StartInformationstechnologieSparkassen-IT: Zwischen Funktion und Regulation

Sparkassen-IT: Zwischen Funktion und Regulation

Dr. Carsten Busch leitet bei der Finanzinformatik (FI), dem IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe, die Sparte Großrechner. Sein Team verantwortet die Migration von Banksystemen für rund 350 Sparkassen. Damit sorgt er dafür, dass die zentrale IT-Infrastruktur zuverlässig läuft und Banken auf moderne Systeme umgestellt werden. Das Interview führte Sonja Theile-Ochel

Herr Dr. Busch, bei einer Bank kann ein IT-Fehler sehr schnell erhebliche Konsequenzen haben. Was unterscheidet die Entwicklung und der Betrieb von IT-Systemen für Finanzdienstleister von anderen großen IT-Projekten?
Sicherheit und Verfügbarkeit unserer Produkte haben für uns höchste Priorität. Das zeigt sich in Architektur, Technik, Prozessen und Kultur jedes Mitarbeitenden. Fehler passieren, sowohl in der Entwicklung als auch im Betrieb. Sie sollen früh erkannt und nachhaltig gelöst werden, ohne Auswirkungen auf unsere Kunden zu haben. Alle Teile der Infrastruktur sind redundant aufgebaut, wir unterliegen der Aufsicht und stehen im Fokus regelmäßiger Prüfungen. Für Mitarbeitende bedeutet das ein professionelles, strukturiertes Umfeld mit viel Kreativität.

Sie betreiben ein System, das Millionen Menschen täglich nutzen und das ständig weiterentwickelt werden muss. Wie verändert dieser Zielkonflikt die Arbeit Ihrer Entwickler?
Die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung ist so hoch wie nie zuvor, durch technischen Fortschritt und aufsichtsrechtliche Anforderungen. Die Entwickler arbeiten mit modernen Tools, seit einiger Zeit auch mit KI-Unterstützung. Die Qualität sichern wir über einen mehrstufigen Test- und Freigeigabeprozess, in dem KI neue Möglichkeiten bietet. Neue Anwendungen pilotieren wir zunächst mit einzelnen Kunden, damit alles fehlerfrei ist.

Sie setzen bei Migrationen weiterhin auf den „Big Bang“, die vollständige Umstellung innerhalb eines Wochenendes. Warum ist dieses Vorgehen trotz des Risikos die bessere Lösung?
Wir migrieren eine Bank aus ihrem Altsystem in unsere Gesamtbanklösung OSPlus, in der alle Komponenten bereits zusammenspielen. Dem Risiko begegnen wir durch den frühzeitigen Aufbau eines Validierungsinstitutes für jede zu migrierende Bank. Es wird in mehreren Datenüberleitungen über Export- und Importschnittstellen immer wieder mit aktuellen Daten aus dem noch produktiven Altsystem beladen. So sehen die Mitarbeitenden über einen längeren Zeitraum, wie ihre Bank im OSPlus funktionieren wird, und arbeiten nach jeder Datenüberleitung bis zur Generalprobe ein umfangreiches Testprogramm ab.

Wenn an einem Wochenende teilweise 20 Sparkassen gleichzeitig migriert werden und rund 1.000 IT-Mitarbeiter beteiligt sind, entstehen viele Fehlerquellen. Wie organisieren Sie das Projekt so, dass am Ende jeder weiß, was wann zu tun ist?
Für den Ablauf gibt es einen umfassenden Aktivitätenplan. In einer Einsatzzentrale und einem Lagezentrum laufen alle Fäden zusammen. Bei Abweichungen schalten wir sofort die nötigen Fachbereiche ein und leiten Maßnahmen ein. Außerdem gibt es mehrere Meilensteine, zu denen die Fachbereiche der Bank und der FI Freigaben erteilen. Die Go- und die No-Return-Entscheidung treffen das Top-Management von Bank und FI gemeinsam.

Welche Fähigkeiten brauchen junge Informatiker*innen, die an einem System arbeiten sollen, bei dem Sicherheit und Zuverlässigkeit eine besonders große Rolle spielen?
Unser Bedarf an gut ausgebildeten Informatikern ist hoch, deshalb bilden wir viele zukünftige Mitarbeitende selbst aus. Dabei vermitteln wir von Beginn an hohes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit geschäftskritischen Systemen und Anwendungen. Auch bei externen Bewerbern ist das ein Auswahlkriterium. Wichtig ist eine hohe Sorgfalt bei der Bearbeitung von Systemänderungen und -anpassungen. Dafür setzen wir die Einhaltung unserer Verfahren und Prozesse voraus, die Tests, klare Rahmenbedingungen und Überprüfungen sicherstellen.

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