Von der Uni zum Laborleiter bei BASF

Der 1966 in München geborene Andreas Raindl studierte Biologie an der Eberhard-Karls Universität in Tübingen. Der junge Bayer erkannte früh, dass seine Zukunft im Labor liegen sollte. Ohne Verzögerungen zog er sowohl Grund- als auch Hauptstudium durch und brachte es nach USA-Aufenthalt und Promotion zum Laborleiter bei BASF.

Diplom in den USAForschung, das war sein Ziel und niemand sollte ihn davon abhalten können. Als er 1992 alle für das Hauptstudium erfor-derlichen Scheine beisammen hatte, flog er in die USA. Dort wollte er seine Diplomarbeit schreiben, neue Erfahrungen sammeln und sich in der fremden Welt behaupten lernen. Die Diplomarbeit war molekulargenetisch ausgerichtet und Andreas Raindl machte gleichzeitig erste Erfahrungen im lehrenden Bereich, da er parallel als Teaching Assistant tätig war.„Diese Zeit hat mir viel gebracht. Es war nicht nur die Sprache, sondern vielmehr das Durchsetzen in einem fremden Land, in einer fremden Umgebung“, so der Biologe. Wenn bereits das Eröffnen eines eigenen Kontos einem Schwierigkeiten berei-tet, weil man Ausländer ist, und man das erste Mal selbst-ständig unterrichten soll, und zwar nicht in der Muttersprache, so sind das Umstände, die einen Menschen beeinflussen, die ihn prägen. „Man lernt sich zu behaupten, sich einen Platz zu erobern.“ Dagegen fiel ihm das wissenschaftliche Arbeiten in den USA leicht: „Es gibt da nicht allzu viele Unterschiede.“

Promotion: Hitzestress bei Pflanzen
Nach seinem Diplom beschloss der junge Biologe zu promovieren. Diesmal sollte es jedoch mehr in die botanische Richtung gehen, und so forschte Andreas Raindl über die molekularen Vorgänge bei der Hitzestress-Antwort der Pflanzen. In den folgenden drei Jahren stellte er seine Fähigkeiten als Forscher unter Beweis. Kurz vor den Abschlussprüfungen wurden die Weichen für die Zukunft gestellt und er schickte eine Initiativbewerbung als Laborleiter an die BASF AG.

Am Ziel
Zwei Monate nach seiner Promotion wurde er dort eingestellt. Und die Arbeit gefällt ihm: Nicht nur der wissenschaftliche Aspekt wird im Bereich Pflanzenbiotechnologie/Pflanzenschutz ausreichend berücksichtigt, sondern auch die zusätzlich anfallenden Aufgaben, wie die Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern und die Führungsaufgaben als Laborleiter, machen seine Tätigkeit zu einer interessanten Aufgabe. Positiv bewertet der Biologe die „wissenschaftlichen Freiheiten“, die man im eigenen Tätigkeitsfeld besitzt. Eigeninitiative ist nicht nur ein Werbeslogan, sondern wird auch im täglichen Arbeitsfeld groß geschrieben.„Erleichternd wirkt dabei die jugendliche Arbeitsatmosphäre“, so Andreas Raindl. „Man kann auf diese Weise neue und ungewöhnliche Wege beschreiten und wird dabei nicht gehemmt.“ Gemeint ist damit nicht ausschließlich das Alter der Mitarbeiter, das durch die regelmäßige Verpflichtung von Hochschulabsolventen relativ niedrig ist, sondern vielmehr die Freiheiten in der Arbeitsweise, die man im Unternehmen genießt.

Qualifizierte Kräfte werden immer gesucht
Karrieren wie die von Dr. Andreas Raindl sind keine Seltenheit. Die BASF AG sucht für den Bereich Forschung und Entwicklung hoch qualifizierte Kräfte. „Die Bewerber müssen nachweisen können, dass sie auf einem Gebiet zur absoluten ‚Spitze’ gehören,“ so Frau Dr. Jessel aus dem Bereich Hoch-schulmarketing und Forschungsplanung. „Diese Fähigkeit wird in der Regel durch die Promotion nachgewiesen.“ Die eingestellten Hochschulabsolventen sollen den Führungsnachwuchs stellen. Daher werden in den Gesprächen der Auswahltage auch nicht nur die fachlichen Kompetenzen überprüft, sondern ebenso das Engagement, die Eigeninitiati-ve, die Beharrlichkeit und die Teamfähigkeit der Bewerber. Zielgerichtete Vorgehensweise und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden in einem internationalen Großunternehmen von den Führungskräften als Grundvoraussetzung erwartet. Doch auch dies ist für eine erfolgreiche Bewerbung nicht ausreichend. Bereits nach drei Jahren weiß Dr. Raindl, wie wichtig eine „gute Mischung im Team ist“. Es wird darauf geachtet, dass sich die einzelnen Mitglieder nicht nur in ihren Kenntnis-sen ergänzen, sondern ebenfalls eine Verschiedenheit der Charaktere gegeben ist.

Selbstbestimmung und Weiterbildung
Die Mitarbeiter entscheiden selbst, wie sich ihre Zukunft im Unternehmen gestaltet. In Gesprächen zur „Mitarbeiterentwicklung“, die zwischen dem Vorgesetzten und dem einzelnen Mitarbeiter stattfinden, wird festgelegt, in welche Richtung es gehen soll. Die persönlichen Vorstellungen und Neigungen der Mitarbeiter werden hierbei berücksichtigt und mit den Unternehmenszielen in Einklang gebracht. „Routine ist nicht alles.“ meint Frau Dr. Jessel. „Der Erhalt der individuellen Variabilität ist viel entscheidender für den Gesamterfolg.“ Durch die Teilnahme an internen Seminaren kann die Weiterbildung in entsprechende Bahnen gelenkt werden. So waren die Maßnahmen im Bereich Personalmanagement für Dr. Raindl nicht nur von großem Interesse, sondern auch ausgesprochen sinnvoll. „Während der universitären Laufbahn lernt man nichts Spezielles über Personalführung. Man pflegt eher die allgemeinen zwischenmenschlichen Kontakte.“ Als Laborleiter muss er jedoch auch Fähigkeiten im Bereich der Mitarbeitermotivation besitzen, so dass er das entsprechende Seminar als große Bereicherung empfand.Die starren Strukturen in großen Konzernen sind mit Sicherheit immer noch gegeben, aber es zeichnen sich Änderungen ab. Der Mitarbeiter an sich wird anders bewertet. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter nicht nur vom Gehalt, sondern vor allem von der Art der eigenen Tätigkeit abhängt.Zwar ist der Einstieg nicht leicht, doch lohnt sich die Mühe, es zumindest zu versuchen.