Die Rechtsbranche wird weiblicher

Foto: AdobeStock/rcfotostock
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Die aktuellen Anwaltszahlen verzeichnen einen nur noch geringen Anstieg an Mitgliedern bei den 28 regionalen Rechtsanwaltskammern für das Jahr 2018. Doch überraschender und prägender für die Rechtsbranche dürfte eine andere Zahl sein. Von Christoph Berger

Zum Stichtag 1. Januar 2019 hatten die 28 regionalen Rechtsanwaltskammern insgesamt 166.375 Mitglieder. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen nur leichten Zuwachs von 0,31 Prozent, wie die Bundesrechtsanwaltskammer im Juni 2019 bekanntgab. Dabei ergab sich eine deutliche Verringerung der Einzelzulassungen als Rechtsanwalt zugunsten der Syndikus-Zulassungen: Wurden zum 1. Januar 2018 noch 12.126 Syndikusrechtsanwälte und Rechtsanwälte mit Doppelzulassung gezählt, waren es ein Jahr später schon 14.013; die Zahl der reinen Syndikusrechtsanwälte ist im gleichen Zeitraum von 1982 auf 2864 gestiegen, die der Rechtsanwälte hingegen von 150.548 auf 148.227 gesunken.

Trotz dieser Zahlen lässt Prof. Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts, über das eigene Blog Soldan insights verbreiten, dass die unternehmerische Tätigkeit die Anwaltschaft weiterhin dominiere. Wie die institutseigene Studie „Die junge Anwaltschaft“ zeige, betrage der Anteil der angestellten und scheinselbständigen Anwälte nicht mehr als 20 Prozent – nur beim Berufseinstieg seien 72 Prozent, und damit die Mehrheit der Rechtsanwälte, angestellt. Diese Tätigkeit würde sich dann aber schnell in Richtung der unternehmerischen Berufsausübung verlagern, wie Kilian zitiert wird.

Zahlen zum Anwaltsberuf

Wer sich für noch mehr Zahlen interessiert: Die Bundesrechtsanwaltskammer hat auf ihrer Internetseite einen eignen Bereich mit Statistiken rund um den Anwaltsberuf:
www.brak.de

Doch noch prägender für die Rechtsbranche dürfte eine andere Zahl sein. So ist der Frauenanteil in der Anwaltschaft laut der Bundesrechtsanwaltskammer von 34,77 Prozent im Jahr 2017 auf 35,13 Prozent gestiegen. Mehr noch: Das Soldan Institut hat ermittelt, dass im Jahr 2017 erstmals mehr Frauen als Männer zugelassen wurden. Ihr Anteil unter den Neuzulassungen betrug demnach 52 Prozent. Auffallend ist hier zudem, dass der Frauenanteil bei den Syndici deutlich höher als bei den Rechtsanwälten mit Einzelzulassung (33,93 %) und im Vergleich zum Vorjahr weiter angestiegen ist: 43,73 Prozent der doppelt Zugelassenen und sogar 55,06 Prozent der reinen Syndikusrechtsanwälte sind weiblich. Dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass Frauen das Angestelltenverhältnis bevorzugen. Ebenso die Tatsche, wie das Soldan Institut verkündet, dass Anwältinnen häufiger als ihre männlichen Kollegen in Teilzeit arbeiten. Hierbei stehen 42 Prozent 16 Prozent gegenüber.

Weitere veröffentlichte Zahlen der Bundesrechtsanwaltskammer zeigen, dass es
Zuwächse bei den Rechtsanwalts-GmbHs und den Partnerschaftsgesellschaften gab. Die Anzahl der zugelassenen LL.P (Limited Liability Partnership) hat hingegen leicht abgenommen. Und: Die Gesamtzahl der erworbenen Fachanwaltschaften hat weiter zugenommen und beträgt nunmehr 56.305. Der Anteil der Fachanwälte an der Gesamtzahl der zugelassenen Rechtsanwälte beträgt 27,16 Prozent. Dabei sind 24,62 Prozent aller zugelassenen Rechtsanwältinnen auch Fachanwältinnen. Beliebteste Fachanwaltschaft ist und bleibt übrigens die für Arbeitsrecht, gefolgt von Familienrecht.