Interview mit Hans-Joachim Watzke

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Bevor Hans-Joachim Watzke im Jahr 2005 das Ruder bei Borussia Dortmund übernahm, stand der Verein finanziell am Abgrund und in der Tabelle im grauen Mittelmaß. Jetzt ist der BVB nicht nur saniert, sondern auch Deutscher Meister – und zwar mit der jüngsten Meistermannschaft der Bundesligageschichte. Im Interview erzählt Watzke, warum der Erfolg ein Resultat des Sparzwangs ist, warum er die junge Profigeneration für besonders intelligent hält und wieso Vertragstreue und Bescheidenheit heute der beste Garant für eine große Fußballerkarriere sind. Das Interview führte André Boße.

Zur Person Hans-Joachim Watzke

Hans-Joachim Watzke, 52, ist wie so viele überzeugte Borussen ein Kind des Sauerlands. In Marsberg im Hochsauerland gründete er 1990 das Unternehmen Watex, das Schutzkleidung und Feuerwehruniformen herstellt. Seinen ersten Posten beim BVB nahm Watzke in turbulenten Zeiten 2001 als Schatzmeister an. Nach dem Rücktritt der alten Vereinsführung wurde er im Februar 2005 zum Geschäftsführer bestellt. Watzke, der 1966 zum ersten Mal mit seinem Vater ein BVB-Spiel im alten Stadion „Rote Erde“ besuchte, ist verheiratet, hat zwei Kinder und spielt als Vorsitzender des sauerländischen Vereins Rot-Weiß Erlinghausen selbst noch Fußball: bei den „Alten Herren“ und unter dem Spitznamen Aki.
Herr Watzke, angenommen, einer Ihrer jungen Profis erscheint plötzlich mit teurem Sportwagen, dicker Rolex und neuen Brillanten im Ohr beim Training. Ist das seine Privatsache, oder gibt es ein klärendes Gespräch? Ich darf davon ausgehen, dass keiner unserer Spieler jemals so zum Training kommen wird. Nicht, dass wir so schlecht zahlen würden. Aber wenn wir uns für einen Profi interessieren, machen wir uns schon im Vorfeld ein Bild von seinem Persönlichkeitsprofil. Wir würden also wissen, wenn jemand den Hang zu einem sehr opulenten Lebensstil pflegt und zu gerne vorzeigt, was er hat. Hätte so ein Lebensstil negative Auswirkungen auf seine Karrierechancen bei Borussia Dortmund? Durchaus, wobei ich beobachte, dass die Spieler der heutigen Generation in dem Moment, in dem sie den Vertrag unterschreiben, noch sehr demütig daherkommen. Das ändert sich unter Umständen im Laufe der Zeit nach den ersten Erfolgen und Gehältern. Dass es aber nicht zwangsläufig so kommen muss, beweist unser aktueller Kader. Bei Ihnen im Verein sind Leistungsträger wie Mario Götze, Kevin Großkreutz oder Mats Hummels alle um die 20. Was zeichnet diese erfolgreichen jungen Profis in ihrem Umgang mit Geld aus? Sie gehen sehr konservativ und bewusst an das Thema heran. Bei uns wirft keiner das Geld zum Fenster raus. Das sehe ich schon an den Autos, die am Trainingsgelände parken. Wir als Arbeitgeber sehen es sehr gerne, wenn sich unsere jungen und erfolgreichen Spieler nicht von ihren neuen finanziellen Möglichkeiten verleiten lassen. Der Grund liegt auf der Hand: Unsere Spieler sind dafür einfach zu intelligent. Wenn einer abheben würde, holen ihn die anderen schnell wieder zurück auf den Teppich. Die Meisterschaft war ein überraschender und riesiger Erfolg – verbunden mit einem Geldregen für die Spieler und den Verein. Was muss ein junger Profi tun, damit Erfolg und Geld nicht zur Belastung werden? Einen klaren Kopf behalten. Das ist sicher nicht ganz einfach, schließlich hatte niemand vorher mit der Meisterschaft gerechnet, und die Feierlichkeiten in der Stadt waren ja durchaus berauschend. Doch ich mache mir keine Sorgen, weil ich weiß, dass sich jeder unserer Spieler bei uns extrem wohlfühlt – und zwar unabhängig vom Geld, das er bei uns verdient. Das ist sicherlich nicht wenig – aber es ist nicht der entscheidende Faktor. Eine Studie hat belegt, dass für die Hälfte der Young Professionals von heute eine optimale Work-Life-Balance wichtiger als ein möglichst hohes Gehalt ist. Können Sie das bestätigen? Ja, wobei die jungen Spieler die Balance über das enorme Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Mannschaft zu einem großen Teil selber herstellen. Eine Rolle spielt auch, dass unsere Profis eine Dimension erleben, die nichts mit Geld zu tun hat. Wer die Meisterfeier mit fast einer halben Million BVB-Fans auf den Straßen und Plätzen am Fernsehen verfolgt hat, wird wissen, wovon ich rede. Die Stadt und die Fans identifizieren sich zu 100 Prozent mit dem Verein – und das ist bei uns keine Floskel. Zudem besitzt der Westfale und speziell ein BVB-Fan ein feines Gefühl dafür, wann jemand etwas Außergewöhnliches geleistet hat. Hat man hier Erfolg, erleben die Spieler eine leidenschaftliche Begeisterung, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Unsere Jungs sind klug genug, dies auch zu erkennen und zu genießen. Berät der Verein die Spieler in finanziellen Belangen? Wer das möchte, der kann zu uns kommen und wird auch beraten. Die meisten Profis haben aber ihren eigenen Berater, der diese Dinge für sie übernimmt. Wir unterrichten jedoch den Mannschaftsrat über die finanziellen Entwicklungen im Verein. Wir machen das nicht, um die Spieler zu überfrachten, sondern weil wir glauben, dass es auch für einen jungen Profi nur gut sein kann, die Strukturen seines Arbeitgebers zu kennen. Fußball ist ein Millionenspiel, ein junger Profi auf dem Platz trägt eine ähnlich hohe Verantwortung wie eine junge Führungskraft kurz vor einem Vertragsabschluss. Wie kann es gelingen, in solchen Momenten das Geld, das auf dem Spiel steht, nicht als Belastung zu empfinden? Ich glaube, das kommt ganz automatisch, wenn man mit Begeisterung bei der Sache ist und sich als Teil einer funktionierenden Mannschaft begreift. Sobald der Ball im Spiel ist, geht es los – dann denkt keiner mehr an Geld. Der Spieler auf dem Platz nicht. Aber ich als Geschäftsführer auf der Tribüne auch nicht. Sie handeln regelmäßig mit den Spielern die Verträge aus. Gibt es Details, die sich als besonders leistungsfördernd herausstellen? Bei uns gibt es neben dem Grundgehalt Geld für jeden Einsatz sowie für die erzielten Punkte. Wir als Verein fahren sehr gut damit – und die Mannschaft, wenn sie wie in der letzten Saison 75 Punkte holt, natürlich auch. Ich finde es wichtig, wenn den Profis bewusst ist, dass das Geld, das sie in diesem Millionengeschäft verdienen, immer auch an ihre Leistung gekoppelt ist. Viele junge Führungskräfte erhoffen sich bei der Vertragsverhandlung Bonuszahlungen für besondere Leistungen. Gibt es das beim BVB auch? Ich habe einmal für einen Derbysieg gegen Schalke eine Sonderprämie ausgesetzt. Das funktioniert in Ausnahmefällen vor besonderen Spielen, um einen außergewöhnlichen Reizpunkt zu setzen. Geld motiviert schließlich immer, keine Frage. Wenn ich das aber fünf Mal pro Saison mache, gewöhnt sich ein Spieler an den Bonus, dann bringt das gar nichts mehr. Es gibt eine Menge Fußballprofis, die nur sehr wenig von Vertragsmoral halten: Kaum lockt ein anderer Verein mit mehr Geld, will der Spieler weg. So traurig es ist, aber beschleunigt so ein Verhalten die Karriere? Höchstens kurzfristig. Auf lange Sicht gilt: Ein Vertrag ist keine einseitige Angelegenheit, sondern beruht immer auf Gegenseitigkeit. Es kann nicht sein, dass der Spieler sagt: „Wenn ich eine gute Saison spiele, ist mein Vertrag nichts wert, und ich gehe dorthin, wo ich mehr verdiene – spiele ich aber schlecht oder verletze ich mich, poche ich auf das Papier.“ Es kann ja auch kein Unternehmer zu seiner jungen Führungskraft sagen: „Du hast im letzten Jahr schlecht gearbeitet, du bekommst nur die Hälfte vom versprochenen Geld.“ Ich halte sehr viel davon, dass man Verträge mit Leben füllt – und ich bin mir auch sicher, dass ein Spieler, der das ebenfalls tut, am Ende des Tages die wesentlich schlauere Entscheidung trifft. Wissen Ihre Spieler eigentlich, wie teuer eine Eintrittskarte fürs Stadion ist oder wie viel der Fan für Pils und Bratwurst bezahlen muss? Wir prüfen das nicht nach, aber ich kann mir schon vorstellen, dass die Jungs das wissen – ganz einfach, weil viele von ihnen regelmäßig ins alte Stadion neben unserer Arena gehen, wenn dort unsere zweite Mannschaft mit den Nachwuchstalenten in der vierten Liga spielt. Auch hier zeigt sich wieder das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Spielern und Verein, denn die Jungs werden nicht zwangsverpflichtet, dorthin zu gehen. Sie machen das, weil sie Lust darauf haben. Das ist sowieso eine Beobachtung, die ich bei jungen Spielern häufig mache: Sie verändern ihr Verhalten nicht, nur weil sie erfolgreich sind. Ein Beispiel: Im Herbst 2010 gaben vier unserer Jungs gegen Schweden ihr Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem Spiel saßen sie stundenlang zusammen und zockten ein Fußballmanager- Spiel auf der Playstation. Ich wette, andere Generationen hätten bei so einer Gelegenheit ein paar Flaschen Whisky plattgemacht. Borussia Dortmund stand 2005 am finanziellen Abgrund und war fast Pleite. Unter Ihrer Geschäftsführung hat der Verein nicht nur einen Sparkurs eingeschlagen, sondern parallel ein Erfolgsmodell für erfolgreichen und toll anzusehenden Fußball entwickelt. Wie ist Ihnen das gelungen? Die Ausgangslage war tatsächlich sehr schwierig. Die Bedrohung war eineinhalb Jahre lang existenziell. Wir standen unter einer Gläubigerverwaltung, brauchten jeden Euro. In dieser Phase konnten wir nur noch reagieren – und da mussten wir zunächst einmal durch. Ab 2007 gab es dann wieder ein wenig Luft zum Atmen. Ein Automatismus wäre gewesen, sich gleich einen größeren Kreditrahmen zu beschaffen, um einen vermeintlich starken Kader finanzieren zu können. Aber wir gingen einen anderen Weg. Nämlich? Ich habe zusammen mit unserem Sportdirektor Michael Zorc ein ganzheitliches Konzept erarbeitet. Die Ausgangslage: Wir haben kein Geld, um gestandene Profis zu kaufen. Also müssen wir unseren Fokus auf junge Spieler richten. Was aber hat das für Auswirkungen auf unser Spiel? Ein solches Team hat negativ betrachtet zwar weniger Erfahrung – aber es kann mehr laufen, es ist belastbarer. Also haben wir einen Spielstil kreiert, der erstens dem Team und zweitens dem Verein gerecht wird – schließlich wollen unsere Fans vor allem, dass die Jungs kämpfen und den Rasen umpflügen. Wir haben dann natürlich das Glück gehabt, dass wir neben den passenden Spielern mit Jürgen Klopp auch einen Trainer gefunden haben, der dieses Konzept mit Leben füllen konnte und der neben seiner Fachkenntnis die richtige Ansprache findet. Heute genieße ich besonders ein Resultat dieser gelungenen Sanierung: dass wir in einer Situation sind, in der das Geld nicht mehr die dominierende Rolle spielt. Zum Abschluss: Was trifft Sie härter – wenn ein Spieler wegen des Geldes zum FC Bayern geht oder wegen der besseren Stimmung zum Revierrivalen FC Schalke 04? Ich habe ja eingangs gesagt, dass wir intelligente Spieler unter Vertrag haben. Deshalb kann die zweite Option bei unseren Jungs ja überhaupt keine Rolle spielen.

