StartIngenieureDr. Fuzhan Rahmanian, Gründerin von AccelionTech

Dr. Fuzhan Rahmanian, Gründerin von AccelionTech

Dr. Fuzhan Rahmanian hat mehrere Ingenieurstudiengänge absolviert und sich 2025 selbstständig gemacht. Ihr Unternehmen AccelionTech entwickelt Weltmodelle für die Industrie. Erster Anwendungsfall ist die Batterieproduktion, die AccelionTech transparenter, vorhersehbarer und effi zienter macht – mit dem erklärten Ziel Richtung „ZeroWaste“-Batterieproduktion. Fuzhan ist eine von wenigen Frauen, die im KI-Umfeld ein eigenes Unternehmen gegründet haben. Das Interview führte Sabine Olschner.

Wie kamst Du dazu, ein Unternehmen zu gründen, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt?
Ich habe zunächst im Iran Biomedizintechnik studiert. Als ich 2016 nach Deutschland kam, habe ich an der Universität Ulm erst den Master Materialwissenschaften, dann den Master Biophysik absolviert. Anschließend habe ich überlegt, was ich gern machen möchte. Mich hat KI schon länger interessiert, daher habe ich noch einen Master Artificial Intelligence im Fernstudium an der University of Huddersfield abgeschlossen. Parallel dazu habe ich am Karlsruhe Institute of Technology und an der Technischen Universität München promoviert, im Bereich Data Science und Digitalisierung mit Fokus auf Materialbeschleunigungsplattformen und Batterieforschung. Die Themen rund um KI sind sehr spannend, aber in der Wissenschaft dauert es oft Jahre, bis eine Idee von der Theorie in die Praxis übergeht. Um etwas zu bewirken, muss man aus dem Labor rausgehen. Daher habe ich die Firma AccelionTech gegründet.

Was hat Dir am Anfang besonders geholfen?
In München habe ich die TUM Venture Labs, das Accelerator-Programm der Technischen Universität München, kennengelernt. Das Beste daran war, dass dort alles schnell läuft und man rasch ins Tun kommt. Daher auch unser Name Accelion, abgeleitet von accelerate: beschleunigen. Wir bauen Weltmodelle für die physikalische KI: interne, lernende Modelle, mit denen ein KI-System versteht, wie sich ein Prozess verhält, und vorhersagen kann, was als Nächstes passiert. Unser erklärtes Ziel sind Modelle für die Industrie, die Zusammenhänge zwischen Fertigungsparametern verstehen und selbst optimieren. Die Batterieproduktion ist dabei unser erster Anwendungsfall.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung Deines Unternehmens?
Es dauert eine Weile, bis man genau das Problem findet, für das andere eine Lösung brauchen und bereit sind, dafür auch zu bezahlen. Man braucht ein Produkt, das wirkungsvoll ist und einen deutlichen Effekt erzeugt und günstiger ist als das, was bisher eingesetzt wird. Bis wir soweit waren, habe ich mit vielen Menschen gesprochen, um ihnen zu zeigen, wie wichtig und effizient KI für ihre Problemlösung ist.
Es gibt nicht viele Frauen, die sich im KI-Umfeld selbstständig machen.

www.acceliontech.com

Wie sind Deine Erfahrungen?
Ich war schon in meinem Studium und in meiner Promotion oft die einzige Frau in den Studiengruppen. Ich freue mich immer, wenn ich andere Frauen kennenlerne, die sich ebenfalls mit Technik und speziell KI beschäftigen. Die Kunden von Accelion-Tech kommen aus der Herstellerindustrie, dort arbeiten auch fast nur Männer. Als Frau ist das nicht immer leicht, weil ich mich häufiger beweisen und erklären muss als ein Mann. Damit gehe ich offensiv um: Ich lasse meine Arbeit und unsere Ergebnisse sprechen, denn die überzeugen am Ende mehr als jedes Vorurteil.

Was wäre Dein Rat für andere Ingenieurinnen?
Trau Dich raus in die Welt und lass Dich nicht in die Erwartungen anderer zwängen. Kenne Deinen Wert, steh zu Deinen Fähigkeiten und geh Deinen Weg mit erhobenem Kopf. Gerade weil wir Frauen in der Technik noch selten sind, zählt jede von uns doppelt. Also mach den ersten Schritt und lass Dich von niemandem aufhalten.

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