Private Hochschulen in Deutschland:

Zwischen Elite-Diskussion, Bachelor und „Karrieregarantie“

von Eva Mohr

Die Debatte um die Elite-Unis schlug in den letzten Wochen hohe Wellen, scheint aber bereits wieder abzuebben. Ist das Ganze nur ein Strohfeuer oder ergeben sich daraus Chancen zu nachhaltigen Effekten für die Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft? Bachelor und Master als Allheilmittel? Private Hochschulen als Karrieregaranten? Abiturienten, die vor der seit jeher schwierigen Aufgabe stehen, die „richtige“ Entscheidung für ihren beruflichen Lebensweg zu treffen, werden derzeit mit vielen Themen und Diskussionen konfrontiert. Ebenso die Eltern, die ihre Kinder begleiten und beraten. Die European Business School im hessischen Oestrich-Winkel, die seit über 30 Jahren begehrten Management-Nachwuchs ausbildet, sieht sich gut gerüstet im aktuellen Wettstreit der Bildungsthemen.

Im Interview: Professor Ulrich Hommel, Ph.D., Rektor der European Business School International University Schloß Reichartshausen (ebs).
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Braucht Deutschland Elite-Unis?
Der eigentliche Fokus sollte nicht darauf liegen, ob Deutschland Eliten braucht. Aufgrund der täglichen Diskussion über neue Herausforderungen in allen aktuellen Sachgebieten dürfte jedem offensichtlich sein, dass Deutschland genügend Probleme besitzt, bei denen die Unterstützung durch besonders leistungsbereite und gut ausgebildete Manager – die angesprochenen Eliten – sehr hilfreich wäre. Spannender ist jedoch die Frage, wie Deutschland mit seinen Talenten und potenziellen Hoffnungsträgern umgeht, sie fördert und fordert. Dass viele Universitäten erst jetzt in der aktuellen Diskussion darauf aufmerksam geworden sind, dass Eliten auch bei ihnen vielleicht existieren und gefördert werden sollten, ist ein Armutszeugnis. An der ebs ist es seit der Gründung ein Hauptziel, besondere Leistungsbereitschaft zu fördern und die Studenten für Herausforderungen zu begeistern und zu motivieren. Allen voran sollten nun jedoch die Hochschulen sowie die Politik die Initiative ergreifen, um das Thema „Elite-Universität“ weiterzuentwickeln. Denn: Wesentlich für den Erfolg ist die unbürokratische, schnelle Umsetzung und Implementierung der neuen Ansätze.

Die Süddeutsche Zeitung bestritt den privaten Hochschulen in Deutschland jüngst sehr explizit, Elite-Unis zu sein. Vor allem an der Forschung hapere es …
Es stimmt, dass die Forschung – neben zahlreichen anderen – ein Kriterium für Elite-Universitäten ist. Mit Sicherheit spielen hier auch Internationalität, die Ausbildungsgeschwindigkeit und weitere Faktoren – wie zum Beispiel die Vorlesung in kleinen Gruppen – eine wichtige Rolle. Im Bereich der Forschung lassen sich für private Universitäten nur relativ schwer Erfolge erziehen, da hier die Kostenstruktur von erheblicher Bedeutung ist. Wir können es uns nicht leisten, reine „Forschungsprofessoren“ zu berufen, um die Reputation der Universität zu steigern. Vielmehr ist Forschung ein Bestandteil des Aufgabenfeldes unserer Professoren, neben einer exzellenten Lehre und der Beteilung im Management des Unternehmens Universität. Trotz dieser Restriktionen zeigen sich jedoch bereits erfreuliche Erfolge im Forschungsbereich auch bei den privaten Hochschulen – mit dem Ziel, einen führenden Rang einzunehmen. Die Implementierung eines Anreizsystems an unserer Hochschule hat dazu geführt, dass Qualität und Quantität der Veröffentlichungen unserer Professoren erheblich zugenommen haben.

