Personalverantwortung übernehmen oder eine Fachlaufbahn einschlagen? Ingenieur*innen stehen alle Türen offen. Regina Bergdolt, Expertin für Fachkarrieren, gibt Tipps für beide Karrierewege. Die Fragen stellte Sabine Olschner
Zur Person
Regina Bergdolt ist Expertin für Fachkarrieren im deutschsprachigen Raum. Die Speakerin und Seminarleiterin arbeitet mit Organisationen an Fragen der Personalentwicklung. Sie ist zudem Autorin des Buches „Fachkarrieren strategisch gestalten: Die Alternative zur Führungslaufbahn“ (De Gruyter 2026).
Was sind die Merkmale einer Fach- beziehungsweise einer Führungskarriere?
In einer Führungskarriere übernehmen Sie disziplinarische Personalverantwortung für Mitarbeiter, etwa als Team- oder Abteilungsleiter. Sie steuern Mitarbeitende und den Einsatz ihrer Expertise, vereinbaren Ziele, schaffen den organisatorischen Rahmen und verantworten Mitarbeiterbeurteilung und Mitarbeiterentwicklung. Sie steigen in der Hierarchie auf – daher auch der Begriff „Kaminkarriere“.
In der Fachkarriere dagegen setzen Sie vor allem Ihre Expertise für das Unternehmen ein: Sie übernehmen mit Fachkompetenz immer mehr Verantwortung, Sie machen eine „horizontale Karriere“. Aufgaben und Verantwortung nehmen an Bedeutung zu, Skills und Kompetenzen werden mit jedem Entwicklungsschritt tiefer oder breiter, die Anforderungen anspruchsvoller. Wenn Sie Arbeits- oder Projektgruppen leiten, gehört auch oft fachliche Führung dazu.
Welchen Ruf haben die beiden Karrierewege?
Lange galt: Karriere macht man in Führungspositionen. Aber auch Experten tragen enorm zur Wertschöpfung bei: Wer sich unentbehrlich machen möchte, kann das auch mit seiner Expertise tun. Studien zeigen zunehmend „Führungsmüdigkeit“, für viele scheint eine Führungsposition gar nicht mehr erstrebenswert. Es kann spannender sein, der „Crack“ seiner Fachcommunity zu sein, als sich mit Mitarbeitergesprächen auseinanderzusetzen.
Muss ich mich schon beim Berufseinstieg für einen Weg entscheiden?
Nicht unbedingt. Es ist auch Aufgabe des Arbeitgebers, mit Ihnen gemeinsam herauszufinden, welche Rolle zu Ihnen passt, etwa durch Assessment-Center. Stellt sich heraus, dass Führung nicht Ihr Ding ist, ist das keine Niederlage, sondern ein wichtiger Baustein Ihrer beruflichen Orientierung.
Wie finde ich Unternehmen, die auch Fachkarrieren anbieten?
Suchen Sie konkret nach Unternehmen mit Fachlaufbahnen oder einer konsequenten Personalentwicklung. Achten Sie darauf, dass Personalentwicklung als gezielte Förderung, nicht als Weiterbildungsangebot verstanden wird. Außerdem braucht es klar definierte Expertenrollen oder Fachkarrierestufen. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch nach: Gibt es klare Anforderungen an Skills und Kompetenzen? Entwickelt sich die Verantwortung im Karrierepfad? Passt das Vergütungskonzept? Wichtig: Eine Führungsposition ist kein Garant mehr für Jobsicherheit. Nicht zuletzt durch technologische Veränderungen können ganze Führungsebenen verschwinden. Eine gut gepflegte Expertise mit KI-Kompetenz ist hingegen oft nicht so leicht zu ersetzen.