Interview mit Prof. Dr. Claudia Kemfert

Die Weitsichtige. Prof. Dr. Claudia Kemfert ist Forscherin im Spannungsfeld zwischen Ingenieurskunst, Wirtschaft und Umweltschutz. Im Interview erzählt die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, warum diese drei Bereiche immer mehr zusammenhängen und wie Ingenieure mit Weitblick davon profitieren können. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person Prof. Dr. Claudia Kemfert

Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), dem größten Wirtschaftsforschungsinstitut Deutschlands mit den Kernaufgaben anwendungsorientierte Wirtschaftsforschung sowie wirtschaftspolitische Beratung. Zudem ist Claudia Kemfert Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Expertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz. Claudia Kemfert arbeitete als Beraterin von EU-Präsident José Manuel Barroso und ist Gutachterin des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC). Sie ist eine mehrfach ausgezeichnete Spitzenforscherin und gefragte Expertin für Politik und Medien. Claudia Kemfert studierte Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld und Oldenburg und verbrachte einen Forschungsaufenthalt an der Stanford University in den USA.
Frau Prof. Kemfert, wie darf man Ihren Beruf als Forscherin in verschiedenen Spannungsfeldern beschreiben? Als Professorin unterrichte ich an der Schnittstelle von Ökonomie, Ökologie und Ingenieurwissenschaften. Ich untersuche die volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer nachhaltigen Energieversorgung und Mobilität. Dabei stehen die wirtschaftlichen Aspekte sicherlich im Vordergrund, dennoch spielen Klimaschutz sowie Energie- und Mobilitätstechniken eine ebenso wichtige Rolle. Denn man sollte die technischen Zusammenhänge im Bereich Energie, wie zum Beispiel der Gebäudeenergie oder der Mobilität, einbeziehen, um ökonomische Aussagen treffen zu können. Wie beurteilen Sie das Verständnis der deutschen Ingenieure für die Bereiche Ökonomie und Ökologie? In Deutschland und auch in Europa ist das Verständnis insbesondere im Bereich der Ökologie recht hoch. Dennoch reduzieren viele Ingenieure die Ökonomie noch immer auf die Bewertung von Kosten und gesellschaftlicher Akzeptanz. Dabei sind die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge durchaus komplexer – denken Sie an energiepolitische Instrumente wie die Förderung erneuerbarer Energien oder den Emissionsrechtehandel. Die Wirkungen betreffen nahezu alle Sektoren einer Volkswirtschaft. Ich beobachte, dass sich Ingenieure vermehrt den Disziplinen Ökonomie und Ökologie öffnen – in Deutschland schon mehr als in anderen Ländern. Wie groß sehen Sie heute den Bedarf der produzierenden Unternehmen, die Produktion effizienter und klimaneutraler zu gestalten? Der Bedarf ist enorm. Ob nachhaltige Mobilität, erneuerbare Energien, klimaschonende Antriebstechniken, Ressourcen- und Materialeffizienz, Abfallverwertung oder intelligente Infrastruktur: In keinen anderen Markt werden in den kommenden Jahrzehnten mehr Investitionen fließen als in die zukunftsweisenden Energie- und Mobilitätsmärkte. Die deutsche Wirtschaft kann vom Boom der Branchen enorm profitieren, bis zu eine Million zusätzliche Arbeitsplätze sind möglich. Die Märkte gehören denen, die sie sehen. Also, gute Chancen für Ingenieure mit ökologischem und ökonomischem Weitblick, oder? Ja. Ingenieure spielen eine zentrale Rolle, und zwar in allen genannten Bereichen. Sei es in der Montage, dem Anlagenbau, der Installation, oder auch Instandsetzung von Energieanlagen, der Verbesserung der Gebäudeenergie, der Energie- und Biotechnik oder der Fahrzeugtechniken – überall werden jede Menge qualifizierte Ingenieure benötigt. Wie und wo kann ein Hochschulabsolvent der Ingenieurwissenschaften die Qualifikationen lernen? Ingenieurstudiengänge sind zwar auch weiterhin sehr fachlich ausgerichtet, mittlerweile bieten aber immer mehr Fachhochschulen und Universitäten eine gezielte Ausrichtung an. Zudem sind auch Schulungs- und Weiterbildungsangebote gestiegen. Dennoch sind es häufig die Unternehmen selbst, die Schulungen anbieten. Daher ist es besonders wichtig, dass die Ausbildung von Bauingenieuren, Ingenieuren mit Energieschwerpunkt sowie Ingenieuren im Bereich Energie- und Biotechnik – wie zum Beispiel Industriemechaniker, Mechatroniker, Fertigmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Kunststofftechniker und so weiter – weiterhin verstärkt und ausgebaut wird. Die Jobchancen in diesen Bereichen sind nämlich riesig: Im Jahr 2020 könnte es – bei einem boomenden Weltmarkt – allein im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland bereits 500.000 Jobs geben. Warum wird Nachhaltigkeit zwar als Wort gerne verwendet, aber alle Maßnahmen zur Nachhaltigkeit von den Unternehmen werden nicht als Chance, sondern als „Klotz am Bein“ gesehen? Die weltweite Wirtschaftskrise hat viele Unsicherheiten gebracht, bisher sicher geglaubte Investitionen werden hinterfragt. Dabei sind die Investitionen in Zukunftsmärkte lohnender denn je. Ein jüngstes Ranking von 500 global agierenden Konzernen hat offenbart, dass all jene Konzerne für Kapitalanleger besonders attraktiv sind, die sich der Herausforderung nachhaltiger Energieversorgung und Mobilität erfolgreich stellen. Die ersten vier Plätze belegen übrigens allesamt deutsche Konzerne. Entgegen öffentlicher Behauptungen finden sich unter den ersten vier Plätzen zwei Chemiegiganten, die wichtige Produkte als Ersatz zum Öl oder eine lange Liste von energiesparenden Produkten und Techniken produzieren. Einen besseren Beleg für die Wirtschaftlichkeit eines erfolgreichen Klimaschutzes kann es kaum geben Sie könnten als Expertin in Ihrem Bereich doch sicherlich sehr schnell in einer hohen Position in ein Unternehmen einsteigen. Was hat Sie bislang davon abgehalten? Ich bin mit Leib und Seele Wissenschaftlerin. Mich treiben die Neugier und der unglaubliche Spaß an meiner Arbeit an. In meinem Team arbeiten über 15 hochmotivierte Menschen, die ebenso wie ich leidenschaftlich gern forschen. Durch die aktive Politikberatung auf EU- und Bundesebene fließen unsere Forschungsergebnisse in Entscheidungsprozesse ein. Ich erläutere gern einem breiten Publikum die Forschungsergebnisse und versuche, andere für die Forschungsarbeit zu begeistern. Ein Tipp für angehende Ingenieure, die vor dem Einstieg in die Arbeitswelt stehen: Mit welcher Sicht auf den Begriff Karriere haben Sie gute Erfahrungen gemacht? Ich halte es wie Konfuzius: „Suche dir einen Beruf, den du liebst – und du brauchst nie in deinem Leben zu arbeiten.“ Es ist ein unglaubliches Geschenk, beruflich das umsetzen zu dürfen, was einem am meisten Freude bereitet. Wenn Sie an Ihre Pläne aus der Studentenzeit zurückdenken: Haben Sie sich rückblickend selber überrascht – oder halten Sie einen schon damals angedachten Karriereweg ein? Wie die meisten Wissenschaftler habe ich den Beruf nicht aus Karrieregründen, sondern aufgrund meines großen Forschungsdrangs und Wissensdurstes ergriffen. Wichtig sind neben der Begeisterung für die Sache aber auch Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und Gradlinigkeit. Als Hochschullehrerin empfehle ich jedem, das Studienfach zu wählen, das einem wirklich Spaß macht – und nicht das, was die Gesellschaft erwartet. Begeistern Sie sich eigentlich als Frau auf eine andere Art als Männer für Technik? Vermutlich schon. Frauen interessieren sich häufig eher für sozialwissenschaftliche als für reine Technikberufe. Dies ändert sich aber glücklicherweise mehr und mehr. Wie wichtig ist es denn für die Zukunft der deutschen Wirtschaft, dass vermehrt junge Frauen technische Berufe ergreifen und in hohen Positionen arbeiten? Sehr wichtig! Bei den Themen Energie und Klimaschutz habe ich oft genug allein unter Männern gesessen. Ich erinnere mich an das erste Treffen mit dem EU-Präsidenten Barroso im Rahmen der High Level Expert Group: Ich saß als einzige Frau – blond und zudem unter 40 – unter lauter älteren weißhaarigen Herren. Prompt stand beim anschließenden Mittagessen auf meinem Namensschild „Mr. Kemfert“. Herr Barroso und ich haben herzlich darüber gelacht, er hat mein Schild handschriftlich korrigiert. Und beim nächsten Treffen war nicht nur die Anrede richtig geschrieben, sondern Herr Barroso hatte noch eine weitere Frau in seinen Beraterstab berufen. Daher mein Tipp an alle jungen Frauen, die als Ingenieurinnen Karriere machen möchten: Nur Mut!

