17.09.2007
Terry von Bibra: Der Sprachexperte |
Terry von Bibra, 42 Jahre, ist gebürtiger
Amerikaner mit deutschen Wurzeln. Er
studierte Germanistik an der University
of California in Santa Barbara und
danach Werbe-Fotografie am Art Center
College of Design in Pasadena, USA.
Nach siebenjähriger erfolgreicher
Selbstständigkeit als Werbefotograf
entschied er sich bewusst für einen
anderen Berufsweg.
Sie haben zunächst Germanistik,
anschließend Werbefotografie studiert –
welches Berufsziel hatten Sie vor Augen,
als Sie mit dem Studium anfingen?
Bei meinem ersten Studium der Germanistik
in den USA hatte ich noch
keine feste Vorstellung von meinem
späteren Beruf. In den USA legt man
sich klassischerweise vor dem Studium
noch nicht auf einen Beruf fest, sondern
studiert das,was einen interessiert.
Mein Interesse war breit gefächert,
daher habe ich ein Studium
gewählt, das einen praktischen Zusatznutzen
beinhaltet: Ich habe Deutsch
gelernt. Mein zweites Studium war
dann sehr auf den zukünftigen Beruf
ausgerichtet, ich wollte professioneller
Werbefotograf werden.
Wie kamen Sie nach sieben Jahren
erfolgreicher Selbstständigkeit als
Werbefotograf zur IT?
Als Werbefotograf konnte ich nicht so
kreativ arbeiten, wie ich es mir vorgestellt
hatte, da ich nur die Vorgaben
der Agenturen umsetzen musste. Das
bedeutet, ich befand mich am Ende der
Wertschöpfungskette. Ich wollte aber
höher in die Wertschöpfungskette –
ins Marketing. So habe ich mich
bewusst für einen Berufswechsel entschieden
und zusätzlich ein Master-of-
Business-Administration-/Master-of-
Business-Informatik-Studium absolviert.
Durch dieses Zusatzstudium bin
ich zwar kein richtiger Informatiker
geworden, habe aber umfassende Einblicke
in den IT-Bereich bekommen.
Zudem bekam ich die Möglichkeit,
meinen ersten Kontakt zum IT-Unternehmen
Amazon zu knüpfen.
Sie kommen ursprünglich aus dem
kreativen Bereich – wie technikaffin
sind Sie?
Durch meine mittlerweile lange praktische
Erfahrung bin ich sehr technikaffin,
ich liebe die Technik. Ich muss aber
nicht bis in alle Einzelheiten verstehen,
wie die Technik funktioniert. Mich interessiert,
wie die Technik mir hilft, das zu
erreichen, was ich will. Ich bin begeistert,
wenn ein IT-Ingenieur etwas
schafft, das mich als User unterstützt
und mir hilft. Im Unternehmen bin ich
der oberste Prüfer,was die Usability
angeht. Ich schaue mit den Augen des
Users auf unsere Produkte, nicht mit
denen des Software-Ingenieurs.
Ist das ein Vorteil, den Quereinsteiger
wie Sie in ein IT-Unternehmen mitbringen?
Quereinsteiger sind generell offener für
den Usability-Aspekt und haben grundsätzlich
mehr Verständnis für die „Nicht-
Experten“, da sie selbst nicht unbedingt
Experten sind. Und Quereinsteiger bringen
frischen Wind und frische Ideen mit.
Es ist immer ein Vorteil, wenn man eine
andere Perspektive einnehmen kann.
Heute sind Sie Geschäftsführer von
Yahoo Deutschland – welche Aufgaben
nehmen Sie wahr?
Ich bin verantwortlich für drei Bereiche:
Zum einen muss ich rechtliche Pflichten
und Verantwortungen wahrnehmen
und gewährleisten. Zum zweiten
habe ich die wirtschaftliche Verantwortung,
Umsatzziele zu erreichen. Hierzu
gehören auch strategische Überlegungen,
wie Yahoo sich für die Zukunft aufstellen
soll, um noch größeren wirtschaftlichen
Erfolg zu erzielen. Der dritte
Bereich ist die menschliche Verantwortung.
