Interview aus S-taff 2.2008
27.09.2008
Schwarzwald Hall of Fame: Norbert Haug
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Im Ländle geboren, in die Welt hinausgezogen – S-taff stellt Menschen aus der Region vor,
die über die Schwarzwälder Grenzen hinaus international erfolgreich sind.
Heute: Norbert Haug, 55, Motorsport-Chef von Mercedes-Benz
Zur Person Norbert Haug

Schwarzwälder Wurzeln: Norbert Haug, geboren am 24. November 1952 in
Engelsbrand-Grunbach im Schwarzwald. Haug startete seine Karriere als Trainee
bei einer Pforzheimer Tageszeitung. Seine Begeisterung für alles, was mit Rädern
und Motoren zu tun hatte (vor allem für Rennwagen), führte ihn zum Motor-Presse-
Verlag in Stuttgart.
Auszug in die Welt: Seit 1990 ist er bei Mercedes-Benz verantwortlich
für alle Motorsport-Aktivitäten. 1994 feierte Mercedes-Benz seine Rückkehr
in die Formel 1, ein Jahr später begann die Partnerschaft mit McLaren. 2007
nahm Mercedes-Benz bei der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft an seinem 300.
Rennen teil. Dadurch kennt Norbert Haug alle wichtigen Rennstrecken dieser Welt.
Herr Haug, welche Aufgaben hat
eigentlich ein Motorsport-Chef?
Meistens mache ich es mir in
meiner Hängematte im Büro gemütlich
und beobachte das geschäftige Treiben
rund um mich herum. Nur wenn
es zu umtriebig wird, greife ich ein.
Dann bleiben meist noch zirka 320
Tage im Jahr, die ich etwa zur Hälfte
im Büro und auf Reisen bei Rennen
verbringe.
Wie kommt man als Original-
Schwarzwälder zum Posten des Motorsport-
Chefs?
Original-Schwarzwälder werden
überall gebraucht.
Ist mit diesem Job ein Traum von
Ihnen in Erfüllung gegangen?
Und wie. Ich tue sehr gerne, was
ich tue.
Wie stellen Sie Ihr Team zusammen?
Wer gehört alles dazu?
Wir suchen die Besten und Fleißigsten
und ich glaube, die haben wir.
Haben auch Nachwuchskräfte
von den Hochschulen eine Chance, in
Ihrem Team zu arbeiten?
Unsere Personalabteilung pflegt
hier den besten Kontakt zu allen relevanten
Hochschulen.
Beim Motorsport kann ein kleiner
Fehler viel Geld oder sogar Leben
kosten. Wie hoch ist der Anspruch an
Ihre Mitarbeiter, perfekt zu sein?
Wer nicht allerhöchste Ansprüche
erfüllt und vor allem erfüllen will, ist im
Motorsport sicherlich fehl am Platz.
Wo sehen Sie Parallelen zwischen
den Aufgaben eines Motorsport-Teams
und den Aufgaben eines „Büro-Teams“?
Wichtig ist das Wollen – man
kann der Beste im Büro sein wollen und
man kann der Beste auf der Rennstre -
cke sein wollen. Wer nicht eigene, hohe
Ansprüche definiert, wird sich auch
nicht steigern.
Welche Rolle spielt Forschung &
Entwicklung auf Ihrem Gebiet?
Sie ist zentraler Punkt unseres
Sports: keine Siege ohne Technik und
technische Weiterentwicklung.
Arbeiten Sie auch mit anderen
Rennställen zusammen?
In der Regel sind wir Rivalen,
Kooperationen gibt es selten in diesem
Geschäft.
Der Umweltschutz spielt eine
immer wichtigere Rolle. Wie passt der
Motorsport dazu?
Er passt heute besser denn je.
Wenn am Sonntag 20 Formel 1-Autos
fahren, fahren weltweit über 20 Millionen
Pkw nicht, weil deren Besitzer
Fernseh schauen. Es wird also weniger
Auto gefahren, wenn Formel 1 läuft, als
wenn kein Rennen ist.
Eine Frage zum Schluss: Welchen
Zweck erfüllen eigentlich die
„Boxenluder“?
Das würde mich auch mal interessieren.
Weitere Interviews mit prominenten Gesprächspartnern gibt es in unserer Rubrik
Top-Manager!