Hubertus Meyer-Burckhardt findet philosophische Gedanken zum Thema Karriere

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Der größte anzunehmende Unfall eines echten Karrieristen? Die Kündigung. Und dann? Der Morgen danach. Der große Kater. Hubertus Meyer-Burckhardt, Filmproduzent, Moderator der NDR-Talkshow und Professor an der Hamburg Media School, hat einen Roman darüber geschrieben, was passiert, wenn das Leben die Richtung ändert. Beim Katerfrühstück fragt er sich: „Was bleibt von der Person ohne Funktion?“ und macht sich seine Gedanken über Abenteurer, Karrierepläne und seine Wunschbegleitung für ein letztes Glas Wein. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Hubertus Meyer-Burckhardt wurde 1956 in Kassel geboren. Nach dem Abitur studierte er Geschichte und Philosophie in Berlin und Hamburg, danach ging er an die Münchener Hochschule für Fernsehen und Film, wo er erste Werbespots und kleinere Filme drehte. Nach einer Anstellung als Filmproduzent in München wechselte er 1988 als Mitglied der Geschäftsführung zur Düsseldorfer Werbeagentur BBDO. Mit der Akzente Film & Fernsehproduktion gründete Meyer-Burckhardt 1992 seine eigene Firma. Kurz danach war er als Moderator der Sendung „Sowieso – Die Sonntagsshow“ und der NDR-Talkshow erstmals vor der Kamera zu sehen. Nach Vorstandsstationen bei Axel Springer und ProSiebenSat.1 Media wurde er 2006 Geschäftsführer der Hamburger Filmproduktionsfirma Polyphon. Parallel dazu ist der zweifache Vater seit 2008 wieder Gastgeber der NDR-Talkshow, besitzt eine Professur an der Hamburg Media School und hat mit „Die Kündigung“ in diesem Jahr seinen ersten Roman veröffentlicht. Weitere Informationen: www.polyphon.de [/quote_box_right Herr Meyer-Burckhardt, können Sie sich noch an Ihren letzten Kater erinnern? Ja, das war im März, und er führte dazu, dass ich seitdem meinen Alkoholkonsum stark reduziere. Sprich: drei Glas Wein in der Woche. Nicht mehr. Was ist Ihre Strategie, um einen ordentlichen Kater zu bewältigen? Ich habe da keine Strategien. Ich mache auch verkatert das, was ich jeden Tag mache: Ich arbeite. Da ich mit Kollegen eine Firma führe, die in vier deutschen Städten Dependancen besitzt, kann ich es mir nicht leisten, am Morgen danach durchzuhängen. Sie haben im Laufe Ihrer Karriere mit vielen wichtigen Managern zu tun gehabt, mit Aufsichtsräten, Vorständen, Geschäftsführern. Was glauben Sie, wie hoch ist der Anteil derjenigen, die ihren Job wirklich gerne machen? Ich glaube, da ist keine Schwarz-Weiß-Antwort möglich. Jeder macht seinen Beruf mal gerne, mal nicht so gerne. Und wenn man ihn mal nicht so gerne macht, dann hilft manchmal der Blick aufs Girokonto. Sprich: Ein gutes Gehalt ist immer eine Motivation. Nicht immer, nein, da haben Sie mich missverstanden. Ich sagte manchmal – nämlich dann, wenn der Spaß am Beruf mal etwas verloren geht. Mit Blick auf Hochschulabsolventen, die vor dem Beginn ihrer Karriere stehen: Kennen Sie Strategien, mit deren Hilfe ein Einsteiger herausfinden kann, ob ein Job der richtige für ihn sein wird? Sie erwähnen wieder den Begriff der Strategie, das ist mir auch an dieser Stelle zu rational. Was in den Generationen, die nach mir gekommen sind, meiner Meinung nach fehlt, ist ein gewisses Vertrauen auf das Bauchgefühl. Mir erscheint das, was junge Leute heute tun wollen oder glauben, tun zu müssen, viel zu sehr kopfgesteuert. Wenn Sie sagen, dass die Karriereeinsteiger glauben, etwas tun zu müssen: Wer übt da den Druck aus? Als ich jung war, besaß der Typus des Abenteurers ein viel größeres Prestige. In der Gesellschaft, aber auch in der Peergroup, unter den Freunden und Mitstudenten. Heute erleben wir dagegen eine Renaissance der bürgerlichen Gesellschaft – mit der Folge, dass die jungen Leute heiraten und schnell Geld verdienen wollen. Wenn ich mich als Mitglied dieser Generation in einer solchen Gesellschaft etablieren möchte, ist der Zwang, Kompromisse einzugehen, sehr viel größer, als wenn ich mir erlaube zu sagen: Ich probiere mal etwas aus – und wenn es schiefgeht, werde ich einen anderen Weg finden. Und ich glaube tatsächlich, dass die Generation 50 plus weniger bürgerlich und mit mehr Abenteuergeist daherkommt als die Generation 30 minus. Wie kann denn dieser Abenteuergeist bei der Gestaltung einer Karriere helfen? Sehen Sie, mich stört schon der Begriff der „Gestaltung“. Und weiter, mich stört sogar, dass bei der Frage, was man als junger Mensch mit seinem Leben anfangen soll, der Begriff der„Karriere“ so zentral steht. Es geht doch wohl zunächst erst einmal darum, etwas zu finden, das mir Spaß macht. Wenn sich dann danach eine Karriere einstellt – umso besser. Wo liegen denn die Ursachen für diesen Wandel weg vom Abenteurer hin zum bürgerlichen Karrieristen? Das ist sicherlich nicht monokausal, aber ich muss fairerweise hinzufügen, dass ich als Einsteiger das Privileg genoss, dass es den Gedanken an Arbeitslosigkeit einfach nicht gab. Wenn ich mich dann wiederum an meinen Abi- Jahrgang Ende der 70er-Jahre erinnere, dann waren da eine Menge Leute, die wie ich auch aus finanziell angespannten Verhältnissen kamen. Wir wollten also irgendwo raus. Und wer irgendwo raus will, verfügt über andere Energien, Fantasien und über mehr Kreativität. Die Hochschulabsolventen heute wachsen zu einem Großteil in relativ wohlhabenden Verhältnissen auf, und da ist der Stachel, etwas Neues auszuprobieren, sehr viel stumpfer. Anstatt raus zu wollen, wünschen sich diese Leute, das wirtschaftliche Niveau der Eltern zu halten – was wiederum dazu führt, dass einige Väter sich so intensiv mit der Karriere ihrer Söhne auseinandersetzen, dass ich ihnen gerne zurufen würde: Lasst die doch mal laufen! Sie haben sich schon zur Uni-Zeit an das Motto gehalten: „Bildung statt Ausbildung“. Aber auch das war keine Strategie, um Karriere zu machen, sondern ein Bauchgefühl. Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die in einem Altersheim gearbeitet hat, habe ich in Berlin und Hamburg Geschichte und Philosophie studiert. Zwei Fächer also, die eigentlich nicht zu einem soliden Brot- und Butterjob führen – zumal ich weder in die Forschung gehen geschweige denn beamteter Lehrer werden wollte. Aber es entsprach damals meinem Bedürfnis, zunächst einmal eine anständige Allgemeinbildung zu bekommen. Haben Sie einen Ratschlag an die Hochschulabsolventen von heute, wie sie ihrem Bauchgefühl Gehör verschaffen und die Abenteuerlust wiederentdecken können? Also, jede Generation muss sich schon selber auf den Weg machen. Diese Aufgabe darf man denen, die nichts anderes im Kopf haben, als Karrierestrategien zu entwickeln, nicht auch noch abnehmen. Aufbrechen müsst Ihr schon selbst! Karl Marx hat den wunderbaren Satz gesagt: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Damit hat er fraglos Recht, aber den Umkehrschluss finde ich noch spannender: Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Work-Life-Balance? Nein, weil ich meinem Bauchgefühl folgend Berufe ausüben darf, die mir allesamt sehr viel Spaß machen: Filme produzieren, Professor sein, eine Talkshow moderieren und Bücher schreiben. Ich kenne dieses protestantische Denken nicht, nach dem eine mühevolle Arbeit nach einem Feierabend verlangt. Ich weiß, dass ich damit privilegiert bin. Will aber gerne hinzufügen, mir dieses Privileg auch erarbeitet zu haben. In Ihrem Roman „Die Kündigung“ erzählen Sie von einem Top-Manager, dem überraschend gekündigt wird und dessen Welt darauf zusammenbricht. Haben Sie Angst davor, dass die Dinge, die Sie heute machen dürfen, irgendwann nicht mehr nachgefragt sein könnten? Nein. Man muss natürlich sagen, dass jeder Gang, den man im Leben geht, den Misserfolg impliziert. Jede gute Karriere hat Abstürze und Rückschläge – und man ist ohne Frage gut beraten, sich früh damit zu befassen, dass es auch einem selber passieren kann. Aber ich habe in meinem Leben so viele Dinge gemacht – von der Arbeit in Vorständen bei Axel Springer und ProSieben über die Professur und das Produzieren von Filmen bis hin zum Schreiben von Büchern, dass mir immer etwas einfallen wird. Und zur Not – und das meine ich übrigens ganz ernst – würde ich auch einen Pizza-Kurierdienst in Nizza aufmachen. Ich stecke voller Fantasie und voller Tatendrang, klebe aber nicht daran, dass ich das, was ich derzeit mache, immer weitermachen muss. Was für Abstürze in Ihrer Karriere haben Sie erlebt? Absturz wäre zu viel gesagt. Ein, zwei Misserfolge gab es. Ich glaube, Sie können Niederlagen nur verkraften, wenn Sie einen Beruf haben, den Sie mit heißem Herzen erwählt haben. Stellen Sie sich vor, Sie verlieren in einem Beruf, den Sie alleine aus Sicherheitserwägungen ergriffen haben. Spätestens, wenn Sie die Niederlage realisieren, stellt sich die Frage: Warum bin ich Rindvieh diesen Weg gegangen? Sie haben als Student allerhand Nebenjobs ausgeübt: Taxifahrer, Kellner … … und sogar Aushilfskraft am Schlachthof. Haben Sie bei diesen Jobs etwas gelernt, das Sie bis heute bei sich tragen? Ich habe dort gelernt – und das ist für viele Menschen, die ich beobachte, leider nicht selbstverständlich: Jeder Mensch ist viel wert – und wenn Sie so wollen „kostbar“, völlig unabhängig davon, was er verdient und was für eine Karriere er gemacht hat. Haben Sie Verständnis für Top-Manager, die den Kontakt zu Menschen in anderen Sphären komplett verlieren? Ich war ja selber in mehreren Vorständen und kann sagen: Wer den Kontakt verliert, der will ihn auch nicht. Mir tut jeder leid, der ein Leben in einer karrieregeprägten Plastikwelt führt. Denn wer dort keinen Mangel spürt, ist ein armer Mensch. Der Protagonist Ihres Buches erkennt den Mangel. Genau, deshalb tut er mir auch nicht leid. Er widmet sich seinen Träumen. Und wer das tut und daraufhin versucht, sich ein neues Leben zu zimmern, der ist den größten Schritt bereits gegangen. Muss der, der sich seinen Träumen widmet, nicht auch Angst haben, dass die Träume platzen? Sehen Sie, es gibt zwei Illusionen im Leben: Die eine ist Stillstand, die andere ist Sicherheit. Beides wird es nie geben, und deshalb ist eine deftige Niederlage Teil eines deftigen Lebens. Das kann auch mal komplett gegen die eigenen Interessen laufen. Aber soll ich als Konsequenz daraus ein Leben führen, das nur geringe Amplituden kennt? Das wäre dann Leben light. Eine Bonsaivariante des Lebens. Eine trübe Vorstellung. Letzte Frage: Gibt es einen Menschen, den Sie gerne mal angeschwipst erleben möchten? Hm. Ich finde angeschwipste Menschen generell nicht wahnsinnig spannend, deswegen deute ich Ihre Frage ein wenig um und überlege, mit wem ich gerne mal meine aktuelle Wochenration Gläser Wein trinken würde. (überlegt) Ich lebe in der schönen Situation, dass ich die meisten Menschen, mit denen ich gerne mal einen Wein trinken würde, auch tatsächlich anrufen kann. Und die kommen dann auch. (lacht) Aber es gibt eine Unternehmerin, die ich sehr respektiere und die sich zurückgezogen hat, die ich gerne einmal kennenlernen möchte: Jil Sander. Ich finde es ungeheuer beeindruckend, wie es einer Frau aus Hamburg gelingen konnte, beginnend mit einem kleinen Laden in Pöseldorf ein weltumspannendes Modeimperium aufzubauen. Darüber würde ich mich mit ihr wahnsinnig gerne unterhalten – aber ausdrücklich auch dann, wenn Frau Sander auf Tee oder Kaffee besteht.

