Top-Manager
26.10.2009
Ralf Blauth: Der Neue |
Ralf Blauth ist nicht nur Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor der Evonik Degussa. Seit 1. Juli 2009 ist er auch Personalvorstand und Arbeitsdirektor des Mutterkonzerns Evonik Industries. Ralf Blauth sprach mit dem karriereführer über seine Erfahrungen als Top-Manager. Die Fragen stellte Christiane Martin.
Zur Person Ralf Blauth
Ralf Blauth, 58 Jahre, begann nach
einer Ausbildung zum Industriekaufmann
bei der Hüls AG in Marl
seine berufliche Karriere 1971 im
technischen Einkauf des Unternehmens.
1981 wurde er in den
Betriebsrat berufen, dessen Vorsitz
er ein Jahr später übernahm.
Ralf Blauth gehört seit dem 1. März 2006 dem Vorstand von Bayer an. Er ist verantwortlich für Innovation, Technologie und Umwelt und betreut die Region Asien/Pazifik. Darüber hinaus ist er Vorstandsvorsitzender des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Ralf Blauth ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Herr Blauth, Sie haben im Sommer einen neuen Job angefangen. Wie
ist es bei Evonik?
Wenn Sie so wollen, habe ich bereits vor 40 Jahren erstmals meinen
Fuß in das Unternehmen gesetzt. Ich habe damals bei der ehemaligen
Hüls AG eine Ausbildung gemacht. Das Unternehmen hat dann später
mit der Degussa fusioniert und die wiederum ist inzwischen in Evonik
aufgegangen. Also, ich kenne das Unternehmen schon seit einiger Zeit.
Über meine neuen Aufgaben im Evonik-Vorstand freue ich mich. Um
Ihre Frage zu beantworten, wie es hier ist: Prima. Arbeit in einem globalen
Konzern mit starken Wurzeln in meiner Heimat, dem Ruhrgebiet,
macht Freude.
Greifen Sie auf Ihre Erfahrungen als Arbeitsdirektor bei Evonik Degussa
zurück?
Wie gesagt: Ich starte ja nicht bei Null. Ich kenne den Konzern, seine
Struktur, seine Mitarbeiter und Führungskräfte. Das ist mir mit Blick auf
die anstehenden Aufgaben von Nutzen. Denn es ist nicht viel Zeit, um
anzukommen. Wir bewegen uns in wirtschaftlich schwierigen Zeiten,
die auch an Evonik nicht spurlos vorübergehen. Sparen ist das Gebot
der Stunde und auch unsere Mitarbeiter tragen dazu maßgeblich
durch den Verzicht auf bestimmte Leistungen bei. Doch Verzicht ist
allemal besser als betriebsbedingte Kündigungen. Diese wollen wir
unbedingt vermeiden.
Was sind denn Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften, die
ein Manager braucht?
Grundausrüstung: Ein gesunder Menschenverstand und Offenheit.
Dazu Gestaltungskraft und gute Mitarbeiter an seiner Seite.
Und wie sieht das Rüstzeug für Hochschulabsolventen aus, wenn sie
Karriere machen wollen?
Wir erwarten von Absolventen solide Fachkenntnisse und soziale Kompetenz.
Oft wird die Frage gestellt: Welche Ausbildung bringt mir die
besten Chancen am Arbeitsmarkt? Die generalistische oder die spezialisierte
Ausbildung? Darauf gibt es keine abschließende Antwort. Es
kommt auf die jeweilige Einstiegstätigkeit an. Unabdingbar ist auch
die Fähigkeit, Wissen zu aktualisieren und im Dialog mit anderen zu
beschaffen. Das bedeutet im Umkehrschluss, auch die Fähigkeit zu
besitzen, Erfahrungen und Wissen weiterzugeben.
Wie wichtig sind Fremdsprachenkenntnisse?
In einer zunehmend globalisierten Welt sollten junge Akademiker
Fremdsprachenkenntnisse mitbringen und Offenheit für andere Kulturen.
Evonik ist ein international agierender Konzern. Bei uns gehört Englisch
zum sprachlichen Grundrüstzeug. Weit vorn im Wettbewerb um
die besten Arbeitsplätze ist auch derjenige, der beispielsweise während
Praktika schon erste Praxiserfahrung sammeln und Kontakt zu potenziellen
Arbeitgebern knüpfen konnte. Ich würde jedem Studenten empfehlen,
sich frühzeitig auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren.
Wir leben ja heute leider in wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten – wie
können angehende Akademiker trotzdem sichere Arbeitsplätze finden?
Sicher ist immer relativ. Der eine denkt in Zeithorizonten von zwei bis
drei Jahren, bis er weitere Erfahrungen machen möchte – sei es im Zuge
eines Wechsels innerhalb des Unternehmens, eines Auslandsaufenthaltes
oder auch durch den Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber. Der
andere möchte am liebsten bis zum Ruhestand in nur einem Unternehmen
bleiben. Letzteres wird es kaum noch geben. Deshalb sollte sich
jeder ein gewisses Maß an Flexibilität bewahren. Um dann einen „sicheren“
Arbeitsplatz zu finden, sollten sich Absolventen intensiv mit dem
potenziellen Arbeitgeber auseinandersetzen. Die wirtschaftliche Entwicklung
verfolgen und hinterfragen, die Integrität und den nachhaltigen
Umgang des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern näher betrachten.
