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25.03.2009
Dr. Matthias Jaletzke: Der Wegbereiter |
Matthias Jaletzke wurde 1960 in Ludwigshafen
am Rhein geboren. Er studierte an der
Universität Mannheim Rechtswissenschaften.
1983 machte er sein erstes Staatsexamen.
Seine Wahlstation während des Referendariats
absolvierte er bei Baker & McKenzie in
Frankfurt und Washington, wo er nach
dem zweiten Staatsexamen 1987 als
Associate einstieg und innerhalb von
nur sechs Jahren zum Partner aufstieg.
Herr Jaletzke, wenn es in der Wirtschaft
heiß hergeht, etwa bei Übernahmen,
spielen Top-Juristen wie Sie eine entscheidende
Rolle. Dennoch bleiben sie
meist im Hintergrund. Dürfen Anwälte
nicht eitel sein?
Anwälte sollten nicht eitel sein. Unsere
Mandanten sehen uns als Helfer,
bestimmte Situationen zu bewältigen,
damit sie ein definiertes Ziel erreichen.
Und da geht es um die Sache. Leute, die
sich aufspielen, aufplustern, kommen
nicht gut an. Mandanten wollen nicht
zum Schauspiel gehen, dann könnten
sie auch gleich ins Theater gehen. Sie
wollen, dass wir ein Ergebnis erzielen.
Sie wurden als „leading individual“
ausgezeichnet und vom JUVE Handbuch
nominiert als „leading lawyer“ –
sehen Sie sich als Vorbild für junge
Juristen und Hochschulabsolventen?
Sich selbst als Vorbild zu sehen, finde
ich fast ein wenig anmaßend. Gleichwohl
habe ich natürlich viel mit jungen
Kollegen zu tun, denen man zeigen
möchte, wie der Weg weitergehen kann.
Ich versuche, meinen Beruf so auszuüben,
dass sich die Jüngeren daran orientieren
können; im Hinblick auf Seriosität,
Ausdauer, Umgang mit den Mandanten,
juristische Tiefe, auch auf den
Umgang intern mit Kollegen und Mitarbeitern.
Da will man dann doch wieder
ein Vorbild sein. Aber am Ende muss
jeder seinen eigenen Stil entwickeln.
Was muss ein Hochschulabsolvent tun,
um als Jurist Karriere zu machen?
Ich glaube, man muss nicht als erstes
Spezialkenntnisse erwerben, sondern
sollte vor allen Dingen Offenheit besitzen,
Neugier, Interesse an neuen Entwicklungen.
Man sollte Spaß haben, an
dem, was man tut und man muss einige
klassische „Sekundärtugenden“ besitzen: Fleiß, Ausdauer, Zähigkeit. Die
Liebe zum Detail spielt auch eine große
Rolle. Wir haben sehr komplexe Vertragswerke
zu bewältigen, und da
muss man auch auf Seite 163 noch bei
der Sache sein. Das muss man mögen.
Und man muss mit einer Vielzahl von
Menschen zurechtkommen. Man ist
schließlich nicht alleine auf der Welt.
Man muss auch lernen, mit Rückschlägen
umzugehen. Manchmal denkt man
vielleicht: Oh Gott, das schaffe ich nicht.
Und dann muss man trotzdem dranbleiben.
Das ist viel wichtiger, als frühzeitig
profunde Börsenkenntnisse zu
haben.
Warum sind denn gute Noten in den
Examina nach wie vor so wichtig beim
Einstieg?
Wir machen immer wieder die Erfahrung,
dass Noten eine Aussagekraft
haben im Hinblick auf die Frage: Hat
jemand die Zähigkeit, die Ausdauer, die
Nachhaltigkeit, die Detailliebe, und
schafft er es, Komplexitäten zu bewältigen?
Wir haben bei unseren Mandaten
sehr komplexe Situationen zu bewältigen,
die einen intellektuell oft bis an
den Rand fordern. Die Noten haben in
dieser Hinsicht eine gewisse Signifikanz.
Natürlich gibt es Ausnahmen.
