Top-Manager
15.10.2006
Zygmunt Mierdorf: Der Zukunftsforscher |
Zygmunt Mierdorf ist bei der Metro nicht nur für weltweit 260.000 Mitarbeiter verantwortlich, sondern auch für den Future Store bei Düsseldorf, wo neue Technologien wie Computerchips und ein Personal Shopping Assistant getestet werden.
Im karriereführer sprach er über die Faszination und den Ruf der Handelsbranche und die Veränderungen, die auf Einsteiger zukommen. Die Fragen stellte Sabine Olschner.
Zur Person Zygmunt Mierdorf
Zygmunt Mierdorf wurde 1952 in Frankfurt
am Main geboren. Er studierte
Wirtschaftswissenschaften an der
Fachhochschule Wiesbaden. Nach
Geschäftsführerpositionen bei Betrix
Cosmetics, LRE Inc. Group (Leach Relais
& Electronic) und Black & Decker
Deutschland nahm er seit 1991 verschiedene
Führungsaufgaben innerhalb
der Metro wahr.
1999 wurde Zygmunt Mierdorf in den Vorstand der Metro AG berufen . Er ist Arbeitsdirektor und zuständig für Personal und Soziales, Informatik, Logistik, E-Business und Immobilien. Darüber hinaus ist er als Coach verantwortlich für die Vertriebslinien Media/Saturn und Real.
Zygmunt Mierdorf ist verheiratet, hat zwei Kinder und widmet sich in seiner Freizeit seinen Hobbys Tennis, Golf, Radfahren und Joggen.
Kann man mit der Verantwortung für
260.000 Mitarbeiter eigentlich noch
gut schlafen?
Glücklicherweise lastet diese Verantwortung
nicht allein auf meinen Schultern.
In einem so großen Konzern wie
der Metro Group gibt es hoch qualifizierte
Mitarbeiter, die mein Vertrauen
besitzen und mit denen ich gemeinsam
meine Personalaufgaben erfüllen kann.
Bei konzernübergreifenden Personalfragen
sitzen wir am großen Tisch und
erarbeiten bestmögliche Lösungen.
Über aktuelle Themen und Projekte
wird im kleineren oder größeren Kreis
diskutiert und gearbeitet.
Was fasziniert Sie an der Handelsbranche?
Seine Schnelligkeit: Die Wünsche des
Kunden zu erfühlen, bevor er sie selbst
real wahrnimmt, ist eine große, manchmal
sogar visionäre Aufgabe. Sie dann
auch noch in kürzester Zeit zu bewältigen,
bedeutet im Vorfeld, schnell Entscheidungen
zu treffen. Dieses Tempo
fordert natürlich eine sehr hohe Einsatzbereitschaft
der Mitarbeiter. Aber
immer wieder höre ich auch von ihnen,
wie viel Spaß es macht, die Verantwortung
für die Umsetzung neuer Ideen zu
übernehmen und zu guten Ergebnissen
zu gelangen.
Warum hat die Branche bei Hochschulabsolventen
noch immer einen
so schlechten Ruf?
Viele denken auch heute noch beim
Thema Handel ans Kisten schleppen
und Kittel tragen. Das ist jedoch ein
Irrtum, den es auszuräumen gilt. Der Handel ist heute ein hochkomplexer
Wirtschaftssektor, wo modernste
Technologien und Management-
Methoden zum Einsatz kommen. Hier
arbeiten Vertriebsspezialisten am
profitablen Einkaufserlebnis und
Category Manager an der Attraktivität
der Sortimente. Und im strategischen
Einkauf werden die bestmöglichen
Preise und Qualitätsstandards
ausgehandelt.
Was kann der Handel Einsteigern bieten,
was andere Branchen nicht haben?
75 Prozent aller Führungspositionen
sind bei uns mit Leistungsträgern aus
den eigenen Reihen besetzt. Wenn wir
sehen, dass eine Mitarbeiterin oder ein
Mitarbeiter Engagement und Eigeninitiative
zeigt, übertragen wir ihr oder
ihm schon früh Verantwortung. Es ist
durchaus möglich, dass ein junger
Mann oder eine junge Frau eine Filiale
leitet – und damit bis zu 50 Millionen
Euro Nettoumsatz, 100 Mitarbeiter und
das Ergebnis verantwortet. Damit führt
er oder sie praktisch ein mittelständisches
Unternehmen.