Hamburg Media School

Die halbstaatliche Hochschule Hamburg Media School (HMS) bietet seit 2003 Masterstudiengänge in den Bereichen Medienmanagement, Journalismus und Film. Die Dozenten in allen Bereichen sind erfahrene und oft prominente Experten wie „Stromberg“-Erfinder Ralf Husmann, die Publizistin Miriam Meckel oder der Verleger Jakob Augstein, die den Studenten sowohl Fachwissen als auch praktisches Know-how vermitteln. Hubertus Meyer-Burckhardt leitet in Hamburg das Filmstudium sowie den Bereich Produktion. Die HMS ist als Public- Private-Partnership organisiert: 30 renommierte Medienunternehmen engagieren sich in Form von Kooperationen, Praktikumsplätzen oder Stipendien – und nicht zuletzt mit finanzieller Unterstützung. Dadurch erhalten die Masterstudenten schon während des Studiums viele Chancen auf praktische Erfahrungen. Weitere Informationen: www.hamburgmediaschool.de oder bei Facebook

Interview mit Tim Bendzko

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Nur noch kurz die Welt retten? Noch 148 Mails checken? Sänger Tim Bendzko weiß, wie schnell man abgelenkt ist und den Fokus verliert. Warum bei ihm keine gute Idee verloren geht und er so genau weiß, was er will, erzählt er im Interview mit André Boße.

Zur Person Tim Bendzko

Tim Bendzko besuchte ein Sportgymnasium und spielte auf hohem Niveau Fußball bei Union Berlin. Ersten Gitarrenunterricht nahm er mit 16, doch statt direkt seine Traumkarriere in Angriff zu nehmen, studierte er und arbeitete als Auto-Auktionator, bis er diesen Job wegen einer Stimmbandentzündung kündigte und sich auf die Musikkarriere fokussierte. Er nahm auf eigene Faust ein Demotape auf und bekam einen Plattenvertrag bei Sony. Im Mai 2011 erschien seine erste Single „Nur noch kurz die Welt retten“, die ihn auf Platz 2 der Charts führte. Auch das Album „Wenn Worte meine Sprache wären“ verkaufte sich glänzend, mit dem Titelsong gewann er 2011 den Bundesvision Song Contest.
Tim, heute schon die Welt gerettet? Ne, aber ich lasse mich immerhin nicht mehr so leicht von den wichtigen Dingen ablenken. Mein Tagesablauf ist heute strukturierter als früher. Es gibt klare Zeiten, zum Beispiel für Interviews. Was in dieser Zeit geht, mache ich gerne. Was darüber hinausgeht, muss aber leider abgesagt werden. Als Songwriter schwirren Ihnen wahrscheinlich immerzu Worte und Melodien durch den Kopf. Woran erkennen Sie, dass eine Idee einen echten Wert besitzt? Das Schöne an der Musik ist ja, dass man den Wert einer Idee nicht mathematisch berechnen kann. Es gibt nur Indizien – und eines ist, wenn mich eine Idee lange verfolgt. Ich setze mich eigentlich nur dann an den Rechner und schreibe einen Song auf, wenn er mich ein paar Wochen lang nicht in Ruhe gelassen hat. Dadurch gehen wohl auch Ideen verloren – aber ich bin zuversichtlich, dass die wirklich guten über genügend Stärke verfügen, noch einmal auf sich aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich bei der Umsetzung Ihrer Ideen von anderen reinreden? Nachdem ich meinen ersten Plattenvertrag unterschrieben hatte und das erste Album anstand, habe ich verschiedene kreative Arbeitsweisen ausprobiert. Dazu gehörte auch, mit anderen Leuten zusammen Songs zu schreiben. Grundsätzlich kann das sehr inspirierend sein, da man neue Einflüsse erhält. Aber für das zweite Album werde ich voraussichtlich alles alleine schreiben. Und dann bin ich auch sehr konsequent. Wenn die Leute in meiner Band denken, ein bestimmtes Wort passe nicht in den Text, ich dieses Wort aber gut finde, dann bleibt es auch. Und bislang lag ich mit meinen Entscheidungen meistens richtig. Bleibt zu hoffen, dass entweder Ihr Bauchgefühl oder gute Freunde Alarm schlagen, wenn sich das mal ändern sollte. Ich bin zuversichtlich, dass ich mich selber dabei erwischen werde, falls ich mal eine falsche Richtung einschlage. Mein Bauchgefühl ist erstens ehrlich, und zweitens dominiert es. Das war schon so, als ich mich mit zwölf dafür entschied, Musiker zu werden. Sie haben sich so früh entschieden? Für mich war das damals schon klar, ja. Ich wusste, dass ich irgendwie auch andere Berufe hinbekommen würde, wenn ich mich anstrenge. Aber ich wollte etwas machen, was ich richtig gut kann und was mich erfüllt e. Deshalb fiel so früh die Entscheidung fürs Singen und Liederschreiben. Haben Sie sofort die ersten Songs geschrieben? Ich habe angefangen, Gitarre zu lernen, und auch erste Songs geschrieben. Aber erst einmal ohne Band und ohne das Ziel, direkt die Chance auf eine Karriere zu suchen. Damit habe ich bewusst gewartet, weil ich zunächst andere Sachen machen und erleben wollte. Ich habe nach dem Abi evangelische Theologie und nichtchristliche Religionen studiert und als Auto-Auktionator gejobbt, und ich denke, es tut mir und meinen Liedern gut, dass ich einige Jahre lang am normalen Leben teilgenommen habe. Kamen denn im Laufe der Jahre Zweifel, dass es mit der Musik doch nicht klappen könnte? Ich hatte schon Zweifel, weil mir klar war, dass eine Karriere in der Popbranche eine ziemlich schwachsinnige Idee ist. Schließlich will das jeder – aber kaum einer schafft es. Aber immer, wenn die Zweifel am größten waren, setzte sich das Gefühl einer inneren Sicherheit durch, dass das eben doch klappt. Woher rührte dieses Gefühl? Ich hatte in diesen Momenten die Bilder vor Augen, wie es sein wird, wenn ich zum Beispiel meine Lieder vor vielen Leuten spiele. Und weil ich glaube, dass alles, was ich mir bildlich vorstellen kann, auch möglich ist, habe ich mir eingeredet, dass das mit der Musikkarriere tatsächlich klappen wird.

Erste Schritte zur Globalisierung

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von Dr. Johanna Dahm Sich in einer fremden Gesellschaft nicht gänzlich wohl in seiner Haut zu fühlen, muss kein Dauerzustand sein. Denn „Fremdheit“ ist kein objektiver Zustand, sondern sollte in der Beziehung zwischen einzelnen Personen oder Gruppen jeweils neu definiert werden – ein Thema, dem sich in Zeiten der Globalisierung auch das Bildungssystem verstärkt annimmt. „Was ist eigentlich Internationalität?“ fragte ich zwei meiner Freundinnen und erhielt zwei verschiedene Antworten. Die eine sagte: „Wer international ist, der ist unvoreingenommen gegenüber Fremden und offen für andere Kulturen.“ Und die andere: “Wer international ist, hat viele Kontakte auf der ganzen Welt, kommt privat und im Job viel rum und spricht mehrere Sprachen.“ Am Ende einigten wir uns darauf, dass unsere Freundin Lina der Inbegriff von Internationalität ist: deutsch-brasilianische Eltern, aufgewachsen in Brasilien und Bolivien, spricht neben Deutsch und Englisch auch Portugiesisch und Spanisch, ihr Freund ist Kroate, und ihre Freunde verteilen sich über alle Kontinente. Die europäische Bildungspolitik strebt an, Hochschulabschlüsse durch akkreditierte Studiengänge internationalen Maßstäben anzupassen (so genannter „Bologna-Prozess“). Daraus ergibt sich zunächst für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften die Pflicht, sich ihren Grundlagen zuzuwenden. Doch neben den Kern- und methodischen Kompetenzen, die dabei in San Francisco und Paris ebenso grundlegende theoretische Gültigkeit beanspruchen wie in Berlin und Wladiwostok, nimmt auch die Bedeutung eines vermeintlichen „Beiwerks“ zu: Absolventen wissenschaftlicher Einrichtungen müssen sich darauf vorbereiten, in anderen Kulturen verstanden zu werden – und in ihnen handeln zu können. Um die Studierenden auf ein Berufsleben in der Fremde vorzubereiten, gehören Kurse zur interkulturellen Handlungskompetenz in die Stundenpläne der Hochschulen und Business Academies. Um kulturelle Barrieren zu überwinden, müssen Wege beschritten werden, die „das Fremde“ dort vertraut werden lassen, wo es dem künftigen Manager begegnet: in Bildung und Erziehung, im Angesicht von Migration, vor kulturellen, ethnischen und religiösen Hintergründen – verstärkt und beschleunigt in Zeiten der Globalisierung von Arbeit und Konsum. Den ersten Schritt auf dem Weg in die Globalisierung – praktisch wie intellektuell – zu tun, darauf bereiten unter anderem das Forschungszentrum Interkulturelle Kompetenz der Universität Jena oder auch der neue Lehrstuhl für interkulturelles Management an der Fachhochschule Fresenius in Idstein vor. Zur Orientierung in einer Welt der kulturellen Vielfalt zählt das feinfühlige Wissen über das eigene Handeln und die individuellen kulturellen Kompetenzen. Beides führt dazu, Differenzen zwischen den Kulturen zu überbrücken und ermöglicht letztlich ein ethisch vertretbares und wirtschaftlich nützliches Verhalten außerhalb der eigenen Landes- und Kulturgrenzen. Doch sind die Pflichten zukunftsorientierter Hochschulen nicht darauf beschränkt, den akademischen Nachwuchs auf die Bürden der Globalisierung vorzubereiten: In internationalen Projektteams findet schon jetzt der Dialog zwischen Wissenschaftlern und Unternehmern mit dem Ziel statt, kulturübergreifende Handlungskompetenzen zu fördern. Im Mittelpunkt des Interesses stehen Fragen nach der Akzeptanz oder wenigstens Toleranz gegenüber dem kulturell Fremden, Fragen nach kultur- und landesspezifischen Verhaltensstandards, die sich unmittelbar auf Management- und Personalentscheidungen auswirken können. Denn es hat sich die Erkenntnis breit gemacht, dass für den Einsatz im Ausland Fremdsprachenkenntnisse allein ebenso wenig ausreichen wie reines Spezialwissen, mit dem man hier zu Lande hinreichend „Punkte macht“. Um mit Menschen in der Fremde erfolgreich arbeiten und zufrieden leben zu können, muss man sich der eigenen kulturellen Prägung klar werden – und ein Verständnis für das Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln des oder der „Anderen“ entwickeln. Daraus folgen auch Forderungen an einen Hochschulunterricht, der innovativ genannt werden möchte: Praxisnähe und die Sicherheit, sich auf dem internationalen „Benimm-Parkett“ bewegen zu können, sollten den Unterricht mitbestimmen. Das ist durchaus auch ein Appell an das gesunde Eigeninteresse, denn Hochschul- Dozenten werden künftig mehr denn je danach beurteilt werden, ob sie ihre Studierenden für Berufserfahrungen im Ausland fit gemacht haben. Dr. Johanna Dahm ist Dozentin für Rhetorik, Kommunikation und Projektmanagement an verschiedenen Hochschulen Europas. Seit 2002 befasst sie sich zudem mit der Konzeption und Durchführung von unternehmensinternen Trainings zum Thema Kompetenzentwicklung.

