Thilo Hamm gründete im Corona-Lockdown zusammen mit Florian Kriependorf (49) und Sebastian Kopsan das Recycling- Unternehmen ScrapBees, in Deutschland aktiv unter dem Namen SchrottBienen. Ihre Teams bauen Heizungsanlagen, Rohrleitungen oder anderes Altmetall auf Baustellen aus, entsorgen das Material und bringen Neugeräte direkt dorthin, wo sie gebraucht werden. Wie verlief Hamms Weg vom Elektrotechnikstudium zum Unternehmer? Das Interview führte Sabine Olschner.
Erzählen Sie uns über Ihr Studium und den Berufseinstieg. Weil mich immer schon Musik interessiert hat und ich wissen wollte, wie Verstärker und Audiogeräte funktionieren, habe ich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden Nachrichtentechnik studiert. Nach meiner Diplomarbeit bei einem Telekommunikationsunternehmen in Stockholm bin ich bei einem Kabelhersteller als Produktmanager eingestiegen. Berufsbegleitend habe ich ein MBA-Studium an der WHU – Otto Beisheim School of Management absolviert, weil mich Wirtschaftsthemen schon immer gereizt haben.
Wie kam es dazu, dass Sie sich dann selbstständig gemacht haben? Das MBA-Studium hat mich zusätzlich mit dem Gründervirus infiziert. Nach dem Masterstudium habe ich mein erstes Unternehmen gegründet: Wir haben Installateure für Smarthome-Lösungen an Kunden vermittelt. Das hat nur so mittelmäßig geklappt. Daher haben wir unser Konzept verändert und uns auf Installateure für Alarmanlagen und Sicherheitssysteme konzentriert. Nach einigen Jahren habe ich diese Firma verkauft.
Wie ging es mit dem Unternehmertum weiter? Nach einer Kooperation mit einem Family Office reifte bei mir der Entschluss, erneut zu gründen. Auf einer Netzwerkveranstaltung traf ich einen meiner heutigen Mitgründer wieder, es entstand die Idee zu den SchrottBienen. Heute verantworte ich die operativen Themen und gestalte gemeinsam mit dem Team den Aufbau und die Weiterentwicklung eines Unternehmens mit rund 90 Mitarbeitenden. Inhaltlich bin ich damit zwar weit entfernt von der klassischen Nachrichtentechnik, mein technischer Hintergrund ist jedoch weiterhin wertvoll: Da wir Dienstleistungen für Handwerksbetriebe und die Baubranche anbieten, hilft mir dieses Verständnis, die technischen Herausforderungen unserer Kunden praxisnah einzuordnen und Lösungen entsprechend auszurichten.
Was sehen Sie als die größte Herausforderung bei einer Gründung? Herauszufinden, welche Probleme unsere Kunden wirklich haben. Mein wichtigstes Learning: Löst Probleme, die relevant sind und für die der Kunde bereit ist, Geld zu bezahlen. Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir erkannt haben, was der Kern unserer Dienstleistung ist: Statt Metallschrott bei Privatleuten abzuholen, sind wir heute ein Serviceunternehmen, das das Problem des Fachkräftemangels in der Branche Sanitär, Heizung, Klima löst. Wir entlasten Facharbeiter auf der Baustelle, indem wir ihnen den Abbau von alten Anlagen und die Entsorgung abnehmen. Mit diesem Fokus hat unser Vertrieb eine ganz andere Dynamik bekommen.
Welches Wissen aus dem Ingenieurstudium ist noch relevant für Ihr heutiges Unternehmen? Keine Angst vor großen und komplexen Themen zu haben. Ich weiß, wie man Probleme angeht und wie ich mir das Wissen dazu aneigne. Auch Selbstdisziplin habe ich im Studium gelernt. Ich kann anstrengende Phasen gut überstehen, indem ich hartnäckig dranbleibe.