Wird der Anteil an Hochschulabsolventen
in der Branche weiter steigen?
Der Handel ist mit 22 Millionen
Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber
Europas. Die Metro ist dabei die
Nummer eins in Deutschland und weltweit
der viertgrößte Handelskonzern.
Mit der Expansion unseres Konzerns im
In- und Ausland ist der Bedarf an Akademikern
in den vergangenen Jahren
ständig gestiegen und wird auch weiter
steigen. Unser Einstellungsbedarf liegt jährlich weltweit bei rund 200 bis
250 Hochschulabsolventen. Meist handelt
es sich um Absolventen mit
betriebswirtschaftlichem Studium mit
den Schwerpunkten Einkauf, Controlling,
Vertrieb oder Category Management.
Welche Eigenschaften sind im Handel
unverzichtbar?
Wer sich für einen Einstieg im Handel
interessiert, sollte möglichst schon
während des Studiums praktische Phasen
durchlaufen, bei der Diplomarbeit
mit Handelsunternehmen kooperieren
oder das Studium international ausrichten.
Das rasante Tempo und die
permanente Veränderung unserer Zeit
betreffen den Handel natürlich ebenso,
und damit auch die Anforderungen an
seine Mitarbeiter. Die Fähigkeit, sich
selbst stetig neu zu erfinden, ist die
Grundlage dafür, Kundenwünsche zu
erkennen und zu erfüllen. Der ideale
Bewerber sollte daher kundenorientiert
denken, interkulturelle Kompetenz,
ein hohes Maß an Lernbereitschaft
und die Fähigkeit mitbringen,
das Unternehmen als permanenten
Lernort zu nutzen.
Gibt es für Einsteiger die Möglichkeit,
international tätig zu sein?
Neben dem nationalen Markt bietet
gerade das Auslandsgeschäft dem
Führungsnachwuchs interessante
Optionen. Schon während unseres
Traineeprogramms absolvieren einige
Nachwuchskräfte ihre ersten Auslandsstationen.
Später bieten wir interessierten
Mitarbeitern die Chance, sich über
die Grenzen von Ländern und Gesellschaften
hinweg zu entwickeln. Steht
dann ein Auslandseinsatz an, werden
die Mitarbeiter speziell vorbereitet und
im Rahmen eines Expatriate-Programms
betreut. Aber auch am Standort
Deutschland arbeiten wir in Teams, in denen mehrere Nationen vertreten
sind.
Sie sind der Vater des Metro Future
Stores. Was verbirgt sich dahinter?
Der Future Store in Rheinberg ist der
Supermarkt der Zukunft. In diesem Verbrauchermarkt
testen wir zusammen
mit über 60 Kooperationspartnern
neue Lösungen für das Lagermanagement
und den Verkauf. Im Mittelpunkt
steht dabei der Nutzen für den Verbraucher.
So haben wir beispielsweise
Selbstzahlerkassen getestet, die wir
nun schrittweise in anderen Märkten
einsetzen. Aber es geht uns nicht
darum, die traditionellen Kassen zu
ersetzen. Vielmehr wollen wir ein
zusätzliches Angebot schaffen. Der
Kunde soll selbst entscheiden, ob er lieber
eine traditionelle Kasse nutzt oder
eine Selbstzahlerkasse.
Sieht so der Handel der Zukunft aus?
Der Future Store ist zunächst einmal so
etwas wie ein Labor, in dem wir neue
Technologien zusammen mit unseren
Partnern erproben. Jede einzelne neue
Technologie muss hier beweisen, ob sie
tatsächlich alltagstauglich ist. Erst
wenn eine Neuerung diesen Testlauf
erfolgreich absolviert hat, kann sie in
anderen Märkten zum Einsatz kommen.
Was bedeuten diese Veränderungen
für den Einsteiger?
Das Thema Zukunft spielt insgesamt
eine große Rolle. Der Arbeitsalltag
unserer Mitarbeiter ist längst geprägt
durch den Einsatz modernster Technologien.
Aus diesem Grund erwarten wir
auch von unserem Führungsnachwuchs,
dass er nicht nur offen ist
gegenüber Veränderungen, sondern
insbesondere auch für den Umgang
mit neuen Technologien.
Mehr Informationen zur Metro Group im Firmenprofil.












