04.04.2007
Thomas Künstner: Der Zielstrebige |
Thomas Künstner, 41 Jahre, ist
seit 2001 Partner der Unternehmensberatung
Booz Allen Hamilton
in Düsseldorf. Für die Abteilung
Media and Consumer
Practice berät er Top-Management
Teams in der Kommunikation-
und Medienindustrie in
strategischen und organisatorischen
Fragen. Seit April ist er
darüber hinaus „People Partner“
und damit zuständig für den
Bereich Human Resources im
deutschsprachigen Raum.
Warum sollten Absolventen in die Beratung gehen statt in ein
Wirtschaftsunternehmen?
Die Argumente, die mich damals bewogen haben, in die Consultingbranche
einzusteigen, haben sich gar nicht so sehr verändert: Die
Beratung ist heute wie damals ein hochattraktives Berufsfeld. Sie
ermöglicht einen steilen Karriereaufstieg. Man wird sehr schnell an
Themen herangeführt, die bei den Unternehmen eine große Wirkung
haben, und sieht, wie wichtige Entscheidungen vorangetrieben
werden. Früher als in anderen Funktionen arbeitet man direkt
auf der Entscheiderebene. Man kann Konzepte nicht nur entwickeln,
sondern sie auch umsetzen. Wer Spaß daran hat, im Team zusammen
mit anderen hochklassigen Leuten Dinge zu bewegen, wird in
der Beratung ein sehr interessantes Betätigungsfeld finden.
Was muss ein guter Berater können?
Wir bei Booz Allen Hamilton suchen Absolventen, die eine Kombination
aus hohen analytischen Fähigkeiten und einer sehr stark ausgeprägten
Sozialkompetenz mitbringen. Da wir ein internationales
Unternehmen sind, müssen die Bewerber auf alle Fälle zweisprachig
sein – Englisch ist ein Muss, weitere Sprachen sind gern gesehen.
Dazu erwarten wir Auslandserfahrung und damit verbunden die
Fähigkeit, sich ohne Probleme in anderen Kulturen zu bewegen.
Wichtig sind uns auch außeruniversitäre Aktivitäten, allen voran
Praktika. Kurz gesagt: Wir wollen Leute, die in ihrem bisherigen Werdegang
gezeigt haben, dass sie Dinge bewegen wollen und bewegen
können.
Warum suchen Consultingunternehmen eigentlich so viele High
Potentials?
Wir arbeiten für die besten Unternehmen an sehr komplexen Problemen.
Wenn wir diese Probleme gelöst bekommen wollen, brauchen
wir Mitarbeiter, die die oben genannten Voraussetzungen mitbringen
– die einfach die Besten sind. Beratung findet heute in der
Regel in gemischten Teams zusammen mit dem Kunden statt. Und
auch auf Kundenseite arbeiten High Potentials, deren Anforderungen
die Berater standhalten müssen.
Wie sieht der klassische Karriereweg eines Consultants aus?
Bei uns steigen Absolventen mit Bachelor als Consultants ein, mit
Diplom oder Masterabschluss als Senior Consultants. Die nächste
Stufe ist der Associate, der Teilprojekte leitet, während ein Senior
Associate Projekte in vollem Umfang verantwortet. Principals sind
Mitglieder der Geschäftsleitung. Und schließlich ist die höchste
Stufe die Partnerschaft, innerhalb derer es wiederum verschiedene
Ebenen gibt, bis hin zum Senior Partner.
Sie selbst sind schon mit 35 Jahren Partner geworden. Was sind
Ihre Tipps für eine steile Karriere?
Es ist sehr wichtig, sich auf Dinge zu fokussieren, für die man Leidenschaft
entwickeln kann. Man sollte versuchen, recht früh einen
Bereich zu finden, von dem man sich vorstellen kann, dort auch längerfristig
aktiv zu sein. Für eine steile Karriere sollte man darüber
hinaus auch einen gewissen Hang zur Perfektion mitbringen und
sich frühzeitig auf Ergebnisse konzentrieren. Wenn man dann noch
das richtige Umfeld findet, um seine Talente zum Einsatz zu bringen,
hat man die besten Voraussetzungen, schnell voranzukommen.
Was reizt Sie persönlich an der Consultingbranche?
Mit hochtalentierten, engagierten und leidenschaftlichen Menschen
an herausfordernden Projekten zu arbeiten. Ich verbringe
selbst nach 15 Jahren in der Beratung meine Zeit mit Fragestellungen
und Problemen, die in dieser Form meist noch nie angegangen
und gelöst worden sind. Ich halte es nach wie vor für ein sehr großes
Privileg, in diesem dynamischen Umfeld zu arbeiten.
Wie kamen Sie zu Ihrem Schwerpunkt Kommunikation und
Medien?
Zu Beginn ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde: Ich bin Anfang
der 90er Jahre in die Beratung eingestiegen, zu einer Zeit, als sich
die Telekommunikation auf die Liberalisierung vorbereit hat. Das
war zu dieser Zeit ein sehr aktives und auch spannendes Beratungsumfeld.
Außerdem hatte ich schon immer eine Affinität zu neuen
Technologien und ihre Wirkung auf den Konsumenten. Diese Kombination
hat mich letztlich in die Telekommunikation gebracht. An
den zweiten Schwerpunkt kam ich durch das verstärkte Zusammenwachsen
von Telekommunikation und Medien. Diese Kombination
hat mich schon damals fasziniert.
Sie sind unter anderem Autor zahlreicher Artikel und Publikationen.
Ist das ein fester Teil Ihres Beraterjobs?
In der Beratung geht es nicht nur darum, Projekte zu lösen, sondern
auch, Methoden und Konzepte, die wir aus unserer Arbeit gewinnen,
nutzbar zu machen. Wir bezeichnen das als „Intellectual Capital“.
Man muss ja nicht in jedem Projekt das Rad neu erfinden.
Darüber hinaus wollen wir bestimmte Themen der Öffentlichkeit
zur Diskussion geben und – aus Marketinggesichtspunkten – natürlich
als weltweit führende Strategie- und Technologieberatung
bestimmte Themenfelder besetzen. Nicht jeder Berater muss allerdings
Bücher schreiben – manche haben ihre Qualitäten in anderen
Bereichen.
Sie haben unter anderem in Birmingham studiert. Was bringt ein
Auslandsaufenthalt für die Karriere?
Primär ist ein Auslandsaufenthalt ein persönlicher Gewinn. Ich kann
jedem nur dringend ans Herz legen – gerade auch im Zeitalter der
Globalisierung – ins Ausland zu gehen. Ich habe mein Jahr in England
als sehr starke persönliche Bereicherung gesehen. In einer
anderen Kultur zu leben und seine eigene Kultur einmal aus einer
anderen Perspektive anzuschauen – das sind Erfahrungen, die
gerade in jungen Jahren sehr prägen. Diese persönliche Erfahrung
sollte die Hauptmotivation für einen Auslandsaufenthalt sein. Dann
strahlt sie automatisch auch auf das Karriereprofil aus.
Könnten Sie sich ausmalen, in einem ganz anderen Job, fernab
von der Beratung, zu arbeiten?
Ich könnte mir eine ganze Reihe von Berufen vorstellen, angefangen
von angrenzenden Bereichen wie Investment Banking oder Private
Equity, aber auch eine Karriere in der Industrie kann sicherlich reizvoll
sein. Entscheidend ist für mich ein dynamisches Arbeitsfeld, das
viel Bewegung und Veränderung mit sich bringt. Und auch die Personen,
mit denen ich zusammenarbeite, müssen diese Dynamik in
sich tragen.