Wir sind um 12 Uhr zum Videocall verabredet, Johan Jimi Prinz schaltet sich auf die Minute pünktlich zu, lacht und wünscht einen guten Morgen. An der Wand hinter seinem Schreibtisch hängen goldene Schallplatten in Bilderrahmen – und zwar viele, die Wand ist voll. Der 26-jährige war ein Jahr lang mit Xatar unterwegs, ist Gründer und CEO der Prinzstudios und hat mit NAXIT gerade ein IT-Start-up gegründet: eine digitale Agentur für Analyse, Optimierung und Entwicklung leistungsfähiger digitaler Systeme. Die Fragen stellte Kerstin Neurohr.
Oh wow, so viele goldene Schallplatten!
(lacht) Ja, die habe ich aber nicht selber als Künstler bekommen, sondern für Managementleistungen. Bei Prinzstudios haben wir zwei große Bereiche: Tonstudio-Franchising und einen Musikverlag. Mit dem Musikverlag kümmern wir uns für unsere Künstler um die ganzen administrativen Themen, GEMA zum Beispiel, und wir unterstützen kreativ. Da haben wir mittlerweile über 50 Autoren unter Vertrag, und einige sind eben mit Gold- oder Platinplatten ausgezeichnet worden: Amaru und Gringo Bamba haben für Blonde Chaya Gold in Deutschland bekommen, Sarhad für Sinne genauso, und Theo Junior hat mit Ups & Downs Goldstatus in Österreich geschafft.
Glückwunsch! Wie kam es denn dazu, dass Du so jung schon gegründet hast?
Eigentlich wollte ich selbst Musiker werden. Nach dem Abi habe ich dann gemerkt, dass es rund um Musik wahnsinnig viele geschäftliche Möglichkeiten gibt und habe in Bochum und London Musikmanagement studiert. Wir hatten damals ein kleines eigenes Tonstudio und irgendwann die Idee: Warum vermieten wir das nicht auch an andere Künstlerinnen und Künstler? Daraus ist 2020 die erste Gründung entstanden. Das große Wachstum kam dann ab 2023, heute betreiben wir 20 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und Anfang 2026 haben wir zusätzlich NAXIT Technology gegründet – eine eigene IT- und Softwarefirma.
Was genau machen die Prinzstudios?
Man kann sich das ein bisschen wie Airbnb für Musik vorstellen – nur bucht man keine Wohnung, sondern ein professionelles Tonstudio, auf Wunsch auch direkt mit Produzent oder Engineer. Das läuft alles komplett digital über unsere Plattform. Ohne digitale Prozesse hätten wir niemals so schnell skalieren können, wären also niemals so schnell gewachsen.
Du bist also nie den klassischen Weg gegangen – erst Studium, dann Job im Unternehmen, dann vielleicht gründen?
Naja, ich habe zwar als Zwanzigjähriger schon das Gewerbe angemeldet, aber Gott sei Dank habe ich am Anfang kaum große Umsätze gemacht. Das ging alles Schritt für Schritt: Wir haben die erste Rechnung geschrieben, die erste Immobilie angemietet, das erste Mal Nebenkosten nachgezahlt und ’ne Steuererklärung abgegeben … Das hat sich alles sehr organisch entwickelt. Ich hatte einen Werkstudentenjob in einem Musikunternehmen, war ein Jahr lang mit XATAR unterwegs, der damals auch ein großes Musiklabel hatte, und habe für ein Jahr bei einem großen Rap-Label in Köln gearbeitet. Das war extrem wichtig. Dort habe ich gesehen, wie professionelle Strukturen funktionieren, wie Teams arbeiten und wie man Projekte organisiert. Außerdem hatte ich das Glück, dass mein Vater selbstständig ist. Dadurch habe ich schon früh gelernt, wie wichtig Organisation und Verantwortung sind. Briefe beantworten, Rechnungen zahlen, Steuern ernst nehmen – das klingt banal, ist aber extrem wichtig.
Was war bisher die größte Herausforderung?
Drei Dinge. Erstens: die Bürokratie. Digitalisierung hin oder her – in Deutschland verbringt man als Gründer unfassbar viel Zeit mit Papierkram. Zweitens: Ein gutes Team aufzubauen und es dann auch zu halten. Und drittens braucht man natürlich Durchhaltevermögen. Es gibt gute und schlechte Phasen, das muss man aushalten. Und als Gründer ist man nie komplett offline. Urlaub ohne Handy? Kann ich mir gerade ehrlich gesagt kaum vorstellen.
Zum Schluss: Dein Rat an Berufseinsteigerinnen?
Wer lernt, digitale Tools intelligent einzusetzen, hat heute riesige Chancen. Gleichzeitig sollte man aber auch kritisch bleiben. Wir sind in Europa extrem abhängig von amerikanischer Software und Plattformen. Das wird in Zukunft definitiv noch ein großes Thema werden. Digitalisierung ist eine riesige Chance – aber eben auch eine Verantwortung.