War nicht „Elite sein“ schon immer etwas teurer? Sprich: Kann sich ein Normalstudent das Studium an einer privaten Hochschule überhaupt noch leisten?
Elite sein ist nicht teurer. Dies ist ein altes Vorurteil, das leider viel zu häufig noch in der Diskussion um Eliten auftaucht. Wir haben Investitionsvergleichsrechnungen erstellt, die klar aufzeigen, dass beim Studium an einer privaten Institution aufgrund der Studiengebühren zwar zunächst mehr Geld eingesetzt werden muss, insgesamt jedoch aufgrund des schnelleren Studiums und eines höheren Einstiegsgehalts das Studium deutlich günstiger ist. Und bis jetzt können wir für unsere Institution auch sagen, dass wir noch nie einen qualifizierten Kandidaten aus finanziellen Gründen ablehnen mussten. Hier greifen unsere verschiedenen Stipendien- und Finanzierungsprogramme. Neben der Vergabe von Stipendien, die meistens entweder leistungsorientiert sind und bzw. oder sich nach sozialen Kriterien richten, erhält jeder Student, der den Aufnahmetest an der ebs besteht, die Möglichkeit, für die Studiengebühren einen Kredit bei der Nassauischen Sparkasse aufzunehmen. Die bestandene Aufnahmeprüfung reicht hier als Sicherheit. Zur Zeit arbeiten wir auch intensiv an weiteren Stipendienprogrammen, die jenseits der BAföG-Förderung die „weichen Kosten“ der Lebenshaltung integrieren sollen. Aufgrund unseres engen Lehrplans ist es unseren Studenten meist nicht möglich, neben dem Studium noch weitere Verdienstmöglichkeiten durch Nebenjobs anzunehmen.

Verbessert ein Abschluss an einer privaten Hochschule nachweislich die Berufschancen eines Bewerbers? Im jüngsten allgemeinen Hochschulranking lassen die Personalchefs eine gewisse Präferenz für öffentliche Hochschulen erkennen, mit dem Argument: Wer sich dort durchgebissen hat, ist durchsetzungsfähiger. Karrierevorteil Massen-Uni?
Die Erfahrungen unseres Placement und Career Service können diese Präferenz nicht bestätigen. Richtig ist vielmehr, dass durchsetzungsfähige Kandidaten mit einem entsprechenden Biss besonders in bestimmten Wirtschaftsbereichen gesucht werden. Da wir an unserer Universität aufgrund unseres Dienstleistungsverständnisses gegenüber den Studenten diesen Effekt des erfolgreichen „Durchkämpfens durch die Verwaltung“ nicht bieten können und wollen, engagieren sich unsere Studenten in Ressorts und organisieren z.B. mehrtätige Kongresse. Hier bieten sich ihnen die Chance und Gelegenheiten, ihr Durchsetzungsvermögen direkt in der Praxis zu testen. Insgesamt ist es völlig unzweifelhaft, dass das Studium an einer der renommierten privaten Hochschulen die Berufschancen deutlich steigert.

Wo steht die ebs im Konzert der Privaten?
Nach wie vor zeigt sich bei unseren Absolventen, dass sie auch in schwierigerem wirtschaftlichem Umfeld einen unproblematischen Berufseinstieg finden. Da die ebs mit ihrer Idee einer leistungsorientierten Ausbildung im Bereich der Betriebswirtschaftslehre seit mehr als 30 Jahren existiert, kann man hier auch mittlerweile von einer bestandenen Prüfung durch den Markt sprechen. Unser Konzept einer internationalen, fordernden Ausbildung geht auf. Damit gehört die ebs zu den wenigen privaten Universitäten, die bereits über einen längeren Zeitraum hinweg bewiesen haben, dass sie im Wettbewerb mit staatlichen und internationalen Anbietern bestehen können. Die Abschlüsse unserer Studenten werden von der Wirtschaft nicht nur anerkannt, sondern zum Teil explizit gesucht.

