01.10.2006
Manon Haccius: Die Ökologische |
Manon Haccius wurde 1959 geboren
und studierte Agrarwissenschaften an
den Universitäten Göttingen, TU Berlin,
Fort Collins (Colorado, USA) und Kiel. Nach ihrer Promotion 1986 arbeitete
sie zunächst für die Verbände des ökologischen
Landbaus, ab 1988 war sie
Geschäftsführerin der AGÖL (Arbeitsgemeinschaft
Ökologischer Landbau e.V.).
Im Rahmen der IFOAM EU-Gruppe
(International Federation of Organic
Agriculture Movements) machte sie
sich besonders stark für die Verordnung
über die Öko-Tierhaltung, und ab
1998 war sie für fünf Jahre Mitglied des
Beratenden Ausschusses Öko-Landbau
bei der Europäischen Kommission in
Brüssel.
Frau Dr. Haccius, Ihr Berufsweg ist nicht
unbedingt geradlinig verlaufen. Sie
haben Agrarwissenschaften studiert,
waren politisch tätig und sind jetzt in
einem Handelsunternehmen Mitglied
der Geschäftsleitung. Haben Sie sich
Ihre Karriere so vorgestellt?
Nein, zu Anfang meines Studiums
hatte ich gar kein konkretes Berufsziel
vor Augen. Ich wollte immer etwas mit
Tieren und Natur zu tun haben, das
wusste ich, und ökologischer Landbau
hat mich fasziniert. Doch damals gab
es praktisch niemanden im universitären
Bereich, der sich mit ökologischer
Tierzucht und -haltung beschäftigt
hat. Ich habe nach meiner Promotion
im Fach Tierzucht in einem Ökolandbau-
Verband eine Stelle bekommen.
Von da aus war der Weg in die politische
Arbeit nicht mehr weit. Vor gut
sechs Jahren war dann Schluss mit der
Verbandsarbeit, ich wollte wieder
näher an der Praxis und am „realen“
Leben sein. Also bewarb ich mich bei
Alnatura.
Formulieren Sie bitte die Firmenphilosophie
von Alnatura in zwei,
drei kurzen Sätzen.
Alnatura ist ein Naturkosthandelsunternehmen.
Der Gründer Götz Rehn hat
sich bewusst entschieden, nur Bioprodukte
anzubieten, und zwar im Einzelhandel,
weil hier die Möglichkeit
besteht, das Angebot und vor allem die
Art des Anbietens unmittelbar zu
gestalten, und weil er so direkten Kontakt
zu den Kunden hat. Beides ist ihm
sehr wichtig: Das eigene Handeln soll
sinnvoll sein und nachhaltig Sinn machen für Mensch und Natur. Daher
lautet das Motto, das Alnatura lebt:
Sinnvoll für Mensch und Erde. Das habe
ich mir gerne zu eigen gemacht.
Bioprodukte sind zurzeit der Trend.
Wird sich das weiter fortsetzen?
Bio ist in der Mitte der Gesellschaft
angekommen. Es gibt nur wenige Menschen
in Deutschland, die gar keine
Ökoprodukte kaufen. Bio ist Lifestyle, ist
modern. Man muss sich nicht mehr –
wie noch vor einigen Jahren – dafür
entschuldigen, wenn man Bioprodukte
konsumiert. Im Gegenteil, es gehört
zum Leben dazu und ist ein Trend, der
zunimmt. Zudem werden Bioprodukte
immer einfacher verfügbar und die
Vielfalt der Produkte ist mittlerweile
enorm. In meinen Augen ist es ein sehr
positiver Trend, der anhalten wird.
Und was halten Sie von der Gentechnik?
Die Antwort wird Sie nicht überraschen.
Ich finde es empörend, wie versucht
wird, technisch in unsere Naturgrundlage
einzugreifen und nicht mehr
reversible Veränderungen herbeizuführen.
Wir können nicht überschauen,
was wir damit auslösen, daher können
wir es auch nicht verantworten. Außerdem
ist Gentechnik nicht wirklich notwendig,
im Bereich Agrar und Ernährung
gibt es keinen vernünftigen
Grund für gentechnische Manipulationen.
