Investmentbanking – Übernahmen, Fusionen, Börsengänge

Die Finanzierung von Firmen in ihren unterschiedlichsten Formen einerseits, Mergers & Acquisitions andererseits – Stefan Kraft arbeitet als gelernter Volkswirt im Corporate Finance-Geschäft von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), der Investmentbank der Dresdner Bank.

Herr Kraft, man vermutet einen studierten Volkswirt nicht unbedingt im operativen Bankgeschäft. Wie hat Sie Ihre Ausbildung dorthin geführt?
Ich habe in Mannheim von 1997 bis 2003 VWL studiert, also nicht den klassischen Weg über ein BWL-Studium gewählt. Während meines Hauptstudiums bin ich für anderthalb Jahre nach Norwegen an die NHH (Norges Handelshoyskole) in Bergen gegangen. Dort habe ich zusätzlich einen Abschluss zum Master of International Business erlangt.

Wodurch zeichnete sich dieses Studium in Norwegen aus?
Das englischsprachige Programm war mit zirka 80 bis 100 internationalen Studenten sehr überschaubar und legte großen Wert auf Gruppenarbeit und Präsentationen der Studenten. Der Lehrplan berücksichtigte darüber hinaus die praktische „Finanzschiene“, beispielsweise Corporate Finance und Mergers & Acquisitions („M&A“) – orientiert an dem, was unter anderem die Arbeit im Investment Banking ausmacht.

Welche Schritte folgten dann?
Im Anschluss an meinen Norwegenaufenthalt habe ich Anfang 2002 ein dreimonatiges Praktikum bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt am Main absolviert. Während dieser Zeit konnte ich das Food Consumer Retail-Team bei verschiedenen M&A-Projekten unterstützen.
Meine Tätigkeiten umfassten im Wesentlichen Unternehmens- und Marktanalysen, Unternehmensbewertung sowie das Erstellen verschiedenster Kundenpräsentationen. Während eines weiteren M&A-Praktikums im Sommer 2003 lernte ich auch ein anderes Haus kennen.
Gegen Ende meines Studiums führte mich ein Auslandspraktikum von März bis Mai 2003 zu DrKW nach New York. Ich wurde dem Industrials Team zugeteilt, da dieses regelmäßig auch Cross-border-Transaktionen mit Deutschland betreut. Als einziger Deutscher im Team wurde meine Deutschland-Expertise sehr geschätzt. Als eine Präsentation bei einem Kunden in der Nähe von New York stattfand, durfte ich das Transaktionsteam begleiten.

Wie sah der Start ins „richtige“ Berufsleben aus?
Nach Abschluss meines Studiums begann ich im September 2003 als Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein im Bereich Corporate Finance & Advisory. Am Anfang stand ein siebenwöchiges Training in London, das neben der fachlichen Seite und dem näheren Kennenlernen der Bank natürlich auch dem „Networking“ diente – mit jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich in der gleichen Startposition befanden.
Ende Oktober begann die Praxis und somit das „Training on the Job“. Man hatte im Vergleich zum Praktikum nun mehr Verantwortung und durch ein erweitertes Aufgabengebiet stets neue Herausforderungen. Nach weiteren drei Monaten folgte ein weiteres Fortführungs-Training in London. Es diente dazu, sich mit den Kolleginnen und Kollegen über die gewonnenen Erfahrungen auszutauschen und die Kenntnisse beispielsweise in der Unternehmensbewertung zu vertiefen.

Bergen, London, New York – Sie sind schon früh weit herumgekommen. Ist Ihre Kundschaft ähnlich international?
Unsere Kunden haben stets einen geschäftlichen Deutschlandbezug, sind jedoch auch sehr international. Derzeit arbeite ich zum Beispiel an einem Firmenkauf mit, den ein asiatischer Investor in Deutschland tätigen möchte. – Man kann sagen, dass die Arbeitssprache zu 60 bis 70 Prozent Englisch ist.

Ihre Kunden sind also durchweg ökonomische Schwergewichte?
Die Größe der Unternehmen variiert stark. Wir betreuen sowohl mittelständische Unternehmen als auch die großen DAX-Unternehmen. Bei Unternehmensübernahmen können die Transaktionsvolumen ebenso stark schwanken, von zirka 100 Millionen Euro bis zu mehreren Milliarden Euro.

