Studiengebühren: Wird das Zweitstudium unbezahlbar?

Beim Thema Studiengebühren werden dieser Tage viele Studentierende nervös. In der öffentlichen Diskussion ist mal von einem generellen Verzicht auf Studiengebühren fürs Zweitstudium die Rede, mal davon, dass Studierende bereits im kommenden Sommersemester 2003 zur Kasse gebeten werden. Ist die Nervosität berechtigt? Um das zu klären, hat karrierefuehrer.de mit BMBF-Referentin Bettina Buntschuss gesprochen. Zudem werden die Gebührenpläne der einzelnen Bundesländer vorgestellt.

HRG und Zweitstudium

„Beim Bund ist das Thema durch,“ so Bettina Buntschuss, Referentin im Ministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) und meint damit das Mitte August 2002 erneut geänderte Hochschulrahmengesetz (HRG). Die neue Fassung sichert die Freiheit von Studiengebühren für das Erststudium zu, überlässt die Entscheidung für oder gegen Gebühren für das Zweitstudium aber den Ländern. Studierende eines Zweitstudiums seien auch diejenigen die ihr Erststudium abgebrochen und danach ein zweites begonnen hätten. Buntschuss: „Diese Zweitstudenten müssen dann Gebühren bezahlen, wenn sie insgesamt solange studiert haben, dass sie zu den sogenannten Langzeitstudenten zählen.“ Ab wieviel Semestern dies der Fall sei, würden jedoch ebenfalls die Bundesländer entscheiden, betont sie und fügt hinzu: „Als Zweitstudium zählt aber nicht der auf einen Bachelor (B.A.) folgende Master (M.A.). Der internationale zweijährige Abschluss gilt also als Erststudium.

BMBF:“Bachelor und Master nehmen rapide zu“

„Mittlerweile gibt es bereits 1.400 Master und Bachelorstudiengänge in Deutschland,“ so die Referentin. Die Umstellung auf ein zweistufiges Studiensystem in Europa, 1999 in Bologna beschlossen, ist hierzulande also in vollem Gange. Die Studienanfängerzahlen sind jedoch noch niedrig, der überwiegende Teil der Studenten in Deutschland ist noch in Magister- oder Diplomstudiengängen eingeschrieben. Im kommenden Jahr 2003 werde die Umwandlung in international kompatible Studiengänge jedoch nocheinmal geprüft, da Abschlüsse wie das deutsche Ingenieurdiplom einen sehr guten Ruf hätten, sagt Buntschuss. „Wir wollen verhindern, dass dieser Ruf beschädigt wird.“

Pläne für Studiengebühren in den Bundesländern

Nordrhein-Westfalen
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen-Anhalt
Sachsen
Schleswig-Holstein
Thüringen

Nordrhein-Westfalen
Im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland liegen bisher nur Pläne für Studiengebühren auf dem Tisch. Diese wurden vom nun zum Superminister avancierten NRW-Ministerpräsidenten Clement jedoch befürwortet. Von Nachfolger Peer Steinbrück ist demnach auch keine andere Position zu erwarten. Geplant waren zunächst 50 Euro pro Semester Studiengebühren für alle und 650 Euro für Langzeit-, Senioren- und Zweitstudierende. Im Verlauf der Streiks gegen Studiengebühren wurde im Düsseldorfer Landtag jedoch auch diskutiert, ob die Einschreibegebühr für Erststudenten entfallen und „lediglich“ Langzeit-, Senioren- und Zweitstudierende zur Kasse gebeten werden sollten. Ebenfalls diskutiert wurden Studienkonten: Dabei sollen den Studierenden eine gewisse Anzahl von Semesterwochenstunden zur Verfügung stehen (etwas mehr als für das Studium notwendig). Solange die nicht verbraucht sind, soll das Studium kostenfrei sein. Laut dem Studenten-Portal www.studis-online.de ist im Landtag kurz vor der Sommerpause im Juli noch ein Referentenentwurf für das „Gesetz zur Einführung von Studienkonten und zur Erhebung von Hochschulgebühren“ eingebracht worden. Das Ende der Debatte in NRW ist also noch offen.

Baden-Württemberg
Hinsichtlich Studiengebüren ist Baden-Württemberg führend: mehrheitsfähig scheint hier sogar die Einführung von Studiengebühren ab dem ersten Semester (Erststudium) zu sein, mit der Einführung einer generellen Studiengebühr ist jedoch vorerst nicht zu rechnen. Langzeitstudierende zahlen bereits seit Jahren 511 Euro. Hier gilt der als Langzeitstudent, der vier Semester über der Regelstudienzeit liegt. Zusätzlich sollen jetzt noch 51 Euro Studiengebühren „verpackt“ als Rückmeldegebühr zusätzlich erhoben werden. Hier steht allerdings noch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus.

