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Von der Bioinformatik zum Coaching

Julia Jauß wollte ursprünglich Ärztin werden. Doch noch mehr faszinierte sie die Bioinformatik. Mit Genomanalysen oder der Entwicklung von Medikamenten, so glaubte sie, könne sie noch mehr bewirken. Doch am Ende führte ihr Weg sie ganz woanders hin: Sie ließ sich zur Coachin ausbilden und berät heute Kund*innen aus der IT. Von Sonja Theile-Ochel

Julia Jauß arbeitete bei namhaften Firmen: Bayer, Microsoft, eine große Unternehmensberatung. Sie programmierte Softwaremodule, entwarf mit Softwareherstellern skalierbare und ausfallsichere Systeme für die Cloud-Architektur. Sie testete neue Formate für Daten- und KI-Lösungen, vernetzte Partner und baute ein Geschäftsfeld auf. Doch so richtig glücklich wurde sie bei ihrer Arbeit nicht.

2020 kündigte sie ihren Job, um mehr Zeit für ihre große Leidenschaft, das Gleitschirmfliegen, zu haben und zu reisen. Als die Pandemie ihre Pläne durchkreuzte, arbeitete sie freiberuflich als Cloud-Architektin. „Die Selbstständigkeit gab mir zwar Freiheit, doch die Aufgaben blieben dieselben, die ich hinter mir lassen wollte“, berichtet Julia Jauß. Sie stellte sich die Frage, was ihr beruflich wirklich Freude gemacht hatte. Die Antwort: Begegnungen und das Interesse daran, wie Menschen denken. Zuhören, Anforderungen verstehen und Menschen vernetzen wurden für sie wichtiger als die Technik.

Weniger grübeln, mehr ausprobieren.

Nach einer weiteren Reise nach Neuseeland absolvierte sie eine Coaching-Ausbildung. Heute verbindet Julia Jauß ihre Technikkenntnisse mit systemischem Coaching, Beratung und Mentaltraining. Sie unterstützt zum Beispiel Softwareunternehmen, die ihren Vertrieb neu ausrichten wollen. Dabei zeigt sich oft, dass das Problem tiefer liegt: Das Angebot ist unscharf, die Zielgruppe unklar oder dem Team fehlt ein gemeinsames Ziel. Jauß fragt ihre Klient*innen nach Stärken und Blockaden und begleitet die Umsetzung.

Auch das Gleitschirmfliegen prägt ihren Ansatz: In der Luft begegnen ihr oft dieselben Zweifel wie am Boden. Bei einem Wettbewerb sah sie einen Vogel in der Thermik kreisen, während die anderen Wettbewerbsteilnehmenden in eine andere Richtung flogen. Früher wäre sie dem Pulk gefolgt, überzeugt, die anderen wüssten es besser. Diesmal vertraute sie ihrer eigenen Beobachtung – und überholte 30 Pilotinnen und Piloten. Für Jauß wurde dieses Ereignis zum Lernraum: entscheiden, Unsicherheit aushalten, sich selbst vertrauen.

Ihr Rat für Berufseinsteiger*innen: Fachwissen bleibt wichtig, besonders in Forschung und bei komplexer Technik. „Ebenso wichtig ist es aber, selbstständig zu lernen, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen und die eigenen Stärken nicht an anderen zu messen“, sagt die Bioinformatikerin, die für sich einen anderen Weg gefunden hat. Ihr Credo: „Weniger grübeln, mehr ausprobieren.“

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