Nur Mut!

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von Anja Czerny Wie wäre es eigentlich mit einem Semester im Ausland? Klingt immer spannend, aber viele Studenten scheuen die Risiken und den Aufwand, das gewohnte Umfeld zu verlassen, um auf eigene Faust neue Erfahrungen jenseits der Grenzen zu sammeln. Anja Czerny, BWL-Studentin aus Köln, wagte diesen Schritt und lernte in Dänemark, dass sich ein Auslandsaufenthalt nicht nur auf dem Lebenslauf wiederfinden lässt, sondern auch den Horizont im Umgang mit anderen Kulturen und Menschen erweitert. „Was ist eigentlich Internationalität?“ fragte ich zwei meiner Freundinnen und erhielt zwei verschiedene Antworten. Die eine sagte: „Wer international ist, der ist unvoreingenommen gegenüber Fremden und offen für andere Kulturen.“ Und die andere: “Wer international ist, hat viele Kontakte auf der ganzen Welt, kommt privat und im Job viel rum und spricht mehrere Sprachen.“ Am Ende einigten wir uns darauf, dass unsere Freundin Lina der Inbegriff von Internationalität ist: deutsch-brasilianische Eltern, aufgewachsen in Brasilien und Bolivien, spricht neben Deutsch und Englisch auch Portugiesisch und Spanisch, ihr Freund ist Kroate, und ihre Freunde verteilen sich über alle Kontinente. Nicht jeder hat das Glück, mehrsprachig und in verschiedenen Ländern aufzuwachsen und überall auf der Welt Freunde zu haben. Auslandserfahrung wird aber oft von Hochschulabsolventen erwartet – besonders von international agierenden Unternehmen. Wie kann man diese Anforderung erfüllen? Ein Semester oder ein Praktikum im Ausland sind sicherlich ein guter Weg, um während des Studiums Auslandserfahrung zu sammeln. Doch bereits vor dem Studium gibt es zahlreiche Möglichkeiten: ein Schuljahr in England während der gymnasialen Oberstufe, eine Zivildienststelle außerhalb Deutschlands, ein Jahr als Au-Pair in den Vereinigten Staaten. Sicherlich ist das alles mit mehr Aufwand verbunden als der übliche Weg hierzulande. Doch wer die Mühe nicht scheut, kann schon früh Mobilität beweisen, über den Tellerrand hinausblicken und wertvolle Erfahrungen sammeln. Fernweh hat aber nicht jeder schon so früh. Ich selbst muss gestehen, dass ich lange Zeit keinen Drang verspürte, mich von meinen Freunden zu verabschieden, um einige Zeit im Ausland zu verbringen. Im Laufe des Studiums allerdings traf ich auf mehr und mehr Kommilitonen, die von ihren Auslandssemestern zurückkehrten und begeistert berichteten. Mein Interesse, meine Neugierde war geweckt. Vielleicht sollte auch ich darüber nachdenken, ein Semester im Ausland zu verbringen? Das tat ich, und so studierte ich 2004 ein Semester an der Copenhagen Business School in Dänemark. Studiert habe ich auf Englisch, und fast alle Dänen sprechen so gut Englisch, dass ich prima ohne Dänisch klar kam. Zugegeben: Das ist richtig schade. Denn ein Auslandsaufenthalt ist die beste Möglichkeit, eine Sprache zu lernen. Bei der Auswahl des Landes für ein Auslandssemester sollte man dies berücksichtigen. In südeuropäischen oder gar exotischeren Ländern wird man sich mit Englisch alleine schwer tun. Wer also eine andere Sprache als Englisch – zum Beispiel Spanisch, Italienisch oder Portugiesisch – erlernen möchte, der sollte mutig sein und sich einfach selbst ins kalte Wasser wagen. Egal, ob im Ausland Englisch ausreicht oder nicht – es empfiehlt sich immer, Grundkenntnisse der Landessprache zu erwerben. „Entschuldigung“, „Danke“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Wer sich Mühe gibt, die fremde Sprache zu sprechen, dem wird gerne weitergeholfen. Schon mit ein paar Floskeln und wenigen Sätzen zeigt man Interesse und macht sich Freunde im jeweiligen Land. Wer nicht voraussetzt, dass die Einheimischen die eigene fremde Sprache verstehen, der wird willkommen sein. Während ich zu Hause jedem Gespräch in der Öffentlichkeit folgen kann, bin ich im Ausland plötzlich eingeschränkter. Die Kommunikation reduziert sich auf das Wesentliche. Und mit dieser Erfahrung lernt man sich selbst auch neu kennen. Wie fühle ich mich, wenn ich mich nicht mehr so ausdrücken kann, wie ich möchte? Wie reagieren andere auf mich, wenn ich plötzlich stiller bin? Diese Erfahrung sensibilisiert: Wie muss es Fremden in meinem Land gehen? Unterschätze ich mein Gegenüber vielleicht, nur weil er meine Sprache nicht beherrscht? Jeder, der selbst schon einmal im Ausland „kämpfen“ musste, wird diese Situationen – aus beiden Perspektiven – besser nachempfinden können. Habe ich selbst schon einmal die Erfahrung gemacht, fremd zu sein, so steigen Verständnis und Toleranz. Allein um hier dazuzulernen, lohnt sich ein Auslandsaufenthalt. Das Gefühl, fremd zu sein, nimmt natürlich mit der Dauer des Aufenthalts und mit besseren Sprachkenntnissen ab. Warum bleibt man also nicht länger als ein Semester im Ausland? Oder studiert gar ganz außerhalb des Heimatlandes? Anfangs war ich überrascht, als ich in Kopenhagen Deutsche traf, die ihr komplettes Studium in Dänemark verbrachten. Aber warum eigentlich nicht? Mit der Umstellung der Studiensysteme auf Bachelor- und Master-Studiengänge in Europa wird das noch einfacher werden. Warum nicht den Bachelor in Deutschland, den Master in Frankreich und dann vielleicht noch einen MBA in den Vereinigten Staaten abschließen? Oder anders herum? Studienabschlüsse werden angeglichen und somit vergleichbar; es wird noch einfacher werden, grenzüberschreitend zu studieren. Möglichkeiten, für eine Zeit ins Ausland zu gehen, gibt es zu Genüge. Jeder sollte für sich überlegen, was ihm wichtig ist. Wer nicht neugierig und offen für fremde Länder und Kulturen ist, sondern nur Lebenslauf-Pflege betreiben will, der ist sicherlich falsch motiviert für einen Aufenthalt in der Ferne. Doch wer eine internationale Karriere anstrebt, der kommt um das Sammeln von Auslandserfahrungen nicht herum. Anja Czerny, 25, studiert BWL an der Uni Köln und verbrachte 2004 ein Auslandssemester an der Copenhagen Business School in Dänemark. Nach ihrem Auslandsaufenthalt ist sie auf den Geschmack gekommen, auch im Berufsleben über den Tellerrand zu schauen. Förderprogramme: www.daad.de www.na-bibb.de Jobs im Ausland: www.jobware.de Überblick über Praktikabörsen: www.bildungsserver.de

