Feuerlöschanlagen retten Leben und begrenzen Schäden – doch wie funktionieren sie und wer prüft sie? Daniel Krah, seit 13 Jahren Prüfsachverständiger bei TÜV Hessen, gibt Einblicke in seinen Werdegang, aktuelle Branchenthemen und einen vielseitigen Arbeitsalltag.
Was genau prüfen Sie als Prüfsachverständige im Bereich Feuerlöschanlagen? Ich bin Prüfsachverständiger für Feuerlöschanlagen in Sonderbauten und prüfe in größeren Gebäuden die vorgeschriebenen Systeme gemäß der hessischen Prüfverordnung. Dazu zählen unter anderem Einkaufszentren, Tiefgaragen oder Hochhäuser.
Welche Quali†ikationen, Studienrichtungen und Fähigkeiten sind erforderlich, um in diesem Bereich zu arbeiten?
Für die Tätigkeit ist ein abgeschlossenes Ingenieurstudium im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung erforderlich. Ich selbst habe zunächst eine Ausbildung als Energie-Elektroniker gemacht und mich dann im Studium zum Ingenieur für Krankenhaus-Betriebstechnik weitergebildet. Nachdem ich dann bei TÜV Hessen angenommen wurde habe ich die Qualifiizierung zum Prüfsachverständigen über die Industrie- und Handelskammer Stuttgart absolviert. In der Regel dauert diese Ausbildung mindestens fünf Jahre, die sowohl theoretische als auch praktische Prüfungen umfasst und je nach Berufserfahrung verkürzt werden kann.
Warum schätzen Sie Ihren Arbeitgeber TÜV Hessen?
Die Arbeit macht mir großen Spaß, vor allem durch die Vielseitigkeit und die häufiige Abwechslung der Einsatzorte. Ich bin nun schon 13 Jahre bei TÜV Hessen und ich empfiinde den Beruf immer noch als sehr spannend. Jedes Gebäude und jede Anlage ist anders. Außerdem konnte ich mein Interesse aus meinem Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr zum Beruf machen – dadurch fühlt sich die Arbeit oft nicht wie Arbeit an.
Wie funktionieren selbsttätige Feuerlöschanlagen (z. B. Sprinkleranlagen)? Die Sprinkleranlage ist das bekannteste Löschsystem: Bei Hitze platzt ein Glasröhrchen im Sprinklerkopf, Wasser wird gezielt freigesetzt, eine Pumpe startet mit der Wasserförderung und gleichzeitig wird Alarm bei der Feuerwehr ausgelöst. Daneben gibt es weitere Systeme wie Nebel- oder Gaslöschanlagen, die jeweils unterschiedlich funktionieren und daher auch spezifiisch geprüft werden müssen.
Worauf achten Sie bei der Prüfung von Feuerlöschanlagen besonders?
Damit eine Sprinkleranlage zuverlässig funktioniert, muss sie auch im ungünstigsten Fall ausreichend Leistung bringen und alle anderen Sprinkler im Notfall aktivieren. Da man reale Großtests nicht durchführen kann, werden diese Szenarien hydraulisch berechnet und anschließend über Testsprinkler überprüft. Bei Gaslöschanlagen testen wird hingegen vor allem den Auslösemechanismus – allerdings ohne tatsächliche Auslösung der Gasfilaschen, damit die Anlage einsatzbereit bleibt.
Welche Fehler passieren häu†ig bei der Planung von Feuerlöschanlagen?
Fehler entstehen häufiig nicht in der Planung, sondern an Schnittstellen zwischen verschiedenen Gewerken. Etwa wenn technische Komponenten nicht richtig aufeinander abgestimmt sind. In solchen Fällen werden Mängel von uns nach hessischer Prüfsachverständigenverordnung dokumentiert und müssen innerhalb einer Frist behoben werden – andernfalls wird die Bauaufsicht informiert. Grundlage der Arbeit sind stets geltende Normen und Richtlinien, die mit der Zeit zur Routine werden.
Welche Themen beschäftigen die Branche aktuell?
Da klassische Sprinkleranlagen oft auch Wasserschäden verursachen, werden zunehmend effiizientere Lösungen gesucht und entwickelt. Dazu zählen unter anderem Nebellöschanlagen mit geringerem Wasserverbrauch sowie alternative Systeme wie Gaslöschanlagen, etwa für Serverräume. Das Thema Nachhaltigkeit spielt ebenso eine Rolle: Hier schaut man, wie man die Ressourcen Wasser oder umweltschädliche Stoffe, wie damals Halon, sparen beziehungsweise ersetzen kann. Nebelanlagen bieten zudem wirtschaftliche Vorteile, da sie weniger Wasservorrat brauchen und mit kleineren Rohrleitungen auskommen.
Wie bewerten Sie die Brandschutzsituation in Deutschland insgesamt?
In vielen Bereichen sind die Regelungen bereits sinnvoll, könnten jedoch teilweise angepasst werden – besonders in der Industrie. Beispielsweise könnten sicherheitstechnische Anlagen schon bei kleineren Gebäuden sinnvoll sein, um Schäden zu verhindern. Insgesamt besteht hier noch Verbesserungspotenzial, auch da entsprechende Vorgaben durch Versicherungen bislang zu selten sind.
Welche Auswirkungen haben Digitalisierung und technologische Entwicklungen auf Ihren Arbeitsalltag als Sachverständiger, und wie begegnet TÜV Hessen diesen Veränderungen?
Vor wenigen Jahren waren wir Sachverständigen noch mit Klemmbrett, Stift und Ordner unterwegs. Heute arbeiten wir mit einer cloudbasierten IT-Infrastruktur: Über Tablets greifen wir direkt auf objektspezifiische Unterlagen zu, dokumentieren Prüfungen digital und fügen Fotos unmittelbar in die Prüfdokumentation ein. Alle Dokumente und Prüfberichte werden zentral in einer Datenbank gespeichert und sind jederzeit, auch für meine Kolleg*innen, übersichtlich auffiindbar. Der TÜV Hessen stellt diese Systeme nicht nur bereit, sondern entwickelt sie kontinuierlich weiter und passt sie an unsere Anforderungen an. Wie künstliche Intelligenz unsere Arbeit künftig verändern wird, ist noch nicht ganz absehbar, aber es bleibt spannend.