Was macht das Corporate Finance aus, etwa im Vergleich zu anderen Sparten Ihres Hauses?
Das Interessante an Corporate Finance ist, dass man viele Seiten sieht – Unternehmensübernahmen und Fusionen bis hin zu Börsengängen. Man hat jedoch nicht nur produktseitig ein extrem breites Erfahrungsspektrum, sondern auch branchenmäßig. Wir beraten Versorger, Maschinenbauer und Chemieunternehmen genauso wie auch Einzelhandelsketten oder Finanzdienstleister und viele andere mehr. Daneben unterscheidet auch die analytische und strategische Projektarbeit über teilweise mehrere Monate hinweg den Bereich Corporate Finance & Advisory von den anderen Sparten bei DrKW.

Bei Geschäften der genannten Größenordnung ist Teamarbeit sicher wichtig?
Die Verantwortung ist auf die Einzelnen gut verteilt, ganz nach dem Motto: „Nobody is perfect but a team can be.“ Im Team bin ich als Analyst vor allem für Unternehmens- und Marktanalysen, Bewertungen und Präsentationen verantwortlich. Mir blicken dabei ein Associate und ein Vice President über die Schulter. Eine tragende Rolle im Team spielt schließlich der jeweils verantwortliche Transaction Director, der unter anderem den Kontakt zum Kunden steuert.

Wie ist das, die erste Begegnung mit einem echten „Wirtschaftskapitän“?
Man wird natürlich als Analyst nicht vom ersten Tag an zu Sitzungen mit den Vorständen von DAX-notierten Unternehmen mitgenommen. Der Kontakt wird im Wesentlichen von den Managing Directors getragen. Doch bei Telefonkonferenzen ist man eigentlich immer dabei. Und wenn man dem ersten „Wirtschaftskapitän“ begegnet, stellt man fest: Es sind ganz normale Menschen.

Die Berichterstattung über Wirtschaftsfragen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Welche Medien nutzt man eigentlich bei Ihnen?
Unsere Arbeit ist weniger tages- als projektorientiert, also mit einer Perspektive auf die nächsten drei bis sechs Monate ausgerichtet. Dennoch bekommen wir viele tagesaktuelle Informationen über die gängigen Medien wie externe Newsletter oder interne Informationsplattformen. Als Rechercheinstrument für gezielte Analysen benutzen wir unter anderem Bloomberg, Broker Reports und Spezialdatenbanken.

Zum Schluss gefragt: Welche beruflichen Pläne haben Sie, für die nähere und fernere Zukunft?
Auf mittlere Sicht möchte ich sicher im Investment Banking bleiben, denn schon als Anfänger ist der Erfahrungshorizont sehr groß. Derzeit arbeite ich sowohl an einem Börsengang mit als auch bei einer Unternehmensübernahme. Man kann darüber hinaus ein umfangreiches Know-how in den Bereichen Unternehmensbewertung und Projektmanagement entwickeln – und das in den unterschiedlichsten Industrien. Es gibt auch nur sehr wenige andere Jobs, in denen man international arbeiten und in kleinen Teams viel Verantwortung übernehmen kann. Was in der fernen Zukunft passiert, davon werde ich mich selbst überraschen lassen.
Die Dresdner Bank konzentriert sich auf ihre beiden Zielgruppen Private Kunden und Geschäftskunden sowie Groß- und Konzernkunden. Ziel der Dresdner Bank ist, im Verbund mit der Allianz zu einem der besten Anbieter von integrierten Finanzlösungen für ihre Kunden zu werden – lokal, national und international.
Die Dresdner Bank trennt klar zwischen strategischem und nicht strategischem Geschäft. Zum strategischen Geschäft gehören die Unternehmensbereiche „Private Kunden und Geschäftskunden“, „Corporate Banking“ sowie „Dresdner Kleinwort Wasserstein“. Das nicht strategische Geschäft ist in der Institutional Restructuring Unit (IRU) gebündelt.
Die strategische Ausrichtung von Dresdner Kleinwort Wasserstein ist, obgleich europa-fokussiert, die einer international tätigen Investmentbank; zu diesem Zweck sind wir in den außereuropäischen Finanzplätzen New York, Tokio und Singapur sowie neben Deutschland und Großbritannien in europäischen Schlüsselmärkten präsent.
Die Kundschaft sind hauptsächlich Regierungen, internationale Unternehmen, Finanzinstitute und Anleger, die mit Investmentbanking- und Kapitalmarkt-Produkten sowie Kapitalmarkt-Advisoryservices bedient werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Corporate Bank, sorgen wir dafür, dass die deutschen Groß- und Konzernkunden auch Zugang zu Transaktions-Know-how und den Kapitalmärkten erhalten.