Der Job-Genießer
In seinem 20. Berufsjahr bei der Strategieberatung Bain & Company wurde Rolf-Magnus Weddigen 2009 zum Deutschland-Chef berufen. Welche Aspekte seinen Job zum Traumberuf machen und wie es einem Consultingeinsteiger gelingt, die Grenzen des Erfolgs auszuweiten, erklärt der leidenschaftliche Berater im Interview. Die Fragen stellte André Boße.
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Zur Person Rolf-Magnus Weddigen
Dr. Herbert Walter, geboren am 10.08.1953 in Prien am Chiemsee, schloss 1971 seine Ausbildung zum Bankkaufmann ab, machte 1974 sein Abitur und studierte anschließend BWL in München. Seine Promotion legte er 1982 ab, nachdem er zuvor als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bankbetriebslehre und Finanzierung an der Universität München gearbeitet hatte. Ein Jahr später begann er seine Berufskarriere als Trainee bei der Deutschen Bank. Er war Direktionsassistent in der Münchener Filiale und von 1985 bis 1989 Referent des Vorstands Ulrich Cartellieri. Walter stieg 1989 in die Direktion der Bezirksfiliale Bochum auf. 1998 verantwortete man ihm die Leitung des Projekts Deutsche Bank 24 AG, der Zusammenführung des Filialgeschäfts der Deutschen Bank mit der Direktbank-Tochter Bank 24. Er war bis 2003 Vorstandssprecher der Deutschen Bank 24 und wechselte im März 2003 als Vorstandsvorsitzender zur Dresdner Bank.
Walter sanierte das unter Druck geratene Traditionshaus, bevor durch die Finanzkrise die Investmentbank-Tochter Dresdner Kleinwort riesige Verluste machte. Die Dresdner Bank wurde zum Kaufobjekt, im August 2008 schlug die Commerzbank zu. Im Januar 2009 trat Herbert Walter als Vorstandsvorsitzender zurück; im März 2009 verzichtete er auf die Abfindung in Höhe von 3,6 Millionen Euro, die ihm vertragsrechtlich zugestanden hätte. Seitdem ist er als freier Spitzenberater tätig und ist Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa. Herbert Walter ist verheiratet, hat drei Kinder und ist in seiner freien Zeit ein leidenschaftlicher Rad- und Mountain-Bike-Fahrer.
Zum Unternehmen
Bain & Company ist mit mehr als 4800 Mitarbeitern sowie 44 Niederlassungen in 29 Ländern eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Gegründet wurde das Unternehmen 1973 in Boston. Von Beginn an setzte es darauf, nicht nur konzeptionelle Strategiearbeit zu bieten, sondern mit dem Management des Klienten konkrete Lösungen zu erarbeiten und auch umzusetzen.
An dieses Konzept angepasst hat Bain seine Vergütungspraxis: Als erstes Consulting-Unternehmen hat es die Honorierung für die Beratung an den Erfolg des Projekts gekoppelt. Im deutschsprachigen Raum ist Bain & Company seit 1982 vertreten. Das erste deutsche Büro eröffnete in München. Dort sowie in den weiteren Standorten in Zürich, Düsseldorf und Frankfurt am Main sind derzeit rund 500 Mitarbeiter beschäftigt.
Herr Weddigen, wann haben Sie zuletzt gedacht, dass Sie einen wunderbaren Beruf ausüben?
Das denke ich eigentlich täglich, ob bei Besprechungsrunden in unseren Teams, im Gespräch mit Klienten oder im Kontakt mit Bewerbern. Ein Beispiel: Gestern saß ich mit meinem Team zusammen, wir arbeiteten an den Eckpfeilern einer Internationalisierungsstrategie für einen europäischen Industriekunden. Natürlich ist genau das der Job des Beraters. Aber ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Dynamik sich entwickelt, wenn talentierte und leidenschaftliche Leute gemeinsam daran arbeiten, die beste Lösung zu finden. In meinem Team ist ein Kollege Projektleiter, den ich vor sechs Jahren als Associate Consultant eingestellt habe und dessen enorme Entwicklung mich seither sehr beeindruckt hat.
Wie ist denn die Atmosphäre in solchen Teambesprechungen? Enorm diszipliniert oder kreativ chaotisch?
Es geht munter zu. Grundlage ist eine gewisse Struktur in Gestalt der Problemstellung. In der Diskussion stellen sich schnell die wesentlichen Eckpfeiler heraus, und unter Zuhilfenahme der Fakten, Meinungen und Erfahrungen entstehen letztlich die Lösungen.
Wie sind diese Teams zusammengesetzt? Gibt es feste Rollen?
Nein, das wechselt ständig. Es kommt nicht selten vor, dass der Associate Consultant und der Partner unterschiedliche Standpunkte vertreten und auch auf Augenhöhe debattieren.
Was macht denn eine Strategie, die Sie mit Ihren Teams entwickeln, zu einer erfolgreichen Strategie?
