Online-Redakteure: Gatekeeper im www

Mittlerweile verfügen knapp 40 Prozent der Deutschen über einen Internetzugang. Jobsuche, Recherche, Bildung und viele andere Bereiche des Alltags verlagern sich zunehmend ins Internet. Die tägliche Informationsflut wird von Onlinejournalisten nach relevanten Neuigkeiten (Gatekeeper-Funktion) durchkämmt. Bevor die Texte im Netz landen, werden sie onlinegerecht aufbereitet. Wegen der Expansion des Internets sind die Berufsaussichten für Onlinejournalisten zwar vielversprechend. Onlineauftritte sind aber meist vom krisengeschüttelten Printbereich abhängig. Daher sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gegenwärtig bescheiden.

Inhalt:
Akzeptanz, Bildung, Alltag
Berufliche Anforderungen
Wie werde ich Online-Journalist?
Online-Lehrgang in München
Weitere Voraussetzungen
Einsatzmöglichkeiten

Akzeptanz, Bildung, Alltag

Die Akzeptanz des jungen Berufszweigs Onlinejournalismus als eigenständigem Medienbereich neben Print, Radio und TV hat in letzter Zeit zugenommen: Im vergangenen Jahr vergab der Axel Springer Verlag erstmals einen Preis für die Kategorie Internet.

Absolventen der Studiengänge Kommunikationsdesign, Medienwissenschaft, Journalistik oder eines geisteswissenschaftlichen Studiums wie Germanistik oder Geschichtswissenschaften eignen sich gut für den Einstieg in den Onlinejournalismus. Da Onlineportale mit fachspezifischen Inhalten ebenfalls zunehmen, sind auch Absolventen und Abbrecher anderer Studiengänge (z.B. Jura, Naturwissenschaften, Architektur, Informatik) gefragt, ebenso Journalisten, Publizisten, Werbe-, PR- und Marketingfachleute.

Die Universität Eichstätt ermittelte in einer Untersuchung die drei wichtigsten Tätigkeitsbereiche eines Online-Redakteurs: Textauswahl (89,7 Prozent), Redigieren von Fremdtexten (78,5 Prozent) und Schreiben und Redigieren eigener Texte (74,4 Prozent). Kernqualifikation ist die Fähigkeit fundiert im Internet, aber auch in speziellen Datenbanken, Fachpublikationen und anderen verfügbaren Medien zu recherchieren. Die gesammelten Informationen werden von Online-Redakteuren journalistisch aufbereitet und online-gerecht präsentiert. Damit ist gemeint, dass die Informationen in Wort, Bild und Sound umgesetzt werden. Online-Redakteuren sollten deshalb über fundiertes Computerwissen verfügen, Programme zur Text-, Bildverarbeitung und Datenhaltung kennen, um Websites zweckmäßig pflegen und gegebenenfalls erstellen zu können.

Berufliche Anforderungen

Existierende Web-Sites werden konzeptionell weiterentwickelt, ihre inhaltliche Qualität ständig geprüft und gepflegt. Manchmal ist auch ein sogenannter „Relaunch“, die komplette Neugestaltung inklusive Übertragung der bestehenden Inhalte auf die neue Homepage, nötig. Die Pflege beinhaltet auch den Kontakt mit Kunden und Besuchern per E-Mail oder Telefon. Neben der inhaltlichen Kontrolle sind Online-Redakteure oft auch für die Optimierung von Layout und Design sowie für kleinere Programmierarbeiten der Website verantwortlich. Die Grenzen zu den Berufsbildern Screen-Designer oder Webmaster sind oft fließend.
Online-Redakteure sollten eine gute Schreibe haben und routiniert mit den neuen Medien und Techniken arbeiten können. Im Gegensatz zu Printjournalisten müssen Online-Redakteure noch stärker darauf achten, kurz und prägnant zu formulieren und ihre Texte klar und visuell zu strukturieren. Denn der User liest lange und unübersichtliche Texte am Bildschirm kaum, sondern surft weiter. Online-Redakteure sollten außerdem über gewissse Strukturierungs- und Organisationsqualitäten verfügen, um mit dem enormen „Aktualitätsdruck“, der dem schnellen Medium Internet im Besonderen anhaftet, und der Fülle an Informationen fertig zu werden. Denn der zur Verfügung stehende Informationspool ist riesig: Tageszeitungen, Presseverteiler, Fax-Mitteilungen und E-Mails stehen für die Informationsgewinnung zur Verfügung. Ein Arbeitsschritt, der nicht selten einen halben Arbeitstag in Anspruch nimmt.

Wie werde ich Online-Journalist?

Ein einheitliches Berufsbild gibt es ebenso wenig, wie eine geregelte Ausbildung. In den meisten Fällen ergibt sich das Berufsbild von selbst, und zwar durch die Anforderungen am Arbeitsplatz. Im Rahmen eines Journalistik-Studiums werden in der Regel Seminare angeboten, an der Hochschule Darmstadt gibt es sogar einen eigenen Studiengang „Online-Journalismus“ (www.oj.h-da.de). Einen hohen Stellenwert hat der Online-Journalismus beispielsweise im Diplom-Studiengang Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt und an der Universität Leipzig. Hier wird in Seminaren gelehrt, wie ein Online-Magazin erstellt wird, spezielle Newsletter aussehen und Internet-Fernsehen realisiert wird.

