Moritz Spitz ist Führungskraft für KI-Prozesse und der jüngste KI-Manager im deutschen Radio. Bei Audiotainment Südwest treibt er die KI-Strategie der Sendergruppe bigFM, RPR1, Radio Regenbogen und Rock FM voran. Zuvor volontierte er bei bigFM. Er moderierte zusammen mit KI-Moderatorin bigLayla den KI-Radiosender bigGPT und arbeitete dort redaktionell mit. Die Fragen stellte Sonja Theile-Ochel.
Mit 21 Jahren tragen Sie bereits Führungsverantwortung für KI-Prozesse bei der Audiotainment Südwest. Was war der Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass Sie in dieser Rolle richtig sind?
Das wurde mir schon während meines Volontariats klar. Ich habe damals zwei Welten parallel kennengelernt: die redaktionelle Arbeit auf der einen Seite und KI, Automatisierung sowie technische Prozesse auf der anderen. Genau an dieser Schnittstelle habe ich gemerkt, dass ich den größten Mehrwert leisten kann. Meine Stärke liegt darin, beide Perspektiven zusammenzubringen: zu verstehen, was Menschen brauchen, was technisch möglich ist, und daraus Lösungen zu entwickeln, die tatsächlich funktionieren.
Was würden Sie Berufseinsteiger*innen raten, die ebenfalls schnell Verantwortung im Bereich Künstliche Intelligenz übernehmen möchten?
Nicht auf die perfekte KI-Stelle warten, sondern anfangen. Entscheidend ist, ein reales Problem zu erkennen und es besser zu lösen. Wer in diesem Bereich Verantwortung übernehmen will, sollte auch erklären können, zuhören, Prozesse durchdringen und Menschen mitnehmen.
Gab es eine Entscheidung oder einen Rückschlag, aus dem Sie besonders viel gelernt haben?
Ja, ein Projekt ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Wir hatten die Möglichkeit zu einem Interview mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz. Ich hatte die Idee, das Gespräch von einem KI-Avatar führen zu lassen. Kurz vor dem Termin wurde das Konzept von politischer Seite jedoch nicht umgesetzt, vor allem wegen Vorbehalten gegenüber KI. Für mich war das ein echter Rückschlag, gerade weil ich es gesellschaftlich für eine verpasste Chance halte. Ich habe daraus vor allem eines gelernt: Technische Machbarkeit allein reicht nicht. Innovation braucht Vertrauen, Kommunikation und die Bereitschaft, trotz Unsicherheit einen Schritt nach vorne zu gehen.
Wie hat sich Ihr Blick auf künstliche Intelligenz verändert, seit Sie beruflich täglich damit arbeiten?
Je mehr ich mit KI arbeite, desto bewusster entscheide ich mich auch mal gegen sie. Mit der Zeit merkt man: Hier ist KI stark, dort reicht klassische Automatisierung, und an anderer Stelle bleibt der Mensch klar die bessere Lösung. Mein Anspruch ist, KI dort einzusetzen, wo sie sinnvoll ist, und so, dass Menschen sie verstehen, ihr vertrauen und davon profitieren.
Welche Fähigkeit wird angehende IT-Fachkräfte in den kommenden Jahren am stärksten von der Konkurrenz abheben?
Technisches Know-how bleibt wichtig. Entscheidend werden Neugier, Lernfähigkeit und Anpassungsfähigkeit sein. Mindestens genauso wichtig ist die Fähigkeit, Technik zu übersetzen: zu verstehen, was technologisch möglich ist, und gleichzeitig im Blick zu haben, was Menschen tatsächlich brauchen.
Wie sehen Sie die Informationstechnologie in fünf Jahren, wenn Sie an Entwicklungen wie künstliche Intelligenz denken?
Ich glaube, dass sich das Tempo noch einmal deutlich erhöhen wird. Die entscheidende Frage lautet, für wen wir diese Technologien eigentlich entwickeln, denn am Ende muss immer ein Mensch damit arbeiten können. Ich wünsche mir, dass IT in den kommenden Jahren noch stärker vom Nutzer aus denkt. Die spannendste Zukunft entsteht dort, wo künstliche und menschliche Intelligenz sinnvoll zusammenwirken.