Ich muss die Menschen in
meinem Unternehmen in die Lage versetzen,
Erfolg zu haben. Die letzte ist
für mich persönlich die angenehmste
und wichtigste Verantwortung.
Wie definieren Sie Erfolg?
Erfolg ist, wenn ich mir etwas vornehme
und mein Ziel auch erreiche. Wenn
ich mir nichts vornehme, kann ich auch
keinen Erfolg haben.
Was raten Sie Hochschulabsolventen
bei ihrer Karriereplanung?
Hochschulabsolventen sollten überlegen,
wo sie ihren ersten Job finden und
wo sie sich einsetzen wollen. Dabei
sollten sie nicht davon ausgehen, dass
sie zehn Jahre oder länger bei dem ersten
Unternehmen bleiben. Das ist
heute nicht mehr die Realität. Deshalb
sollte sich jeder Absolvent Ziele setzen,
sich einen für ihn spannenden Sektor
aussuchen, aber er sollte sich im Klaren
darüber sein, dass er sich nicht fürs
Leben festlegt und nach fünf Jahren
wohl nicht mehr in dem gleichen Job,
bei dem gleichen Unternehmen sein
wird.
Deshalb ist auch die persönliche Entwicklungsmöglichkeit
im ersten Job
wichtiger als der Sektor, die Branche, in
der der erste Job angestrebt wird. Der
erste Job bietet mit Sicherheit jede
Menge Karrierechancen, aber das tut
jeder weitere auch. Man sollte sich also
nur darauf festlegen, was man als Einstieg
machen möchte, und dann sollte
man sich Ziele setzen. Dabei sollte man
aber immer offen für das Neue bleiben.
Welche Qualifikationen muss ein Informatiker
mitbringen, wenn er Karriere
machen will?
Informatiker dürfen nicht im Elfenbeinturm
sitzen. Sie müssen – ich nenne es
mal – die geforderten Sprachen sprechen.
Sowohl die des Entwicklers als
auch die des Users und die des Marketings.
Ansonsten können sie weder im
Team funktionieren, noch können sie
die Nutzerbedürfnisse erkennen. Informatiker,
die ihre Sprache beherrschen
wie ein Instrument und das dann auf
die Bedürfnisse des Marktes umsetzen
können, werden weit über ihre Kollegen
herausragen. Sie werden nicht
mehr selbst entwickeln, sondern Entwicklungsteams
leiten und Entwicklungen
der Zukunft mitverantworten
und vorantreiben. Jemand, der diese
Fähigkeit hat, die Sprachen der anderen
zu verstehen und für sein Team zu
übersetzen, wird in Zukunft sehr
gefragt sein, da er zwei Welten zusammenbringt.
Warum sollten sich Informatiker bei
Yahoo bewerben?
Erstens: Wir sind eines der führenden
IT-Unternehmen der Welt, das das
Internet, so wie wir es heute kennen,
von Anfang an mitgestaltet hat und
natürlich auch kontinuierlich in das
Internet der Zukunft investiert. Zweitens:
Yahoo formiert sich gerade strategisch
um und braucht viele Software-Ingenieure. Drittens: Bei uns finden
Informatiker spannende Herausforderungen:
Sie können die Zukunft mitgestalten.
Sie arbeiten von früh bis spät – wie
entspannen Sie sich?
Ja, ab und zu entspanne ich mich sogar
(lacht). In letzter Zeit spiele ich sehr viel
Golf mit meinem 14-jährigen Sohn. Das
macht mir Riesen-Spaß. Jetzt im Winter
wird es mir fehlen. Ansonsten entspanne
ich am Wochenende mit meiner
Familie oder ich fahre Mountainbike an
der Isar. Ich gehe am Wochenende sehr
gerne spazieren, weg von den ganzen
E-Mails, das macht den Kopf frei.