Top-Manager
02.05.2008
René R. Obermann: Der junge Dynamische |
Seit 2002 gehört der 45-jährige Manager zum Vorstand der Deutschen Telekom, seit 2006 ist er dessen Vorsitzender. René Obermann spricht im karriereführer darüber, warum auch ein Manager nie ausgelernt hat und was man für eine erfolgreiche Karriere alles wissen muss. Die Fragen stellte Christiane Martin.
Zur Person René R. Obermann
René R. Obermann wurde am
5. März 1963 in Düsseldorf geboren.
Nach seinem Abitur in Krefeld
1982 wurde Obermann von 1984
bis 1986 bei BMW in München
zum Industriekaufmann ausgebildet.
Danach gründete er 1986 ein
eigenes Handelsunternehmen:
die ABC Telekom mit Sitz in Münster.
Die daraus entstandene Hutchison
Mobilfunk GmbH führte
Obermann von 1991 an als
Geschäftsführender Gesellschafter,
von 1994 bis 1998 war er Vorsitzender
der Geschäftsführung.
Nach dem Verkauf seiner Anteile an Hutchison Mobilfunk wechselte Obermann 1998 als Geschäftsführer Vertrieb zur T-Mobile Deutschland GmbH. Im April 2000 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung. International übernahm er ein Jahr später als Vorstand European Operations and Group Synergies weitere Verantwortung für das europäische Geschäft der T-Mobile International AG & Co. KG.
Von 2002 bis Dezember 2006 war Obermann sowohl Vorstandsvorsitzender der T-Mobile International als auch Vorstand für den Bereich Mobilfunk im Konzern. Seit November 2006 ist er Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG.
Herr Obermann, haben Sie ausgelernt?
Ich habe zwar bei BMW eine sehr gute Ausbildung machen dürfen
und mehr als 20 Jahre Berufserfahrung gesammelt, aber ausgelernt
habe ich noch lange nicht …
Welche Rolle spielen Ausbildung und Weiterbildung bei der
Deutschen Telekom?
Aus- und Weiterbildung spielen bei uns eine entscheidende Rolle.
Wir sind Deutschlands größter Ausbildungsbetrieb mit fast 12.000
Auszubildenden. Unser Unternehmen ist Vorreiter einer modernen
Ausbildung und damit in Deutschland führend. Der Konzern bietet
qualitativ hochwertige und am Markt sehr gut angesehene Ausbildung
an. Darüber hinaus ist Weiterbildung eines der Kernelemente
unserer Servicestrategie. Ein aktuelles Beispiel aus der Praxis: Unsere
Führungskräfte durchlaufen bei uns eine Service-Akademie, wo
sie über zwei Wochen, verteilt auf einen längeren Zeitraum,
Service-Know-how in Theorie und Praxis vermittelt bekommen.
Welche fachlichen und persönlichen Qualifikationen sollte ein
Hochschulabsolvent beim Start ins Berufsleben Ihrer Meinung
nach bereits erworben haben?
Natürlich ist die entsprechende fachliche Qualifikation die Grundvoraussetzung.
Den entscheidenden Unterschied macht aber für uns
die Persönlichkeit des Bewerbers aus. Qualitäten sind für uns Engagement,
Unternehmergeist, Pioniertum sowie Kunden- und Serviceorientierung.
Erste Praxiserfahrungen während des Studiums sind
uns wichtig. Als internationaler Konzern sind auch Auslandspraktika
und Auslandssemester mit entsprechenden Sprachkenntnissen für
uns sehr interessant.
Und welche Kenntnisse und Fertigkeiten kann man sich typischerweise
im Berufsalltag erwerben?
Neben dem Erwerb des fachlichen Know-hows gilt je nach Aufgabenfeld:
Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, mit Widerständen
umzugehen, Analysefähigkeit, Verantwortung übernehmen
und Dinge zu Ende zu führen.
Welche Einstiegschancen bietet die Telekom für Hochschulabsolventen?
Als internationaler Konzern bieten wir Einstiegsmöglichkeiten für
Trainees oder Direkteinsteiger, aber auch für Bewerber mit Bachelor- und
Master-Abschlüssen. Und im Unterschied zu vielen anderen
Unternehmen sind bei uns auch Fach- und Führungskarrieren für
Hochschulabsolventen möglich. Allein in diesem Jahr werden wir
rund 100 Nachwuchskräfte einstellen. Übrigens haben wir unser
akademisches Nachwuchsprogramm neu aufgelegt: Mit 15 Monaten
Dauer, einer leistungsorientierten Bezahlung und einem Einsatz von
jeweils drei Monaten in unterschiedlichen Bereichen bieten wir
einen variantenreichen Start ins Berufsleben.
In welchen Bereichen werden bei der Telekom verstärkt hoch qualifizierte
Mitarbeiter gesucht?
Wir erleben aufgrund der Veränderungen am Markt und in der Branche
einen Skill Shift, der uns wegführt vom technikzentrierten hin zu
einem technologiegestützten Serviceunternehmen. Daher suchen
wir auch verstärkt Fachkräfte beziehungsweise akademische Nachwuchskräfte
in den sogenannten MINT-Bereichen: Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Die Deutsche Telekom arbeitet eng auch mit Wissenschaftlern
zusammen, zum Beispiel in den 2005 gegründeten Deutsche Telekom
Laboratories. Woran wird hier aktuell geforscht und welche
Rolle spielt das für die Telekom?
Mit der Eröffnung der T-Labs hat die Deutsche Telekom ihre Forschungsaktivitäten
neu fokussiert. Durch ihre spezielle Organisation
als Bestandteil des Konzerns – angegliedert an den Zentralbereich
Produkt und Innovation – und als „An-Institut“ der TU Berlin vereinen
die T-Labs das „Beste aus den beiden Welten“: Industrie und
Wissenschaft. Sie bilden somit eine wichtige Schnittstelle zwischen
Wissenschaft und Konzern. Insgesamt forschen heute 150 Experten
in interdisziplinären Teams an unterschiedlichen Themen. Die Labs
beschäftigen Mitarbeiter der Deutschen Telekom und zahlreiche
Angestellte der TU Berlin. Im Rahmen der Kooperation mit der
Deutschen Telekom sind insgesamt vier Stiftungsprofessuren vorgesehen,
von denen bereits zwei im Bereich „Intelligente Netze und Management
verteilter Systeme“ sowie „Usability“ besetzt sind. Unsere Labs
kooperieren auch mit der Ben Gurion Universität in Israel, wo etwa
100 Mitarbeiter an Forschungsprojekten arbeiten. Aktuelle Schwerpunkte
liegen dabei zum Beispiel auf den Themen Internet-Fernsehen
oder der Steigerung der Sprachqualität bei Telefongesprächen
und -konferenzen. Ein Beispiel für eine tolle Entwicklung ist Virtual
City Guide: Mithilfe eines per Mobiltelefon aufgenommenen Fotos
wird es ermöglicht, Informationen über das fotografierte Objekt
abzurufen.
Welche Erfindung der letzten 100 Jahre hat für Sie die Welt revolutioniert?
Die Internettechnologie – weil sie die Grundlage für das vernetzte
Leben und Arbeiten heute bietet.
Und wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Was wird Ihrer
Meinung nach die größte Herausforderung für einen Konzern wie
die Deutsche Telekom sein?
Die notwendigen Reformen gegen alle Widerstände so voranzubringen,
dass wir dauerhaft wettbewerbsfähig sind, den bestangesehenen
Service bieten und innovative Angebote für das vernetzte Leben
und Arbeiten unserer Kunden machen.