Die Sicherheit eines Arbeitsplatzes hängt in hohem Maße von der
Qualität des Arbeitgebers und von der Leistung des Absolventen ab.
Viele Unternehmen verlangen von jungen Nachwuchskräften vor allem
Leistungsbereitschaft. Ist das eine Eigenschaft, die auch bei Evonik
wichtig ist, und was verstehen Sie darunter?
Ohne die Bereitschaft und den Ehrgeiz etwas leisten zu wollen, geht es
nicht. Sie müssen schon ein gewisses Maß an eigenem Antrieb mitbringen.
Denn Leistungsbereitschaft kann man nicht erzwingen. Natürlich
trägt ein positives Arbeitsumfeld zur Steigerung der Leistungsbereitschaft
bei. Man braucht aber auch weitere Fähigkeiten, um als Nachwuchskraft
einen guten Karrierestart hinzulegen. Ein Beispiel: Wenn Sie
leistungsbereit sind und in einem Team arbeiten sollen, aber keine
Kommunikationsfähigkeit besitzen, dann werden Sie aller Voraussicht
nach nicht ans Ziel kommen. Wichtig ist, dass Fähigkeiten wie beispielsweise
Kommunikations-, Kritik- und Teamfähigkeit, Selbstdisziplin, Fleiß
und Verantwortungsbereitschaft möglichst früh erlernt werden.
Und ist Ihrer Meinung nach auch Talent wichtig oder kann man alles
lernen, wenn man nur will?
Talent und Interesse an der Aufgabe sind unverzichtbar. Aber natürlich
kann man vieles bis zu einem gewissen Grad erlernen. Wichtig ist, die
eigenen Stärken zu kennen, daraus das Beste zu machen und gleichzeitig
an den eigenen Schwächen zu arbeiten. Diese Einstellung ist eine
solide Basis für eine erfolgreiche Karriere.
Wie bilden Sie bei Evonik Ihre Nachwuchskräfte fort?
Grundsätzlich fördern wir Lernen durch herausfordernde Aufgaben.
Eine Kernkompetenz unseres Konzerns ist die kontinuierliche Selbsterneuerung.
Abgeleitet bedeutet das für unsere Mitarbeiter: lebenslanges
Lernen. Dabei unterstützen wir sie mit einem großen Seminarangebot.
Wir bieten fachspezifische Seminare oder Kurse, die den
Schwerpunkt auf Soft Skills legen. Auch On-the-job-Maßnahmen
kommen zum Einsatz – wie beispielsweise Mentoring oder Projektarbeit.
Und was bieten Sie Leuten, die frisch von der Hochschule kommen?
Im Regelfall den Direkteinstieg. Junge Hochschulabsolventen können
sich häufig zunächst in Projekten einbringen, mit dem Ziel, sich im
Team in die neue Aufgabe einzufinden und dann auch möglichst früh
Verantwortung zu übernehmen. Für uns gehört „Freiraum geben“ zu
einem sehr wichtigen Prinzip. Aber wir erwarten auch, dass unsere
Mitarbeiter diesen Freiraum nutzen, um kreative Wege zu gehen. Es
gilt das Motto unserer Personalmarketingkampagne „Gesucht: Querdenker
und andere Talente“. Wir wollen damit nicht zuletzt die Begeisterung
für die eigene Aufgabe fördern: Die Identifikation mit der Aufgabe
und dem Unternehmen – das zusammen ergibt den nötigen Antrieb
und bringt Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen voran.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, würden Sie sich wünschen ...
… dass es uns weiterhin gelingt, fähige junge Talente für die Zukunftsgestaltung
des Konzerns zu finden; auch für die Zukunft Gesundheit,
Zufriedenheit und das erforderliche Quäntchen Glück im beruflichen
und privaten Leben und schließlich weitere freie Wünsche, weil es
immer noch viele Probleme auf dieser Welt gibt.
Evonik Industries
Evonik Industries ist ein Industriekonzern aus Deutschland mit den Geschäftsfeldern Chemie, Energie und Immobilien. Evonik ist eines der weltweit führenden Unternehmen in der Spezialchemie, Experte für Stromerzeugung aus Steinkohle und erneuerbaren Energien sowie eine der größten privaten Wohnungsgesellschaften in Deutschland. Evonik ist in mehr als 100 Ländern der Welt aktiv. Rund 41.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Jahr 2008 einen Umsatz von circa 15,9 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von rund 2,2 Milliarden Euro.Weitere Interviews mit prominenten Gesprächspartnern gibt es in unserer Rubrik Top-Manager!












