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22.10.2008
Dr. Konstantin Mettenheimer: Der Brückenbauer |
Er verbindet bei seiner Tätigkeit deutsches mit internationalem Wirtschaftsrecht, Tradition mit Zukunft, aber vor allem Menschen miteinander. Der ständige Kontakt mit ihnen macht ihm bei seiner Arbeit den meisten Spaß. Deswegen legt er beim beruflichen Nachwuchs auch größten Wert auf ihre menschlichen Fähigkeiten. Mit dem karriereführer spricht er über Verantwortung, Erfolg und was damit einhergeht. Das Interview führte Meike Nachtwey.
Zur Person Dr. Konstantin Mettenheimer
Dr. Konstantin Mettenheimer wurde
1955 in Frankfurt am Main geboren.
Er studierte Rechtswissenschaften in
Deutschland und der Schweiz und promovierte
ebenfalls in den Rechtswissenschaften.
Er erwarb zudem einen
Master of Business Administration an
der Wharton School der University of
Pennsylvania.Bei Freshfields Bruckhaus Deringer ist er seit 1987 tätig. Bereits nach drei Jahren wurde er Partner. Von 2000 bis 2004 war er Geschäftsführender Partner für Deutschland, Österreich und Zentralosteuropa. Seit Mai 2004 ist er Co-Seniorpartner der Sozietät und der einzige Deutsche, der an der Weltspitze einer Law Firm dieser Größe steht. Seine Beratungsschwerpunkte sind Corporate Governance und Compliance.
Sie wurden kürzlich als „Brückenbauer
zwischen europäischer Rechtstradition
und einem sich weltweit fortbildenden
Wirtschaftsrecht“ bezeichnet. Wie
gefällt Ihnen diese Bezeichnung?
Gut! Ein Brückenbauer schafft Verbindungen
zu neuen Ufern und die Brücke
dazwischen. Die organisatorischen Aufgaben
und der ständige Kontakt mit
Menschen sind die Dinge, die mir an
meiner Aufgabe am besten gefallen.
Sehen Sie sich als Vorbild für junge
Juristen?
Ob ich ein Vorbild bin, weiß ich nicht,
aber ich bemühe mich. Mir selbst
macht es Spaß, Dinge erfolgreich zu
planen und umzusetzen, das versuche
ich vorzuleben. Jedoch sollte jeder
Mensch seinen eigenen Plan haben
und nicht bloß Vorbildern nacheifern.
Wie viele Stunden pro Woche muss ein
aufstrebender Anwalt bereit sein zu
arbeiten, damit er eines Tages auf eine
Karriere wie die Ihre blicken kann?
Unter 50 Stunden kommen Sie, wenn
Sie wirklich erfolgreich sein wollen,
nicht weg. Aber bei einem Anwalt geht
es nicht nur um die Stunden im Büro,
sondern auch darum, wie man sich in
der Wirtschaftswelt zurechtfindet. Es ist
wichtig, ein kluger juristischer Kopf zu
sein und ein unternehmerisches Element
zu haben. Sie müssen Kontakte zu
Menschen mögen und pflegen. Bei aller
Arbeit sollte aber eine vernünftige Work-
Life-Balance nicht vergessen werden.
Wie kann man sich auf die spätere
Tätigkeit in einer Law Firm wie
Freshfields vorbereiten?
Zunächst mal: engagiertes Studium
und gute Noten. Was Sie im Studium
leisten, um gute Noten zu bekommen,
ist das gleiche, was Sie später als
Anwalt leisten müssen, um einen guten
Mandanten zu bekommen.
Zweitens: Promotion, LL.M., Praktikum
im Ausland. Diese Qualifikationen sind
kein Muss, aber sie zeigen, aha, da will
jemand etwas aus sich machen.
Drittens: menschliche Qualitäten, Teamplayer
sein, mit Mandanten umgehen
können. Und nicht zuletzt benötigt man
auch einige wirtschaftliche Kenntnisse.
Arbeiten Sie als einer von zwei weltweiten
Seniorpartnern überhaupt noch
anwaltlich?
Ja, daran liegt mir viel. Etwa ein Drittel
meiner Tätigkeit ist anwaltlich. Dabei
bin ich in den Bereichen Corporate
Governance und Compliance sowie Risk
Management tätig. Vor allem treffe ich
viele Mandanten, um nachzuhören, ob
sie mit unserer Arbeit zufrieden sind.
Das ist vielleicht nicht mehr Jura im
engeren Sinn, aber dennoch Anwaltstätigkeit
und juristische Dienstleistung.
Das Wirtschaftsrecht wird immer internationaler.
Welche Rolle spielt dabei
noch das deutsche Jura-Studium?
Wenn man Anwalt sein will – egal wie
international – dann muss man erst
einmal ein nationales Recht erlernen.
Ansonsten hat man keine Basis und
keinen juristischen Denkansatz.
