Online
15.12.2005
Dr. Michael Büttner: Strategisch zum Erfolg |
Dr. Michael Büttner, 46 Jahre, studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität in
Wien, während seiner Promotion arbeitete er dort als Assistent. Nach seiner Promotion war er
bei der Creditanstalt-Bankverein in Wien und bei Degussa in Frankfurt als Vorstandsassistent
tätig und leitete dort die strategische Planung für den Geschäftsbereich Industrie- und Feinchemikalien.
Von 1990 bis 1992 hat er bei Roland Berger & Partner als Projektleiter den Bereich
der umsetzungsorientierten Strategieberatung mit aufgebaut. Danach war er bei Capgemini, damals
noch Gemini Consulting München, für große internationale Transformationsprojekte verantwortlich.
1997 baute er das Geschäft in Österreich für Gemini Consulting auf. Nach dem
Merger von Gemini Consulting, Capgemini und Ernst & Young übernahm er 2002 die Leitung der
Strategieberatung für Zentraleuropa. Der Österreicher ist verheiratet und hat drei Söhne.
Herr Dr. Büttner, was macht
ein Strategieberater bei Capgemini?
Er entwickelt im Team mit seinen
Kollegen und dem Kunden ein
Konzept und begleitet den Kunden
bei der Umsetzung, das heißt bei
den operativen Änderungen im
Unternehmen. Wichtig ist uns bei
jedem Projekt die partnerschaftliche
und enge Zusammenarbeit mit
dem Kunden – nur so kann die
Umsetzung eines Programms
funktionieren.
Sind Sie eher Berater oder Verkäufer?
Ich fühle mich als Berater. Im Berufsalltag
bin ich jedoch sehr stark
mit der Kundenakquisition beschäftigt. Im operativen Geschäft arbeite ich zu rund
40 Prozent.
Wo liegen Ihre Branchenschwerpunkte bei der
Strategieberatung?
Wir beraten vorwiegend private und öffentliche Unternehmen
aus dem Maschinen- und Anlagenbau –
auch ich komme aus diesem Bereich. Dazu kommen
Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie und Finanzdienstleister.
Im Markt gibt es die Tendenz, dass
Dienstleistungsunternehmen immer mehr Beratungsleistungen
nachfragen.
Beraten Sie Unternehmen speziell für die Expansion
in bestimmte Länder?
Wir begleiten Kunden beim Markteintritt in Osteuropa
und China. Sie verlagern ihre Produktion immer
weiter nach Osten, Dienstleistungen geben sie
nach Indien. So outsourcen unsere Kunden zum Beispiel
Controlling- und Programmierarbeiten. Sie bei
diesen Prozessen zu beraten, ist für mich eine völlig
neue Herausforderung.
Thema Neueinstellungen 2006: Wie viele neue
Strategieberater suchen Sie?
Wir wollen 45 Strategieberater einstellen, die wir händeringend
suchen. Im gesamten Beratungsbereich,
also der Managementberatung, suchen wir weitere
150 Berater, ebenfalls händeringend. Die Geschäfte
laufen gut. Aber wir wollen bei den Bewerbern keine
Abstriche machen, und die Industrie ist heute bei
hochqualifizierten Leuten für uns ein großer Konkurrent.
Aus welchen Fachrichtungen suchen Sie Absolventen
und Young Professionals?
Capgemini sucht vor allem Kaufleute und Wirtschaftsingenieure.
Bewerber mit Berufserfahrung sollten in
der Großindustrie gearbeitet haben, da Capgemini fast
ausschließlich große Unternehmen als Kunden hat.
Was müssen die künftigen Capgemini-Strategieberater
mitbringen?
Sie müssen eine Bandbreite an Kommunikationsstilen
beherrschen, das heißt zum Beispiel sowohl mit Vorständen als auch mit Mitarbeitern aus der Produktion
reden können. Sie müssen Team- und Begeisterungsfähigkeit
sowie ein gewisses Maß an Pragmatismus
mitbringen. Ganz wichtig ist Capgemini, dass
unsere Berater in entscheidenden Situationen gegenüber
unseren Kunden Zurückhaltung an den Tag legen.