Fit für das internationale Parkett

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Bereits im Studium fragen sich viele Führungsnachwuchskräfte, welche Perspektiven ihnen der internationale Arbeitsmarkt bieten kann. Neben fachlichen Qualifikationen und guten Sprachkenntnissen sind für eine Karriere im Ausland aber auch einige Soft Skills entscheidend. Wie interkulturelle Handlungskompetenzen trainiert werden können, weiß Timothy Phillips. Über die Anforderungen eines globalen Marktes sprach der erfahrene Unternehmensberater und Kommunikationstrainer mit dem karriereführer. Von Rainer Bachmann In vielen Stellenanzeigen wird verhandlungssicheres Englisch vorausgesetzt. Was bedeutet diese Anforderung überhaupt, Herr Phillips? Gute Frage. Englisch ist die „lingua franca“ der Wirtschaftswelt. Es hängt allerdings vom ausschreibenden Unternehmen ab, was tatsächlich erwartet wird. Oft ist es so, dass die Bedarfsanalyse gespart und durch ein allgemeines „verhandlungssicher“ ersetzt wird. Das beinhaltet aber auch Kommunikationsfähigkeiten auf globaler Ebene, um in multinationalen Teams und Projekten Souveränität zu beweisen. Es geht um die Sicherheit im Tagesgeschäft, nicht nur bei Verhandlungen. Wie können sich Absolventen denn internationale Kommunikationsfähigkeiten aneignen? Hier sind diejenigen klar im Vorteil, die ein Auslandsemester oder ein Praktikum im Ausland absolviert haben. Die Selbstsicherheit bei der allgemeinen Kommunikation ist größer, bedingt durch die bessere Übung und den daraus resultierenden umfangreichen Erfahrungsschatz. Ich kann den Studierenden deshalb den Rat geben, einfach ins kalte Wasser zu springen und ein Auslandspraktikum bei einem nichtdeutschen Unternehmen zu machen. So können sie nicht nur die Sprache trainieren, sondern auch viel über internationale Unternehmenskulturen lernen. Die Zusammenarbeit mit einheimischen Kollegen bringt ihnen auch die lokale Kultur näher. Mit diesen Pluspunkten ausgestattet steigt die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt enorm. Welche anderen Kompetenzen sind für eine internationale Karriere wichtig? Gute Kommunikationsfähigkeiten sind meist wichtiger als perfektes Englisch. Wer selbstsicher auftritt und seine interkulturellen Sinne geschärft hat, kann als Kollege, Vorgesetzter, Geschäftspartner oder bei Verhandlungen viel erreichen. Dazu gehören auch Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Führungskompetenz oder Konfliktmanagement. Diese Skills können bereits vor einem Auslandsaufenthalt entweder auf der Hochschule oder später im Unternehmen gut trainiert werden. Auch Benimmregeln können von Land zu Land variieren und für interkulturelle Missverständnisse sorgen. Wie kann man hier seine Sinne schärfen, um so manche Klippe gekonnt zu umschiffen? Da muss man unterscheiden zwischen einer „Cross Cultural Awareness“ und den klassischen Do´s und Dont´s. Letztere sind selbstverständlich wichtig und sollten auch immer hinterfragt werden. Noch bedeutender ist aber die Fähigkeit, sich flexibel auf Situationen und Gesprächspartner einstellen zu können, sensibel zu agieren und zu reagieren. Es kann dabei sehr nützlich sein zu wissen, wie man selbst auf andere wirkt. Dies gilt besonders in einem internationalen Umfeld, bei dem nicht alle Feinheiten der Etikette auf Anhieb erkannt werden. Wenn jedoch jemand mit offenem Horizont und einem gewissen Feinsinn neues Terrain betritt, dann macht er schon viel richtig. Sie gelten als Experte für Lösungen zur Verbesserung von Sprach- und Kommunikationskompetenzen und arbeiten mit internationalen Unternehmen wie Bosch, 3M und Henkel zusammen. Was bieten Sie als externer Dienstleister? Ich unterstütze Unternehmen bei der Entwicklung von Lernkonzepten im Bereich Kommunikation und Sprachtraining. Mein Stichwort heißt Blended Learning: Aus verfügbaren Bestandteilen wird die qualitativ beste Mischung für einen hohen Lernwert zusammengestellt. Ähnlich wie bei Blended Tea oder Blended Whiskey werden nur die Ingredienzien verwendet, die ein stimmiges Endprodukt sicherstellen. Die einzelnen Komponenten von Blended Learning können E-Learning-Module, Fernunterricht via Telefon, E-Mail und virtueller Unterricht im Zusammenspiel mit traditionellen Workshops und Seminaren sein. Steht die Bedarfsanalyse, kann ein gezielter Maßnahmenkatalog entwickelt werden, der auch die individuellen Lernkulturen der einzelnen Mitarbeitergruppen und Hierarchieebenen berücksichtigt. Der Mix ist abhängig vom Bedarf und von den unterschiedlichen Lernzielen. Mit einem Netzwerk von Spezialisten sorge ich dafür, dass zum Beispiel Verhandlungssicherheit oder interkulturelle Handlungskompetenz flexibel trainiert und angeeignet werden können. Was war Ihr bisher spannendstes Projekt? Da fällt mir vor allem ein Auftrag von Bosch ein. Gemeinsam mit dem Kunden haben wir ein Blended-Learning-System konzipiert, mit dem Ziel, die Sprachfertigkeiten der Bosch-Mitarbeiter zu standardisieren und somit global messbar zu machen. Anhand eines eigens entwickelten Tools soll die Sprachkompetenz eines deutschen Managers mit dem Niveau seines Pendanten etwa in China verglichen und bei Bedarf weiter entwickelt werden. Die Größenordnung und die Langfristigkeit dieses Projekts sind eine außerordentliche Herausforderung. Dazu kommt, dass das Konzept nicht nur abteilungsübergreifend, sondern auch über alle Standorte eingesetzt werden soll. Und das für ein renommiertes Unternehmen wie Bosch zum Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Denken Sie, dass „Corporate Knowledge Management“ ein Erfolgsfaktor zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens sein kann? Auf jeden Fall. Aber auch beim Wissensmanagement ist Vorsicht angesagt. Denn dieser Begriff wird leider oft als Veröffentlichung von Dokumenten für die Allgemeinheit über ein Intranet missverstanden. Es geht aber nicht um den Aufbau einer Bibliothek. Der Schlüssel ist Kommunikation – und der Mensch als Knoten in einem Netzwerk. Mitarbeiterprofile sind die in der Regel am häufigsten aufgerufenen Seiten in einem Intranet. Projekte und Erfahrungen des Kollegen können so verfolgt und seine Expertise bei Bedarf angefragt werden, egal ob virtuell oder in Präsenzform. Bertelsmann hat das vor ein paar Jahren vorbildlich gelöst mit dem Aufbau eines Intranets für seine Vertriebsleute. Einigen virtuellen Treffen mit regem Austausch in Foren folgte ein Kongress in Hamburg, auf dem sich die Beteiligten in der Realität begegnen konnten. So kann der Transfer von Wissen und Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen erfolgen und das vorhandene Netzwerk auch zugunsten des Unternehmens gepflegt werden. Wenn Sie absolut freie Hand hätten: Wie sähe ein idealtypisches, international vernetztes Unternehmen der Zukunft Ihrer Meinung nach aus? Vor allem geprägt von einer eigenständigen Unternehmenskultur und Werten, mit denen sich jeder identifizieren kann. Wie Offenheit, Fairness, Ehrlichkeit und Respekt. Diese Werte sollten erlebbar gemacht und durch das Top-Management vorgelebt werden. Wenn dazu noch die Vernetzung horizontal, vertikal und diagonal stattfindet, kann auf die Kompetenzen der vorhandenen Mitarbeiter aufgebaut werden. In diesem transparenten Umfeld hat das Unternehmen einen viel besseren Überblick über Wissen, Fähigkeiten und auch Potenziale der Angestellten. Das Humankapital gilt es zu nutzen und weiter zu erhöhen. Denn dieser Wert ist langfristiger orientiert als der reine Shareholder Value, trägt aber wesentlich dazu bei. Und wie sehen Ihre eigenen Pläne aus? Die Phillips Learning GmbH steckt sich neue Ziele und durchläuft derzeit einen Umwandlungsprozess. Das zukünftige Geschäftsfeld wird Kompetenzevaluierung und -entwicklung beinhalten. Skylight, so der Name der neuen Personal- und Unternehmensberatung, wird den gesamten Prozess von der Personalevaluierung über die Kompetenzentwicklung bis hin zum externen Personalmarketing als strategischer Partner begleiten. Durch interne und bei Bedarf auch externe Maßnahmen werden wir Unternehmen helfen, ihre offenen Stellen zu besetzen. Eine spannende Herausforderung, mit der ich auch meine eigenen Kompetenzen sehr gut trainieren und weiter entwickeln werde. Timothy Phillips hat im internationalen Umfeld umfassende Erfahrungen als Consultant und Coach gesammelt. Nach einem Lehrauftrag an der EBS in Oestrich-Winkel arbeitete er als Kommunikationstrainer u. a. für die Deutsche Bank. Als Führungskraft betreute er bei Deloitte und Pixelpark internationale Accounts. Mit der Gründung der Phillips Learning GmbH erlangte er die Selbständigkeit, die er nun mit Skylight ausbaut und vorantreibt.

WBS – die feine englische Art

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Die Warwick Business School am Stadtrand der englischen Stadt Coventry ist eine der renommiertesten Schulen Großbritanniens. Markus Körfer-Schün hat bereits die Hälfte des Programms „Warwick MBA by fulltimestudy“ hinter sich und gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Von Britta Hecker Die letzten Klausuren liegen hinter ihm, und erst vor wenigen Tagen hat er ein umfangreiches Essay abgegeben. Nun bleibt eine kurze Verschnaufpause, bis es weitergeht. Das Studienjahr in England teilt sich auf in vier Abschnitte. „Wenn man vorher gearbeitet hat, muss man sich erst wieder ans Studieren gewöhnen“, meint Markus Körfer-Schün. Mit dem üblichen Bild vom Studium hat das allerdings wenig zu tun. Die Rede ist hier von einer 60-Stunden- Woche, Arbeit am Wochenende inklusive. Zuvor war der Wirtschaftsinformatiker drei Jahre als IT-Consultant und Projektmanager tätig. Alles mit einem sehr technischen Hintergrund. Die Entscheidung, einen MBA zu machen, stand für ihn schon länger fest. „Ich wollte aus der technischen Schiene heraus“, erklärt Körfer- Schün. Der Traumjob: Strategieberatung. Das passende MBA-Programm war schnell gefunden – trotz des riesigen Angebots. „Wenn man eine ganz konkrete Vorstellung hat, ist es recht einfach“, so Körfer- Schün. Und die hatte er: englischsprachig und eine Top-Schule im Ausland sollte es sein. Ein Teilzeit- Programm kam für ihn nicht in Frage: „Ich wollte alles in einem Jahr hinter mich bringen, dann ist es auch am intensivsten.“ Er habe sich viel informiert, habe bei den Schulen angerufen und mit Vertretern gesprochen, erklärt er. Die Wahl fiel auf Warwick. Die WBS bot in seinen Augen das beste Verhältnis von Studiendauer, Reputation und Kosten. Die nahm ihn auch direkt auf, eine zweite Bewerbung hatte sich erübrigt. Gut findet er, dass die WBS sehr auf die Berufserfahrung der Studenten achtet. Warwick verlangt mindestens drei Jahre. Praktika während des Studiums werden nicht angerechnet. „Schließlich lebt das Programm von den Diskussionen und der Erfahrung der einzelnen Teilnehmer“, sagt der 32-Jährige. Wenn das nicht wäre, würde ein wichtiges Element fehlen. In seinem Jahrgang studieren 60 Teilnehmer aus 29 Nationen, mit unterschiedlichstem beruflichen Hintergrund: Vom Finanzbereich, der pharmazeutischen Industrie, dem IT- und Energie-Sektor, über den öffentlichen Sektor bis zur Konsumgüterwirtschaft ist alles dabei. Die Altersgruppe liegt zwischen 25 und 45 Jahren, wobei der Durchschnitt bei 31 Jahren liegt. Neben den Grundlagenfächern, die in den ersten beiden Studienabschnitten durch Vorlesungen und Gruppenarbeiten – so genannten Case Studies – vermittelt werden, gibt es den Lehrgang für interkulturelle Kompetenz gratis dazu. „Es wird stark darauf geachtet, dass die Arbeitsgruppen sehr gemischt sind“, erklärt Körfer-Schün. „Da prallen oft Welten aufeinander.“ In seiner Gruppe arbeiteten acht Teilnehmer aus acht Nationen zusammen. Da trifft dann beispielsweise die Südkoreanerin, die selbst für asiatische Verhältnisse sehr schüchtern ist, auf einen Offizier der britischen Armee, der im Irakkrieg war. „Das sind die unterschiedlichsten Charaktere, die unterschiedlichsten Herangehensweisen an Probleme“, sagt Körfer-Schün. „Doch wir haben uns letztlich immer zusammengerauft und gute Ergebnisse erzielt.“ Daran ist jedem Einzelnen gelegen; denn die Ergebnisse der Gruppenarbeiten machen bis zu 40 Prozent der Gesamtnote in einem Fach aus. Der Rest wird in Klausuren und Essays geprüft. Der private Kontakt zu den Kommilitonen sei eher kollegial. Zeit fürs Privatleben bleibt bei dem straffen Programm ohnehin nicht. Zudem liegt der Campus auf dem Land; die nahe gelegene Stadt Coventry ist nur mit dem Bus oder dem Auto zu erreichen. „Man kommt so gut wie nicht raus. Im ersten Term habe ich dreimal den Campus verlassen“, sagt der Student. „Und um es ganz klar zu sagen: Von England habe ich nichts gesehen.“ Im zweiten Abschnitt des Studiums ist Gelegenheit, jedes Fach zu vertiefen. Im dritten Teil finden einwöchige Intensiv-Module für die einzelnen Wahlfächer statt. Der vierte ist der praktische Teil: Hier arbeiten die Studenten an einem Projekt in einem Unternehmen. Darüber schreiben sie dann am Schluss die so genannte Master- Thesis, die endlich zum begehrten Titel verhilft. Durch die Wahlfächer können die Studenten ihrem MBA-Studium eine ganz konkrete Richtung geben. Körfer-Schün hat seinen Schwerpunkt auf Projektmanagement und Strategieentwicklung gelegt – den geplanten Karrierewechsel immer fest im Blick. Am liebsten würde er in einer großen Unternehmensberatung oder einem internationalen Konzern arbeiten, um die Unternehmensstrategie mitzugestalten. Doch er bleibt realistisch: „Selbst mit MBA hat man keine Garantie, dass einem die Angebote nur so zufliegen – gerade in Zeiten, in denen der Titel immer häufiger erworben wird.“ Auch dieses Tatsache spreche dafür, an eine renommierte Schule zu gehen – wie zum Beispiel an die WBS.
Die Warwick Business School ist der University of Warwick angegliedert. Die Schule bietet verschiedene MBA-Programme an und ist Teil des European MBA, zusammen mit ESSEC Paris und der Universität Mannheim. Kosten für den Vollzeit- MBA: 36.000 Euro. Seit Oktober 2006 bietet die WBS einen neuen Management- Master an. Er richtet sich an Personen, die Management-Kenntnisse erwerben möchten, aber nicht ausreichend Berufserfahrung für ein MBA-Programm haben. Weitere Infos unter: www.wbs.warwick.ac.uk

