„Wahl gut vorbereiten“

Baujob Online, Bild: Screenshot
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Diplom-Kaufmann Nils Mackowiak ist seit 20 Jahren als Personalberater in der Bauwirtschaft unterwegs. Im Interview erklärt er, wie Bauingenieure den Berufseinstieg erfolgreich meistern. Die Fragen stellte Christoph Berger

Herr Mackowiak, der Baubranche geht es blendend, die Auftragsbücher sind voll und Fachkräfte werden dringend gesucht. Das sind optimale Voraussetzungen für Einsteiger. Warum lohnt es sich trotzdem, auf einen Personalberater zuzugehen?
Ich denke, die Personengruppe die ihr Studium beendet, kennt den Markt der Bauunternehmen durch Berührungspunkte – zum Beispiel während der Bachelor- und Masterarbeit oder durch Praktika – schon recht gut. Für diejenigen, die an dieser Stelle noch Orientierung benötigen, kann ich Hilfestellungen geben. Es ist wichtig, dass Menschen und Unternehmen zueinander passen. Hier nenne ich immer gerne mein Lieblingsbeispiel mit dem Jungbauleiter, der gerne die Fußball F-Jugend weitertrainieren möchte und dieses jetzt mit seinem zukünftigen Arbeitgeber vereinbaren muss. Wenn man, wie ich, weit über 1000 Bauunternehmen persönlich besucht hat, entwickelt man ein Gefühl dafür, wer gut und langfristig zusammenpassen könnte.

Was sollten Bauingenieure generell bei der Auswahl ihres ersten Arbeitgebers alles beachten?
Die erste Position direkt nach dem Studium wird man immer in besonderer Erinnerung behalten. Daher sollten Absolventinnen und Absolventen ihre Entscheidung über die Wahl des ersten Arbeitgebers gut vorbereiten. Zunächst halte ich es für wichtig, dass man in der Bausparte landet, die man in seinem Studium vertieft hat und/oder mit der man sich 100-prozentig identifiziert. Hier sollten keine Kompromisse gemacht werden. Informationen über das Unternehmen, mit denen man sich im Vorfeld auseinandersetzen kann, können unter anderem Bereiche wie Liquidität, Tradition, Führungsstil, Betriebsklima, Kontinuität der Führungskräfte im Unternehmen, Fluktuationsrate, Auftragslage, zukünftige Ausrichtung, Kundenstruktur, Maschinenpark und die Marke des Unternehmens betreffen.

Die Branche ist geprägt von einigen Großunternehmen und vielen Mittelständlern. Was sind die generellen Unterschiede für Einsteiger und wie findet man das für sich optimale Unternehmen?
Das ist schwer zu beantworten. Man kann nicht sagen, hier oder da geht es angenehmer zu. Alle bewegen sich im selben Markt. Da muss man für sich selbst entscheiden, ob man sich im Konzern oder zum Beispiel bei einem Bauunternehmen mit 130 Mitarbeitern wohler fühlen wird. Bei der Suche nach dem optimalen Unternehmen sollte man auch die Wirkung der Initiativbewerbung nicht unterschätzen. Im Netz und in den branchenbezogenen Printmedien stößt man auf Adressen. Interessant sind aber auch die Seiten der branchenbezogenen Verbände, bei denen man zum Teil online die Mitgliedslisten einsehen kann und somit einen Zugriff auf eine Vielzahl von Bauunternehmen hat, deren Homepages man sich dann detailliert ansehen kann.

Welche Qualifikationen werden derzeit von den Baufirmen gesucht?
„Bauleute“ sind allgemein begehrt. Neben Gewerblichen werden aktuell verstärkt Bauleiter für die Sparten Ingenieurbau, Eisenbahntief- und Gleisbau, Infrastrukturbau, Straßenbau, Tiefbau, Rohrleitungsbau und Hochbau gesucht. Für Absolventinnen und Absolventen gibt es auch Einstiegspositionen als Abrechner/in und Assistent/in Kalkulation sowie im Einkauf.

Gibt es auch Nischenbereiche, auf die Absolventen setzen können und die zukunftsfähig sind?
Wenn ich die Anfragen bei mir in den letzten Jahren betrachte, so ist es besonders schwierig qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für die Sparten Gleisbau und Ingenieur- und Brückenbau zu rekrutieren. Allgemein haben zukünftige Bauingenieure meiner Meinung nach keine Probleme, eine entsprechende Stelle zu finden.

Aus Ihren Erfahrungen: An welchen Skills sollten Absolventen noch arbeiten, bevor es für sie in den Bewerbungsprozess geht?
Wenn die fachliche Seite im Bewerbungsverfahren abgeklärt ist, wird auch die Einschätzung von Faktoren wie Teamfähigkeit, Eigeninitiative, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Engagement, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Loyalität eine bedeutende Rolle im Bewerbungsprozess einnehmen. Hier können sich Absolventen im Vorfeld schon einmal überlegen, wo sie diese Eigenschaften schon mal unter Beweis gestellt haben: sei es aktiv in Sportvereinen, betreuend, ehrenamtlichen Tätigkeiten, Nebenjobs, Praktika, im Studium, der Bundeswehr, im Zivildienst oder bei Auslandsaufenthalten et cetera.