Wenn aus der Strategie echte Ergebnisse und gelebte Veränderungen entstehen. Strategien werden gerne vorschnell als etwas Abgehobenes oder Abstraktes abgetan. Aber ich erlebe, wie Strategien in Unternehmen tatsächlich umgesetzt werden – und zwar vom Vorstand bis zum Vorarbeiter. Diese Momente machen meinen Beruf wunderbar, denn als Berater erlebe ich sie in einer Dichte, wie es in einer klassischen Industriekarriere wohl selten vorkommt.
Was muss ein Bewerber mitbringen, um Sie zu überzeugen?
Wer in die Beratung einsteigen möchte, sollte neben einer exzellenten Ausbildung eine ausgewogene Mischung aus Intellekt, Neugierde und Bodenhaftung sowie den Willen zum Erfolg mitbringen. Es geht darum, die Grenzen des eigenen Erfolgs zu erforschen und zu erweitern. Mein Großvater sagte immer: „Erfahrung ist die Summe aller Misserfolge.“ Klingt negativ, hat aber einen wahren Kern: Fehler sind wichtig, denn aus ihnen lernt man.
Wie geradlinig sollten Lebensläufe sein, die Ihnen imponieren?
Eine gewisse Zielstrebigkeit ist wichtig. Doch zwischen den einzelnen Stationen dürfen gerne mehrere Jahre und auch mal ein Umweg liegen. Denn auf den Umwegen können Sie viel Positives erleben, was Ihnen auf dem Königsweg möglicherweise verschlossen bleibt.
Welche Umwege sind Sie denn gegangen?
Ich habe einige Schleifen gedreht. Von der Uni bis zum Einstieg ins Consulting hat es bei mir drei Jahre gedauert. Ich habe in dieser Zeit eine Menge ausprobiert, war bei einem deutschen Automobilzulieferer, in einem englischen IT-Konzern und in Dänemark in einer Biotech- Firma. In diesen drei Jahren habe ich vor allem herausgefunden, was ich nicht möchte, und vieles gelernt, was mich letztlich zu einem besseren Berater gemacht hat.
Was raten Sie Absolventen, die vor dem Berufseinstieg noch Praxiserfahrungen sammeln möchten?
Praktika sind sinnvoll und notwendig, und zwar nicht ausschließlich in der Unternehmensentwicklung großer Konzerne oder im kaufmännischen Bereich. Mixen Sie das mit Ihrer ganz persönlichen „Bucket List“, also den Abenteuern oder Erfahrungen, auf die Sie in Ihrem Leben auf keinen Fall verzichten möchten. Das macht Ihren Lebenslauf für uns spannend. Denn letztlich geht es darum, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln und den Horizont zu erweitern. Die heutigen Bewerber sind in dieser Hinsicht sehr vielseitig. Sie haben Erfahrungen im Ausland gesammelt, sich in gemeinnützigen Organisationen engagiert und haben über all diese Aspekte ein großes Selbstverständnis für ihre Karriere entwickelt. Solche Einsteiger sind ein Gewinn für die Consultingbranche.
Sie sprachen vom Erforschen und Ausweiten der Grenzen des Erfolges. Was meinen Sie konkret damit?
Beratung bedeutet lebenslanges Lernen – und das in einem sehr zügigen Tempo. Mit jedem Schritt, den ich gehe, lerne ich dazu. Dabei kommt es vor, dass man als Einzelner vor einer Aufgabe steht, die man als zu herausfordernd oder sehr umfangreich empfindet. Und dann muss sich ein Einsteiger als Teamplayer erweisen. Denn er arbeitet mit Kollegen zusammen, die selber schon an einem solchen Punkt waren und eine Antwort gefunden haben. Wer also die Teamkultur nutzt, erreicht deutlich mehr. Die Grenzen des Erfolgs auszuweiten, bedeutet für mich, von und mit anderen zu lernen.
Zügiges Tempo, lebenslanges Lernen, große Leistungsbereitschaft: Die Ansprüche an Consultants sind hoch. Wie gelingt Ihnen eine Work-Life- Balance?
Da musste ich auch erst ein bisschen experimentieren, wobei ich diese Balance als sehr wichtig erachte. Ich rate Bewerbern, Unternehmen dahingehend zu testen. Wer eine Karriere verfolgt, muss sich Freiräume schaffen, in denen der Job keine Rolle spielt. Das kann das Wochenende sein oder, wie bei mir vor einiger Zeit, ein halbjähriges Sabbatical. Aber auch während der Arbeitswoche ist es wichtig, sich einen Ausgleich zu suchen. In dem Begriff der Work-Life- Balance steckt aber eben auch „Work“, also die Arbeit. Und ein Arbeitsumfeld, in dem Sie als Person authentisch sein können, unterstützt Ihre Balance. Ich habe im Verlauf meiner Karriere gelernt, dass ich am erfolgreichsten bin, wenn ich im Job mit mir selbst im Einklang bin. Dazu brauche ich ein Arbeitsumfeld, das fördert und fordert.
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