Deswegen schauen wir uns auch
immer wieder Kandidaten mit etwas
schwächeren Noten an.
Wie wichtig sollte die Karriere überhaupt
im Leben sein?
Das ist eine Frage, die jeder für sich
beantworten muss. Karriere kann ja
nur ein persönliches Ziel sein, und
dieses Ziel muss doch sein, mit seinem
Leben zufrieden zu sein. Das kann sein,
High Powered Executive zu sein, das
kann aber auch sein, in einer sozialen
Organisation zu arbeiten. Karriereerfolg
ist für mich, wenn jemand jeden
Tag zufrieden zur Arbeit geht und sich
sagen kann: So gefällt mir der Weg.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes
Bewerbungsgespräch?
Ja, sehr gut. Mein erstes richtiges
Bewerbungsgespräch fand 1984 bei
Baker & McKenzie statt. Ich war sehr
beeindruckt, von der Internationalität,
aber vor allem von den Persönlichkeiten,
die ich getroffen habe. Das waren
Menschen, die einen gewissen Stil, eine
Freundlichkeit, eine Gelassenheit besaßen
vor dem Hintergrund ihres persönlichen
Erfolgs. Ich erinnere mich deswegen
sehr genau daran, weil ich mit dem
Kollegen, der mich damals interviewt
hat und der bei Baker lange Jahre mein
Partner war, heute noch freundschaftlich
verbunden bin.
Skadden wurde 1948 in New York
gegründet. Wie macht sich die Herkunft
der Kanzlei im Arbeitsalltag
bemerkbar?
Eine Kanzlei hat tatsächlich ihren eigenen
Stil. Und der wird meist über die
Generationen hinweg weitergegeben.
Dafür müssen wir ins Jahr 1948 zurückgehen.
Unser erster Associate, Joe Flom
[Joseph H. Flom, einziger noch lebender
namengebender Partner, Anm. d. Red.],
der noch heute unser Partner ist, erzählt ab und zu von dieser Zeit. Die Kanzlei war damals sehr klein. Es gab in
New York schon etablierte, vornehme
Großkanzleien, die zum Teil heute noch
existieren. Unsere Gründer waren Newcomer, die nicht in etablierte, große
Organisationen wollten. Sie wollten
auch nicht unbedingt vornehm sein –
sie wollten vor allem interessante
Rechtsfälle bearbeiten.
Und das ist sich erlich etwas, was uns
heute noch prägt, eine gewisse informelle
Kollegialität.
Seit zehn Jahren ist Skadden bereits
die umsatzstärkste Kanzlei der USA
und drittstärkste Kanzlei der Welt und
alles aus eigener Kraft und ohne Übernahmen.
Setzt einen das unter Druck?
Das ist toll, oder?
Ja. Aber es könnte auch Druck ausüben.
Wir sehen unsere Position sicherlich als
eine Herausforderung, an führender
Stelle zu bleiben. Wir haben eine
Verantwortung für die Organisation,
auch für die nachfolgende Generation.
Wir haben hier Menschen, die Arbeitsplätze
haben; diese wollen wir erhalten
und ausbauen. Sehen wir das als
Druck? Na ja, erst einmal sehen wir das
als Spaß, denn wir üben den Beruf
gerne aus. „Positive Herausforderung“
trifft es besser. Objektiv betrachtet, ist
auch ein gewisser Druck vorhanden.
Wir sind schließlich Geschäftsleute.
Haben Sie noch einen Karriere-Tipp für
unsere Leserinnen und Leser?
Versuchen Sie, Ihre individuellen Möglichkeiten
auszuschöpfen und dahin zu
kommen, dass Sie nicht später denken:
Ich hätte etwas anderes machen sollen,
ich hätte mehr erreichen sollen. Das
heißt, man muss sich fragen: An welchem
Platz möchte man denn sein? Und
das sollte das persönliche Karriereziel
sein. Also: Finden Sie Ihren eigenen Weg
und gehen Sie den mit Selbstbewusstsein,
dann wird er auch erfolgreich sein.