Newsletter ‚Reisen, um zu Reisen‘ Nr. 7: Neuseeland

von Gunnar Merbach und Fabian Michel

Am 10. August landeten wir früh morgens, lange vor Sonnenaufgang, in Auckland (Nordinsel). Wir wurden von Gesa, einer Freundin von Fabian aus Kieler Zeiten, abgeholt, verloren keine Zeit und starteten sofort zum Strand. Auf dem Weg besorgten wir uns einen Kaffee und erlebten dann den Pazifischen Ozean von der anderen Seite bei Morgengrauen. Am Nachmittag zeigte uns Gesa Downtown Auckland (recht beeindruckend) und dann etwas außerhalb den One-Tree Hill, einen der wenigen Orte, von denen aus man die ganze Stadt überblicken kann.

Sextant eines Schiffes aus dem Alten Europa

Am kommenden Tag organisierten wir uns einen Mietwagen. Dazu telefonierte Gunnar ca. 50 Gesellschaften durch, bis wir plötzlich an eine gerieten, die uns einen unglaublich günstigen Campervan anbot, der nach Christchurch zurückgeführt werden sollte. Nach kurzer Beratung nahmen wir das Angebot an. Danach suchten wir die University of Auckland auf. Dort unterrichtete Gesa Deutsch und hatte ihren Studenten „echte deutsche Reisende“ angekündigt. So erzählten wir der Klasse ein Weilchen von unserer Reise und nach anfänglicher Zurückhaltung seitens der Studenten konnten wir letztendlich auch einige Fragen beantworten.

Am Tag unserer Abfahrt besuchte Gunnar das tolle Auckland War Memorial Museum, in dem er Ausstellungen über die Maori, die ersten Bewohner Neuseelands, die Geschichte des Landes und Neuseeland als kriegsführende Nation besah. Danach ging es los im neuen Vehikel (auf der linken Spur mit viel Spaß am Anfang) nach Coromandel, einer Halbinsel im Norden, die wir in den kommenden zwei Tagen befuhren. Es folgte die Bay of Plenty (viele Orte tragen hier noch immer die Namen, die Captain Cook ihnen vor über 200 Jahren gab; hier traf er auf viele nette Maori), von der aus wir südlich nach Rotorua schwenkten.

Ein Naturbild am Wegesrand wie aus dem Auenland

Die Gegend von Rotorua ist berühmt für ihre Thermalaktivitäten, die unter den stärksten der Welt sind. Wir entschieden dort jedoch, recht flott zur Südinsel vorzustoßen, da diese landschaftlich sehr schön sein sollte. So ließen wir die meisten Attraktionen rechts liegen (außer einem Geysir, einer Thermalenergiegewinnungsanlage und einem Waldstück voller heißer Quellen, wo wir uns in einen heißen Bach legten) und fuhren bis an den Tauposee. Dort verbrachten wir den Abend bei Pizza Hut („all you can eat“) und aßen wirklich alles was wir konnten.

Am kommenden Morgen fuhren wir bei dichtem Nebel an die Südspitze des Sees und verbrachten den Mittag in einem heißen (öffentlichen) Bad. Danach starteten wir durch und erreichten am späten Abend Carterton, wo eine Bekannte auf der Farm ihrer Eltern lebte. Wir hatten sie Monate zuvor in unserer Spanischschule in San Pedro, Guatemala, kennen gelernt, und nun endlich besuchten wir sie in ihrer Heimat. Wir wurden sehr nett aufgenommen, und ihre Mutter – die sich schon lange auf den deutschen Besuch gefreut hatte – tischte erst einmal ein traditionelles Abendessen auf: Lammroast mit Süßkartoffeln.

Der Franz-Josef Gletscher auf der Südinsel ist einer der wenigen auf der Erde, die fast bis auf Meersesspiegelhöhe reichen

Tags drauf wurden wir eingespannt und halfen (etwas zurückhaltend) die 60 Kälber der Farm zu füttern. Die meisten konnten mit großen „Milchverteilern“ gefüttert, einige wenige mussten mit Einzelbehandlungen erst einmal augepäppelt werden. Anschließend fuhr Fabian für zwei Tage an den Strand von Castlerock zum Ausspannen. Gunnar besah sich mit Vanessa und ihrem Freund Adam die Gegend von oben (vom höchsten Berg in der Region) und besuchte eine Art Vogelzoo. Dort gab es unter anderem einen Kiwi zu bewundern, der Nationalvogel des Landes (daher auch der Spitzname von Neuseeländern, der nicht von der Frucht stammt).

Nachdem Fabian zurück war, fuhren wir nach Wellington und besichtigten Te Papa, das berühmteste Museum Neuseelands, wo wir viel über die Maori lernten: Neuseeland kann – trotz noch immer herrschender, vor allem terretorialer, Probleme zwischen den Bevölkerungsgruppen – als vorbildlich gesehen werden, wenn es um das Zusammenleben von Ureinwohnern und den Nachkommen europäischer Einwanderer geht. 1840 wurde in Neuseeland ein Vertrag zwischen der englischen Krone und den Maori unterzeichnet, auf den sich das Zusammenleben aufbaut. Auf den Informationsschwall hin beschlossen wir den Abend mit einigen Bier in Wellington.

Mehrere Berge auf der Südinsel, links sieht man den 2. Fox-Gletscher, rechts Mt. Cook, der höchste Berg Neuseelands (im Film Herr der Ringe auch bekannt als Caradhras)

Am kommenden Tag überquerten wir das Meer zwischen Nord- und Südinsel und landeten in Picton. Von dort aus fuhren wir bis nach Nelson und verbrachten dort mit zwei deutschen Mädels, die wir auf der Fähre kennen gelernt hatten, den Abend. Die kommenden Tage reisten wir an der Westküste der Südinsel und fuhren von Westport aus bis an die Ostseite des Mount Cook (auch als Caradras aus den Herrn der Ringe Filme bekannt). Wir ließen uns einige Zeit auf dem Weg, denn die Landschaft war wirklich sehr schön, mit wunderbaren Küstenstreifen und Dutzenden schneebedeckten Bergen. So machten wir immer wieder kleine Wanderungen in die Umgebung, vor allem an der Küste entlang. Dabei sahen wir zum ersten Mal eine Robbenkolonie in freier Natur (auch wenn uns die Pinguine durch die Flossen gingen).

Nördlich des Mount Cook kamen wir in die Jaderegion Neuseelands (hier wird vor allem in den Flussläufen viel Jade gefunden) und beendeten unsere Südroute, nachdem wir die zwei Gletscher Franz Josef und Fox besichtigt hatten, die fast bis auf Höhe des Meeresspiegels hinabreichen, ein Unikum. Anschließend fuhren wir über den Arthur Pass, wo wir eine kalte Nacht verbrachten, nach Christchurch. Dort ließen wir es uns in den Spa-Pools eines Spaßbades gut gehen. Am kommenden Mittag gaben wir unser treues Vehikel zurück und starteten Richtung Australien…

 

Teil 1: Die Vorgeschichte
Teil 2: Mexiko und Belize
Teil 3: Guatemala
Teil 4: Ecuador
Teil 5: Peru
Teil 6: Bolivien und Chile
Teil 8: Australien und Asien