30.06.2009
Dr. Wolfgang Plischke: Der Biologe |
Wolfgang Plischke wurde 1951 in Stuttgart
geboren. Nach dem Abschluss seines
Biologiestudiums an der Universität
Hohenheim stieg er 1980 bei der
Bayer-Tochtergesellschaft Miles Diagnostics
ein. 1995 wurde er Geschäftsführer
der Bayer Yakuhin Ltd. in Japan
mit der Verantwortung für die
Geschäftsfelder Pharma und Consumer
Care. Im Jahr 2000 wurde Wolfgang
Plischke Leiter des Geschäftsbereichs
Pharma in Nordamerika und 2002
übernahm er die Leitung des
Geschäftsbereichs Pharma der Bayer
AG. In dieser Funktion verantwortete er
das weltweite Pharmageschäft mit verschreibungspflichtigen
Arzneimitteln.
Herr Dr. Plischke, Sie sind als Bayer-
Vorstandsmitglied unter anderem verantwortlich
für Innovation, Technologie
und Umwelt. Was genau ist Ihre
Aufgabe?
Bayer ist ein Erfinderunternehmen, das
stark auf Innovationen setzt. Ich kümmere
mich insbesondere darum, in den
genannten Bereichen die geeigneten
Rahmenbedingungen zu schaffen,
damit sich Bayer nachhaltig erfolgreich
entwickeln kann. Es geht beispielsweise
darum, welche Projekte wir
mit unserem Forschungs- und Entwicklungsbudget
in Höhe von 2,9 Milliarden
Euro vorantreiben. Oder um die
Frage, wie wir unser Netzwerk an
Kooperationen mit Universitäten und
Forschungsinstituten weiterentwickeln.
Darüber hinaus ist die Personalentwicklung
von Wissenschaftlern ein
zentrales Thema. Regional obliegt mir
im Vorstand von Bayer die Verantwortung
für die Wachstumsregion
Asien/Pazifik.
Hat Ihre heutige Aufgabe noch etwas
mit Ihrer ursprünglichen Ausbildung
zum Biologen zu tun?
Auf den ersten Blick mag dies nicht so
aussehen – bei genauer Betrachtung
hat eine naturwissenschaftliche Ausbildung
aber durchaus viele Vorteile:
Biologie als Wissenschaft ist in allen
Teilen von Bayer präsent – im Bereich
Pharma, im Pflanzenschutz oder der
Pflanzenbiotechnologie liegt das klar
auf der Hand. Aber selbst bei Materialien
aus nachwachsenden Rohstoffen,
biotechnologischen Industrieprozessen
oder Umweltaspekten kommt mir meine Ausbildung zugute. Und ein
naturwissenschaftliches Studium hat
noch einen weiteren Vorteil – es leitet
an, sehr analytisch zu denken, den Dingen
auf den Grund zu gehen und
Zusammenhänge infrage zu stellen.
Was sind die wichtigsten Eigenschaften,
die ein Manager braucht?
Exzellente Sachkenntnisse sind sicherlich
eine Voraussetzung, reichen alleine
aber nicht aus. Von unseren Führungskräften
verlangen wir ebenso ein
souveränes Führungsverhalten und
kommunikative Kompetenz wie auch
die Eigenschaft, zuhören zu können.
Wir brauchen auch „Querdenker“, die
Möglichkeiten in Betracht ziehen, die
auf den ersten Blick ungewöhnlich
erscheinen mögen. Bei unseren Spitzenkräften
spielt aber auch die Begeisterungsfähigkeit
eine große Rolle: Sich
selber und im Folgenden auch andere
von einer bahnbrechenden Technologie
oder einem neuen Forschungsprojekt
überzeugen zu können, ist gerade
in einem Unternehmen, das auf innovative
Ideen setzt, unabdingbar.
Was genau erwarten Sie von einem
Hochschulabsolventen, der bei Bayer
einsteigen und Karriere machen will?
Für uns sind fachliche Qualifikation,
Erfahrungen und individuelle Fähigkeiten
der einzelnen Bewerber ausschlaggebend.
Er oder sie muss auf die ausgeschriebene
Stelle und ins Team passen.
