhängig agieren, insbesondere dann, wenn er Anwender berät und dabei im Sinne des Kunden handelt.

Der Technologie-Analyst setzt sich mit der Bedeutung und dem Einfluss neuer Technologien für Anbieter und Anwender auseinander und vergleicht dabei die im Wettbewerb zueinander stehenden Lösungen hinsichtlich ihrer Eigenschaften. Die Herausforderung besteht dabei oftmals darin, die tatsächlichen Eigenschaften des Produkts aus den Marketingversprechen der Anbieter herauszukristallisieren und dem Anwender damit einen unabhängigen Überblick zu verschaffen. Dazu erhält der Analyst vom Anwender, aber auch vom Anbieter, Aufträge, um Lösungen für bestimmte Problemstellungen zu finden. Weiterhin veröffentlichen Technologie-Analysten in regelmäßigen Abständen Studien zu einem bestimmten Thema oder liefern einen Gesamtüberblick über den regionalen und den weltweiten IT-Markt. Diese Studie beinhaltet in der Regel das Umsatzvolumen sowie dessen Entwicklung für die kommenden Jahre. Sie gibt einen Überblick zu den relevanten Anbietern in diesem Markt und bewertet diese.

Die besondere Herausforderung im Cloud-Computing-Umfeld besteht derzeit darin, dass viel Aufklärungsarbeit notwendig ist und in vielen Fällen noch Grundsatzdiskussionen geführt werden müssen. Durch die schnelle Marktentwicklung erscheinen zudem fast wöchentlich Services neuer Anbieter, oder bestehende Anbieter bauen ihr Portfolio aus. Hier gilt es, schnellstmöglich darauf zu reagieren und die Lösung sowie deren möglichen Einfluss zu verstehen.

Neben der Aufklärungsarbeit beim Anwender heißt es aber auch, die Anbieter konstruktiv zu kritisieren und dabei die Interessen der Anwender aus Umfragen und persönlichen Gesprächen bei den Anbietern zu vertreten sowie eine ehrliche Rückmeldung zu geben. Derzeit wird zum Beispiel das Thema Service Level Agreements (SLA) der Anbieter und deren Unternehmenstauglichkeit heiß diskutiert.

Ein beliebtes Spiel von Technologie-Analysten sind darüber hinaus Vorhersagen für das kommende Jahr. Dabei liegen wir natürlich nicht immer richtig. Insbesondere in Bezug auf die Marktgröße und die Umsatzentwicklung im Cloud- Computing-Umfeld musste in letzter Zeit oftmals zurückgerudert werden.

Der Beruf eines Technologie-Analysten ermöglicht eine große gedankliche Freiheit. Auch wenn man sich für einen Zeitraum einem bestimmten Thema, nämlich dem Cloud Computing, widmet, sollte man es vermeiden, in Schubladen zu denken. Stattdessen sollte man offen gegenüber Veränderungen und neuen Ideen sein und ihnen nicht direkt einen negativen Stempel aufdrücken. Man sollte einer Sache unvoreingenommen, aber natürlich auch kritisch gegenüberstehen.

Die besondere Herausforderung, die aber auch sehr viel Spaß macht, ist es, ständig über den Tellerrand zu schauen und zu erkennen, was eine Entscheidung eines Anbieters oder ein aufkommender Trend bedeutet, und hier schnell zu verstehen, welche Auswirkungen das hat oder haben könnte. Quer- und technologieübergreifendes Denken ist also eine wichtige Eigenschaft für Technologie- Analysten. Cloud Computing ist kein Trend, der alleine läuft, sondern weitere Trends antreibt oder von diesen unterstützt oder sogar beeinflusst wird.