Top-Manager
22.10.2008
Dr. Wolfgang Gawrisch: Der Physiker |
Wolfgang Gawrisch hat Physik studiert und arbeitet heute als Leiter des Ressorts Zentrale Forschung/Technologie bei Henkel. Er zeigt, dass auch die Industrie ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Arbeitsfeld für Naturwissenschaftler bietet. Denn bei Henkel wird geforscht – an vorderster Front und mit Blick auf die Märkte. Im karriereführer spricht Wolfgang Gawrisch über seinen Aufgabenbereich, die Bedeutung der Biotechnologie und die Anforderungen an Hochschulabsolventen. Die Fragen stellte Christiane Martin.
Zur Person Dr. Wolfgang Gawrisch
Wolfgang Gawrisch wurde am 25. Januar
1951 im südpfälzischen Germersheim
geboren. Er studierte Physik und promovierte
am Institut für physikalische
Chemie in Mainz. Als Doktorand forschte
er am weltgrößten Hochflussreaktor
in Grenoble. Von 1980 bis 1997 arbeitete er bei der Hoechst AG. 1998 begann er bei Henkel in Düsseldorf. Hier leitet er das Ressort Zentrale Forschung/ Technologie und ist Vorsitzender des Sustainability Council Henkel. Wolfgang Gawrisch ist außerdem unter anderem Mitglied im Ausschuss Technik und Umwelt des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Mitglied im Bewilligungsausschuss Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder sowie Aufsichtsratsmitglied anderer Unternehmen.
Wolfgang Gawrisch ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Herr Dr. Gawrisch, Sie sind Physiker.
Hat Ihr heutiger Job als Manager bei
Henkel noch etwas mit Ihrer
ursprünglichen Ausbildung zu tun?
Zur Steuerung von Forschungsprojekten
ist ein fundiertes naturwissenschaftliches
Verständnis ein absolutes
„Muss“, denn als Leiter des Ressorts
Zentrale Forschung/Technologie muss
ich mit unseren Naturwissenschaftlern
diskutieren können. Hierbei hilft mir
meine Ausbildung durch Studium und
Promotion.
Was genau ist denn Ihre Aufgabe als
Leiter des Ressorts Zentrale Forschung/
Technologie?
Wir orientieren uns mit unseren Forschungsprojekten
an der strategischen
Ausrichtung von Henkel. Unsere
Kompetenzen setzen wir dabei zur
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
ein. Mit unseren Innovationen gestalten
wir in enger Kooperation mit den
drei Unternehmensbereichen Wasch- und
Reinigungsmittel, Kosmetik und
Körperpflege und Adhesives Technologies
die Zukunft von Henkel.
Sie haben sich bewusst entschieden,
Forschung nicht an der Universität zu
betreiben, sondern in einem Unternehmen.
Wo liegen für Sie die Vorteile?
Auch in der Industrie wird intensiv
geforscht – und immer mit Blick auf
die Märkte. Denn Produkt- oder Prozessinnovationen
sind essenziell für den Erfolg von Unternehmen. Somit
bietet auch die Industrie ein sehr
spannendes und abwechslungsreiches
Arbeitsfeld für Naturwissenschaftler.
Unserer Forschungsaktivitäten
sind zahlreich: In der Zentralen
Forschung in Düsseldorf arbeiten wir
in den Feldern Chemie, Biologie und
Technologie. In unserem Kompetenzzentrum
Scientific Computing beispielsweise
erarbeiten wir mit computergestützten
Modellen Henkelrelevante Problemlösungen. In der
Forschung und Entwicklung bei Henkel
nutzen wir interne und externe
Kompetenzen. Als Forscher in der
Industrie arbeitet man also ganz und
gar nicht isoliert. Wir begreifen uns
als Teil eines weltweiten interdisziplinären
Wissensverbunds. Und diese Zusammenarbeit mit
führenden Universitäten und Instituten wird
zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen.
Mit Phenion wurde ja bereits 2001 ein
Public-Private-Partnership zwischen
Henkel und der Universität Frankfurt
ins Leben gerufen. Mittlerweile ist
Phenion eine 100-prozentige Forschungsgesellschaft
von Henkel. Was genau wird in diesem biotechnologischen
Forschungszentrum gemacht?
Phenion ist das Kompetenzzentrum
von Henkel für Haut- und Haarforschung
sowie für die Entwicklung von
Alternativmethoden zu Tierversuchen.
