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Philosophischer Sommer

Willkommen zur kleinen „Philosophie-Schule“ von karriereführer. Unser Autor Wolf Alexander Hanisch philosophiert über grundlegende Themen und der renommierte Literaturhändler Klaus Bittner aus Köln steuert passende Buchtipps bei.


02.09.2011: TECHNIK
Die Künstlichkeit sei die Natur des Menschen, meinte der Philosoph Günther Anders. Weil er über keine ihm gemäße Welt verfüge, müsse er sich eine schaffen – durch Technik. Doch die technisierte Welt eile ihren Konstrukteuren davon, vergrößere das Gefälle zwischen Maschinenperfektion und menschlicher Unvollkommenheit. Ist Fukushima der endgültige Beleg? Sind komplexe Technologien prinzipiell unbeherrschbar?
Buchtipp: Idoru-Trilogie: Drei Romane in einem Band von William Gibson


26.08.2011: NEID
Zwei hungrige Bären können wegen eines Fischs in Streit geraten. Ist einer jedoch satt, wird er dem anderen den Happen gönnen. Nicht so der Mensch. Seine Gier nach Geld, Erfolg oder Anerkennung ist ohne physiologische Grenzen. Aber Neid ist uns peinlich. Darum verstecken wir ihn unter ideologischen Gewändern. Doch was ist Neid im Alltag? Eine Quelle des Unglücks? Oder vielmehr Ansporn zu kreativer Anstrengung?
Buchtipp: Tanz der Dienstmädchen: New Yorker Geschichten von Maeve Brennan


19.08.2011: WAHRHEIT
Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Was nicht für sie spricht. Denn die Wahrheit sagen kann jeder. Um gut zu lügen braucht es Intelligenz und die Erkenntnis, dass es im Leben nicht um die Wahrheit geht, sondern um die gesellschaftsfähige Lüge. Die Sprache sei dem Menschen gegeben, damit er seine Gedanken verberge, sagte der Staatsmann Talleyrand. Hat er Recht? Loben wir die Wahrheit und belohnen die Lüge?
Buchtipp: Bad Monkeys von Matt Ruff


12.08.2011: FREIHEIT
Wer vom Tag nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, glaubte Nietzsche. Das klingt nach Luxus. Tatsächlich erinnert es an die häufige Verwechselung von Freiheit und Freizeit. So ist die Freizeit frei von Verpflichtung, die Freiheit aber frei für Verpflichtungen. Freizeit meint Zerstreuung, Freiheit Konzentration auf die eigenen Ziele. Kann es also sein, dass Freiheit nur der hat, der sie auch nutzt?
Buchtipp: Drei starke Frauen von Marie NDiaye


05.08.2011: GLEICHHEIT
Gott sei allen Kreaturen gleich nahe, schreibt Meister Eckhart. Das mag sein. Aber wie ist es unter den Menschen? Bei ihnen fällt auf, dass Gleichheit vor allem in eine Richtung gefordert wird – nach oben. Ist also Gleichheit die Forderung der Armen und Schwachen, die sich um noch Ärmere und noch Schwächere oft wenig scheren? Anders gefragt: Ist Gleichheit lediglich ein Kampfbegriff, der im Klartext Mehr! bedeutet?
Buchtipp: Wer die Nachtigall stört... von Harper Lee


29.07.2011: BILDUNG
Kommt der Mensch auf die Welt, ähnelt er einem Tonklumpen, der erst „gebildet“ werden muss. Doch Bildung hat es heute schwer. Man hält es lieber mit ihrer modernen Schwester, der Information. Deren Mosaikhaftigkeit allerdings täuscht eher vor, man wisse etwas, während sie tatsächlich vom Wissen weglockt. Oder ist diese Sicht so pessimistisch wie jene von Sokrates, der meinte, durch Bücher verkümmere das Gedächtnis?
Buchtipp: Der Nachsommer: Roman von Adalbert Stifter


22.07.2011: NATUR
Wer von der Natur spricht, meint das Leben. Und das gebietet Respekt. Aber gilt das immer? Verdienen Tuberkelbakterien und Pockenviren Respekt? Wohl kaum. Schließlich sind wir lebendige Organismen und keine reinen Geistwesen. Als Menschen können wir nicht leben ohne andere Lebensformen zu zerstören. Aber was folgt daraus? Ist die Achtung vor der Natur ein Wert an sich? Oder ist sie entbehrlich?
Buchtipp: SauErde von John Berger


21.07.2011: Gespräch mit dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Philosophie

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin: „Erfolg ist gelingendes Leben"

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin Wolf Alexander Hanisch unterhielt sich für den karriereführer mit Julian Nida-Rümelin über die Unterschiede amerikanischer und deutscher BA-Studiengänge, warum moralische Fragen in Unternehmen und der ganzen Gesellschaft eine Renaissance erleben und in der Antike die Philosophie viel mehr eine Hilfe zur Lebenskunst mit konkreten Ratschlägen war.

Lest das Interview hier




15.07.2011: ARBEIT
Am Anfang war paradiesisches Nichtstun. Doch dann straften zornige Götter die Menschen mit Arbeit. So wie die Sagengestalt Sisyphos: Der Sünder muss einen Felsbrocken bergan wälzen, und kaum ist er oben angekommen, rollt der Stein zurück und die Plackerei beginnt von neuem. Schrecklich. Doch der französische Literat Albert Camus sagte, man müsse sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Wie soll das gehen?
Buchtipp: Gran Sol von Ignacio Aldecoa




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