MBA – Wer soll das bezahlen?

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So sehr es auch reizt, seinen Namen mit dem Mastertitel MBA zu schmücken – das begehrte Kürzel hat neben Weiterbildung und Prestigegewinn auch eine Kehrseite: Die Kosten sind zum Teil immens hoch. Doch das ist kein Grund zu verzweifeln. Viele Finanzwege führen zum MBA. Von Michael Moersch Die Finanzierung eines MBA-Programms an einer renommierten Schule stellt eine Herausforderung dar. So verlangt die in Paris ansässige INSEAD Business School eine Studiengebühr von 45.000 Euro. Wer an einem Programm der London Business School teilnehmen möchte, muss stolze 60.000 Euro einplanen. Die Warwick Business School bei Coventry verlangt für ihren Vollzeit- MBA 36.000 Euro. Hinzu kommen jeweils Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Studienmaterial. Summa summarum prognostizieren Eliteschmieden, wie die Columbia Business School in den USA, ihren Studenten daher für ihr zweijähriges Programm umgerechnet gigantische 110.000 Euro. Die Ansicht, dass nur ausländische Schulen Top-Abschlüsse bieten, gehört der Vergangenheit an. Mittlerweile haben auch deutsche Business Schools exzellente Angebote, die sich auch auf dem internationalen MBA-Parkett sehen lassen können. Einen Wermutstropfen haben jedoch auch diese Programme. Sie mögen im Vergleich zu ausländischen Schulen günstiger sein, im Endeffekt verschlingen sie aber immer noch eine Menge Geld. Das Vollzeit-Programm an der GISMA Business School in Hannover etwa kostet 23.000 Euro. Eine finanzielle Belastung, der wohl kaum mit Omas Sparstrumpf Abhilfe geleistet werden kann. Doch es gibt andere Möglichkeiten. Stipendien Die günstigste Variante, sich den Traum vom MBA-Abschluss zu erfüllen, bieten die zahlreichen Stipendienprogramme verschiedenster Organisationen. Von diesen werden vielfach die gesamten Studiengebühren übernommen. Beispielhaft sei hier der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) genannt, der weltweit Teil- und Vollstipendien vergibt. Über das Haniel-Stipendienprogramm der Deutschen Studienstiftung erhalten acht Absolventen finanzielle Unterstützung für eine Zusatzausbildung. Voraussetzung ist neben einem abgeschlossenen Studium ein vertieftes Interesse an wirtschaftlichen Fragen. Wen es speziell in den fernen Westen zieht, der sollte sich rechtzeitig bei der Fulbright- Stiftung informieren. Die Fulbright-Kommission vergibt jährlich bis zu siebzig Stipendien zur fachlichen Vertiefung und Ergänzung des Studiums an einer US-amerikanischen Hochschule. www.daad.de www.studienstiftung.de Sponsoring durch Unternehmen Auch die Global Players in den Riegen der Unternehmen, besonders im Feld der Investmentbanken und Unternehmensberatungen, sind sich der enormen Bedeutung der MBA-Programme für das Know-how der Mitarbeiter bewusst und finanzieren deshalb ambitionierten Nachwuchskräften das Studium. Einige Unternehmen fördern sogar ohne vertragliches Arbeitsverhältnis die Ausbildung der Mitarbeiter von morgen. In den nächsten beiden Jahren greift das Unternehmen BASF Teilnehmern des internationalen Management Studiengangs „The European MBA“ an der Mannheimer Business School mit Stipendien in Höhe von insgesamt 265.500 Euro unter die Arme. „Indem wir internationale Top-Talente heute fördern, tragen wir dazu bei, die Region zu einem exzellenten Hochschulstandort zu entwickeln. Davon profitiert auch die BASF“, sagt Wolf-Rainer Lowack, Leiter des Servicecenters Personalbeschaffung und -entwicklung von BASF in Ludwigshafen. www.europeanmba.de Financial Aid Offices Hinsichtlich der großen Auswahl der Schulen und hohen Gebühren halten sich die Institutionen selbst schon lange nicht mehr aus der Finanzierung der MBA-Programme heraus und unterstützen Studienbewerber beim Aufbringen der Gebühren. Nach amerikanischem Vorbild haben sich an vielen Schulen Financial Aid Offices etabliert, in denen Studienbewerber sich über das Angebot von Voll- und Teilstipendien informieren können. Nicht selten tragen die so genannten Scholarships bis zu 50 Prozent der gesamten Studiengebühren. Die GISMA School in Hannover beispielsweise ermöglicht ihren Studenten eine Finanzierung über einen Bildungsfonds. Darüber können bis zu 85 Prozent der Studiengebühren abgedeckt werden. Nach erfolgreichem Abschluss des Programms zahlen die Absolventen einen individuell festgelegten Prozentsatz ihres Gehaltes zurück. www.gisma-hannover.de Kredite Eine klassische Variante der Finanzierung ist der Kredit einer Bank. Deutsche Kreditinstitute finanzieren in der Regel MBA-Programme. Auch ihnen ist bekannt, dass der Absolvent mit gut dotierten Arbeitsverträgen rechnen kann, so dass die Kreditschuld leicht zu tilgen ist. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Zulassung an einer anerkannten Hochschule vorliegt. Business Schools in Deutschland kooperieren zudem mit ortsansässigen Banken, die den Studenten dann eine Kreditfinanzierung ermöglichen oder sogar besondere Kreditkonditionen anbieten. Die Düsseldorf Business School arbeitet zum Beispiel mit der Sparkasse Düsseldorf zusammen. „Absolventen, die ein MBA-Programm anstreben, bieten wir ein spezielles zinsgünstiges Finanzierungsmodell an“, so Colin Wender, Ansprechpartner für die Kredit-Finanzierung des MBA-Programms an der Düsseldorf Business School.

Master-Plan

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Ein guter MBA-Studiengang stellt hohe Anforderungen an seine Studenten. Ob eine Bewerbung Erfolg hat, hängt von vielen Fakoren ab. Entscheidend ist das Gesamtbild aus den akademischen Leistungen, der Berufserfahrung und der Persönlichkeit. Die Auslese findet bereits vor der „Meisterprüfung“ statt. Fehlen die gängigen Zulassungsvoraussetzungen, lohnt es sich, die Qualität des MBA-Anbieters zu hinterfragen. Von Martin Rath Erster Abschluss Während der MBA in den USA und in anderen angelsächsischen Ländern eine gängige wirtschaftswissenschaftliche Grundausbildung ist, bieten MBA-Studiengänge für deutsche Interessenten in erster Linie eine Zusatzausbildung. Ein erster akademischer Abschluss wird daher regelmäßig vorausgesetzt. Ist das nicht der Fall und wird beispielsweise berufliche Praxis als gleichwertig anerkannt, kann das dem Ruf des MBA-Titels schaden. Der erste akademische Grad als Zulassungskriterium ist also durchaus ein Qualitätsmerkmal des Studiengangs. Auf der anderen Seite tun sich MBA-Anbieter aus dem angelsächsischen Raum mitunter schwer, Fachhochschul- oder Berufsakademieabschlüsse als „ersten Abschluss“ anzuerkennen. Empfehlenswert ist es dann, die Qualität des Abschlusses im Gespräch zu klären – im Vergleich zu dem, was ein akademischer Abschluss im jeweiligen Land zu bieten hat. Berufliche Tätigkeit Bei fast allen MBA-Schulen werden mehrere Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt. Schließlich sollte man wissen, wovon man spricht. Meistens reichen ein bis drei Jahre, manche Anbieter verlangen allerdings mindestens drei Jahre; denn die Arbeit in der Gruppe lebt vielfach von den Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer. Dass diese Hürde aber nicht nur aufgrund der praktischen Ausrichtung des MBA-Studiums aufgestellt wird, sondern den Teilnehmern nicht zuletzt dabei helfen soll, Netzwerke zu stricken, sagen Kenner der MBA-Szene selten offen. Denn so wichtig das „Networking“ für alle Beteiligten ist, so ungern möchte man in den Ruf geraten, es sei der Hauptzweck des Studiums. Mittlerweile gibt es auch Angebote, die Absolventen anderer Fachrichtungen betriebswirtschaftliches Grundlagenwissen vermitteln sollen. In den USA heißen solche Programme oft Junior-MBAs. Dafür ist keine Berufserfahrung erforderlich. TOEFL Englisch ist nicht nur in ausländischen MBA-Schmieden Pflicht. Jeder, der keinen Abschluss einer englischsprachigen Uni hat, muss ihn ablegen. Allerdings gehört er eher zu den leichten Hürden. Der Test ist im Multiple-Choice-Verfahren gehalten und wird am Computer abgenommen. Wer beruflich mit Englisch zu tun hat, wird damit keine Probleme haben. Die Verfahrensart hat den großen Vorteil, dass man nicht begründen muss, warum man die jeweilige Antwortvariante gewählt hat. Durchfallen ist nicht möglich, vielmehr geht es darum, die von der Business School geforderte Mindestpunktzahl zu erreichen. Die Skala reicht von Null bis 300. Der Test kann so oft abgelegt werden, bis die erforderliche Punktzahl erreicht ist. Doch das kostet natürlich Zeit und Geld. Als Gebühr für den Test werden 110 US-Dollar erhoben. Zur Vorbereitung auf den TOEFL finden sich auf dem Markt inzwischen qualitativ vertretbare CD-ROM-Lösungen für das Selbststudium. GMAT Ohne TOEFL wird der „Graduate Management Admission Test“ (GMAT) nur schwer zu bewältigen sein. Er ist ein weltweit standardisierter Computertest in englischer Sprache, der aus drei Teilen besteht, in denen sprachliche, mathematische und analytische Fähigkeiten geprüft werden. Für den analytischen Teil müssen zwei Essays verfasst werden. Der GMAT vergibt für richtige Antworten aber nicht nur viele Punkte, sondern stellt im Anschluss schwerere Fragen. So wird jeder Teilnehmer an die Grenzen seiner Fähigkeiten geführt. Der Test dauert insgesamt vier Stunden. BWL-Kenntnisse sind nicht erforderlich. Maximal können 800 Punkte erzielt werden, aber selbst 700 Punkte erreichen weltweit in einem Jahr nur zwei Prozent der MBA-Bewerber. Der Test kann in Deutschland in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München abgelegt werden. Für die renommierten MBA-Anbieter ist der GMAT Pflicht. Vorbereitungskurse auf den Test können das Ergebnis erheblich beeinflussen. Auswahlgespräche und Referenzen In der Tradition der akademischen Ausbildung der angelsächsischen Länder erwarten viele MBA-Anbieter, dass sich der Bewerber um einen Studienplatz Gedanken darüber gemacht hat, warum ausgerechnet er ihn erhalten soll. Seine Motivation muss er regelmäßig zu Papier bringen. Oft folgt ein Auswahlgespräch auf dieser – oder erweiterter – Grundlage. Stärker als im Erststudium wird auch auf schriftliche Referenzen Wert gelegt.
Executive MBA – An Manager mit mehrjähriger Berufserfahrung wenden sich Lehrgänge mit dem Titel „Executive MBA“. Dabei wird regelmäßig ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium mit Präsenz- und Phasen des Selbststudiums kombiniert. Manche Firmen bieten ihren Nachwuchs- Führungskräften maßgeschneiderte MBA-Programme ausgewählter Business Schools.

