06.11.2008
Dr. h.c. Ludwig Georg Braun: Der Professor |
Ludwig Georg Braun wurde 1943
in Kassel geboren. Hier absolvierte
er das Abitur und eine Lehre zum
Bankkaufmann. Es folgten praktische
betriebswirtschaftliche Studien
in Großbritannien und den
USA. Von 1968 bis 1971 arbeitete er
in der Nähe von Rio de Janeiro in
der Geschäftsleitung eines brasilianischen
Unternehmens mit 1600 Mitarbeitern, der
heutigen Tochtergesellschaft Laboratórios
B. Braun S.A. Hier baute er das
Exportgeschäft innerhalb Lateinamerikas auf.
Herr Professor Braun, was halten Sie von Querdenkern?
Querzudenken heißt, den Mut zu haben, auch einmal andere, neue
Wege zu gehen und das, was man tut, kontinuierlich zu hinterfragen
– auf der Suche nach besseren und vielleicht effizienteren
Lösungen. In diesem Sinne sind Querdenker bei B. Braun gerne gesehen,
weil sie im Team mit Kollegen zu guten Lösungen kommen.
Und sind Sie selbst einer? Die außergewöhnliche Architektur der
B.-Braun-Konzernzentrale lässt fast darauf schließen.
Die moderne Werkanlage von B. Braun im nordhessischen Melsungen
ist für mich Ausdruck der Verantwortung, die wir als Unternehmerfamilie
für die Region übernehmen. Die Architektur symbolisiert
die Unternehmenskultur auf besondere Weise: Hier wird zum Beispiel
deutlich, was wir mit Werten wie Innovation und Transparenz
meinen.
Und innen? Wie sieht es da aus? Gibt es im Unternehmen B. Braun
Projekte, bei denen „quergedacht“ wurde?
Wichtig ist mir, dass wir nicht nur in einer modernen „Hülle“ arbeiten,
sondern dass wir auch im Inneren moderne Arbeitskonzepte
praktizieren. Mit dem Bürokonzept 2010 lösen wir die Bindung des
Mitarbeiters an einen nur für ihn persönlich reservierten Schreibtisch.
Unser modernes Computernetzwerk ermöglicht es, jeden Tag
einen anderen Arbeitsplatz zu wählen. Dies hat einen intensiven
Austausch mit allen Teamkollegen zur Folge. Jeder erfährt sehr viel
über die Aufgaben der anderen, kann sich dadurch stärker einbringen
und sein Wissen vermehren. Auch das steht hinter unserem
Unternehmensclaim „Sharing Expertise“.
Ist Querdenken Ihrer Meinung nach eine Eigenschaft, die auch
Hochschulabsolventen mitbringen sollten, wenn sie bei B. Braun
einsteigen wollen?
Wenn man neu in ein Unternehmen einsteigt, geht es zunächst
darum, die Unternehmenskultur zu entdecken und ein Teil von ihr
zu werden. Wir wünschen uns selbstständige Mitarbeiter, die konstruktiv
an den gemeinsamen Zielen mitarbeiten. Querdenken im
Sinne eines kritischen Hinterfragens kann da nützlich sein.
Was müssen sie denn noch können?
B. Braun ist in über 50 Ländern der Erde tätig. Neben den fachlichen
Kenntnissen setzen wir da natürlich möglichst vielfältige Sprachkenntnisse
voraus und gerne auch Erfahrungen mit anderen Kulturen.
Die interkulturelle Kompetenz wird immer wichtiger, da das
Geschäft außerhalb Deutschlands beziehungsweise Europas stetig
an Bedeutung gewinnt. In allen Funktionen ist die Bereitschaft, im
Team zu arbeiten, unerlässlich. Der offene und regelmäßige Austausch
mit den Kollegen fördert kreative Lösungen. Und last but
not least: Die Arbeit bei B. Braun soll Spaß machen.
Spüren Sie den von vielen prognostizierten Fachkräftemangel in
Deutschland?
Ja, den spüren auch wir. Er spiegelt sich insbesondere in den technischen
Berufsbildern wider, bei den Industriemechanikern, Elektronikern,
Pharmakanten, Medizintechnikern und Ingenieuren. Noch
schwieriger ist es bei Fachkräften mit Berufserfahrung. Zum Teil
herrscht aber auch Mangel in Managementebenen bei kaufmännischen
und naturwissenschaftlichen Fachkräften sowie bei den technischen
Ausbildungsberufen.
Was tun Sie dagegen?
Wir bilden zunehmend selbst aus und investieren entsprechend in
die Ausbildung. Zurzeit planen wir den Bau einer neuen modernen
Ausbildungswerkstatt. Und wir werben mit dem, was B. Braun zu
einem sehr interessanten Arbeitgeber macht: mit unserer modernen
Arbeitswelt, mit den attraktiven Traineeprogrammen, den Karrieremöglichkeiten
und Entwicklungsperspektiven innerhalb unserer internationalen Organisation,
mit unserem breit gefächerten Weiterbildungsangebot und unseren Sozialleistungen.
Wir zeigen potenziellen Kandidaten unser umfassendes familienfreundliches
Programm „B. Braun for Family“, das es ihnen erleichtern soll, Karriere
und Familie unter einen Hut zu bringen. Und damit sich Studierende
vor Ort davon überzeugen können, laden wir sie ein, uns vor Ort kennenzulernen.
Auch Praktika und Diplomarbeiten ermöglichen einen ersten, wichtigen Kontakt.
Wer B. Braun kennenlernt, sieht schnell, dass die Werteorientierung, welche unsere
Unternehmenskultur kennzeichnet, das sozial-gesellschaftliche Engagement und die
Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern B. Braun zum attraktiven Arbeitgeber machen.
B. Braun plant in den nächsten drei Jahren 1,4 Milliarden Euro in die
Erweiterung der Produktion zu investieren. Welches ist dabei Ihrer
Meinung nach das innovativste Projekt?
Innovation ist einer der Kernwerte von B. Braun. Nur mit innovativen
Produkten werden wir weiterhin so erfolgreich sein wie bisher in
unserer 170-jährigen Geschichte. Es fällt mir schwer, den Innovationsgrad
der Projekte miteinander zu vergleichen. Ihnen allen ist
gemeinsam, dass wir unsere Fertigungen weiter modernisieren
durch neue Technologien, die in unserem eigenen Sondermaschinenbau
entwickelt wurden. Von Anfang an haben wir unsere Mitarbeiter
in diese Prozesse eingebunden und gemeinsam mit ihnen
Qualifizierungsprojekte entwickelt. Trotz aller Internationalität sind
wir übrigens stolz darauf, dass wir etwa die Hälfte des Betrags am
Standort Deutschland investieren.