Auf der Zuschauerbank
Yasmina Reza kennen viele als Autorin von „Der Gott des Gemetzels“. Ihr neues Buch zeigt eine andere Seite: Reza hat jahrelang Strafprozesse beobachtet und ihre Eindrücke in 54 kurzen Texten festgehalten. Gerichtsreportagen wechseln sich ab mit literarischen Skizzen und persönlichen Beobachtungen, darunter Erinnerungen an den Schauspieler Bruno Ganz und den Schriftsteller Imre Kertész. Das Ergebnis ist ein Buch, das die Grenzen zwischen Reportage, Essay und Literatur bewusst unscharf lässt. Wer Prozesse kennt, wird Rezas Blick sofort wiedererkennen. Wer sie noch nicht kennt, lernt einen Gerichtssaal auf eine Weise kennen, die kein Lehrbuch leisten könnte.
Yasmina Reza: Die Rückseite des Lebens. Hanser Verlag 2025. 200 Seiten. 24,00 € (Hardcover), 14,00 € (Taschenbuch).
Irgendwas mit Recht: Die Podcast-Plattform
Marc Ohrendorf hat mit „Irgendwas mit Recht“ eine der erfolgreichsten juristischen Podcast-Plattformen im deutschsprachigen Raum aufgebaut. Über 380 Episoden zu Karrierewegen, Berufsfeldern und Alltag im Rechtsmarkt stehen abrufbereit, und der Podcast wächst stetig. Neu hinzugekommen ist ein KI-gestützter Karriere-Agent, der Jurastudierende und Berufseinsteiger*innen individuell durch den Jobeinstieg begleiten soll. Wer noch unsicher ist, wohin der Weg nach dem Examen führen soll, findet hier Orientierung durch echte Erfahrungsberichte aus der Praxis.
Don KI-Jote gegen die KI-Windmühlen
Was bleibt von juristischer Expertise, wenn KI neben Recherche und Routinearbeiten auch Gutachten, Schriftsätze und Subsumtionen vorbereitet? Volker Römermann und Götz Kümmerle nehmen den technologischen Wandel und seine Folgen für die Rechtsberufe unter die Lupe. Ihre streitbare Analyse verbindet Legal Tech, Berufsrecht und Berufsethik. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Verantwortung, Vertrauen und professionelle Urteilskraft in einer zunehmend automatisierten Rechtswelt entwickeln werden.
Volker Römermann, Götz Kümmerle: Don KI-jote. Zwischen Prompts und Paragraphen kämpfen Organe der Rechts- und Steuerrechtspflege gegen KI-Windmühlen. C.H.BEC K 2026. 267 Seiten. 29,80 Euro.
Jura trifft Algorithmen
Wie verändert KI den Rechtsmarkt, und welche Regeln braucht KI ihrerseits? Diese Doppelfrage steht im Mittelpunkt von „Der Jura und KI Podcast“, in dem Benedikt Raquet und Tobias Voßberg alle zwei Wochen aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Recht und Künstlicher Intelligenz unter die Lupe nehmen. Sie analysieren Gesetzesinitiativen, Gerichtsurteile und regulatorische Trends, testen neue Tools und sprechen mit Expert:innen aus Praxis, Wissenschaft und Politik. Der Podcast ist werbefrei und über die Plattform Steady finanziert. Für alle, die verstehen wollen, was EU AI Act, LegalTech-Startups und automatisierte Vertragsprüfung für den Berufsalltag bedeuten, ist er ein guter Einstieg.
Auf Apple Podcasts und Spotify: „Der Jura und KI Podcast“
Kann man Verbrecher am Gesicht erkennen?
Ein forensischer Ermittler nimmt die Psychologie von Tätern auseinander. Gibt es ein Mörder-Gen, oder wird jeder Mensch unter bestimmten Umständen zum Verbrecher? Benjamin Knull, forensischer Ermittler und Aufklärer im Wirecard-Skandal, geht dieser Frage in seinem neuen Buch nach. Er räumt mit Klischees über Psychopathen auf und zeigt, wie kriminelles Verhalten tatsächlich entsteht. Ein Buch für alle, die verstehen wollen, was Menschen zu Tätern macht.
Benjamin Knull: Verbrechen verstehen. Wie Menschen zu Tätern werden. Frankfurter Allgemeine Buch, 208 Seiten, 2026, 24 €
Wenn Recht plötzlich zum Spiel wird
Mietvertrag, Arbeitsvertrag, Verkehrsregeln, Familienstreit: Wo Recht im Alltag wirklich wirkt, zeigt die Ausstellung „Recht – Spielregeln des Alltags“ der Stiftung Forum Recht. Anhand von vier Fallbeispielen macht sie sichtbar, welche Funktionen Recht im Zusammenleben übernimmt. Besuchende würfeln sich durch knifflige Konfliktsituationen, testen ihr Wissen im Quiz und teilen über eine Web-App eigene Rechtsgeschichten. Wer juristische Themen greifbar erleben möchte, findet hier einen ungewöhnlichen Zugang.
Grübler trifft Richter
Wer im Oberlandesgericht Koblenz über einen Fall nachdenkt, hat ab dem 20. August 2026 Gesellschaft: Andreas Rimpels Skulptur „Grübler“ macht das Nachdenken zum Ausstellungsstück. Bis zum 19. März 2027 zeigt der Künstler unter dem Titel „Die Justierung des Humanen“ Arbeiten, die genau dort ansetzen, wo Richterinnen und Richter täglich stehen, zwischen Zweifel, Schuld und Verantwortung. Sein „Mann im Büßerhemd“ bringt diese Fragen so direkt auf den Punkt, dass man sich fragt, wer hier eigentlich wen verhört. Rimpel verbindet Bauhaus-Klarheit mit kubistischer Zerlegung und macht damit sichtbar, was sonst nur verhandelt wird.
Klimaanlage ist kein Luxury-Item
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Wohnungseigentümer dürfen eine Klimaanlage installieren, auch wenn die Eigentümergemeinschaft dagegen ist. Im Verfahren vom 17. Juli 2026 hatten Miteigentümer die Installation blockiert. Der BGH stellte klar, dass es sich um eine bauliche Veränderung handelt, die unter bestimmten Voraussetzungen nicht der Zustimmung aller Eigentümer bedarf. In Zeiten steigender Sommertemperaturen werden solche Streitigkeiten in Wohnungseigentümergemeinschaften häufiger. Das Urteil setzt einen Rahmen dafür, wann individuelle Klimatisierungsmaßnahmen auch gegen den Willen der Mehrheit zulässig sind.
BGH, Az. V ZR 162/25, Urteil vom 17.07.2026 (Pressemitteilung Nr. 130/2026). www.bundesgerichtshof.de


