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Studiengänge

25.04.2003

Ergänzungsstudium Rechtsinformatik mit Auslandssemester

von Jörg Futter (LL.M)
 

Der von der Universität Hannover angebotene Ergänzungsstudiengang Rechtsinformatik ist in seiner Gestaltung und inhaltlichen Spezialisierung einmalig in Deutschland. Das Zusatzstudium dauert zwei Semester, schließt mit dem Erwerb des Master of Laws ab und beinhaltet ein Auslandssemester an einer europäischen Partneruniversität.

Vermittelt werden umfangreiche theoretische und praktische juristische Kenntnisse im Bereich des IT-Rechts. Besonders interessant macht das so genannte EULISP-Programm (European Legal Informatics Study Programme) seine Zweiteilung. Das erste Semester findet an der Universität Hannover statt, das zweite Semester verbringen die Studenten an einer der insgesamt zehn europäischen Partneruniversiäten (Bologna, Glasgow, London, Leuven, Namur, Oslo, Rovaniemi, Stockholm, Wien oder Zaragoza).

Das Studium in Hannover

...umfasst ein breites Angebot an Vorlesungen und Seminaren auf höchstem Niveau. Geleitet wird es von Prof. Dr. Wolfgang Kilian. Schwerpunkte sind das EDV- und Informationsrecht, Telekommunikations- und Medienrecht, Datenschutzrecht, Urheberrecht und gewerblicher Rechtsschutz, das Recht des e-commerce aber auch „traditionellere“ Themen wie die Gestaltung von Software-Verträgen. Da technisches Verständnis in vielen Fällen für die Beurteilung rechtlicher Fragestellungen notwendig oder zumindest hilfreich ist, wird auch Wert auf die Vermittlung dieser technischen Grundlagen gelegt. Im Vordergrund steht jedoch die juristische Diskussion, die sich angesichts der kleinen Gruppe der Studierenden sehr gut verwirklichen lässt. Die Dozenten sind stets darauf bedacht über die für das IT-Recht relevanten, aktuellen rechtlichen und technischen Entwicklungen zu informieren. Dabei werden die Möglichkeiten des Internet konsequent genutzt. In Mailinglisten können die Diskussionen aus den Vorlesungen weitergeführt werden, sämtliche Vorlesungsmaterialien und Linksamm-lungen sind über eine Webseite zugänglich. Neben der Erarbeitung spezifischer Probleme anhand von konkreten Fallgestaltungen wird die Fähigkeit der Studenten geschult, zu ausgewählten Spezialfragen eigenständige Vorträge zu erarbeiten und frei zu halten. Ganz allgemein ist der Kontakt zu den Dozenten wesentlich enger und persönlicher, als dies im Rahmen des normalen Studiums heute meist möglich ist. Besonders hervorzuheben ist die starke Lehrbeteiligung von Praktikern, die auf der Kooperation mit verschieden Kanzleien und Unternehmen beruht. Durch diese Lehraufträge und durch regelmäßig stattfindende Fachvorträge von Praktikern aus Kanzleien und Rechtsabteilungen wird der Praxisbezug des Studiengangs hervorgehoben und ein beständiger Meinungsaustausch ermöglicht.
Die Prüfung zum Erwerb des LL.M. Grades besteht aus schriftlichen Prüfungen im Rahmen der besuchten Kurse und einer Abschlussarbeit im Umfang von ca. 80 Seiten. Der Arbeitsaufwand ist insgesamt relativ hoch, die Klausuren sind anspruchsvoll und die Abschlussarbeit eine echte Herausforderung.

Das Studium in London.

Ich habe mich der Sprache und der Stadt wegen für das Auslandssemester in London entschieden. In London angekommen schreibt sich der EULISP Student am Queen Mary & Westfield College (QMW) als Associate Student ein. Dessen juristische Fakultät gehört zusammen mit anderen wie Cambridge oder Oxford zu den Top-8 Law Schools in Großbritannien. Zum Pflichtprogramm gehört der Besuch der von der IT Law Unit des Center for Commercial Law Studies (CCLS) angebotenen Kurse: Internet Law, Telecommunications Law, Information Technology Law und Electronic Banking Law. Sie werden unter der Leitung von Dr. Ian Walden und Prof. Christopher Reed regelmäßig im Rahmen des „intercollegiate“ LL.M. der University of London angeboten. Spätestens dort trifft man also auf all die anderen LL.M.-Studenten aus aller Welt, deren juristisches Interesse ebenfalls neuen Technologien gilt. Die Kurse sind sehr beliebt, eine Teilnehmerzahl von 100 Studenten ist nicht ungewöhnlich. Daraus ergibt sich zwangsläufig ein eher frontaler Vorlesungsstil, weshalb die vorlesungsbegleitenden Tutorials einen elementaren Bestandteil der Kurse bilden. Für die EULISP Studenten bedeutet dies regelmäßige Treffen mit Dr. Ian Walden, bei denen im kleinen Kreis gearbeitet und diskutiert werden kann. Alle Veranstaltungen sind sehr stark praxisorientiert, das Berufsbild des „commercial lawyer“ steht klar im Vordergrund. Regelmäßig wird auf Probleme eingegangen, die sich dem Anwalt oder corporate counsel in der täglichen Arbeit stellen. Besonders interessant waren für mich immer solche Vorlesungen, die von zwei Dozenten gemeinsam gehalten wurden. Die dadurch entstehende Konkurrenz führte zu einer spannenden Atmosphäre, wie ich sie in einem deutschen Hörsaal nur selten erlebt habe. Unterstützt wird die eigene Arbeit auch in London durch die konsequente Nutzung des Internet. Alle Materialien sind online zugänglich, für die Studenten stehen kursspezifische Diskussionsforen zur Verfügung. In der umfangreichen Bibliothek des Institute of Advanced Legal Studies (IALS) stehen ausreichend Computerarbeitsplätze zur Verfügung. Der Zugang zu juristischen Datenbanken wie zum Beispiel LEXIS-NEXIS oder WESTLAW ist frei. Für jeden belegten Kurs ist als Prüfungsleistung ein Essay im Umfang von etwa 3000 Wörtern anzufertigen.

Resümee

Das EULISP Programm trägt der weiter wachsenden rechtlichen Bedeutung neuer Technologien, insbesondere des Internet, Rechnung und reagiert damit auf die Nachfrage aus Kanzleien und Unternehmen. Es vermittelt in entspannter aber gleichzeitig anspruchsvoller Atmosphäre Spezialkenntnisse auf diesem Gebiet. Die Stärke des Programms liegt neben den engagierten Dozenten in der Verbindung mit dem Studium im Ausland. So können nicht nur Spezialkenntnisse des deutschen Rechts, sondern auch im internationalen Umfeld erworben werden.


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