Nur die Besten

Wohin geht die Reise in der Consultingbranche? Sabine Olschner vom karriereführer sprach mit Dr. Nina Wessels, Director of Recruiting bei McKinsey & Company, über den Wachstumsmarkt China, Beraterinnen und den Wettbewerb um Ingenieure.
Text: Sabine Olschner | Foto: McKinsey

Frau Dr. Wessels, die asiatischen Märkte werden auch für die deutsche Wirtschaft immer interessanter. Was bedeutet diese Entwicklung für McKinsey als Beratungsunternehmen?
Ein großes Augenmerk liegt derzeit auf Asien und dort ganz speziell auf China. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat McKinsey im letzten September in Frankfurt das Asia House eröffnet. In dem neuen Büro arbeiten Berater aus Asien oder Europa mit Mandarin-Kenntnissen. Unser Asia Fellowship Program bereitet sie mit Projektarbeit und intensiven Trainings auf die Herausforderungen des Wachstumsmarkts China vor. Wir reagieren damit auf die weltweit hohe Nachfrage der Unternehmen nach Asienstrategien.

Welche Branchen sind in China besonders im Kommen?
Wir beraten dort vor allem Klienten aus dem Konsumgüterbereich, dem Banken- und Versicherungswesen und der Chemieindustrie. Rund 50 Prozent davon sind lokal ansässig, die andere Hälfte besteht aus multinationalen Unternehmen, die ihre Geschäfte nach Fernost ausweiten möchten.

Für das Asia House suchen Sie Mitarbeiter, die die chinesische Sprache Mandarin perfekt beherrschen. Hat ein deutscher Absolvent da überhaupt Chancen, in China eingesetzt zu werden?
Ja, absolut. In der täglichen Projektarbeit ist der Austausch mit Kollegen und Experten aus dem Ausland selbstverständlich. Darüber hinaus bieten wir drei Möglichkeiten, international zu arbeiten: die Arbeit an einer Auslandsstudie, ein Transfer für ein Jahr in ein internationales Büro über unser „Diamond“- Austauschprogramm oder ein Wechsel ohne zeitliche Beschränkung in ein ausländisches McKinsey-Büro. Voraussetzung dafür ist, dass unsere Mitarbeiter mindestens zwei Jahre erfolgreich bei uns gearbeitet haben.

Erwarten Sie für einen Einsatz in Asien spezielle Qualifikationen?
Präsentationssicheres Englisch ist ein Muss. Mandarin-Kenntnisse vorauszusetzen, wäre unrealistisch. Vor Ort sind unsere Berater eingebunden in Projektteams, die oft von einem chinesischen Kollegen geführt werden. Bei eventuellen kulturellen Missverständnissen kann ein Kollege helfen. Gleichermaßen werden auch ausländische Kollegen, die auf Projekten in Deutschland arbeiten, integriert und betreut.

Apropos Team: Wie ist eigentlich bei McKinsey das Verhältnis Männer zu Frauen?
Ein Fünftel unserer Neueinstellungen sind Frauen. Und von unseren 1100 Beratern in Deutschland sind rund 15 Prozent weiblich. Mittelfristig streben wir einen Frauenanteil von rund 30 Prozent an. Das entspricht in etwa dem Anteil von Berufseinsteigerinnen mit Studium. Das Reservoir an Toptalenten ist begrenzt und wird aufgrund der demografischen Entwicklung immer kleiner. Aus diesem Grund können wir es uns nicht leisten, auf die besten Akademikerinnen zu verzichten.

Gibt es spezielle Maßnahmen, um die Frauenquote bei McKinsey zu erhöhen?
Wir haben ganz bewusst keine Frauenquote. Eine feste Vorgabe passt nicht zu unserer Zielsetzung: Wir stellen grundsätzlich immer die besten Absolventen und Young Professionals ein, ganz gleich ob Frau oder Mann. Mit einem Bündel Maßnahmen möchten wir für den weiblichen Spitzennachwuchs noch attraktiver werden. Dazu gehört auch, dass wir die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel attraktive Teilzeitprogramme und Unterstützung bei der Kinderbetreuung, stärker forcieren und kommunizieren. Familienfreundlichkeit ist für Frauen – aber auch zunehmend für Männer – ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für ein Unternehmen. Wir reagieren darauf und richten an mehreren Standorten Krippen für Kinder unter drei Jahren ein.

Ist denn die Beraterbranche generell eher eine familienfreundliche oder eine familienfeindliche Branche?
Die Beratertätigkeit hat Elemente, die Organisation und Mobilität voraussetzen. Dazu gehören die hohe Reisetätigkeit und die längere Abwesenheit von zu Hause. Allerdings bietet der Job auch eine viel größere Flexibilität als in vielen Industrieunternehmen. Unsere Berater können sich zum Beispiel nach einem Projekt eine Auszeit nehmen oder in Teilzeit arbeiten, so wie ich es seit der Geburt meines Sohnes mache. Teilzeit bedeutet bei uns auch keinen Karriereknick. Auf allen Karrierestufen können flexible Arbeitszeitmodelle in Anspruch genommen werden. Bei der Ausgestaltung lassen wir unseren Mitarbeitern viele Freiheiten.

Welche Fachrichtung sollte man denn studiert haben, um bei McKinsey Partner zu werden?
Wir stellen Berater aller Studienrichtungen ein. Denn Vielfalt ist uns wichtig. Nur rund die Hälfte unserer Berater hat einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss, 40 Prozent sind Naturwissenschaftler, Ingenieure, Mediziner und Mathematiker, fast zehn Prozent kommen aus geisteswissenschaftlichen und anderen Fachrichtungen. In diesem Jahr möchten wir verstärkt Naturwissenschaftler und Ingenieure für uns begeistern. Nimmt man die Studienabschlüsse unserer Partner unter die Lupe, fällt auf, dass Ingenieure und Naturwissenschaftler überproportional häufig vertreten sind. Auch unser McKinsey- Deutschland-Chef Jürgen Kluge ist Physiker.

Warum interessieren Sie sich gerade für diese Absolventengruppe?
Ingenieure und Naturwissenschaftler sind hervorragende Analytiker. Sie haben den Mut, profunde Aufgaben zu lösen. Das Zerlegen von komplexen Problemen ist ein wichtiges Element bei der Arbeit als Berater. Viele unserer Consultants mit technischem oder naturwissenschaftlichem Studienhintergrund arbeiten für Klienten, bei denen sie auch ihre Fachkompetenz einsetzen können. Also für Unternehmen der Automobilbranche, des Maschinenbaus und der Hightech-Industrie – oder für Institutionen und Unternehmen des Gesundheitswesens, der chemischen und der Pharmaindustrie. Für Ingenieur- und Naturwissenschaftsstudenten bieten wir spezielle sechswöchige Kurzpraktika an, die in ihr Semesterprogramm passen.

Ihr idealer Kandidat ist also eine Ingenieurin mit Mandarin-Kenntnissen?
(Sie lacht.) Nicht unbedingt. Wir verlangen schließlich nichts Unmögliches. Was wir uns bei allen Kandidaten wünschen, ist „Passion“. Sie sollten mit Leidenschaft an Dinge herangehen und sie verändern wollen.