Bayern
Für ein Zweitstudium zahlt man auch heute bereits 511 Euro. Darüber plant das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) offenbar gemeinsam mit der TU München Studiengebühren, die bis zu 12.000 Euro betragen könnten. Der bayerische Bildungsminister hat dieses Konzept allerdings verworfen.

Berlin
Eine Rückmeldegebühre gibt es auch in Berlin bereits. Sie beträgt 51 Euro. Berlin ist eines der wenigen Länder, welches darüber hinaus „bisher“ keine Studiengebühren erheben will.

Brandenburg
Auch in Brandenburg werden 51 Euro Rückmeldegebühren erhoben. Stimmen für eine Extragebühr für Langzeitstudenten sind mittlerweile auch laut geworden. Die Gebühr (511 Euro) könnte bereits im kommenden Jahr fällig
werden.

Bremen
In Bremen werden weder Gebühren erhoben noch gibt es konkrete Pläne. Im Falle des Falles will man sich in der Hansestadt jedoch an die Vorgabe Niedersachsen halten. Dort sollen Studiengebühren in Höhe von 551 Euro erhoben werden.

Hamburg
Ab dem Wintersemester 2003/04 soll das Studium in Hamburg für Langzeitstudenten 500 Euro kosten. Nähreres ist bisher über Studiengebühren nicht bekannt.

Hessen
Die hessische Landesregierung befürwortet Studiengebühren. Ein generelles Verbot von Studiengebühren war ursprünglich im hessischen Hochschulgesetz festgeschrieben, wurde allerdings schon 2000 gestrichen. Allerdings sind bisher keine Regelungen getroffen worden, die eine baldige Erhebung von Gebühren im Land des Äppelwois (Apfelwein) vermuten lassen.

Mecklenburg-Vorpommern
Bisher stehen Studiengebühren nicht zur Debatte.

Niedersachsen
Auch hier werden bereits Gebühren in Höhe von 51 Euro erhoben. Und bald wird es wesentlich teurer werden: Das
ehemals von Gerhard Schröder regierte Bundesland, dem heute sein damaliger Stellvertreter Gabriel vorsteht, hat die Einführung von 500 Euro Studiengebühren für Langzeitstudenten bereits beschlossen. Ab dem Sommersemester könnte die Gebühr erhoben werden. Auch hier gilt: Langzeitstudent ist der, der die Regelstudienzeit um vier (Hochschul-, nicht Fach-) Semester überschreitet.

Rheinland-Pfalz
Das nun auch in Nordrhein-Westfalen diskutierte Studienkonten-Modell ist erstmal in Rheinland-Pfalz diskutiert worden. Dabei sollen den Studierenden eine gewisse Anzahl von Semesterwochenstunden zur Verfügung stehen (etwas mehr als für das Studium notwendig). Solange die nicht verbraucht sind, soll das Studium kostenfrei sein. Eingeführt werden soll das Modell bis spätestens 2004. Darüber hinaus soll es absolute Semesterbeschränkungen geben. Werden die überschritten, werden Gebühren in Höhe von zirka 511 Euro erhoben. Das selbe gilt fürs Zweitstudium und für Langzeitstudenten.

Saarland
Ab dem Sommersemester 2003 werden Langzeitstudenten hier nach dem Modell von Baden-Württemberg zur Kasse gebeten. Kostenpunkt: 500 Euro.

Sachsen-Anhalt
Scharfe Kürzungen im Bildungshaushalt des Landes lassen vermuten, dass es auch hier zu Studiengebühren kommen wird. Konkrete Pläne gibt es jedoch nicht. Die Universität Halle plant allerdings offenbar die Einführung einer Gebühr für Naturwissenschaftliche Pflichtpraktika von 200-360 Euro.

Sachsen
Hier werden pro Semester 307 Euro für ein Zweitstudium fällig. Es gibt jedoch diverse Ausnahmeregelungen.

Schleswig-Holstein
Das Hochschulgesetz des nördlichsten Bundeslands enthält ein klares Gebührenverbot. Ministerpräsidentin Simonis hat allerdings bereits angekündigt das Studienkontenmodell einzuführen. Gebühren in Höhe von 500 Euro sollen bereits dann anfallen, wenn die Regelstudienzeit um zwei Semester überschritten wird.

Thüringen
Auch hier werden Gebühren bisher gesetzlich ausgeschlossen. Die Ex-Bundespräsidentinnenanwärterin und heutige thüringische Wissenschaftsministerin Schipanski hat sich gegenüber Gebühren allerdings widersprüchlich geäußert, so dass sie nicht generell auszuschließen sind.
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