Danach kommt die spannende Frage:
Wie geht man damit um? Künftig werden
wir auch mit deutschen Juristen
vermehrt im Ausland tätig sein. Die
Nachfrage wächst. Ich rate jungen
Anwälten immer, Zeit im Ausland zu
verbringen. So lernen sie, in einer internationalen
Struktur zu agieren.
Würden Sie einem Hochschulabsolventen
raten, in eine Boutique einzusteigen
oder eher in eine Großkanzlei?
Das ist immer eine Frage der Zielrichtung.
Wenn ich nur in einem speziellen
deutschen Rechtsbereich mit deutschen
Mandanten praktizieren möchte,
dann ist es sinnvoll, in eine Boutique zu
gehen. Will ich aber erst einmal einen
Überblick bekommen und mich breit
aufstellen, ist der Einstieg in eine Großkanzlei
sinnvoller.
Was sind die Vorteile einer Großkanzlei
wie Freshfields?
Die spannenden Mandate, über die Sie
in der Zeitung lesen und bei denen
Rechtsgeschichte geschrieben wird, –
die bearbeiten Sie bei uns. Natürlich hat
man bei einer Kanzlei unserer Dimension
nicht gleich den Überblick. Aber
dafür bekommt man eine starke und
kollegiale Förderung – auch in Gebieten,
die das Studium nicht vermittelt.
Die Wurzeln der Kanzlei Freshfields
Bruckhaus Deringer gehen bis ins 18.
Jahrhundert. Welche Rolle spielt Tradition
heute noch?
Das spielt insofern eine Rolle, als dass
wir hier alle Treuhänder sind. Wir
haben eine Sozietät mit vielen hundert
Jahren Geschichte übernommen, und
jeder bei Freshfields ist dazu aufgerufen,
eine noch bessere Sozietät zu
schaffen und zu hinterlassen, als die,
bei der er angefangen hat. Sie sind
nicht nur Partner derer, die heute da
sind, Sie sind auch Partner derer, die vor
Ihnen da waren und die nach Ihnen
kommen.
Sie tragen eine große Verantwortung
in Ihrer Position – wie lernt man, damit
umzugehen?
Wenn man Glück hat, von seinen
Eltern. Man lernt es auch, indem man
sich bewusst macht, ob man in der Lage und
willens ist, sie zu tragen.
Zuhören ist außerdem wichtig. Und
über das Gehörte nachdenken. Das ist
wichtig für die Kommunikation und
hilft dabei, zu führen und Verantwortung
wahrzunehmen.
Trägt ein einflussreiches Unternehmen
wie Freshfields Verantwortung für die
Gesellschaft?
Unternehmerische gesellschaftliche
Verantwortung, Corporate Social Res -
ponsibility, ist für uns ein ganz wichtiges
Thema. Wir engagieren uns sehr
vielfältig, auch außerhalb der Kanzlei.
Es ist vielleicht nur ein Tropfen auf
dem heißen Stein, aber immerhin ein
Beitrag.
Freshfields wurde erst neulich von PLC
Which Lawyer als Kanzlei des Jahres in
Westeuropa und Internationale Kanzlei
des Jahres ausgezeichnet. Macht Sie
das stolz?
Ja, das macht mich sehr stolz. Das ist
eine Anerkennung für harte Arbeit
und die Zufriedenheit der Mandanten.
Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Es ist also auch eine Aufforderung,
sich weiter zu engagieren und sich
nicht auf den Lorbeeren auszuruhen.
Meine größte berufliche Herausforderung
ist, dass ich die Sozietät ganz
oben auf dem internationalen Treppchen
sehen möchte.
Haben Sie einen Karriere-Tipp für
Hochschulabsolventen?
Für besonders wichtig halte ich drei
Eigenschaften: erstens Einsatz und
Ehrgeiz, zweitens Menschlichkeit und
drittens das nötige Selbstbewusstsein,
gepaart mit einer angemessenen
Bescheidenheit.
Freshfields Bruckhaus Deringer
Freshfields Bruckhaus Deringer besteht in ihrer heutigen Form seit 2000, als sich die britische Anwaltssozietät Freshfields mit der deutschen Kanzlei Deringer und der deutsch-österreichischen Sozietät Bruckhaus zusammenschloss. In 15 Ländern vertreten verfügt Freshfields über 26 Büros weltweit. Mehr als 2500 Anwälte und über 400 Partner sind bei dem Unternehmen tätig. Allein in der Bundesrepublik ist Freshfields Bruckhaus Deringer an sechs Standorten mit 600 Anwälten vertreten.Die Schwerpunkte der Kanzlei liegen in der Beratung nationaler und multinationaler Unternehmen, Finanzinstitute und Institutionen. Zu den deutschen Kunden zählen Porsche, Deutsche Bahn, E.on, Deutsche Telekom, Continental und mehrere Landesbanken.