Mit dem sog. Bologna-Prozess wollen die europäischen Bildungsminister bis zum Jahr 2010 einen europäischen Hochschulraum schaffen und den Bildungsstandort Europa stärken. Welchen Beitrag leisten Sie als private Hochschule – mit zudem namentlichem Europa-Bekenntnis – dazu?
Wir werden bereits dieses Jahr, also beginnend mit unserem Studienjahr im September, auf die Studienabschlüsse Bachelor of Arts und Master of Arts umstellen. Hier werden wir wieder zu den ersten Universitäten gehören, die sich dieser Herausforderung stellen und nicht nur ein neues Etikett auf ein altes Produkt kleben, sondern vielmehr durch ein neues, international ausgerichtetes Curriculum überzeugen. Unsere Studenten werden mit Abschluss des Bachelor ein berufsqualifizierendes Studium absolviert haben. Und die von der ebs eingeführten Abschlüsse werden international anerkannt sein. Gerade bei den international agierenden Unternehmen, die sich für unsere Studenten interessieren, wird aber mit Sicherheit das Label ebs hilfreich sein. Wir sind davon überzeugt, dass deshalb die Umstellung unseres Studiengangs auf die neuen B.A. sowie M.A. Abschlüsse für unsere Klientel eher unproblematisch verläuft.

Wie ist es überhaupt um die Internationalisierung des Studiums bestellt? Welche Aktivitäten unternehmen Sie in diesem Bereich – und wo stehen Sie hier im Vergleich mit anderen Unis und Privat-Unis?
Gerade im Vergleich zu anderen Anbietern haben wir im Bereich der Internationalisierung schon einiges erreichen können. Wir besitzen ca. 90 verschiedene Partner-Universitäten weltweit, mit denen wir unsere Studenten austauschen, so dass von einem wirklich internationalen Studium gesprochen werden kann. Zur weiteren Verbesserung unserer internationalen Ausrichtung liegen unserer Bemühungen jetzt im Bereich der Gewinnung einer größeren Zahl ausländischer Studenten sowie internationaler Dozenten. Erste Erfolge lassen sich auch hier bereits aufzeigen. Zurzeit studieren 50 ausländische Studenten an der ebs und wir sind optimistisch, zum nächsten Wintersemester diese Zahl noch einmal nachhaltig steigern zu können.

Welchen Studiengang an der ebs halten Sie derzeit – mit Blick auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes – in der absehbaren Zukunft für besonders karriereträchtig?
Zunächst hat sich gezeigt, dass jeder Studiengang an der ebs interessante Karriereentwicklungen ermöglicht. Der hohe Zuspruch unserer neuen Studienrichtung „Wirtschaftsrecht“ sowohl seitens der Studenten als auch seitens der Wirtschaft zeigt uns, dass diese Studienrichtung, die dem Studenten ein Verständnis der juristischen Sprache geben soll, mit Sicherheit einen hohen Erfolg am Markt haben wird.

Die Aufnahmeprüfungen bei der ebs scheinen recht anspruchsvoll. Können Sie Bewerbern Tipps geben, um ihre Chancen zu optimieren?
Hilfreich zur Vorbereitung auf unsere Tests sind mit Sicherheit unsere jährlich stattfindenden „Tage der offenen Tür“. Am vergangenen Samstag haben wieder mehrere hundert Abiturienten die Möglichkeit genutzt, sich direkt vor Ort zu informieren. Hier wurden alle Tests vorgestellt und auch erklärt. Natürlich findet aber jeder Bewerber auch unter www.ebs.de die notwendigen Informationen. Wir wollen ein möglichst transparentes System der Selektion erreichen, da das einzige relevante Kriterium die vom Kandidaten erbrachte Leistung sein soll und er oder sie deshalb in die Lage versetzt werden soll, sich entsprechend darauf vorbereiten zu können. Im eigentlichen Sinne beginnt eine optimale Vorbereitung aber natürlich bereits in der Schule. Hier kann ich nur raten, nicht immer den Weg des leichten Widerstands zu gehen, sondern bereits früh damit zu beginnen, analytische Fähigkeiten, wie sie zum Beispiel besonders auch durch die Mathematik gefördert werden, zu erwerben. Bei uns zeigt sich, dass diese Fähigkeiten – kombiniert mit einem breiten Allgemeinwissen durch Zeitung lesen – der beste Garant zum erfolgreichen Absolvieren des Aufnahmetests sind.