MBA – Drei Buchstaben auf Erfolgskurs

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Der Master of Business Administration ist weiter auf dem Vormarsch. Sein Erfolgsgeheimnis ist seine Internationalität. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Angebote auf den Markt gekommen – in allen fünf Kontinenten. Vor allem das MBA-Mutterland USA hat Konkurrenz bekommen. Von Britta Hecker Der Master of Business Association im klassischen Sinne soll dem Führungsnachwuchs von morgen Management- Know-how vermitteln. Zielgruppe sind Akademiker ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Dennoch kommt etwa ein Drittel der Absolventen aus der Wirtschaftswissenschaft. Bereits im Jahr 1902 nahm die Erfolgsstory in den USA ihren Lauf: Am Dartmouth College in New Hampshire wurde den ersten sieben Absolventen der Titel verliehen – damals hieß er noch Master of Commercial Science. Wenige Jahre später trat die Harvard Business School mit einem Angebot auf den Plan und setzt seitdem Maßstäbe. Weltweit tummeln sich rund 5000 MBA-Programme. Besonders in Europa und Asien kommen immer mehr Angebote auf den Markt. In den USA werden üblicherweise Vollzeitprogramme mit einer Dauer von zwei Jahren angeboten. In Europa sind es hauptsächlich einjährige Studiengänge. Darüber hinaus gibt es Kooperationen zwischen deutschen und ausländischen Universitäten: Beispielsweise arbeitet die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar zusammen mit der J.L. Kellogg School of Management der Northwestern University in den USA. Die Universität Mannheim bietet gemeinsam mit der Warwick Business School in England und der Pariser ESSEC einen European MBA an. Teilzeitprogramme richten sich an Berufserfahrene, die ihre Karriere weiter vorantreiben wollen. Mittlerweile studieren zwei Drittel der MBA-Studenten Teilzeit. Als erste Orientierungshilfe in dem unübersichtlichen Angebot dient die Akkreditierung der einzelnen Programme. Das bedeutet, der Studiengang wurde von einer unabhängigen Organisation, die oft von den Anbietern selbst getragen werden, auf internationale Standards hin überprüft. Nicht mehr und nicht weniger – ein Kriterium für Topschulen ist die Akkreditierung aus diesem Grunde nicht. Im Mutterland des MBA ist das Gütesiegel der Association to Advance Collegiate Schools of Business – kurz AACSB – am bekanntesten. Ein weiterer Qualitätsnachweis in punkto Internationalität ist das European Quality Improvement System (EQUIS) der European Foundation for Management Development (efmd). Daneben gibt es immer wieder Rankings, die regelmäßig Wirtschaftszeitschriften wie Capital oder Financial Times publizieren. Die sind meist sehr auslandsorientiert, können aber durchaus zu Rate gezogen werden. Wenn eine Business School dort wiederholt gut abschneidet, ist das ein Hinweis auf deren Qualität. Ein Blick in die Bestenlisten kann also nicht schaden. Auch deutsche Schulen finden hier und da Erwähnung. Genannt werden die WHU, die German International School of Management and Administration (GISMA) in Hannover, die Handelshochschule HHL in Leipzig und die Universität Mannheim. Letztlich hängt die Wahl eines Programms ganz von der individuellen Lebenssituation und Zielrichtung ab. Wer beispielsweise eine Karriere außerhalb von Deutschland plant, kann ein MBA-Studium im Ausland dazu nutzen, um bereits erfolgreich Kontakte zu knüpfen. Ansonsten kann auch der Besuch einer anerkannten deutschen Business School durchaus eine gute Wahl sein.

MBA – sponsored by GEA Group

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So viel Theorie wie nötig und so viel Praxis wie möglich lernte der promovierte Physiker Dr. Michael Junker in seinem MBA-Programm. Diese Entwicklungschance ermöglichte ihm sein Arbeitgeber, die GEA Group Aktiengesellschaft. Die Investition in seine Zukunft hat sich gelohnt – für beide Seiten. Von Dr. Michael Junker Derzeit arbeite ich als Assistent des Vorstandvorsitzenden der GEA Group Aktiengesellschaft. Mit einem Master of Physics aus den USA und einer Promotion an der Technischen Universität Darmstadt in der Tasche, stieg ich 1997 bei der Dynamit Nobel Kunststoff GmbH im Rahmen eines Führungskräftenachwuchsprogramms ein. Der Automobilzulieferer Dynamit Nobel Kunststoffe war ein Geschäftsfeld der Chemie-Aktivitäten des Konzerns, damals noch Metallgesellschaft. Nach einem 15-monatigen Trainingon- the-Job in diversen Abteilungen und Projekten übernahm ich 1999 den Aufbau und die Leitung der Abteilung Industrial Engineering an einem großen Produktionsstandort. Dem folgten seit 2001 Aufgaben als Projektleiter für die Planung und den Bau eines Montagezentrums für Stoßfängersysteme für einen großen schwäbischen Automobilhersteller. Ich übernahm die Leitung der gesamten Produktionslinie an zwei Standorten mit insgesamt 200 Mitarbeitern. 2002 äußerte ich in einem Personalentwicklungsgespräch Interesse an einem MBA-(Master of Business Administration)Programm, um mich für weitere Managementund Führungsaufgaben in dem global agierenden Konzern fit zu machen. Ich wurde zu einer Informationsveranstaltung zum MBA als Baustein der Führungskräfteentwicklung in die Konzernzentrale eingeladen. Mitarbeiter, die aktuell an dem Programm teilnahmen, erzählten über die Inhalte des MBA und die Herausforderung, ihn berufsbegleitend zu absolvieren. Das international ausgerichtete Programm dauerte 22 Monate und bestand aus insgesamt acht Terms. Das beinhaltete einwöchige Studienaufenthalte in den USA und in Deutschland mit jeweils anschließendem Fernstudium, in denen die Kursinhalte in Fallstudien, Teamarbeit und Klausuren vertieft wurden. Neben Basiskursen wie Financial und Managerial Accounting gab es Kurse mit operativem Fokus: Operations Management, Supply Chain Management, Marketing, Management of Technology and Innovation. Auch Soft Skills wie Leadership und Managerial Effectiveness wurden geschult. Zudem gab es Kurse zu M&A-Prozessen: Strategy und Corporate Restructuring. Der Aufbau und Inhalt der Kurse war stets nach der Maxime ausgerichtet: so viel Theorie wie nötig und so viele praktische Beispiele und Diskussionen wie möglich. Ob es um die Auswertung von Finanzinformationen aus dem Geschäftsbericht eines Wettbewerbers oder um die Unternehmensbewertung eines potenziellen Akquisitionskandidaten ging – das vermittelte Wissen und die Tools sind in der Praxis direkt anwendbar. Als Vorbereitung auf den Kurs Leadership war es auch möglich, ein internetgestütztes 360-Grad-Feedback von Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten zu erhalten. So konnte ich meine Selbsteinschätzung als Führungskraft mit der Wahrnehmung dieses Personenkreises vergleichen. In meinem Jahrgang nahmen circa 100 Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung aus verschiedensten Industrien und Unternehmen teil. Dabei waren alle Kontinente vertreten. Der stetige Austausch mit den Studenten war ein entscheidender Lern- und auch Spaßfaktor. Die Zusammenarbeit wurde dadurch intensiviert, dass alle ein bis zwei Wochen, auch in den Phasen des Fernstudiums, eine Teamarbeit abzugeben war. Alle Teams waren international besetzt, so dass man auch den natürlichen Randbedingungen globaler Zusammenarbeit, wie unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Zeitzonen, ausgesetzt war. Ich war überzeugt, dass der MBA eine ideale Ergänzung zu meinem naturwissenschaftlich-technischen Studium sein würde, um mich auf weitere General-Management-Positionen vorzubereiten. Ich wurde als Teilnehmer ausgewählt, und mit der finanziellen Unterstützung des Konzerns absolvierte ich das Programm von 2003 bis 2005. Die Vorstände unterstützen dieses Programm und stehen den Teilnehmern als Mentor regelmäßig für Gespräche zur Verfügung. So lernte ich auch meinen jetzigen Chef kennen. Meine heutige Arbeit als Vorstandsassistent profitiert neben den Erfahrungen aus meinen operativen Tätigkeiten besonders von den im MBA vermittelten Inhalten und Vorgehensweisen. Das MBA-Programm hat meine Erwartungen voll erfüllt und war wertvoll für meine weitere persönliche Entwicklung. Aus diesem Grund werde ich das internationale MBA Programm, für das die GEA Group mit der Mannheimer Business School zusammenarbeitet, stets anderen High Potentials weiterempfehlen und dabei leise erwähnen: „Mein MBA was sponsered by GEA Group.“ Bald kann ich auf diese Erfahrungen auch in meiner nächsten Tätigkeit als Geschäftsführer innerhalb der Division Lufttechnik bei der GEA zurückgreifen.