StartWirtschaftswissenschaftenDas letzte Wort hat Anna Zenz, Betriebswirtin und Deutsche Weinkönigin 2025/2026

Das letzte Wort hat Anna Zenz, Betriebswirtin und Deutsche Weinkönigin 2025/2026

Ende September 2026 gibt Anna Zenz die Krone der Deutschen Weinkönigin ab – nach einem Jahr voller interessanter Begegnungen und wertvoller Erfahrungen. Im Gespräch mit dem karriereführer hat die 25-Jährige, die berufsbegleitend Betriebswirtschaft studiert hat, ein Resümee gezogen: über Auftritte vor tausend Leuten, den Blick fürs Familienunternehmen und den Job-Wechsel, der jetzt ansteht. Die Fragen stellte Kerstin Neurohr

Frau Zenz, Ihr Jahr als Weinkönigin geht zu Ende. Ihre Bilanz – dickes Plus oder ab und zu auch rote Zahlen?
Ganz klar ein Plus. Es war ein sehr bereicherndes Jahr, auch persönlich. In diesem Amt wird man immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert und wächst daran. Vor großen Menschenmengen zu reden, ist ja in meinem Alter nicht unbedingt selbstverständlich. Dazu kamen internationale Reisen nach Tokio, Singapur und Miami, wo ich Masterclasses über deutschen Wein halten durfte – plus jede Menge Termine mit der Politik. Die Vielfalt macht das Ganze total spannend.

Und was war das aufregendste Ereignis?
Oh, aufregend war vieles. Besonders ist mir die Wahl selbst in Erinnerung geblieben. Im Saal sitzen rund tausend Menschen, dazu läuft das Finale live im SWR zur Primetime – da schauen wirklich viele Menschen zu. Wenn man da auf der großen Bühne steht und zeigen will, was man kann, ist das schon aufregend. Aber es hat auch unfassbar viel Spaß gemacht.

Sie haben BWL studiert. Wenn Sie an die Vorlesungen zurückdenken, was hat Ihnen als Weinkönigin am meisten geholfen: Marketing, Rhetorik oder Controlling?
Ganz klar Marketing. Als Deutsche Weinmajestäten sind wir viel auf Social Media unterwegs, und auch im Austausch mit den Winzerinnen und Winzern ging es oft darum, wie man ein Produkt am besten in Szene setzt. Sogar Preiskalkulation bei Wein kam vor – wir hatten Importeure aus den USA dabei, und da wird schnell über Pricing gesprochen.

Sie kommen selbst aus einem Winzerbetrieb. Ist ein Familienunternehmen die beste Case Study fürs BWL-Studium – oder eher das Gegenteil von allem, was im Lehrbuch steht?
Teils, teils. In der Selbstständigkeit macht man vieles selbst, und das ist im Weingut noch mal intensiver: Man begleitet das Produkt von der Rebe bis zum Endkunden. Da gibt es unglaublich viele Stellschrauben – und mit einem betriebswirtschaftlichen Studium im Rücken lässt sich da tatsächlich einiges optimieren.

Nach der Krone geht‘s zurück ins Berufsleben – aber nicht mehr in die Versicherungsbranche, aus der Sie eigentlich kommen, sondern in den Wein-Vertrieb. Was nehmen Sie aus dem Amtsjahr mit?
Total viel! Vor allem den Kundenkontakt – wie man am besten mit Menschen ins Gespräch kommt, wie man eine Weinprobe spannend gestaltet, egal ob für Kenner oder Neulinge. Und ganz generell das freie Sprechen und sichere Auftreten. Das baut sich ja nicht von heute auf morgen auf, aber jedes Amt – erst Moselweinkönigin, dann Deutsche Weinkönigin – hat mich noch mal geprägt.

Was werden Sie am meisten vermissen?
Ich will das nicht auf eine Sache reduzieren, sondern es ist das große Ganze: die Möglichkeit, für eine ganze Branche und so viele Winzerinnen und Winzer etwas bewirken zu können – marketingtechnisch, aber auch politisch. Es ist eine große Ehre, dieses Amt ausüben zu dürfen.

Zum Schluss: Was möchten Sie den Studierenden sagen, die, wenn sie Alkohol trinken, immer zum Bier greifen?
Deutschland hat 13 hervorragende Weinanbaugebiete mit richtig spannenden Weinen – ob lieblich oder trocken, da ist für jeden was dabei. Probiert euch einfach mal durch! Und wenn ihr die Chance habt: Fahrt zu einem Winzer vor Ort und lasst euch beraten. Da wird euch gerne weitergeholfen.

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