In meinen Augen sind Bewerber heute weniger
ausdauernd und widerstandsfähig als früher. Auch
bei Umgangsformen sind junge Leute heute teilweise
nachlässiger. Eigenschaften und Verhaltensweisen,
an denen man bis Mitte 30 durchaus noch arbeiten
kann, was wir bei Capgemini unterstützen.
Haben sich die Anforderungen an den Berater in
den vergangenen Jahren geändert?
Das Wissen in der Industrie wird immer spezieller, so
dass es heute nicht mehr möglich ist, von Projekt zu
Projekt zu springen. Unsere Berater müssen am Puls
von Technologie-Entwicklungen bleiben.
Was bieten Sie den Bewerbern?
Im firmeneigenen Institut erhalten unsere „Neuen“
eine achtwöchige Ausbildung: vom Präsentations-,
über das Methoden- bis zum Marktanalysentraining.
Danach übernehmen sie sehr schnell Projekt- und
Führungsverantwortung. Jeder Berater lernt viel von
seinen Kollegen – über alle Hierarchien hinweg. Er
lernt viele Unternehmen intensiv kennen, da er bei
jedem Projekt vier bis fünf Tage pro Woche vor Ort beim Kunden ist, und er knüpft viele internationale
Kontakte, da er europaweit und auch in den USA oder
in China tätig ist.
Thema Work-Life-Balance und 5-4-3-Regelung:
Welche Kehrseiten hat die Beratertätigkeit?
Ein Berater arbeitet fünf Tage pro Woche, in der Regel
vier Tage beim Kunden und am Freitag in seinem
Büro. So empfehlen wir unseren Mitarbeitern,
an dem Ort zu leben, an dem ihr Büro ist. Sie verbringen
dann im günstigen Fall nur drei Nächte
nicht zu Hause. Das Tempo in der Beraterbranche
ist enorm hoch, man lernt dort schneller als in anderen
Branchen, und die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich.
Die Kehrseite ist, dass man sehr angestrengt ist und die Gefahr besteht, „sozial zu denaturieren“.
Mein Rezept lautet daher: investieren,
investieren, investieren. Das heißt Freundschaften
aktiv pflegen und bewusst Auszeiten mit Familie
und Freunden nehmen.
Wie sind Sie zu Capgemini gekommen?
Von 1990 bis 1992 habe ich bei Roland Berger & Partner
als Projektleiter den Bereich der umsetzungsorientierten
Strategieberatung mit aufgebaut. Ein Headhunter
hat mich auf Grund dieser Qualifikation zu
Capgemini, damals noch Gemini Consulting, geholt.
Dort war ich dann von Wien aus für die Bereiche Marketing
& Sales sowie Sanierungen verantwortlich und
habe große und internationale Strategieprogramme
in Europa und Afrika geleitet. Im Jahr 2001 – kurze
Zeit nach dem Merger von Gemini Consulting in die Cap Gemini Ernst & Young Consulting, 2004 umfirmiert
zu Capgemini – habe ich die Leitung der Strategieberatung
für Zentraleuropa übernommen.
Was hat Ihnen geholfen, Karriere zu machen?
Ich mache fachlich gute Dinge mit einer gewissen Gelassenheit,
also ohne verbissen zu kämpfen. Ich denke,
diese Kombination hilft mir, meinen Weg zu gehen.
Wie sehen Ihre weiteren beruflichen Ziele aus?
Ich habe Lust, auf Grund des Erfolges in der Strategieberatung
während der vergangenen vier Jahre
mehr Verantwortung innerhalb der Gruppe zu übernehmen.
Was mich dabei vor allem antreibt, ist, den
Typus von Berater zu finden, den wir für unser Geschäft
brauchen.
Sie sind nicht nur Doktor der Betriebswirtschaft,
sondern auch studierter Forstwirt und Sprengmeister.
Wie sind Sie zu diesen Ausbildungen gekommen?
An der Universität für Bodenkultur in Wien habe ich
nebenher studiert – aus Spaß und weil ich eine hohe
Affinität zum Wald habe. Das Sprengen, zum Beispiel
von Bäumen, hat mir auch große Freude gemacht. Etwas
Praktisches zu tun, war für mich der Antrieb.
Was ist Ihr persönliches Lebensmotto?
Nicht alles so tierisch ernst zu nehmen.