Langfristiges Ziel ist die Etablierung
von Methoden, die durch eine Kombination
verschiedener In-vitro- und Insilico-
Alternativmethoden – also Tests
im Reagenzglas und auf Basis von
Computerberechnungen – Tierversuche
letztlich komplett überflüssig
machen.
Henkel hat die Vision, mit seinen Produkten
das Leben der Menschen leichter,
besser und schöner zu machen. Ist
die Biotechnologie ein Weg dahin?
Wir sehen die Biotechnologie als eine
Schlüsseltechnologie. Viele Wirksubstanzen
– zum Beispiel in Waschmitteln
und Kosmetika – werden in
industriellen, abgeschlossenen Prozessen
erzeugt. Fachleute bezeichnen
dies als weiße oder industrielle Biotechnologie.
Dabei werden Substanzen
durch Mikroorganismen wie Bakterien
oder Pilze hergestellt. Mit der
weißen Biotechnologie werden zum
Beispiel Enzyme für Wasch- und Reinigungsmittel
erzeugt, die die Entfernung
hartnäckiger Flecken ermöglichen.
Außerdem tragen Enzyme dazu
bei, dass Waschen umweltverträglicher
wird: Waschmittelmenge und
Waschtemperatur können deutlich
reduziert und dadurch der Energieverbrauch
gesenkt werden. Durch
moderne kompakte Waschmittel sinken
außerdem der Wasserverbrauch
sowie der Aufwand für Verpackung
und Transport.
Welches herausragende Forschungsergebnis
im Bereich der Biotechnologie
gab es in letzter Zeit bei Henkel?
Anfang dieses Jahres haben wir die
Entwicklung einer neuen „Tieftemperaturprotease“
ausgezeichnet. Proteasen
sind Enzyme, die eiweißhaltige
Flecken wie Blut oder Kakao aufspalten.
Mit einem neuen Screening-System
und gentechnologischen Verfahren
haben unsere Wissenschaftler
eine Protease für Flüssigwaschmittel
gefunden, die bereits bei einer Waschtemperatur
unter 20 Grad Celsius eine
verbesserte Leistung zeigt. Ein Waschgang
bei 20 statt bei 40 Grad Celsius
spart außerdem über die Hälfte der
Energie und des ausgestoßenen Kohlendioxids.
Sie sind auch Vorsitzender des Sustain -
ability Council Henkel. Was bedeutet
das konkret?
Wir bemerken zunehmend, dass Verbraucher
neben der Produktqualität
auch nach der Verantwortung des
Unternehmens fragen. Also beispielsweise:
Wo kommen eure Rohstoffe her?
Werden ökologische und soziale Standards
eingehalten? Diesen Trend hat
Henkel schon vor Jahrzehnten erkannt
und mitgeprägt. In unserem Sustainability
Council arbeiten wir daran, dass
die Begriffe „fortschrittlich“, „sozial“
und „ökologisch“ in einem Zusammenhang
gesehen werden.
Wie sehen Sie die Karrierechancen von
Hochschulabsolventen, die in Unternehmen
wie Henkel einsteigen wollen?
Ein global aufgestelltes Unternehmen
wie Henkel eröffnet mit seiner Vielseitigkeit
eine große Bandbreite an Möglichkeiten
sowie die Chance, auf verschiedenen
Feldern tätig zu sein.
Unabhängig davon, ob man eine Laufbahn
in Forschung und Entwicklung
oder im Marketing anstrebt, im Ingenieur-
oder im Finanzwesen – Henkel
hat in jedem Fall eine Menge zu bieten.
Was erwarten Sie von jungen Wissenschaftlern,
die bei Henkel anfangen
wollen? Welche Qualifikationen sollte
ein Hochschulabsolvent beim Start ins
Berufsleben Ihrer Meinung nach
bereits erworben haben und welche
Kenntnisse und Fertigkeiten kann
man im Berufsalltag erwerben?
Forschende Unternehmen brauchen
begabte und begeisterte Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler mit exzellenten
Fachkenntnissen und ersten
internationalen Erfahrungen. Darüber
hinaus halten wir bei Henkel viel von
Individualität und Teamfähigkeit und
suchen Persönlichkeiten, die bereit sind,
gemeinsame Ziele zu verfolgen.