Im medizinischen Feld allerdings
sehe ich es anders; da geht es darum,
einzelnen Menschen das Leben zu
erleichtern und Schmerzen und Leiden
zu lindern.
Als Naturwissenschaftlerin verantworten
Sie die Bereiche Personal, Qualität
und Recht bei Alnatura. Welche Zusatzqualifikationen
mussten Sie für Ihren
Job erwerben?
Das war alles „Training on the Job“.
Agrarwissenschaftler werden ja so
breit ausgebildet… Es gibt nichts, was
sie nicht können. (lacht) Nein, im
Ernst: Ich habe mich immer den Aufgaben
gestellt, die auf den Tisch
kamen, habe sie angenommen und
erledigt. Dabei war und ist es mir
wichtig, die Sicht auf das Entwickeln
einer Lösung zu konzentrieren, die
Lösung dann in die Tat umzusetzen
und anschließend Regelungen und
Verfahren zu finden, die effizient und
nachhaltig sind.
Alnatura ist ein Handelsunternehmen
für Bio-Produkte. Sind Ihre Mitarbeiter
hauptsächlich aus ökologischen Fachbereichen?
Bei Alnatura arbeiten Menschen aus
allen möglichen Fachgebieten: natürlich
Kaufleute, aber beispielsweise
auch Oekotrophologen, Geisteswissenschaftler,
Biologen oder Agrarwissenschaftler.
Uns ist es nicht so wichtig,
aus welcher Fachrichtung die Mitarbeiter
kommen, viel wichtiger ist
die Motivation, mit der sie ihren Job
bei uns angehen. Dabei wollen wir
keine Traumtänzer, die falsche Vorstellungen
von einem „Öko-Unternehmen“
haben. Für uns sind Grundwerte
wichtig, wie zügig, verlässlich und
sorgfältig zu arbeiten und offen für
Neues zu sein. Unsere Mitarbeiter
sollten dienstleistungsorientiert sein,
schließlich sind ja die Kunden unsere
eigentlichen Arbeitgeber. Natürlich
müssen auch die Ergebnisse der
Arbeit stimmen.
Welche Qualifikationen sollte ein
Berufsanfänger aus dem Bereich
Naturwissenschaften also mitbringen?
Auf jeden Fall sollte ein Berufsanfänger
eine abgeschlossene akademische
Ausbildung vorweisen können.
Das zeigt, dass er (oder sie) etwas zu
Ende bringt und dass er sich Beurteilungen
von außen stellt, die für uns
natürlich interessant sind. Darüber
hinaus freuen wir uns, wenn jemand
Praktika gemacht und damit bereits
einen Einblick in die Berufswelt
gewonnen hat. Aber auch hier gilt:
Noch wichtiger ist uns, dass jemand
wach, interessiert und beweglich ist.
Dass er schlüssig argumentieren
kann und dabei seine Umwelt im
Blick hat. Er muss bereit sein, sich in
den Gesamtzusammenhang einzuordnen
und die übernommene Aufgabe
mit Freude zu erledigen. Wir
wollen niemanden, der sich nur
selbstverwirklichen will.
Was raten Sie jungen Naturwissenschaftlern
auf dem Weg ins Berufsleben?
Jeder sollte sich fragen: Was will ich
wirklich tun? Der beste Rat, den mir ein
Freund der Familie früh gab,war: Mach
nicht schon einen Kompromiss bei der
Berufswahl. Das rate auch ich. Jeder
sollte sich überlegen: Was möchte ich
tun und in welche Richtung soll es
gehen? Möchte ich praktisch arbeiten?
Oder lieber im Labor? Möchte ich mit
Menschen zu tun haben? Oder lieber
mit Zahlen? Was macht mir wirklich
Freude? Denn das, was einem Freude
macht, macht man meistens auch gut.
Die Tätigkeit wird einem dann nicht
langweilig und man wird immer noch
besser darin.