Durch die rasante Entwicklung des Internets – auch in der Krise – wird der Ruf nach einer geregelten Ausbildung, dem Online-Volontariat, immer lauter. Mittlerweile sind die ersten gemeinsamen Richtlinien für ein Volontariat für Online-Redakteure erstellt worden, die beispielsweise beim SWR seit kurzem umgesetzt werden. Inhalte der Ausbildung sind:

  • Methoden und Inhalte der Mediendokumentation
  • Informationsmethoden
  • Multimedia-Redaktion (Konzeption, Realisation und Entwicklung von Internet-/Intranet-Publikationen)
  • journalistische Praxis in Hörfunk- und Fernsehredaktionen
  • Ausbildung in den Fachressorts der Bereiche Dokumentation und Archive, Hörfunk- und Fernsehredaktionen und Multimedia-Redaktion.

Diese Ausbildung hat zwei Vorbilder: das journalistische Volontariat und das Volontariat Wissenschaftlicher Dokumentar. Die Ausbildungsdauer beträgt zwei Jahre und beinhaltet einen 13-wöchigen Lehrgang am Institut für Information und Dokumentation an der Fachhochschule Potsdam, der mit dem Abschluss zum wissenschaftlichen Dokumentar honoriert wird. Die Kombination von dokumentarischer, journalistischer und multimedialer Ausbildung vermittelt Qualifikationen für Tätigkeiten und Schnittstellenfunktionen im gesamten Multimediabereich bei Hörfunk, Fernsehen und Verlagen.

Private Bildungsträger bieten darüber hinaus verschiedene Weiterbildungen (häufig auch vom Arbeitsamt gefördert) an. Diese Kurse sollten Inhalte wie HTML-Kenntnisse, journalisitische Darstellungformen im Internet, Aufbau eines Onlineangebots und Screen Design enthalten. Weitere Informationen zum Aufbau einer fundierten Online-Weiterbildung liefert der DJV (Deutscher Journalistenverband) unter folgender Adresse:

Online-Lehrgang in München

Auch die Journalistenakademie in München bietet eine Ausbildung zum Online-Journalisten, in Form eines zwölfmonatigen Lehrgangs im Vollzeitunterricht an. Integiert ist die praktische Mitarbeit in einer Online-Redaktion, einem Verlag, einer Rundfunkanstalt, einer Agentur oder in der Öffentlichkeitsarbeit und zwei Praxisprojekte, die dem „Training on the job“ dienen. Der Lehrgang bietet was zur Aufbereitung von Informationen für die Online-Medien unerlässlich ist: Online-Journalismus, Textsicherheit, Redaktionelles Arbeiten, Medientechnik, Online-Produktion, Medienrecht, Marketing, Kalkulation und Persönlichkeitstraining. Konkret: Umgang mit neuen Stilformen, Online-Recherche, Hypertext, Community und multimediales Arbeiten und in Bezug auf Online-Produktion: Die Betreuung von Communities, Chatrooms und Foren sowie Layout, digitale Bildbearbeitung, digitaler Audioschnitt und Streaming. Der Bereich Medientechnik beschäftigt sich mit Internet und Intranet, Systemen und Servern, HTML und weiterführenden Sprachen und um Trends im Online-Design und -Journalismus.

Weitere Voraussetzungen

Journalistische Kompetenz und Erfahrung sind wichtige Voraussetzungen. Also Sicherheit im Formulieren und Redigieren, die Fähigkeit Information von Meinung zu trennen und die kreative Nutzung von Worten und Sätzen. Darüber hinaus sollten Online-Journalisten die Struktur und Technik des Netzes kennen, in dem sie publizieren. Hilfreich sind visuelles Denken und technischen Wissen im Umgang mit Computern (Screendesign, digitale Bildbearbeitung, digitaler Audioschnitt, Skript- und Programmiersprachen und nicht zuletzt fundierte HTML-Kenntnisse). Ebenso sollten sich Online-Redakteure neben den Printmedien auch mit Hörfunk und Fernsehen auseinandersetzen. Wenn sich jemand darüber hinaus noch Marketingfragen gegenüber offen zeigt, ist das auch von Vorteil, da in vielen Redaktionen wirtschaftliche und journalistische Tätigkeitsbereich in einander übergehen. Fremdsprachenkenntnisse sind immer ein Plus, Englisch im anglophil geprägten Internet ein Muss.

Einsatzmöglichkeiten

Verlage, Magazine, Zeitungen oder Fernsehsender, die ihre Angebote online promoten oder eigenständige Online-Versionen anbieten sind schon seit geraumer Zeit im Netz vertreten und bieten Onlinejournalisten Arbeit. Online-Redakteure sind auch für Unternehmen, Behörden, Verbände oder sonstige Institutionen mit eigener Website tätig. In PR- oder Werb

Weitere Informationen:

Anbieter von Weiterbildungen zum Online-Journalisten:

Berufsverbände: