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14.12.2006
Oliver Nazet: Der Coach |
Oliver Nazet, 46 Jahre, wurde in Frankfurt
am Main geboren. Er studierte
Informatik an der Technischen Hochschule
Darmstadt.
Sie haben Ihre berufliche Karriere in
der Entwicklung gestartet. Warum
haben Sie sich später für die Beratung
entschieden?
Schon während des Studiums habe ich
Software für Kreditinstitute auf seinerzeit
moderner Client-Server-Technologie
unter anderem mit internationalen
Schnittstellen entwickelt. Diese frühzeitige
Erfahrung war prägend, denn ich
habe dabei verstanden, dass Technik
kein Selbstzweck ist, sondern Mittel zur
Unterstützung der Geschäftsziele eines
Unternehmens. Aus dieser Zeit habe ich
auch meine Affinität zu Banken und zur
Beratung mitgenommen. Businesslösungen
voranzubringen, in Verbindung
mit Informationstechnologie – das ist
damals zu meiner Mission geworden.
Etwa zehn Jahre nach Ihrem Start bei
Steria Mummert Consulting wurden
Sie Vorstandsmitglied. Was ist Ihr
Erfolgsgeheimnis?
Ein Karriereweg besteht immer aus
mehreren Facetten. Sicher ist die fachliche
Kompetenz eine Grundvoraussetzung
– gepaart mit analytischen und
strategischen Fähigkeiten. Doch was
einen Manager in meinen Augen ausmacht,
ist die Fähigkeit, Menschen zu
entwickeln, ihnen Perspektiven im
Unternehmen aufzuzeigen und Vertrauen
herzustellen. Ich vergleiche das gerne
mit einem Sport-Coach, auch er muss
seine Mannschaft voranbringen und sie
begeistern. Bei uns geht es darum,
Teams von einzelnen „Unternehmern“
auf Kurs zu bringen, damit sie ihre
Expertise und Kreativität auf ein
Gesamtziel ausrichten. Und besonders
wichtig: Ein Manager muss auch in der
Lage sein, Verantwortung zu übertragen.
Informatiker trifft man nicht so häufig
in Vorstandsetagen an. Woran liegt
das?
Nun, vielleicht unterstellt man Informatikern
eine eindimensionale Technikorientierung.
Aber im Ernst, die Ziele eines
Unternehmens orientieren sich am
Markt und müssen strategisch und
kaufmännisch entwickelt und gesteuert
werden. Man wählt für die Position im
Vorstand deshalb häufig Menschen aus,
die einen eher betriebswirtschaftlichen
oder generalistischen Background
haben. Hinzu kommt noch ein weiterer
Faktor: Die IT wird von vielen Unternehmen
nicht als „Business-Enabler“ und
„Value-Creator“ betrachtet, sondern als
Kostenfaktor – allenfalls noch als Mittel,
um Kosten in Unternehmen zu senken
beziehungsweise die Produktivität zu
erhöhen. Ich sehe das anders: Die Technologie
ist ein Treiber von Wachstum
und Veränderung, sie muss sich dieser
Herausforderung jedoch auch stellen.
Welche Aufgaben nehmen Sie als Chief
Operation Officer des Unternehmens
wahr?
Meine Aufgabe ist die Steuerung und
kaufmännische Verantwortung des
gesamten operativen Geschäfts. Dazu
zählen auch die Bündelung unserer Kompetenzen
und die Vernetzung unserer
Technologieleistung mit unserem branchenspezifischen
Portfolio. Denn nur
durch dieses integrierte Arbeiten schaffen
wir Mehrwert und befördern die Transformationsprozesse
unserer Kunden.
Wann passt ein IT-Absolvent perfekt in
Ihr Beratungsunternehmen?
Von den IT-Absolventen wünschen wir
uns ein generalistisches IT-Verständnis.
Sie müssen offen sein für unterschiedlichste
Technologien und sollten sich
nicht nur auf einzelne Produkte und
Plattformen konzentrieren. Sie müssen
neugierig sein und eine Affinität zum
Geschäft unserer Kunden haben. Denn
ihre Lösungen sollen genutzt werden,
das heißt die Geschäftsziele unserer
Kunden sicherstellen und befördern.
Die Persönlichkeit eines Absolventen
steht für uns im Vordergrund. Ein Kandidat
sollte selbstbewusst, offen und
kritikfähig sein. Er sollte sich als Dienstleister
für seine Kunden verstehen und
eigene Visionen entwickeln können.
Reisen sollte ihm Spaß machen, und
der Humor sollte auch in heißen Phasen
nicht verloren gehen.
Wie können sich IT-Absolventen am
besten auf den Einstieg in die IT-Beratung
vorbereiten?
Ich empfehle IT-Absolventen, bereits
während des Studiums praktische
Erfahrungen zu sammeln. Ein mehrmonatiges
Praktikum oder eine praxisbezogene
Diplomarbeit in einer Unternehmensberatung
bietet sich dafür
besonders an. Bei uns arbeiten Praktikanten
mit Teams an konkreten
Beratungsthemen und lernen so den
Berateralltag kennen.
Welche Branche bringt für die IT-Beratung
die größte Herausforderung mit
sich?
Für alle Branchen gilt gleichermaßen,
dass durch die Globalisierung und die
rasante technologische Entwicklung
Wertschöpfungsketten aufgebrochen
werden. Alle Industrien stecken in
Transformationsprozessen unterschiedlicher
Reifegrade. Die Informationstechnologie
muss so eingesetzt werden, dass diese
Transformationen erfolgreich
unterstützt werden. Das ist die
größte Herausforderung und zugleich
das Spannende an unserem Geschäft.
Wie wird sich die IT-Beratung künftig
entwickeln?
Bei der IT-Beratung geht es künftig
nicht darum, in die IT-Umgebung des
Kunden zum Beispiel ein isoliertes
CRM-Produkt zu integrieren. Es geht
darum, ganzheitliche Lösungen zu
entwickeln, die einen echten Mehrwert
schaffen. Deshalb reicht es nicht,
Technologieexperte zu sein, sondern
man muss auch ein Verständnis für
die Branchen mitbringen, die man
berät. Der Schlüssel liegt am Ende
darin, die unterschiedlichsten Disziplinen
zu vernetzen und auf diese Weise
völlig neue Ideen und Services zu entwickeln,
um die Position der Kunden
zu stärken.
Welche Entwicklung im IT-Sektor finden
Sie im Moment am spannendsten?
Spannend finde ich vor allem die
Geschwindigkeit, mit der sich die Technologie
entwickelt. Nehmen Sie zum
Beispiel das Internet. Es hat in wenigen
Jahren einen Reifegrad erreicht, der völlig
neue Geschäftsmodelle ermöglicht.
Interessant ist auch die Flexibilität der
Systeme. Wir sind heute in der Lage, die
unterschiedlichsten Komponenten und
Plattformen zu kombinieren, und können
so Prozessketten dynamisch und in
extrem kurzer Zeit ändern. Eine essentielle
Voraussetzung in unseren schnell
drehenden Märkten.
Womit tanken Sie nach der Arbeit auf?
Dazu brauche ich nicht viel: Meine
Familie, gute Freunde, ein gutes Essen
und ein schönes Glas Wein reichen, um
die Batterien zu laden. Und beim Sport
hole ich mir die nötige Power, die mich
durch den Arbeitstag begleitet.