Wir erwarten daher neben guten
Uni- oder FH-Abschlüssen, dass die
jungen Nachwuchskräfte mit Blick auf
Einsatzbereich und Einsatzland flexibel sind, dass sie gerne in einem Team
arbeiten, Veränderungen als Chance
begreifen und sich beruflich und persönlich
weiterentwickeln wollen.
Wie bildet Bayer seine Nachwuchskräfte
fort?
Neben den klassischen und berufsspezifischen
Fortbildungsseminaren setzen
wir vor allem auf verschiedene
Instrumente der Personalentwicklung.
Dazu gehören das regelmäßige Feedback
und der Austausch mit dem Vorgesetzten
über die individuelle Performance
und die daraus resultierenden
Möglichkeiten zur Weiterentwicklung
von Kompetenzen und Fähigkeiten.
Hinzu kommen Assessment und Devel -
opment Center. Nach deren Abschluss
wird mit den Nachwuchskräften ein
Maßnahmenkatalog mit individuell
zugeschnittenen Entwicklungsmaßnahmen
erarbeitet. Coaching und Mentoring
tragen bei Bayer ebenfalls dazu
bei, die Mitarbeiter in ihrer beruflichen
Entwicklung zu fördern.
Trotz globaler Finanzkrise – viele
Unternehmen suchen immer noch gut
ausgebildete Fachkräfte. Gilt das auch
für Bayer?
Ja, denn wir setzen auf qualifizierte
Mitarbeiter in allen Bereichen. Wir werden
voraussichtlich im laufenden Jahr
in Deutschland 100 bis 150 Hochschulabsolventen
einstellen. Bevorzugte
Gebiete sind Natur- und Ingenieurwissenschaften,
Informatik und Wirtschaftswissenschaften.
Außerdem bieten
wir insgesamt etwa 500 Praktikumsplätze
an – davon etwa 100
Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten.
Hinzu kommen rund 20 Traineeplätze
in vier verschiedenen Programmen.
Darüber hinaus werden nach den
Sommerferien an unseren deutschen
Standorten etwa 800 Schulabgänger
eine Berufsausbildung aufnehmen.
Bayer veröffentlicht – wie viele Unternehmen
in Deutschland – jährlich
einen Nachhaltigkeitsbericht. Der letzte
ist für das Jahr 2008 und umfasst
112 Seiten. Können Sie drei zentrale
Aussagen daraus wiedergeben?
Sehr gerne. Erstens: Unsere Produkte
und Dienstleistungen liefern Lösungsbeiträge,
um den großen Herausforderungen
unserer Zeit zu begegnen: der
Ernährung, der wachsenden Weltbevölkerung,
der Gesundheitsversorgung
einer alternden Gesellschaft und dem
fortschreitenden Klimawandel. Zweitens:
Wir wollen nachhaltig erfolgreich
sein, indem wir langfristige Strategien
verfolgen – bei Produkten, die den
Bedürfnissen der Menschen gerecht
werden, in Bezug auf Investitionen in die
Zukunft und im Hinblick auf gesellschaftliche
Akzeptanz. Drittens: Ein Schwerpunkt
unserer Nachhaltigkeitsaktivitäten
ist der Klimaschutz und der Umgang mit
den Folgen des Klimawandels.
Und was genau tut Bayer speziell für
den Klimaschutz?
Als eines der ersten Unternehmen startete
Bayer Ende 2007 ein umfassendes
Klimaprogramm. Dafür stellen wir bis
2010 eine Milliarde Euro zur Verfügung.
Der Vermeidung von Kohlendioxidemissionen
dient beispielsweise das
„EcoCommercial Building“ – ein an die
verschiedenen Klimazonen anpassbares
Konzept für Null-Emissionsgebäude
von Unternehmen oder auch sozialen
Einrichtungen. Ein weiteres Leuchtturmprojekt
ist der „Bayer Climate
Check“, der umfassend das Kohlendioxid-
Einsparpotenzial in der industriellen
Produktion identifiziert. Unsere
Stressresistenzforschung hat darüber
hinaus zum Ziel, die Folgen des Klimawandels
abzumildern: Pflanzen sollen
gegen Hitze und Dürre widerstandsfähiger
gemacht und Ernten somit gesichert
werden.